Unterstützung für Eltern - Neukölln setzt Team des Jugendamts gegen Schul-Distanz ein

Schüler_innen auf dem Schulhof (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Bild: dpa/Christoph Soeder

Der Berliner Stadtteil Neukölln verstärkt seine Bemühungen gegen die sogenannte Schul-Distanz. Ein Team des Jugendamts soll künftig Familien bereits frühzeitig unterstützen, um den Schulbesuch ihrer Kinder sicherzustellen. Das meldete das Bezirksamt Neukölln am Donnerstag. Das berlinweit einzigartige Projekt starte zum neuen Schuljahr, hieß es.

Das Beratungsteam könne den Eltern auch ohne aufwändige Antragsstellung ein Angebot zur Unterstützung unterbreiten, meldete das Bezirksamt. So könne eine sozialpädagogische Beratung und Unterstützung innerhalb der Familie erfolgen. Möglich sei auch die Vermittlung in weitergehende Unterstützungsangebote. Das Jugendamt strebe eine enge Zusammenarbeit mit den Schulen und der Schulsozialarbeit an, hieß es weiter.

Schuldistanz ist Ausdruck eines Entwicklungsprozesses

Schul-Distanz bedeutet, dass sich Kinder und Jugendliche geistig, zeitlich oder räumlich von ihrer Schule distanzieren. Schul-Distanz ist ein schulformübergreifend auftretendes Phänomen und beschränkt sich nicht auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe - sie kann sehr vielfältige und individuelle Ursachen haben.

Meist sei die Schul-Distanz Ausdruck eines längeren Entwicklungsprozesses, heißt es in der Mitteilung des Bezirksamts Neukölln. Sie trete oft in Verbindung mit negativen Schulerfahrungen und einem missglückten Schulwechsel auf. Auch das soziale Umfeld spiele eine zentrale Rolle. Es bestehe eine enge Verflochtenheit von Problemen in der Familie und der Schule.

Kontaktaufnahme nach fünf Fehltagen

Mit dem neuen Schul-Distanz-Team gehe das Jugendamt jedes einzelne Probleme individuell an, sagte der Neuköllner Jugendstadtrat Falko Liecke. Schon bei der ersten Schulversäumnis-Anzeige nach fünf Fehltagen erfolge künftig die Kontaktaufnahme. "Bei Bedarf gibt es dann bis zu sechs Monate eine enge Begleitung", erklärte Liecke. "Ich gehe von 700 Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern aus, die infrage kommen", so der Jugendstadtrat.

Für das Schul-Distanz-Team und weitere Angebote im Sozialraum erhält der Bezirk Neukölln 600.000 Euro pro Jahr aus dem sogenannten Flexi-Budget vom Senat.

5 Kommentare

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  1. 5.

    Ja, sehr lustig, früher nannte man das „Schule schwänzen“. Der Quatsch wird immer quätscher :-)
    Aber das liegt wohl an der Erziehung. Die Kinder können einem nur Leid tun. Sie merken erst zu spät, das man sich von NIX auch NIX leisten kann und in der „Mühle“ ihrer Eltern - sprich Sozialleistungen - feststecken.

  2. 4.

    Faule und Schwänzer, die es sicher gibt, erreicht man nicht dadurch, dass 600.000€ ausgegeben werden, sondern ganz im Gegenteil dadurch, dass diese bzw. deren Eltern für die anfallenden Kosten + Ordnungsgeld dafür selber aufkommen.

    Wer darf denn soviel Geld ausgeben, ohne ein Ziel zu formulieren und deren Erreichung streng kontrolliert wird?

  3. 3.

    700 (offizielle) Schulschwänzer - das ist eine ganze Schule voll - werden durch die Neuköllner Schulen produziert? Was ist da los im deutschen Schulsystem?

  4. 2.

    Alter Wein in neuen Schläuchen - und dafür stolze 600.000 € Steuermittel ausgeben. Dabei lauten zwei Paradigmen der bundesdeutschen Kinder- und Jugendhilfe „Prävention statt Intervention“ und „Subjektorientierung statt Objektorientierung“
    Was bringt es, ein Kind jeden Morgen aufm Weg zur Schule zu begleiten, um dessen Schulbesuch zu sichern? In der Schule angekommen, lernt es dann hochmotiviert? Dieses Kind lernt neue Ausweichmanöver. Das eigentliche Übel, nämlich Versagungsangst und fehlende Struktur werden damit nicht behoben. Und die Katze beißt sich in den Schwanz. Das deutsche Bildungssystem mit allen seinen Akteuren ist zu reformieren. Die Zunahme der Schulschwänzerei durch Sozialarbeit beheben zu wollen, nützt gar nix. Solche Aktionen haben wir in den 1990-ern schon scheitern erlebt.

  5. 1.

    Ich danke dem rbb für den köstlichen Euphemismus für Schulschwänzerei. Schuldistanz hatten wir früher in den Ferien.

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