Schwerpunktkontrollen - Berliner Polizei: Radfahrer missachten vor allem rote Ampeln

Archivbild: Eine Radfahrerin fährt am 12.08.2015 in Berlin über die Strasse, wahrend im Vordergrund eine Radfahrerampel rot zeigt. (Quelle: dpa/Florian Schuh)
dpa/Florian Schuh
Audio: Radioeins | 27.07.2021 | Frank Schattling | Bild: dpa/Florian Schuh Download (mp3, 6 MB)

Eine Woche lang will die Berliner Polizei bei Radfahrenden besonders genau hinschauen. Am Montag hat die Aktion begonnen. Auf welche Verstöße die Beamten dabei bislang gestoßen sind, fasst der zuständige Fachstabsleiter im rbb zusammen.

Seit Montag kontrolliert die Berliner Polizei verstärkt Radfahrende in der Stadt durch – am häufigsten wurden dabei bisher Rotlichtverstöße festgestellt. Dieses Zwischenfazit zog Frank Schattling, Leiter des Fachstabs Verkehr bei der Berliner Polizei, am Dienstagmorgen im rbb-Programm Radioeins.

"Rotlicht als Empfehlung"

"Viele sehen in einer roten Ampel offenbar nur eine Empfehlung, auch an großen unübersichtlichen Kreuzungen", so Schattling. "Beispielsweise am Großen Stern, aber auch an anderen Kreuzungen, bei denen auch noch die Tram dazukommt, da sollten sich wirklich alle an die Regeln halten", betont der Verkehrsexperte. Zunächst würden die Betroffenen angesprochen, meist entwickle sich dabei "ein nettes Gespräch", die meisten seien einsichtig. In manchen Fällen werde aber auch ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Wird eine rote Ampel von Radfahrenden missachtet, droht laut aktuellem Bußgeldkatalog ein Punkt in Flensburg sowie ein Bußgeld von 60 Euro. Wird durch den Rotlichtverstoß der Verkehr gefährdet, erhöht sich das Bußgeld auf 100 Euro, bei Gefährdung mit Unfallfolge oder Sachbeschädigung auf 120 Euro. Leuchtete die Ampel beim Verstoß schon länger als eine Sekunde rot, dann steigen die jeweiligen Bußgelder auf 100, 160 und 180 Euro.

Technische Manipulationen an E-Bikes

Ein weiterer Schwerpunkt der Fahrradkontrollen sind die technische Ausstattung, wie Schattling auf Radioeins weiter erklärte. "Es geht um Bremsen, um die Beleuchtung, aber auch um mögliche Manipulationen bei E-Bikes und E-Scootern", so der Polizist. Immer wieder würden auch diese Fahrzeuge "frisiert": "Unsere Experten merken schnell, ob da irgendwas gemacht wurde, ob es ein extra Kabel gibt oder eine Schraube gelöst wurde, um an Platinen zu kommen", erklärt Schattling.

Grundsätzlich wolle man mit den Schwerpunktkontrollen den Kontrolldruck auf Radfahrer erhöhen, "auch weil eben bei vielen Radfahrenden die Selbstreflektion eine etwas andere ist als bei Autofahrenden." Im vergangenen Jahr seien 17 Radfahrende bei Unfällen in Berlin ums Leben gekommen, teilweise auch durch Eigenverschulden. "Wir versuchen, mit den Kontrollen, das Gemeinsame zu produzieren, das gegenseitige Verständnis", betont Schattling.

Bislang 18 Unfallopfer in diesem Jahr

Die Berliner Polizei will eine Woche lang intensiv auf Fahrräder im Straßenverkehr achten. Bei den Kontrollen soll auch die Fahrradstaffel der Polizei dabei sein.

Bei Unfällen auf Berlins Straßen sind in diesem Jahr bereits sechs Radfahrerinnen und Radfahrer, sieben Fußgänger sowie fünf Autoinsassen gestorben.

Sendung: Abendschau, 27. Juli 2021, 19:30 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 27.07.2021um 18:17 Uhr geschlossen

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131 Kommentare

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  1. 131.

    Einer der wenigen vernünftigen Beiträge hier - und imho der Beste - Danke.

  2. 130.

    Sorry aber selbst wenn wer wollte, könnte er bei der vollen Stadt auf der Straße kaum 70 fahren,eher 30 bis max 50. Und die Idioten die über den KuDamm oder die Ausfallstraßen Berlins rasen ,machen das Nachts und werden viel zu selten erwischt.
    Auf unseren Straßen sind weder nur Teufel noch Engel unterwegs, sondern Menschen, die endlich mehr Rücksicht aufeinander nehmen müssen. Ich bremse lieber einmal mehr als zu wenig und komme sicher ans Ziel. Ich halte beim Vorbeifahren auch Abstand von Radfahrern und frage mich dann,wieso sich die grad Überholten dann an der Ecke zwischen Bordstein und die wartende Autoschlange quetschen, sodass keiner mehr voneinander Abstand halten kann.
    Ich wünsche allen eine gute und sichere Fahrt bzw. Fußweg.

  3. 129.

    Dem etwas zu radfahrerfreundlichen Rbb Hetze zu unterstellen zeigt nur ihr recht verdrehtes Weltbild. Die Rücksichtslosigkeit und Bedrohungen vieler Radfahrer gegen uns Fußgänger zum Beispiel beim Einsteigen und in Straßenbahn und Bus ist inakzeptabel.

  4. 128.

    Klar, "tue Gutes und rede drüber", warum nicht? - Was machen Sie denn, um die hoffnungslos überlastete Rad-Infrastruktur zu entlasten? Lassen Sie mich raten: Auto fahren? Keine gute Idee finde ich. - Wenn ich ein KFZ lenke, fahre ich aus zwei Gründen nicht über rot: 1. Im KFZ sehe und höre ich die Umgebung erheblich schlechter. 2. Der Schaden für andere bei einer Kollision ist viel größer.

  5. 127.

    Genau diese Vorsichtsmaßnahmen habe ich meiner kleinen Nichte schon von 15 Jahren bei gemeinsamen Fahrradtouren erklärt und seitdem ist es im Straßenverkehr nicht besser geworden. Was Sie von den BVG- Haltestellen am Rathaus Spandau schildern,beobachte ich oft aus dem Auto und das setzt sich auf dem Brunsbütteler Damm fort. Ich kenne den Straßenverkehr als Auto- und Radfahrerin sowie als Fußgängerin. Und die Situationen zu Fuß erleben wur alle spätestens ,wenn wir das Rad oder Auto abgestellt haben. Selbst wenn man hier bei Rewe vom Einkauf kommt,muss man höllisch aufpassen. Der Bunsbütteler Damm hat eine Radweg pro Richtung und trotzdem fahren Radfahrer oft in der falschen Richtung und das mit Karacho. Völlig daneben.

  6. 126.

    Ist mir wurscht, ob Sie das nicht bestätigen können. Ändert nichts an der Tatsache, dass es so ist.

  7. 125.

    Die Kommentare sind so gewohnt wie erwartet. Und die Debatte reichlich traurig.
    Leider kann ich mir ADFC nicht leisten.
    Viele Bedingungen für "uns" Radfahrende sind ziemlich schlimm und unerträglich, viele Autofahrer und Fußgänger (m/w/d) scheinen nie auf einem Rad gesessen zu haben, sonst wüßten sie, weshalb manche Radler sich so verhalten, wie sie sich verhalten. Damit meine ich explizit NICHT rote Ampeln.
    Hinzu kommt einige Unkenntnis der Verkehrsregeln (bei allen Verkehrsteilnehmern). Wie oft ich aus dem Auto heraus angebrüllt werde, dass da doch ein Radweg sei, kann und mag ich nicht mehr zählen. Es gibt KEINE Pflicht auf den maroden Radwegen zu fahren, sich Rad und Bandscheiben zu ruinieren oder an hochstehenden Gulli- oder Steinkanten zu stürzen oder hinter Oma Kawuttke die kommenden Kilometer sich die Zeit zu vertreiben, weil man ja sonst auf den Bürgersteig ausweichen müsste beim Überholen, WENN es nicht ein entsprechendes Gebotsschild gibt (weißes Rad auf blauem Grund).

  8. 124.
    Antwort auf [Ray] vom 27.07.2021 um 16:15

    Welche Falschaussage?
    Wenn keine Antwort folgt dann nachdenken dazu: "auch weil eben bei vielen Radfahrenden die Selbstreflektion eine etwas andere ist als bei Autofahrenden."

  9. 123.
    Antwort auf [Ray] vom 27.07.2021 um 15:05

    krass und bedenklich wenn welche wie Sie meine entscheiden zu dürfen an welche regeln sie sich halten und welche nicht. Solche missen Vorbilder sind eben auch dran Schuld wenn wie letztens eine Mädchen von der U-Bahn mitgeschleift wurde weil es eben das fehlt verhalten einer weniger Erwachender nachmachte.

  10. 122.

    Das problem sind nun mal die Radfahrer da sie die stvo nicht einhalten. Selbst Fußgänger werden gefährdet durch Radfahrer. Teilweise sind die Räder nicht mal für die Straße zulässig. Autos haben TÜV, Räder nichts da muss man was ändern. Bußgelder müssen wehtun sonst ändert sich nichts

  11. 121.

    ""Unsere Experten merken schnell, ob da irgendwas gemacht wurde, ob es ein extra Kabel gibt oder eine Schraube gelöst wurde, um an Platinen zu kommen", erklärt Schattling."

    Und sowas ist Leiter des Fachstabs Verkehr bei der Berliner Polizei??? Wo lebt der Mann? Auf dem Mond?

    Die "Speedbox2" ist etwas größer als zwei Daumennagel und wird in D legal verkauft, auch wenn der Hersteller darauf hinweist, dass die Benutzung im Gültigkeitsbereich der StVO nicht zulässig ist.

    Der Einbau ist von außen nicht zu sehen und kann nur mit geeigneten Diagnosegerät nachgewiesen werden. Oder das Pedelec kommt mit 45 km/h angefahren, dann brauche ich aber keine "Experten", erst recht nicht solche, die nicht wissen wovon sie reden.

    Außerdem erlebe ich es in meinem Beruf immer wieder, dass Polizisten die gültigen Gesetze nicht kennen.

  12. 120.

    Die Bußgelder und Kontrollen sind viel zu wenig und zu niedrig. Nummernschilder, höhere Bußgelder und mehr Kontrollen wären eine Lösung.

  13. 119.

    au ja, bitte auch mal all die "aus Versehen" auf dem Kronprinzessinnenweg anzutreffende PKW zur Kasse bitten!
    Denen begegne ich da in hübscher Regelmäßigkeit.
    Ok, bei Rot ÜBER die Ampel geht echt nicht. Es sollte aber mal über einen grünen Pfeil für rechtsabbiegende Radler nachgedacht werden.
    Ansonsten gibt es Verkehrsregeln, die einfach fern der Realität sind, bzw. auch an der, ich sage mal "normalmenschlichen Logik" vorbeigehen, bzw. -radeln. Wer auf dem Rad sitzt, versucht in der Regel, "ökonomisch" zu fahren, weil da nämlich eigene Muskelkraft eingesetzt wird. Man fährt also nicht kilometerweite Umwege, bzw um den Pudding, um zu seinem Ziel zu gelangen. Zumal dann, wenn mich Schmerzen oder bei Schietwetter. Nee, nicht jeder kann und will Auto oder Öffis.

    Thema, was ich ja auch schon mal Ansprach: auch Radfahrende wollen überholen, bzw. möchten risikofrei überholt werden können. Geht in der Regel mit den aktuellen Regeln aber nicht. Usw. usw. usw.

  14. 118.

    Wie gesagt ICH würde es nicht machen. Ich würde wahrscheinlich auch auf den Gehweg ausweichen. Es ist leider die Wahl zwischen angepöbelt werden oder evtl. übersehen zu werden. Und solange die Politiker nur an Wiederwahl und eigener Kariere interessiert sind und keine wirkliche Verkehrspolitik für ALLE Verkehrsteilnehmer machen, im Gegenteil noch mit Ihrer Lobbyarbeit alle gegeneinander aufhetzt, werde ich lieber an jeder Kreuzung anhalten

  15. 117.

    Sich jetzt auch noch so hinzustellen als würde man etwas Gutes tun.
    Eine hirnlosere Erklärung für fahrten bei rot gibt es ja wohl kaum.
    Sollten Autofahrer auch so denken und handeln?

  16. 116.

    Autofahrer missachten vor allem rote Ampeln, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Vorfahrtsregeln, Parkverbote, Halteverbote und Abstandsregeln beim Überholen.

  17. 115.

    Und wieder einmal stellt sich der RBB mit der BILD Zeitung auf ein Niveau. Ich merke diese regelmäßige Radfahrendehetze sofort am eigenen Leib. Indem man Radfahrende als vogelfrei "sind ja alle selbst schuld" erklärt, wird noch aggressiver von Seiten der motorisierten Rowdys gefahren. Also noch schlimmer als sonst schon.

    Ich habe jedenfalls noch keinen einzigen Autofahrenden erlebt der sich an die gültige Höchstgeschwindigkeit hält, es sei es steht "Fahrschule" am Fahrzeug. Alle anderen rasen eher mit 70 km/h durch sie Stadt.

  18. 114.

    Quatsch ... ich fahre diese Strecke täglich. Ich kann diese Aussage überhaupt nicht bestätigen. Der Radweg, egal ob Richtung Steubenplatz, oder Theo, wird nicht zugeparkt.

  19. 113.

    Sie geben den Text verkürzend und somit stark verfälschend wieder. Der Originaltext ergibt einen völlig anderen Sinn!

    https://www.radioeins.de/programm/sendungen/der_schoene_morgen/_/103335.html

    Nur die Falschaussage von Frank Schattling bzgl. der getöteten Radfahrenden haben Sie richtig wiedergegeben. Das sollte dienstrechtliche Konsequenzen haben. Oder war der Leiter Leiter des Fachstabs Verkehr um 8:34 noch nicht ganz wach?

  20. 112.

    Man sollte mehr Streifen auf dem Fahrrad haben. Die Schwerpunktkontrollen machen. Aber vorallem sollten auch diese Elektroroller endlich Abstellzonen und nächtliche Ruhezeiten zugeordnet bekommen. Meine über 70jährigen Eltern sind schon mehrfach schwer über "abgestellte" Roller gestürzt.

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