Lückenschluss der U5 in Berlin - 6.600 Sterne in 20 Metern Tiefe - der neue U-Bahnhof Museumsinsel in Zahlen

Do 08.07.21 | 16:46 Uhr | Von Frank Preiss
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Der neue U-Bahnhof Museumsinsel in Berlin im Juli 2021. (Quelle: Reetz-Graudenz)
Bild: Reetz-Graudenz

Viele Monate war er nur ein "Geisterbahnhof", jetzt kehrt Leben ein unter der Berliner Museumsinsel: Der gleichnamige U-Bahnhof wird am Freitag eröffnet und komplettiert die neue Linie U5. Ein paar Zahlen und Fakten von Frank Preiss.

Es ist geschafft: Nach mehr als zehnjähriger Bauzeit wird am Freitag auch der letzte der drei neuen U5-Bahnhöfe in Berlins Mitte eröffnet. Gegen Mittag sollen am 9. Juli die ersten Fahrgäste den neuen U-Bahnhof "Museumsinsel" betreten und nutzen können.

Mit der Eröffnung wird das Projekt "Lückenschluss U5" abgeschlossen. Die neue U-Bahnlinie verbindet zahlreiche Wahrzeichen Berlins wie das Nikolaiviertel oder den Berliner Dom und das alles binnen kurzer Zeit: In zehn Minuten geht es vom Fernsehturm ins Regierungsviertel.

Bereits seit einigen Monaten am Netz sind die U5-Bahnhöfe Rotes Rathaus und Unter den Linden. Jetzt können die Passagiere auf ihrem Weg von Hönow bis zum Bundestag auch auf der Museumsinsel aus- und zusteigen. Seit Dezember 2020 fuhren die Züge der U5 an diesem "Geisterbahnhof" ohne Halt vorbei.

Neben seiner imposanten Innengestaltung hat der neue U-Bahnhof Museumsinsel noch allerhand andere Fakten zu bieten, die es in sich haben. Die wichtigsten Eckdaten auf einen Blick:

Der neue U-Bahnhof Museumsinsel in Berlin im Juli 2021. (Quelle: Reetz-Graudenz)Der Eingang zum U-Bahnhof Museumsinsel.

Nummer 175 liegt 20 Meter tief

Der neue U-Bahnhof Museumsinsel liegt bis zu 20 Meter unter der Erdoberfläche und gehört damit zu den tiefsten U-Bahnhöfen Berlins. Er ist insgesamt 180 Meter lang, der Bahnsteig umfasst 130 Meter. Auch der U-Bahnhof Museumsinsel verfügt über einen Aufzug, der am 20. Juni fertiggestellt wurde. Damit ist die neue U5 die erste komplett barrierefreie U-Bahnlinie Berlins. Zugleich ist der neue Bahnhof der 175. U-Bahnhof Berlins.

190 Millionen Euro schwer

Das Auftragsvolumen für den U-Bahnhof Museumsinsel lag laut BVG bei rund 190 Millionen Euro. Für den Rohbau des Bahnhofs wurden 65 Millionen Euro veranschlagt. Der 1,6 Kilometer lange neue U5-Abschnitt vom Alexanderplatz zum Bundestag sollte ursprünglich 525 Millionen Euro kosten – dieser Betrag sei letztlich um wenige Prozent überschritten worden, teilte die BVG Projekt GmbH zur Inbetriebnahme mit.

Der neue U-Bahnhof Museumsinsel in Berlin im Juli 2021. (Quelle: Reetz-Graudenz)Das Blaue Gewölbe im neuen U-Bahnhof.

Blaues Gewölbe unter fast 7.000 Sternen

Sie sind der Hingucker schlechthin im neuen U-Bahnhof Museumsinsel: Exakt 6.662 Lichtpunkte im tiefblauen Gewölbe entführen die Fahrgäste unter einen Sternenhimmel, in die ewige Nacht.

Der Schweizer Architekt Max Dudler hatte für seinen Entwurf schon im Jahr 1998 den Zuschlag erhalten. Seine Idee wurde vom Berliner Baumeister Karl Friedrich Schinkel inspiriert. Der preußische Baumeister hatte 1816 einen Nachthimmel als Bühnenbild für Aufführungen der Zauberflöte entworfen. Auch bei der Innengestaltung der Schinkel-Kirche in Neuhardenberg setzte er auf einen Himmel voller Sterne.

Max Dudler, der Architekt des Deckengewölbes der Station Museumsinsel, beim Richtfest am 02.10.2020 (Bild: imago images/Jürgen Heinrich)Der Schweizer Architekt Max Dudler entwarf das blaue Gewölbe des neuen U-Bahnhofs.

Lange Bauzeit mit Hindernissen

Mitte 2010 wurden die ersten Leitungen im späteren Baustellenbereich der Museumsinsel verlegt, danach waren zunächst die Archäologen am Zug. Nach der Auswertung ihrer historischen Funde begann dann die Herkulesaufgabe für die Bauausführenden: Da der Bahnhof im morastigen Untergrund unter der Spree entstehen sollte, wurde der Boden über Monate großräumig tiefgefroren.

Der tatsächliche Baubeginn für den Bahnhof war letztlich Ende April 2012. Die Bohrarbeiten waren im März 2019 abgeschlossen. Mitte Juli 2019 war die neue Innenschale der beiden Tunnelröhren fertiggestellt, der vereiste Boden konnte wieder aufgetaut werden.

Im November 2019 wurde der Rohbau fertiggestellt, Anfang 2020 wurden die im Bahnhofsbereich noch unterbrochenen Gleise miteinander verbunden. Am 10. Februar 2020 wurde Richtfest gefeiert.

Während des Richtfests am 02.10.2020 ist die tiefblaue Innengestaltung des Bahnhofs Museumsinsel zu erkennen (Bild: imago images/Jürgen Heinrich)Richtfeste wurde am 02. Oktober 2020 gefeiert.

Eisprinzessin "Bärlinde" macht den Weg frei

In bergmännischer Bauweise wurden bis Ende November 2017 über eine Länge von bis zu 105 Metern 95 Bohrungen ausgeführt, um eine Vereisungsanlage installieren zu können. Durch die Leitungen floss eine minus 37 Grad Celsius kalte Calciumchloridlösung. 2.000 Messpunkte überwachten den Vereisungsvorgang. Etwa 60 Tage später konnte dann der symbolische Ausbruchsbeginn für den künftigen Bahnsteigbereich gefeiert werden.

Durch den gefrorenen Boden konnte sich die Tunnelbohrmaschine "Bärlinde" dann durchkämpfen
, nach getaner Arbeit wurde die Innenschale des Tunnels gegossen. Da nun der Schutz des Frostkörpers nicht mehr benötigt wurde, konnte im Anschluss kontrolliert aufgetaut werden.

Fundgrube für Geschichtsbewusste

Für Archäologen und Freunde der Berliner Stadtgeschichte waren die Bauarbeiten für die U5 ein wahres El Dorado. Auch auf dem Gelände des U-Bahnhofs Museumsinsel wurden Historiker fündig, wenn gleich nicht in dem Ausmaß, das sich zuvor am neuen U-Bahnhof Rotes Rathaus zeigte.

Noch bevor dort die Bauarbeiten begannen, wurde ab Oktober 2009 der Untergrund am Roten Rathaus untersucht - mit bahnbrechenden Ergebnissen: Hier lagen das alte Berliner Rathaus, 14 ehemalige Hausstellen sowie die Lauf- und Planierschichten der Rathausstraße ab dem 13. Jahrhundert. Die archäologischen Arbeiten dauerten hier bis ins Jahr 2016 hinein, was den Baufortschritt der U5 abbremste.

Am Ostausgang des U-Bahnhofs Museumsinsel stießen die Archäologen auf Reste der ehemaligen Grundstücke "Schlossfreiheit 1 bis 4", die ab den 1670er-Jahren bebaut wurden.

Zentralbahnhof für Kulturliebhaber

Der U-Bahnhof Museumsinsel ist nur wenige Gehminuten von kulturellen Stätten wie dem Pergamonmuseum, Bode-Museum, Alte Nationalgalerie, Altes Museum, Neues Museum, Staatsoper Unter den Linden, dem Deutschen Historischen Museum, dem Berliner Dom und dem Humboldt-Forum im Neuen Schloss entfernt. Deshalb gilt der U-Bahnhof als "Kulturbahnhof".

Der Bahnhof und die Pandemie

Die Corona-Krise hätte die Eröffnung des Bahnhofs fast nach hinten verschoben: Noch im April war die BVG davon ausgegangen, dass der ursprünglich anvisierte Termin 10. September 2021 auf den Oktober oder November verschoben werden müsste. Corona-Fälle bei den beteiligten Bauunternehmen sorgten für Verzögerungen, sagte damals BVG-Sprecherin Petra Nelken dem rbb. Doch durch "gute Planung und großes Engagement aller Beteiligten" sei es möglich geworden, den Bahnhof deutlich früher als zuletzt erwartet, nämlich am 9. Juli 2021, ans Netz zu bringen, erklärte die BVG.

Sendung: Abendschau, 9. Juli 2021, 19:30 Uhr

Reetz-GraudenzDer U-Bahnhof liegt in Fußnähe zu zahlreichen Kulturstätten.

Beitrag von Frank Preiss

26 Kommentare

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  1. 26.

    Hallo Herr Nilson,
    dass die Situation in der S-Bahn genau die gleiche ist wie bei der U-Bahn ist mir bekannt. Ich bekomme es oft genug auf dem Ring mit und es macht mich traurig.
    Vor dem Fall der Mauer gab es in Westberlin bei der U-Bahn ein Mitnahmeverbot von Fahrrädern in Berufsverkehr.
    Dies wurde nach dem Fall der Mauer jedoch sehr schnell geändert. Sehr schade.
    Mit freundlichen Grüßen

  2. 25.

    500 - 600 mill. für 1,6 km ...... ??? weiss ja nicht ...
    wie da rumgemeckert wird, das die 3,2 km a100 700 mill. kosten ???

  3. 24.

    Hubert Kah auch.
    Na und?
    Kunst geht nicht ohne künstlerische Freiheiten.

  4. 23.

    Sternen - Himmel ???
    Alexander Gerst würde sich krank lachen

  5. 22.

    Ich bin auch der Meinung, dass Asymmetrie und der Mut zur Unvollständigkeit wichtige Bestandteile der Kunst sind.
    Aber andererseits würden sich dann wieder viele Leute beklagen, dass dieser Nachthimmel nicht dem tatsächlichen entspricht.
    Also meinetwegen alles in Reih und Glied.
    Auch wenn ich die Instandhaltungskosten ungern übernehmen würde und mir das Blau (wie bereits erwähnt) etwas zu aufdringlich und grell ist.

  6. 21.

    Sehr geehrte Frau Heike,
    der von Ihnen zuletzt genannte Satz betreffs Fahrräder in der U-Bahn ist genau der richtige. Nur ist es bei der S-Bahn nicht anders. Proppevoll und die Fahrgäste müssen erst raus damit ein Radfahrer sein Gefährt herausbugsieren kann. Also Mitnahmeverbot zu bestimmten Zeiten von Fahrrädern wie bei der Hamburger Hochbahn üblich.
    Mit freundl. Grüßen

  7. 20.

    An allen anderen neuen U-Bahnhöfen (wobei ich den U Hauptbahnhof noch nicht gesehen habe) habe ich bisher noch keine Graffitis gesehen.

  8. 19.

    Als es damals hieß, der Bahnhof bekommt einen Sternenhimmel, war ich gespannt auf die Umsetzung. Aber so? LED-Lämpchen streng in Reihen? Das ist kein "Sternenhimmel", das ist einfach nur ein nettes Lichtkonzept.
    Aber wenn jetzt die U-5-Baustelle endlich Geschichte ist, kann ja auch das Marx-Engels-Forum wieder in seiner Vorbaustellenform wiederhergestellt werden. Oder wird da wieder heimlich, still und leise Geschichte entsorgt? Und eine grüne Oase gleich mit?

  9. 17.

    Ganz meiner Meinung! Auch von Jungfernheide zum ehem. TXL und U2 Ruhleben- Rathaus Spandau. Warum werden Lückenschlüsse nicht schnellstmöglich realisiert?

  10. 16.

    Der Bahnhof ist eine Meisterleistung wirklich wunderschön. Jedoch haben überwiegend Touristen etwas davon, da es keine Wohngegend ist.
    Fahrräder gehören nicht in die U-Bahn. Ich würde Sie ganz von der Beförderung ausschließen.

  11. 15.

    @rbb24: Wenn die U5 tatsächlich komplett barrierefrei wäre, müsste die BVG nicht am Bahnhof Elsterwerdaer Platz ein Schild anbringen, dass wegen der sehr langen und vor allem zu steilen Rampe Rollstuhlfahrer geschoben werden sollen.

  12. 14.

    Sieht schick aus, auch wenn mir die Farbe des Sternenhimmels etwas zu knallig daherkommt.
    Und ich fürchte, dass die Tonqualität der Bahnhofsdurchsagen dort auch nicht besser ist als anderswo (was die behauptete Barrierefreiheit etwas konterkariert).

  13. 13.

    "Wozu Radwegebau?"

    Na damit die U-Bahn aka ÖPNV nicht so voll / überfüllt ist und damit Fußgänger mehr Platz haben.

  14. 12.

    Sieht wirklich toll aus. Lasst da keine Graffitischmierer tätig werden.

  15. 11.

    Erich, du bist doch schon lange tot ? Hat man dir in Chile etwa Lappi und Glasfaserkabel als Grabzugabe mitgegeben ?

  16. 10.

    ... die mit ihrem Bezug auf Schinkel auch auf umliegende Stätten wie die Schloßbrücke, die Friedrichswerdersche Kirche, das Alte Museum, die Neue Wache, die (wieder herzustellende) Bauakademie sowie den Schinkelplatz verweist.

    Bei den Durchfahrten habe ich bereits einen positiven Eindruck gewonnen; ich bin sehr gespannt, die Deckengestaltung in Gänze zu sehen!

  17. 8.

    Wozu Radwegebau? U-Bahnbau nutzt der Allgemeinheit und nicht nur einer kleinen Gruppe.

  18. 7.

    Schön das die neue U 5 jetzt endlich komplett ist aber 11 Jahre Bauzeit sind trotz einiger Komplikationen während des Baus etwas zu viel . Traurig auch das auf absehbare Zeit keine weiteren Netzergänzungen durchgeführt werden obwohl wir hier in Berlin mit der U 1 zum Adenauer Platz , U 3 zum Mexikoplatz , U 7 zum Bahnhof Schönefeld / Terminal 5 , U 9 zum Bahnhof Pankow oder U 9 nach Lankwitz Kirche einige sinnvolle Möglichkeiten hätten .

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