Berliner Nachwuchs-Wissenschaftspreisträger - "Muss mich zurückhalten, nicht zu viele Selfies zu machen"

PD Dr. Anton George Henssen (Quelle: Charité I/Wiebke Peitz)
Bild: Charité I/Wiebke Peitz

Anton Henssen forscht an der Charité zu seltenen Tumorkrankheiten bei Kindern. Dafür hat er nun den Berliner Nachwuchs-Wissenschaftspreis bekommen. Aber nicht nur in seiner Forschung beschäftigt ihn die menschliche DNA. Von Birgit Raddatz

Dass sein Name einmal im gleichen Kontext genannt wird wie der des mittlerweile weltweit bekannten Virologen Christian Drosten, hätte sich Anton Henssen vor knapp einem Jahr wohl selbst nicht erträumt.

Schon im September vergangenen Jahres stand fest, dass der wichtigste Wissenschaftspreis Berlins an Drosten gehen soll. Henssen erfuhr es erst vor kurzem, mit wem er da auf der Bühne stehen wird. "Ich hoffe, ich kann mich zurückhalten, nicht zu viele Selfies zu machen", sagt der 36-Jährige lachend.

Pandemiebedingt musste die Verleihung im November ausfallen und konnte erst jetzt stattfinden. Für den Berliner Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) birgt Drostens wie auch Henssens Arbeit "großes Potenzial für die Medizin und den Gesundheitsstandort" Berlin. Henssen kam vor vier Jahren nach Aufenthalten in Paris und New York an die Charité. "Ich finde die Wissenschaftslandschaft sehr spannend hier, auch wenn sie am Anfang etwas unübersichtlich war."

Gemeinsamkeiten mit Hauptpreisträger Drosten

Und noch eins haben der Onkologe und der Virologe gemeinsam: Beide sequenzieren Genome, schlüsseln sie auf, um daraus Erkenntnisse über Viren oder wie in Henssens Fall über Tumore zu erhalten. Der 36-Jährige untersucht in seiner Forschung das menschliche Erbgut auf sogenannte zirkuläre DNA, also Ringe, die das Genom verändern können. Die Annahme ist, dass Krebszellen solche DNA herstellen und in das menschliche Erbgut einpflanzen können. Sehr wahrscheinlich, so glaubt Henssen, trägt dieser Mechanismus dazu bei, dass auch schon Kinder Krebs bekommen können.

Mit neuen Sequenziermethoden versucht Henssen zusammen mit seinem Team an der Charité und am Max-Dellbrück-Centrum für Molekulare Medizin, das Geheimnis der zirkulären DNA zu entschlüsseln und neue Behandlungsmethoden zu entwickeln. "Ich habe interessiert beobachtet, wie sich das Coronavirus verändert und versucht, neueren Methoden auszuweichen, ähnliches beobachten wir auch in der Tumortherapie."

Bild mit eigenem Blut gemalt

Henssen stammt ursprünglich aus Düsseldorf, in der Schule belegt er als Leistungskurse Biologie und Kunst. Keine 50 Meter von seinem Gymnasium entfernt liegt die Kunstakademie. Dort verbrachte Henssen schon als Schüler viel Zeit.

Er studiert Medizin, doch das Malen bleibt seine Leidenschaft. Für ein Ölgemälde hat er sein eigenes Erbgut in die Farben gemischt: Dafür hat er sich sein eigenes Blut abgenommen und es so lange gefiltert bis nur eine klare, farblose und etwas zähle Flüssigkeit übrigblieb: seine DNA. Dass andere so etwas komisch finden könnten, kann er nicht verstehen. "Ich beschäftige mich jeden Tag mit DNA, in der Kunst kann man sich mit Dingen befassen, die auf den ersten Blick nicht intuitiv erscheinen."

2019 hatte er eine Einzelausstellung in der Alten Münze in Berlin. Wäre nicht Pandemie, hätte er auch im letzten Jahr Werke ausgestellt, sagt Henssen. Die 10.000 Euro, mit denen der Nachwuchspreis dotiert ist, werde er für seine Kunst einsetzen. "Und ich habe davon auch schon mein Team zum Essen eingeladen, es ist schließlich eine gemeinsame Leistung."

Sendung: Inforadio, 22.07.2021, 19:00 Uhr

Beitrag von Birgit Raddatz

1 Kommentar

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  1. 1.

    Gott ist der eingebildet.

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