Lost Place in Brandenburg - Ehemaliges Bernauer Heeresbekleidungsamt ist Graffiti-Hotspot

Graffiti im ehemaligen Heeresbekleidungsamt in Bernau (Quelle: rbb/Giuliana Koch)
Audio: Antenne Brandenburg | 22.07.2021 | Giuliana Koch | Bild: rbb/Giuliana Koch

Seit 30 Jahren ist das Gelände des ehemaligen Heeresbekleidungsamts in Bernau verlassen - und hat sich zu einem beliebten Lost Place entwickelt. Vor allem auch wegen der künstlerischen Graffiti. Die werden nun publiziert, bevor sie verschwinden. Von Giuliana Koch

Zerschlagene Fenster, marode Treppen - das ehemalige Heeresbekleidungsamt in Bernau bei Berlin ist heute nur noch eine Ruine. Vor über 70 Jahren wurden in der Kasernenanlage Uniformen der Wehrmacht hergestellt und gelagert. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben Sowjetische Streitkräfte die Anlage als Nachschub und Versorgungsdepot genutzt.

Heeresbekleidungsamt in Bernau (Quelle: rbb/Giuliana Koch)
| Bild: rbb/Giuliana Koch

Beliebter Lost Place

Seit 1991 ist das Gelände verlassen. Doch seither hat es sich zu einem beliebten Lost Place für Graffitikünstler entwickelt. Bis vor einiger Zeit gab es dort für Interessierte auch Führungen, die immer wieder neue Graffiti-Kunstwerke zum Vorschein brachten. Aufgrund der schlechten Gebäudesubstanz sind die allerdings vor einiger Zeit eingestellt worden.

Graffiti im ehemaligen Heeresbekleidungsamt in Bernau (Quelle: rbb/Giuliana Koch)
Bild: rbb/Giuliana Koch

Fotografin fängt Graffiti ein

Überall auf dem 20 Hektar großen Gelände finden sich beeindruckende Porträts, aber auch Bilder mit politischen Aussagen, wie das eines Soldaten mit der Überschrift "Halt einfach die Klappe", das gleich am Eingang des Heeresbekleidungsamtes zu sehen ist.

Gemälde wie diese haben auch Andrè Stahl (Linke), Bürgermeister der Stadt Bernau, fasziniert: "Ich bin beeindruckt von der Professionalität der Bilder. Sicher, teilweise sind das echte Schmierereien, aber dort sind auch erkennbar Kunstfertigkeiten ausgelebt worden." Deswegen hat Stahl die Bilder jetzt professionell von einer Fotografin einfangen lassen. Geplant ist, dass in den kommenden zwei Jahren eine entsprechende Publikation veröffentlicht wird.

Graffiti im ehemaligen Heeresbekleidungsamt in Bernau (Quelle: rbb/Giuliana Koch)
Bild: rbb/Giuliana Koch

In zehn Jahren soll Wohnkomplex entstehen

"Wenn die Sanierungsarbeiten in vollem Gange sind, dann wird auch das Interesse an diesen Bildern steigen", so Stahl. Ende des Jahres wird die Kaserne abgerissen und ein neuer Wohnkomplex soll dort entstehen.

Insgesamt werden rund 2.000 neue Wohnungen gebaut, inklusive Schule, Kita, Gastronomie und Einzelhandel. "Wir sind froh, dass wir dort einen Investor gefunden haben, der letztlich aus eine Militärbrache, wieder einen lebendigen Stadtteil macht." Bis 2031 soll der Wohnkomplex fertig sein.

Sendung: Antenne Brandenburg, 22.07.2021, 17:15 Uhr

Beitrag von Giuliana Koch

10 Kommentare

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  1. 10.

    ...endlich mal ein richtiger Umgang mit Graffiti-Kunst. Denn ja, es ist Kunst - Streetart. Auch, wenn sie nicht allen gefällt. Aber das hat Kunst zuweilen so an sich... Ich finde sie erhaltenswert... Wenn der Abriss droht, dann eben in Form von Fotos. Dankeschön. Wie andere Kommentatoren schon geschrieben hatten, hier wurde kein Bauwerk verschandelt. Gegen ungebetene Graffiti an Wohnhäusern habe ich auch was. Aber hier wurde sich künstlerisch ausprobiert, ohne Schaden anzurichten... Toll!

  2. 9.

    Danke für die Richtigstellung an die 3 und 4.

  3. 8.

    ich denk, das ist keine Langeweile, die da zum Ausdruck kommt sondern schlicht ewig Gestrigentum gepaart mit sehr begrenztem Horizont. Beim Lesen des Berichts hatte ich schon förmlich die Kommentare von "Schmiererei" vor Augen.
    Dass es hier gar keine Geschädigten gibt, ist dem Kommentator nicht mal aufgefallen...

  4. 7.

    Und ich dachte immer mit Bernau ist der Auwald bei Bern gemeint. Verdammt - England - man lernt nie aus.

  5. 6.

    Naja….

    Seien wir ehrlich: Ex-Nazi Immobilie…ewige Brache A der Welt.

    Soll aber gewinnbringend an möglichst viele Eigentümer verscheuert werden.

    Schmeiß da mal bisserl Kultur drauf… kannschd doppelt teuer verhökern…

  6. 5.

    Vor ÜBER 70 Jahren. Und "Lost Places" ist ein Fachbegriff. Was hattest du noch aus Langeweile zu kritisieren?

  7. 4.

    Beides ist richtig, das Hauptamt war in der Schwanebecker Chaussee und am Schönefelder Weg war ein Nebenlager.

  8. 3.

    Gemeint ist das ehemalige Heeresbekleidungsamt in der Schwanebecker Ch.
    Das andere ist eine Außenstelle und wird noch bebaut.

  9. 2.

    Vor 70 Jahren war 1951. Da war wohl nix mehr mit Wehrmacht.
    Aber vor über 70 Jahren kann ja auch vor 1000 Jahren gewesen sein.
    Und 1000 Jahre sind ja bekanntlich 1 Tag.
    Es war einmal ...
    Und Bernau scheint wohl in England zu sein, weil es ein Lost Place ist. Und ob Graffiti Kunst ist, sehen Geschädigte wohl anders. Manch einer steht halt auf Schmierereien.

  10. 1.

    Die ehemalige Heeresbekleidungskammer ist doch am Pankebogen/Pankepark und schon lange an Investoren verkauft. Dort ist doch schon alles umgestaltet und es sind Wohnungen entstanden. Es wäre mir neu, wenn die ehemaligen Kasernengelände da auch noch dazu gehören. Ich lass mich aber gern eines besseren belehren.

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