Flut nach Starkregen - Brandenburg bietet weitere Hilfe für Hochwassergebiete an

Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) schleppen Schläuche an das Ufer der Steinbachtalsperre um das Wasser abzupumpen (Bild: dpa/Marius Becker)
dpa/Marius Becker
Video: Brandenburg | 19.07.2021 | T. Jaeger/F. Rieß | Bild: dpa/Marius Becker

Die Zerstörung nach dem Hochwasser in mehreren Bundesländern ist enorm - doch groß ist auch die Spendenbereitschaft der Bevölkerung. Die Hilfsorganisationen melden volle Lager und zahlreiche Geldspenden. Brandenburg hält weitere Einsatzkräfte bereit.

Das Land Brandenburg hat den von Hochwasser betroffenen Gebieten in Deutschland weitere Hilfe angeboten. Wie ein Sprecher des Potsdamer Innenministeriums am Montag dem rbb sagte, stehen unter anderem 32 Einsatzfahrzeuge, Decken, Zelte, Feldbetten und Wasserpumpen bereit. Man warte auf den Einsatz.

Zahlreiche Einsatzkräfte stehen auf Abruf

25 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt sind bereits unterwegs in Richtung Nürburgring in Rheinland-Pfalz, wie THW-Sprecherin Stefanie Berger Antenne Brandenburg vom rbb sagte. Dort ist ein Hilfszentrum für die Flutopfer eingerichtet worden. Auch die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft Brandenburg und das Deutsche Rote Kreuz Brandenburg stehen bereit, um zu helfen. Über den Einsatz entscheidet ein gemeinsames Lagezentrum von Bund und Ländern.

Hilfsorganisationen von Spendenbereitschaft überwältigt

Die Hilfsorganisationen in den Überschwemmungsgebieten können nach eigenen Angaben derzeit keine weiteren Sachspenden entgegennehmen. "Das Engagement und die Spenden seit dem Ende der letzten Woche waren so überwältigend, dass die Sichtung, Sortierung und auch die Logistik gerade die Kapazitäten der Verbände vor Ort übersteigen", teilte die "Aktion Deutschland Hilft", ein Bündnis aus 23 Hilfsorganisationen, am Montag dem Evangelischen Pressedienst (EPD) mit.

Sachspenden haben laut Neff vor allem dann Sinn, wenn die Hilfsorganisationen vor Ort diese erbitten. "Die Lager sind aber voll", sagte Caritas-Sprecher Markus Lahrmann dem epd. Deshalb müssten Sachmittel, darunter zum Beispiel auch Paletten mit gespendeten Lebensmitteln, zurückgewiesen werden.

"Aktion Deutschland Hilft" meldet zahlreiche Geldspenden

"Das Team von 'Aktion Deutschland Hilft' hat seit der Öffnung des Spendenkontos am Donnerstag quasi durchgehend gearbeitet, um die vielen Unterstützungsangebote - Geldspenden und Sachspendenangebote - zu bearbeiten", sagte Pressesprecherin Birte Steigert. Nach ihrer
Einschätzung ist die Geldspendenbereitschaft "mindestens so hoch ist wie beim Hochwasser 2013". Damals kamen fast 160 Millionen Euro an Spendengeldern zusammen.

Laut "Aktion Deutschland hilft" haben Organisationen am Montag berichtet, dass in den betroffenen Regionen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz weiterhin vor allem Bergung und Rettung sowie die Versorgung von Evakuierten im Mittelpunkt der Arbeit der Einsatzkräfte stünden. Hinzu kämen die Feststellung von Gebäudeschäden und Statik-Überprüfungen, bevor betroffene Menschen wieder in ihre Häuser gehen könnten.

Bundesregierung: "Haben nicht zu spät gewarnt"

Die Bundesregierung hat derweil die Verantwortung zurückgewiesen, die Bevölkerung in den Hochwassergebieten zu spät informiert zu haben. Eine Regierungssprecherin verwies am Montag auf die gemischte Zuständigkeit von Bund, Ländern und Gemeinden bei der Katastrophenhilfe. "Mir sagt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, dass die Meldewege funktioniert haben", sagte zudem Innenminister Horst Seehofer (CSU) bei einem Besuch in den Flutgebieten in Nordrhein-Westfalen. Der Katastrophenfall werde nicht in Berlin ausgerufen, sondern vor Ort.

Hintergrund der Debatte sind Vorwürfe, dass die Menschen in den betroffenen Hochwassergebieten vor allem in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zu spät informiert worden seien. Dies hatte der Bürgermeister der stark betroffenen Gemeinde Schuld in Rheinland-Pfalz, Helmut Lussi, schon am Sonntag zurückgewiesen. Er betonte die Einmaligkeit der Katastrophe.

Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Armin Schuster, betonte im Deutschlandfunk, dass zwischen Mittwoch und Samstag 150 Warnmeldungen herausgegangen seien. Das Verkehrsministerium konnte allerdings nicht sagen, wann die Bundesregierung über Hochwasserwarnungen informiert worden war.

BBK-Präsident Schuster sagte, sein Amt habe im März ein neues Konzept für einen besseren Katastrophenschutz vorgestellt. Derzeit laufe ein 88-Millionen-Euro-Programm, um zu prüfen, welche Gemeinden mit Sirenen ausgerüstet seien. Diese fallen in Länderzuständigkeit.

Obwohl 2020 ein sogenannter Warntag für die Bevölkerung vor Katastrophen auch nach Angaben des Innenministerium erhebliche Mängel gezeigt hatte, plant das Ministerium den nächsten Warntag erst 2022. Man sei derzeit dabei, die in dem Konzept vorgesehenen Verbesserungen umzusetzen. "Wir arbeiten daran, dass dieses System funktioniert", sagt der Sprecher.

Sendung: Inforadio, 19.07.2021, 15:00 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.
    Antwort auf [chr/christiane] vom 19.07.2021 um 22:41

    naja, ausser von denen, die schwer bis gar nicht hören, was wohl nicht ganz wenige sind...

  2. 4.

    Das denke ich auch aber in heutigen Zeiten weiß man ja nie ob noch ein Beraterunternehmen beauftragt werden muss, dass die entsprechenden Formulare entwirft und auswertet für teuer Geld.

  3. 3.
    Antwort auf [chr/christiane] vom 19.07.2021 um 22:41

    Verstehe den Zusammenhang ihres Kommentares zu meinem nicht. Stimme Ihnen aber inhaltlich zu. Mannheim als Vorreiter würde ich aber bezweifeln. Etliche Dörfer und Kleinstädte haben die Sirenen nie abgebaut. Also korrigiert Mannheim einen Fehler der Vergangenheit.
    Noch effektiver sind zusätzliche Lautsprecher an den Lichtmasten.

  4. 2.

    Ist das hier vielleicht nur unglücklich formuliert? Im anderen Artikel heißt es dazu: „ Der Bund wolle 86 Millionen Euro bundesweit in die Modernisierung von Sirenen investieren...“
    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2021/07/brandenburg-katastrophenschutz-innenminister-stuebgen-investitionen-hochwasser.html

  5. 1.

    88mio €, um zu prüfen welche Gemeinden noch Sirenen haben?
    Ich denke ein paar tausend Telefonate oder E-Mails reichen dafür aus. Vor Ort sollte das doch jemand wissen.
    Werden die Signale der Sirenen an Schulen noch unterrichtet. Ich müsste momentan etwas passen, weil zu lange her.


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