Klimaschutz in Brandenburg - Wie aus Landwirten Moorwirte werden könnten

Ein Moor in der nahe des Schöpfwerkes Emster-Gollwitz in Brandenburg. (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Video: Brandenburg Aktuell | 23.07.2021 | Stefanie Otto | Bild: dpa/Soeren Stache

Extremwetter-Ereignisse wie Starkregen und Dürre drängen zum Umdenken im Umgang mit Wasser und Böden. Moore könnten hier eine wichtige Rolle als Puffer spielen. Einige Pioniere machen vor, welches Potential in den nassen Wiesen steckt. Von Stefanie Otto

Der Juli hat es gut gemeint mit den Niederschlägen. Auf Sebastian Petris Flächen steht das Wasser knapp über dem Boden. Dem saftigen Rohrglanzgras, das darauf wächst, macht das nichts aus. Im Gegenteil. Er erwartet eine überdurchschnittlich gute Ernte. Das Gras verkauft er als Spezialheu für Pferde.

Zusammen mit seiner Familie bewirtschaftet Petri 280 Hektar Land im Rhinluch bei Kremmen. Seit vier Jahren wird es nicht mehr trockengelegt, wie es die Bauern hier jahrzehntelang gemacht haben. Damals war das nötig, um auf den Flächen Ackerbau zu betreiben oder Tiere zu halten.

Doch die sogenannte Melioration, das Entwässern durch ein weit verzweigtes Grabensystem, hat die fruchtbaren Moorböden ausgelaugt und absacken lassen. Wo seine Böden noch trockenliegen, kann man das gut sehen.

Der Boden sei stark degradiert, beschreibt er mit einem fast schwarzen Erdklumpen in der Hand. Man sehe keine der fürs Moor typischen Pflanzenreste darin. "Sobald der austrocknet, wird das wie Staub. Und deshalb ist es eben wichtig, die Flächen feucht zu halten."

Vom Klimakiller zum Klimaretter

Dieser Zersetzungsprozess macht das Moor zum Klimakiller. Wenn es austrocknet, entweichen große Mengen CO2 in die Atmosphäre. Mit über sechs Millionen Tonnen Treibhausgasausstoß pro Jahr toppen die trockengelegten Moore sogar den gesamten Verkehr in Brandenburg. Um diese Emissionen zu vermeiden und die Klimaziele zu erreichen, will das Land in den kommenden zehn Jahren 50.000 Hektar Moorflächen wiedervernässen. Eine Herausforderung, vor allem weil die bisherigen Nutzer, die Landwirte, dort nicht wie gewohnt weiter ackern und Tiere halten können.

Sebastian Petri hat schon einige Alternativen parat. Er will zurück zu einer moorschonenden Bewirtschaftung. Dazu wurden die Gräben rund um seine Flächen so umgebaut, dass das Wasser nicht mehr ungehindert abfließen kann. Damit hat er bis in den Sommer hinein genug Wasser für seine Pflanzen. Das Rohrglanzgras wächst hier ganz ohne Dünger und Pestizide. Für die Mahd auf den nassen Wiesen hat er eine Pistenraupe angeschafft und umbauen lassen. Sie fährt auf breiten Ketten und kann dadurch nicht im feuchten Boden einsinken.

Angepasste Wasserbüffel statt anspruchsvoller Milchkühe

Früher hat Petris Familie auch Milchkühe gehalten. Doch die Hochleistungstiere waren nicht geeignet für die feuchten Weiden. Heute haben sie 31 Wasserbüffel - schwarze Rinder mit langen Hörnern - die ganzjährig draußen leben und gern mal nasse Füße kriegen. Beim täglichen Besuch bei der Herde erzählt er, dass er ihr Fleisch eigentlich als Delikatesse an Berliner Restaurants verkaufen will. Doch die Vermarktung sei derzeit noch schwierig, weil es nur einen weit entfernten Schlachthof im Land gebe, der Wasserbüffel annimmt. Also schlachten sie derzeit nur selten ein Tier für den Eigenbedarf. Denn Fleisch aus der Hofschlachtung dürfe bisher noch nicht in den kommerziellen Verkehr gebracht werden.

Landwirt Sebastian Petri mit seinen Büffeln (Quelle: rbb)Landwirt Sebastian Petri mit Wasserbüffel-Herde

Noch fehlt es an Wertschöpfung und Wertschätzung

Sebastian Petri ist jung und offen für Experimente. Dank einer speziellen Förderung vom Land kann er sich das leisten. So arbeitet er auch mit Wissenschaftlern zusammen, um den Anbau zu optimieren. Sein Rohrglanzgras dient auch als Versuchsobjekt. Denn aus Moor-Biomasse könnten bald neue Produkte wie Papier, Verpackung, Baustoffe oder Torfersatz hergestellt werden. Rohstoffe wie Plastik und Holz könnten so ersetzt werden. Bis Landwirt Sebastian Petri damit Geld verdienen kann, braucht es jedoch noch Unternehmen, die in die Produktion einsteigen.

Auch von politischer Seite wünscht er sich mehr Anreize für die Umstellung auf eine moorschonende Nutzung. Denn was er hier tue, sei aktiver Klimaschutz und damit eine Leistung für die Gesellschaft, die zum Beispiel von der EU-Agrarpolitik honoriert werden müsste. Dann würden sicher mehr Landwirte ihre Flächen umstellen und als Moorwirte weiterhin von ihrer Arbeit leben können.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 23.07.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Stefanie Otto

16 Kommentare

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  1. 16.

    Es geht nicht um die EU. Hunger ist ein globales Problem. Wie ich schon schrieb sind Lebensmittelpreise schon jetzt angestiegen. Zudem die Flächen die umgewandelt werden sollten sind recht feuchte Flächen. Auf diesen Flächen ist Landwirtschaft zukünftig möglich, ob dies auf anderen trocken Flächen in der Mark möglich kann keiner wissen.

  2. 15.

    Derzeit herrscht zumindest in der EU ein Überangebot an Nahrungsmitteln. Wenn sich das mal ändern sollte kann man ja anfangen darüber nachzudenken wieder mehr Flächen für Ackerland zu verbrauchen.

  3. 14.

    Nicht so voreilig sein. Die Flächen dienen der Produktion von Lebensmitteln. Wenn wegen steigender Bevölkerung oder dem angeordneten Verzicht bei der modernen Landwirtschaft vieler Pestizide die Erträge fallen, wer will den Hunger dann verantworten. Die Lebensmittelpreise sind schon jetzt gestiegen.

    Bei Bio dürfen die Pestizide weiter wie immer genutzt werden. Die Erträge sind aber auch erheblich geringer.

  4. 13.

    Naturraum für Generationen will Mooren vorgelagerte naturnahe Auwälder anlegen, die zusätzlichen Schutz für die Moore bieten. Auf den Bürgerwiesen zwischen Merz und Ragow wollen die eine Moorlandschaft revitalisieren, die bereits seit Jahrhunderten besteht.

  5. 12.

    Super Beitrag, Kompliment an Frau Otto und das Team von rbb24, nur so kommen wir voran. Andere Finanzierungsmodelle für diese Art des Klimaschutzes müssen unbedingt entwickelt werden, nicht alleine die Agrarförderung ist für den Klimaschutz ausreichend.

  6. 11.

    Na Gott sei Dank, manche Leute haben das mit dem Klima doch verstanden, und sind bereit, nicht gegen die Natur zu arbeiten, sondern im kleinen die ersten Schritte zu machen, so dass andere Landwirte vielleicht nachziehen.

  7. 10.

    Moore sind gut und wichtig. Ein guter Weg, die Natur wieder zu naturalisieren

  8. 9.

    Dafür braucht es schon eine Menge Mut und Humoor.

  9. 7.

    Ich bin total begeistert, ermöglicht es doch, zur direkten Renaturierung beizutragen
    Ich wollte mir gleich solch ein Zertifikat zulegen, denn das ist eine gute Sache. Beim Bezahlvorgang: mit Umsatzsteuer?! Sorry, aber da stimmt etwas nicht. Ein gewerblichen Unternehmen? Üblicherweise handelt es sich bei solchen Aktivitäten um Vereine, die keinen Gewerbezrieb haben, jedenfalls nicht im Haupzweck!Möchte hier jemand nicht transparent sein? Die Wiesen können nicht dem Bund gehören, denn der würde daraus nie einen gewerblichen geschäftsbeteieb machen. Wem gehört denn das Unternehmen, das an der Renaturierung verdient? Wie sind die Magen? Subventioniere ich durch den Kauf eines Zertifikats einen findigen landbesitzer, der gegen gute gewinnaufschläge seine Bagger andrücken lässt, um drei stämme quer zu legen? Auf der Internetseite war jedenfalls ein nagelneuer Bagger zu sehen...
    Mehr Infos! Nicht transparent

  10. 5.

    Wie hier beschrieben wird, ist es eigentlich notwendig, das viel mehr das Land und seine dazugehörigen Ministerien endlich aufwachen. Statt dessen wird der normale, kleine Bürger gezwungen, weniger mit seinem Auto (was er auch braucht) zu fahren und das schlimmste eigentlich, aufgefordert, CO2 durch weniger Heizen einzusparen. Finde ich ja auch eigentlich richtig, nur gerade beim Heizen spart man doch sowieso schon, um die Nebenkosten so gering wie möglich zu halten. Da wird sich so mancher überlegen, überhaupt noch die Heizung anzumachen.

  11. 4.

    "Einige Pioniere machen vor, welches Potential in den nassen Wiesen steckt."
    Wenn das alte Wissen und diie Natur dem Kommerz geopfert wird, ist es nicht verwunderlich. Die Landwirte verdienen großen Respekt.

  12. 3.

    Warum man die Vernichtung von Naturflächen fördert, ist mir unverständlich. Aber besser als der Bauer, welche für das Anlegen einer Blumenwiese 1 € pro qm verlangt. Ich hätte auch gerne 2000 € jährlich für meinen Naturgarten. Wer möcht eine Fläche pachten?

  13. 2.

    Ein sehr lobebswertes, interessantes Projekt. Ich hoffe, dass da noch mehr einsteigen und es sich etablieren kann. Viel Erfolg!

  14. 1.

    Interessanter Beitrag. Danke.

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