Missbrauchsfälle von Münster - Mann aus Schorfheide zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt

Di 06.07.21 | 22:27 Uhr
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Der Hauptangeklagte steht mit einer Akte vor dem Gesicht im Landgericht (Bild: dpa/Guido Kirchner)
Video: Brandenburg Aktuell | 06.07.2021 | M. Neubauer / M. Albrecht | Bild: dpa/Guido Kirchner

Es ist einer der schwersten Fälle von Kindesmissbrauch in den letzten Jahren: Ein Mann aus Münster vergewaltigte seinen Ziehsohn in einer Gartenlaube - und reichte ihn an andere Männer weiter. Dafür muss nun auch ein Täter aus Brandenburg in Haft.

Im Gerichtsverfahren um den Missbrauchskomplex von Münster sind die vier angeklagten Männer am Dienstag zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Wegen des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in 29 Fällen muss der Hauptangeklagte für 14 Jahre ins Gefängnis. Für die Zeit danach ordnete das Landgericht Münster für den Mann Sicherungsverwahrung an - wegen Wiederholungsgefahr.

Adrian V. gilt als Schlüsselfigur in dem Prozess mit vier weiteren Angeklagten - darunter auch seine Mutter, die wegen Beihilfe zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde. Sie stellte ihrem hauptangeklagten Sohn die Gartenlaube in Münster zur Verfügung, in der er und weitere Männer einen heute elfjährigen Jungen vergewaltigten. Was dort geschah, habe die Frau gewusst, so das Gericht. Das Hauptopfer von Adrian V. und den Mittätern ist der Ziehsohn des Hauptangeklagten. Die Ermittlungen ergaben darüber hinaus, dass es noch weitere Missbrauchsopfer gibt.

Mehr als 50 Tatverdächtige identifiziert

Ein Täter aus Brandenburg muss elf Jahre und sechs Monate Haft: Dem 43-Jährigen aus Schorfheide wurden fünf Fälle von Kindesmissbrauch nachgewiesen. Zu zwölf Jahren Gefängnis wurde ein 31-Jähriger aus dem hessischen Staufenberg verurteilt - für sechs Fälle. Zehn Jahre in Haft soll ein 36 Jahre alter Mann aus Hannover für 4 Fälle. Für alle verurteilten Männer ordnete das Gericht Sicherungsverwahrung an - und folgt damit weitestgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Münster ist neben Lügde und Bergisch Gladbach einer von drei großen Missbrauchsfällen der vergangenen Jahre in Nordrhein-Westfalen. Der Fall kam im Juni 2020 nach Ermittlungen in einer Gartenlaube ans Licht. Im Zuge dessen hatte es in mehreren Bundesländern und im Ausland Festnahmen gegeben: Mehr als 50 Tatverdächtige sind identifiziert, von denen derzeit etwa 30 in U-Haft sitzen. Fünf Personen sind bereits verurteilt - darunter ein Täter aus Berlin.

Kinder mit K.o.-Tropfen gefügig gemacht

Zur Begründung seiner Urteile beschrieb der Vorsitzende Richter Matthias Pheiler die zum Teil schweren Missbrauchstaten, verzichtete aber zum Schutz der Opfer auf drastische Details der Vergewaltigungen. Das Gericht spricht von absolut verstörenden Taten. "Das übersteigt alles, was dieser Kammer bislang vorgelegt wurde", sagte Pheiler in der Urteilsbegründung.

Die Taten seien gewohnheitsmäßig und mitleidslos erfolgt. Die Täter hatten sich teils über mehrere Tage in einer Gartenlaube an den Opfern vergangen, sich dabei gefilmt und die kinderpornografischen Aufnahmen im Darknet verbreitet. Die Kinder wurden mithilfe von K.o.-Tropfen gefügig gemacht. Die Videos, die das Gericht als Beweismaterial sichten musste, hätten gewirkt, als sei sexueller Missbrauch "trauriger Alltag" der geschädigten Kinder, sagte der Richter.

Auf den Aufnahmen seien Täter und Opfer zum Teil eindeutig anhand von unverwechselbaren Körpermerkmalen zu erkennen gewesen. Bei den angeklagten Taten handelt es sich nach Einschätzung des Gerichts besonders im Fall des IT-Technikers Adrian V., der im Prozess zu den Vorwürfen schwieg, nur um die Spitze des Eisbergs. Während der Verhandlung sei weiteres Material durch die Polizei entschlüsselt worden.

Haben Sie selbst sexuellen Missbrauch erlebt oder sind Sie aktuell betroffen? Das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch bietet eine erste Anlaufstelle, kostenfrei und anonym: 0800 / 22 55 530 www.hilfetelefon-missbrauch.de (Telefonzeiten: Mo, Mi, Fr 9 bis 14 Uhr und Di, Do 15 bis 20 Uhr).

Sendung: Inforadio, Nachrichten, 06.07.2021, 11 Uhr

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8 Kommentare

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  1. 8.

    Was ausser Sicherungsverwahrung schwebt Ihnen denn vor? Und ja, unser Strafvollzugssystem geht davon aus, daß mit Verbüssung der Strafe die Schuld getilgt ist, so absurd das auch im Einzelfall erscheinen mag. Im übrigen hat sich meine Ansicht über die Härte einer Haftstrafe aus den bekannten Gründen in den letzten Monaten etwas geändert.

  2. 7.

    Einfach nur ekelhaft, wie man Kindern so etwas antun kann. Ich finde dafür keine Worte :'(

  3. 6.

    Traurig nur das wir solche Leute mit unseren Steuern weiter durchfüttern

  4. 5.

    Exakt, „Sicherungsverwahrung“ ist hier das, worauf es tatsächlich ankommt; da spielt selbst das Strafmaß an sich nur noch eine eher untergeordnete Rolle. Die Hauptsache ist, dass diese Männer nie wieder die Gelegenheit bekommen, jemandem so etwas anzutun.

  5. 4.

    Das Sicherungsverwahrung nach der Haft angeordnet wird, ist aber angekommen? Bevor sie die Mär vom schwachen Rechtsstaat zelebrieren, erstmal lesen, und, falls Begriffe unklar, informieren.

  6. 3.

    Und dann kommen sie nach Verbüßung von knapp der Hälfte der Haftstrafe wieder frei und tauchen erneut ein, in eine Gesellschaft, die es sich erlaubt tolerant zu sein. Und niemand bekommt jemals heraus, wer ihm da gegenübersteht , welch schreckliche Tat diese Menschen begangen haben und welch schrecklichen Leidensweg die Opfer gegangen sind....ganz ohne jede Möglichkeit auf eine 2. Chance im Leben.
    Es ist an der Zeit umzudenken.

  7. 2.

    was ist mit diesen Männern passiert, dass sie solche Dinge mit Kindern tun. Unfassbar!!!
    Ich habe Enkelsöhne in dem Alter und sie werden von der ganzen Familie geliebt. Es ist unvorstellbar, dass man Kindern so etwas antun kann. Was für ein Leben haben sie vor sich ???

  8. 1.

    Dieses Urteil ist im Vergleich zu seiner Tat weit unter dem was ich ihm wünsche. Die Netiquette verbietet es mir noch drastischere Worte hier zu äußern.

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