ÖPNV in Berlin - Fahrgäste der BVG-Busse können wieder vorne einsteigen

Mo 12.07.21 | 11:44 Uhr
  43
Archivbild: Fahrgäste steigen am 30.08.2016 in den BVG-Bus der Linie 200 in Berlin. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Audio: Inforadio | 08.07.2021 | Michael Ernst | Bild: dpa/Britta Pedersen

Die Busse der BVG in Berlin öffnen seit Montag auch wieder ihre vorderen Türen. Wegen der Corona-Pandemie durften Fahrgäste seit März 2020 nur hinten einsteigen. Tickets werden beim Fahrer nur noch bargeldlos verkauft, was auch zu Kritik führt.

Bei den Bussen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) öffnen seit Montag wieder die vorderen Türen. Zugleich startet ein Pilotversuch zum kontaktlosen Ticketkauf, wie die BVG mitteilte. Dieser Entscheidung seien Aerosolmessungen am Fahrerarbeitsplatz vorausgegangen.

Ursprünglich wollte die BVG den Vordereinstieg in Bussen im Rahmen des Pilotversuches bereits im Mai zulassen, doch Busfahrerinnen und Busfahrer protestierten erfolgreich gegen die Pläne und forderten weitere Messungen. Diese seien nun nachgeholt worden und unauffällig gewesen, man habe sich gemeinsam zur Öffnung der Vordertüren entschlossen, hieß es in der BVG-Mitteilung vom Donnerstag. Die meisten Busse seien mit Trennscheiben zwischen Fahrerkabine und Gästen ausgestattet.

Bargeld nicht akzeptiert

Trotz offener Vordertür können Fahrgäste mit gültigem Ticket - anders als vor der Corona-Pandemie - aber auch weiter hinten einsteigen, teilten die Verkehrsbetriebe weiter mit. Das sei nötig, um eine gute Durchlüftung der Fahrzeuge und einen Fahrgastwechsel mit möglichst viel Abstand zu gewährleisten.

Der Pilotversuch zum kontaktlosen Ticketkauf bedeutet: Fahrscheine können beim Fahrer oder der Fahrerin ausschließlich bargeldlos bezahlt werden. Akzeptiert werden Girokarte (EC-Karte), Kreditkarte und Smartphone-Technologien wie Apple- oder Google-Pay. Als weitere Bezahlmöglichkeit plant die BVG eine Guthabenkarte, die individuell mit Geldbeträgen aufgeladen werden kann.

BVG: Corona-Schutz und Zeitersparnis, Kritik vom IGEB

Mit dieser Bezahlart solle der Kontakt zwischen dem Fahrpersonal und den Fahrgästen kürzer und weniger nah werden, hieß es. Neben dem epidemiologischen Effekt hoffe man auf eine Zeitersparnis: Der Bus könne zügiger wieder abfahren. Wie groß ein möglicher Effekt auf die Pünktlichkeit im Alltag ist, müsse der Pilotversuch erst zeigen. Für die dauerhafte Einführung des kontaktlosen Vertriebs im Bus werde die BVG einen Tarifantrag bei der Tarifgenehmigungsbehörde stellen.

Der Berliner Fahrgastverband IGEB hat die Abschaffung der Barzahlung im Bus kritisiert. Es gebe Menschen, die aus finanziellen oder gesundheitlichen Gründen oder wegen ihres Alters nicht mit Karte oder Smartphone, sondern nur bar zahlen könnten, so der Verband. Die BVG glaube offensichtlich, auf diese Kunden verzichten zu können. Der IGEB bezweifelt außerdem, dass es eine Zeitersparnis geben wird, da viele Verzögerungen durch Fragen an den Fahrer zurückzuführen seien.

Seit März 2020 erste Tür geschlossen

Die Berliner Verkehrsbetriebe hatten gleich zu Beginn der Pandemie im März 2020 zum Schutz von Fahrpersonal und Fahrgästen den Ticketverkauf im Bus eingestellt, die erste Tür geschlossen und den Fahrerbereich zunächst provisorisch mit Folien abgetrennt. Seitdem, so das Unternehmen, sollen rund 1.400 Busse mit Trennscheiben für den Fahrerarbeitsplatz ausgerüstet worden sein. Dafür habe man rund 2,1 Millionen Euro investiert.

Sendung: Abendschau, 08.07.2021, 19:30 Uhr

43 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 43.

    Ich geh doch nicht erst in die U bahn um dann Bus zu fahren und meine Kioske haben schon lange keine Fahrsxheine mehr. Mal sehn ob se die prepaidkarte schaffen, meine Sparkassenkarte nutzeich nur bei großen Geldbeträgen und werde das auch beibehalten. Ansonsten werden Kontoauszüge unübersichtlich.

  2. 42.

    Sie können sich doch in fast jedem Zeitungsladen oder in U-Bahnstationen Karten kaufen und bar bezahlen. Die 4er-Karte ist sogar noch günstiger. Die kann man sich doch in's Portemonnaie legen. Wo ist denn da das Problem?

  3. 41.

    ich finde es unerträglich wie Sie über meine Befindlichkeiten Schwadronieren. natürlich gibt es Rentner oder besser Pensionäre die das beherschen, aber wenn ich Rente kurz über dem H4 Satz habe und nur eine Kurzstrecke brauche, weil ich mal wieder ein Folgerezept benötige ist das eine Menge Aufwand den ich nich jeden Tag also eventuell zum Fixtermin leisten kann. Danke für Ihr Unverständnis. Zumal das Urteil für negativ Zinsen noch nicht einmal 2wochen alt ist. Auch hier der Einstieg in den Ausstieg. Willkommen in Europa.

  4. 40.

    NEIN! Das ist der Einstieg in den Ausstieg. Watt meenste wozu diese Blauen Dinger seit langem im Buss rumhängend. VErschwörungstheorie eher nicht. Europa will nur unser Bestes.

  5. 39.

    Ich lese aus Ihrem Kommentar: "Also was für eine Frechheit das der BVG-Fahrgast Maßnahmen zum Gesundheitsschutz ablehnt ."

  6. 38.

    Schon mal dran gedacht, dass es in Berlin ein hohes Verkehrsaufkommen gibt plus bekloppte Autofahrer, die alles sinnlos zu parken? Den wichtigsten Satz auf den Aushangfahrplänen scheinen Sie auch nichth zu kennen: Angaben OHNE Gewähr (manno)

  7. 37.

    Nein ganz bestimmt nicht....ich rede davon, der Fahrplan kann nicht eingehalten werden, da wir ein enormes Verkehrsaufkommen haben. Deswegen sollte zu gewissen Zeiten der Fahrplan abgeschafft werden.

  8. 36.

    Sie haben recht. Wenn die eigenen Wünsche und Erwartungen nicht erfüllt werden dann werden gerne Rentner oder auch Alleinerziehende vorgeschoben für die das Interesse ansonsten äußerst minimal ist.

  9. 35.

    Sehr geehrter Pete,die BVG ist ob Sie es nun glauben oder nicht,ein eigenständiges Unternehmen. Sie verkauft dem Senat von Berlin Dienstleistungen. Leicht nachzuvollziehen bzw. nachzu lesen.

  10. 34.

    Sind Sie der Meinung, dass die Busse jetzt vor die Tür wieder öffnen, weil die sonst den Fahrplan nicht einhalten können?

  11. 33.

    Für wie blöde halten hier einige Kommentierer "die Rentner". Abgesehen davon gibt es z.B in Madrid so ein einfaches und übersichtliches Guthaben-Kartensysten. Beim Einsteigen beim Fahrer hat jeder seine Karte an den Entwerter zuhalten und es wird ein Festbetrag, der wesentlich geringer ist als ein bar bezahlter, von der Karte abgebucht. Ein grünes Licht signalisiert: Alles okay. Bei Nichtdeckung gibt's rotes Licht und ein lautes Tonsignal.

  12. 32.

    Naja, man kann auch aus allem ein Problem machen. Sie haben doch für sich Alternativen gefunden. Aber mal 'ne 4er Karte beim Zeitungskauf mitnehmen ist nun wirklich einfach und soooo oft ändern sich die Preise nun auch nicht.

  13. 31.

    Was stellen Sie für Behauptungen auf. Ich fahre viel und gerne Bus. Keine Ihrer Unterstellungen stimmt. Das einzige was am Busfahren nervt sind Lieferdienste und Autofahrer die Busspuren vollparken. Gerne auch Haltestellen, so daß ein Einsteigen für Menschen mit Kinderwagen und Rollator zum Problem wird. Aber wenn ich mich Recht entsinne, korrigieren Sie mich hatten Sie ja mal damit angegeben mit 6 PS-starken Dieselwagen unterwegs zu sein.

  14. 30.

    Also was für eine Frechheit das die BVG ein gültiges Zahlungsmittel ablehnt .
    Nicht jeder hat eine EC- oder Kreditkarte.
    Denn es gibt keinen Zwang dafür sich extra ein teures Konto anzulegen.
    Christian

  15. 29.

    Hallo Acht, mir ist im Februar mein Portemonnaie mit EC-Karte, SB-Ausweis, Bibliotheksaus bei der BVG gestohlen worden. Die bestellte Ersatzkarte und die dazugehörige PIN wurden abgefangen und anschließend wurde mein Konto geplündert. da es eindeutig nicht mein Verschulden war, hat mir die bank das Geld anstandslos erstattet. Aber ich möchte den Aufwand nicht nochmal haben. Und das kann schnell passieren, wenn mir im Bus ein hinter mir wartender Fahrgast dann Portemonnaie oder die EC-Karte aus der Hand reißt und damit verschwindet. Das Entnehmen der Karte und Zurückstecken sofort kostet ja auch Zeit, was auch eine Verzögerung für den Bus darstellt. Kleingeld dagegen hätte ich bereits abgezählt in der Hand.

  16. 28.

    In Deutschland wird generell, zu 60 bis 70 Prozent bar gezahlt, Kleinbetraege, wie Brötchen, Zeitungen, Fahrkarte zu 100.Berlin will mal wieder ne Ausnahme.

  17. 27.

    Die EC-Karte schleppe ich normalerweise nie mit mir herum, und wenn ich es der BVG zuliebe täte, wäre es keine NFC-Karte und würde es auch nie sein.
    Klar, ist dann eben mein Problem, und die BVG kann vorschreiben, was sie will.
    Dann wird es für mich aber eben auch nichts mit dem Busfahren. Dann muss es eben auf noch mehr Strecken das Rad sein, und wenn es mit Gepäck mal zum Bahnhof gehen soll, dann eben das Taxi. Die Taxifahrer freuen sich über mein Geld.
    Ich werde mir mit Sicherheit auch nicht größere Vorräte an Fahrscheinen zulegen, um immer "gerüstet" zu sein. Ein paar Monate später kommt dann die nächste Preiserhöhung, und man darf wieder losrennen, um seine Fahrscheine umzutauschen...

  18. 26.

    Die Rechtsform ist sowas von einerlei. Wen gehört denn die BVG trotzdem immer noch? :-)

  19. 24.

    Ja, versteh die Aufregung nicht. Und immer die Rentner ins Spiel bringen. Viele haben eine Monatskarte. Und wenn ich an London denke, da kann man beim Fahrer überhaupt nichts kaufen. Und das läuft schon ewig bestens. Dort sitzt der Fahrer auch in seinem eigenen Abteil sozusagen. Und London ist Touristenmetropole. Warum hier in Berlin sich manche über Dinge aufregen, die wo anders problemlos laufen weiß ich nicht. Die Angst vor Veränderung.

Nächster Artikel