Open Air - Clubcommission kündigt Widerstand gegen Veranstaltungsverbot am Plötzensee an

Badegäste im Freibad Plötzensee (Quelle: www-imago-images.de)
Bild: www-imago-images.de

Der Bezirk Mitte untersagt ein geplantes Open Air im Strandbad Plötzensee - Grund seien auch Interessen der Anwohner. Die Berliner Clubcommission zeigt sich verwundert über den Schritt, und will zusammen mit dem Bad gegen das Verbot klagen.

Das Strandbad Plötzensee kündigt einen juristischen Einspruch gegen Verbot von Konzerten auf seinem Gelände an. Das bestätigte das Bad rbb|24 am Sonntag. Die Berliner Clubcommission sagte im Gespräch mit rbb|24 an, sie wolle dabei unterstützen.

Das Bezirksamt Mitte hatte die für Sonntag angekündigte Veranstaltung "Tropicalia by Pornceptual - Open Air" untersagt.

Bezirk sieht Trend hin zu einer "Event-Location" beim Strandbad

Das Strandbad und dessen Uferbereiche dürften nicht in eine Event-Location verwandelt werden, hatte der Bezirk erklärt. Der Plötzensee und die Uferzonen seien Teil des Landschaftsschutzgebietes "Volkspark Rehberge" und das Strandbad grenze unmittelbar daran an. Hinzu kämen die berechtigten Interessen der Anwohnenden, lautete die Begründung für das Verbot.

Widerspruch zum Votum des Bezirksparlaments

Clubcommission und Strandbad Plötzensee sehen das Verbot des Bezirks als Zensurversuch: "Das eine - vielleicht Tanzveranstaltungen - sind gefällig, und das andere - wie das 'Tropicalia' nun - gefalle dem Bezirk nicht, also kommt das Verbot", heißt es vom Sprecher der Clubcomission, Lutz Leichsenring.

Betreiber und Clubcommison betonen nun: Weil aufgrund der Pandemie die öffentlichen Grünflächen durch private Partys mit Lärm und Müll belastet seien, sollten Veranstaltungen unter freiem Himmel eben gefördert werden. Damit werde Kultur trotz Pandemie wieder für alle Menschen unter legalen Umständen ermöglicht. Schließlich propagiere das Land Berlin "im Rahmen des Projekts Draussenstadt die kulturelle Vielfalt und hat die Clubcommission als Projektpartner eingebunden, um Freiflächen zu organisieren und zu betreuen" heißt es in der Reaktion auf das Verbot der Veranstaltung.

Das Strandbad Plötzensee habe sich mit seinem Areal abseits von Wohngebieten als wichtiger Kulturort für Veranstaltungen angeboten, so die Clubcommission. "Trotz konstruktiver Dialoge zwischen den Betreibern des Strandbads und Bezirksbürgermeister Von Dassel hat dessen Ordnungsamt nun allerdings - zur großen Verwunderung der Clubcommission - einen entgegengesetzten Kurs eingeschlagen".

Im Pachtvertrag der Berliner Bäderbetriebe und dem Strandbad seien derartige Veranstaltungen aber ausdrücklich vorgesehen. Die Betreiber sehen keinen anderen Weg, als mit rechtlichen Schritten gegen das Musikverbot vorzugehen, schon allein weil das Amt den Betreibern der Plötze zudem mit einem Zwangsgeld von 10.000 Euro pro Tag oder Gefängnishaft gedroht habe.

Betreiber sehen Bezirksparlamentarier auf ihrer Seite

Die Betreiber des Strandbads haben der Clubcommission zufolge "die nötigen Anträge auf Ausnahmen zum Immissionsschutz dem Umweltamt schon vor Wochen" vorgelegt. Und die Strandbetreiber ebenso wie die Clubcommission sehen anders als nun das Amt des Bezirks die Bezirksverordnetenversammlung auf ihrer Seite, weil das Parlament Mitte Juni in einem Beschluss solche Sonderveranstaltungen genehmigt hatte.

Sendung: Fritz, 18.07.2021, 12 Uhr

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28 Kommentare

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  1. 28.

    Das ist doch ein Witz. Da nennt der Bezirk Mitte eine einzige Location für Tanzveranstaltungen und verbietet dann die Veranstaltung. Ich sehe ziemlich traurige Zeiten auf uns zukommen... Wo bleibt da die Freiheit?!

  2. 26.

    Das wusste ich nicht. Mein letzter Besuch dort liegt schon "etwas" zurück. Danke aber für den Tipp. Gefunden ... und lesenswert ...
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/weddinger-orte-3-friedhof-am-ploetzensee-hinterm-hexenhaus-rechts/10993922.html





  3. 25.

    Party ist keine Kultur, sondern Alltag, den viele Menschen sehr schätzen. Natur und Grün und alle die Tiere sowie auch das Bedürfnis sehr vieler Menschen nach Erholung ist kein Wert. Könnten wir Letzteres in Euro beziffern, wäre das Abwägen vermutlich leichter. Es betrifft alle unsere einst schönen Parkanlagen. Sie werden einfach zerstört. Und die Party im Strandbad Plötzensee setzt dann noch eins drauf.

  4. 24.

    Nein heißt Nein was gibt es denn daran nicht zu verstehen?!

  5. 23.

    Sie haben leider schlecht recherchiert.
    Es gibt sehr viele Kleingärten ringsum, die gerne ihre Ruhe hätten! Das war der Grund, warum sie sich diese Naturoase angemietet haben.
    Desweiteren gibt es in der Straße Am Nordufer mit der Hausnummer 25 direkt neben dem Strandbad Plötzensee (Hausnummer 26) mehrere kleine Häuschen. Hier findet Betreutes Wohnen statt! Hier leben Menschen mit geistig und körperlicher Behinderung die Unterstützung von uns allen bekommen sollten!
    Ein Haus weiter, in Hausnummer 27, gibt es ein Wohnhaus mit vielen Mietparteien und kleinen Kindern!
    Direkt daneben Hausnummer 28 befindet sich das Jugend Gästehaus Nordufer! Hier kommen zu nicht Corona Zeiten Schulklassen und Erholungsbedürftige.
    Auf der anderen Seite des Sees gibt es ebenfalls am Dohnagestell 10, das Haus der Lebenshilfe im Dohnagestell.
    … und das ehemalige alte Forsthaus auf dem ehemaligen Friedhof, ist längst ein Wohnhaus!
    … und dann noch all die armen Tiere bei dieser Dauer Beschallung?


  6. 22.

    Früher Kapelle, heute Wohnhaus. Im Tagesspiegel findet man einen Artikel über dieses (Hexen-)Haus.

  7. 21.

    Die Angabe mit 22:00 Uhr Schluss bezieht sich lediglich auf die offizielle Party. Danach geht es illegal bis in die Puppen weiter…

  8. 20.

    Das war mal nen angenehm unaufgeregtes authentisches Strandbad, das was da jetzt entstanden ist passt irgendwie nicht dorthin..aber da wohnen im hippen kreuzkölln so teuer ist, kommt der wedding dann leider doch und vieles was hier so schön ist geht vor die hunde..ich hab dieses uniformierte induvidualistentum echt satt..

  9. 19.

    Seien Sie unbesorgt, Open Air Veranstaltungen enden regelmäßig um 22 Uhr, um auch Ihre Portion Schlaf zu gewährleisten.

  10. 18.

    Die Wohngebäude liegen hinter den Rehbergen. Dazwischen ist viel grün als Lärmpuffer.

  11. 17.

    Das Haus am Ende des Donahgestell ist die Kapelle des Friedhofes - wenn ich mich richtig erinnere,
    Nice try.

  12. 16.

    Anwohner sind neben Tieren auch Kleingärtner. Und dann steht da noch ein Wohnhaus am Ende des Donahgestelles. Just sayin…

  13. 15.

    am dichtesten dran sind die Bewohner des Hauses am Ende des Donahgestelles und der Kleingartenanlage. Alles relativ nah und mit Sicherheit näher als die von ihnen erwähnten 800m.

  14. 14.

    Zitat vom Pachtvertrag wäre hilfreich, weil meistens steht es doch etwas anders drinnen, als man selber behauptet.

    Ich verstehe zudem die Aussage nicht "Weil aufgrund der Pandemie die öffentlichen Grünflächen durch private Partys mit Lärm und Müll belastet seien, sollten Veranstaltungen unter freiem Himmel eben gefördert werden." Bei der Veranstaltung entsteht kein Müll und Lärm?

    Mal sehen was beim Gericht heraus kommt.

  15. 13.

    800 Meter, oder 1000 Meter, egal, wenn nur der See und die Rehberge zur Wohnbebauung liegt, dringt der Schall durch jede Mauer.
    Die "Steglitzer Woche" findet wg. der Lärmbelästigung auch nur bis ca. 23 Uhr statt. Oder endet noch früher.
    Es gibt auch noch Menschen, die ein Recht auf Ruhe, Tags und nachts, haben, weil sie für unsere Gesundheit und Sicherheit Schichtdienste schieben!!!!

  16. 12.

    Geritzt,
    Nur die Spanner müssten draußen bleiben. Alte Münze geht ja z.Zt. nicht. Die Performer können sich schon warmlaufen.

  17. 11.

    Im Wedding hören Fahrradwege auf, Dreck wird nicht beseitigt, das Ordnungsamt ist nicht zu sehen... Und Kulur.... Fehlanzeige....

    Der Wedding kommt nicht mehr.... .

    Nur Autolärm wird geduldet.... .

    Ich bin Selbst Weddinger... Alles nicht zu fassen....

  18. 10.

    Dann doch eher auf die Erfüllung des Bade-Pacht-Vertrages bestehen ? Anwohner sind die Wildschweine, Rehe und Wildziegen in der Rehberge ? Der Friedhof ? Das Krankenhaus ? Und wie ist Das mit dem Schutz der Uferstreifen, Schilf, Fische und Vögel ? Dem Schutz der Eventbesucher während des Badens ? Der Absperrung der wilden Badestelle am Dohna-Gestell ? Wie kommen die Gäste dort hin? Mit dem Fahrrad über die Autobahn ? Sind Busse bestellt ? Fährt die S-Bahn öfter ? Werden die Parkplätze kontrolliert und Fahrzeugschlüssel eingesammelt ? Zusätzliche Toiletten, wegen der Abstände ? Und dann wäre da noch die Dürre und die Waldbrandstufe, besonders unter Bäumen ? Wenn Saufen und Rauchen.geht, geht Baden schon lange.

  19. 9.

    Liegen zwischen der Eventlocation und Wohnbebauung auf der gegenüberliegenden Seite nicht rd. 800 m? Ok, von der gegenüberliegenden Seite hätte man vom Steingarten aus einen guten Blick auf die Veranstaltung. Bis zur nächsten Wohnbebauung sind dann noch rd. 650 Meter. Bisschen dünne ihr Einwand.

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