Katholiken und Protestanten - Weniger Kirchenmitglieder treten im Corona-Jahr aus

Leere Kirche (Quelle: dpa/Eibner-Pressefoto)
Audio: Abendschau | 14.07.2021 | Arndt Breitfeld | Studiogast Ulrike Bieritz | Bild: dpa/Eibner-Pressefoto

Die beiden großen Kirchen in Deutschland verlieren weiter massenhaft Mitglieder, doch die Austrittswelle hat sich im Corona-Jahr 2020 verlangsamt. Und ein christlicher Ritus erlebt gar ein Hoch.

Die Zahl der Kirchenmitglieder in Deutschland ist im Jahr 2020 in beiden großen christlichen Kirchen weiter gesunken. Die Zahl der Protestanten ging um rund 477.000 zurück, die Katholiken verloren rund 407.000 Mitglieder, wie die am Mittwoch veröffentlichten Mitgliedszahlen der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zeigen.

Bedford-Strohm tut sich mit Interpretation schwer

Allerdings sank die Zahl der Kirchenaustritte im Corona-Jahr im Vergleich zu 2019 um 18,8 (Katholiken) beziehungsweise 18 Prozent (Protestanten).

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Wie die zurückgehende Zahl von Kirchenaustritten zu deuten ist, können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch schwer sagen." Derzeit erlebe die Kirche auf jeden Fall einen regelrechten "Taufboom", weil viele die Feier während der Corona-Pandemie aufgeschoben hätten und jetzt nachholen wollten.

"An den Zahlen gibt es nichts schönzureden"

In der weiteren Region Berlin gehörten Ende 2020 noch rund 1,28 Millionen Menschen der Kirche an, darunter knapp 891.000 der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und gut 395.000 dem katholischen Erzbistum Berlin. Ende 2019 hatten beide Kirchen zusammen noch rund 1,31 Millionen Mitglieder.

Rund 23.000 Protestanten verließen die Evangelische Kirche in der Region, im Erzbistum machte der Rückgang etwa 5.000 Gemeindemitglieder aus. "An den Zahlen gibt es nichts schönzureden", betonte der evangelische Landesbischof Christian Stäblein: "Es sind weniger Menschen aus der Kirche ausgetreten, aber jeder einzelne Mensch ist zu viel."

54 Prozent der Gesamtbevölkerung christlich

Insgesamt sank der Anteil aller Christen (inklusive Orthodoxe und Freikirchen) an der Gesamtbevölkerung leicht auf nunmehr 54 Prozent. Gleichwohl stellen die Christen damit weiterhin die mit Abstand größte Religionsgemeinschaft in Deutschland. Die Katholische Kirche kommt auf 22,2 Millionen Mitglieder und die Evangelische auf 20,2 Millionen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, bezeichnete die Zahl der Kirchenaustritte als "schmerzlich". Viele hätten offenbar das Vertrauen verloren und wollten mit dem Kirchenaustritt ein Zeichen setzen.

Allerdings hatte die Vertrauenskrise um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sich erst Ende 2020 entfaltet und dürfte vor allem in diesem Jahr zu Buche schlagen.

Sendung: Brandenburg aktuell, 14.07.2021, 19:30 Uhr

33 Kommentare

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  1. 33.

    Das Festhalten an den alten Pfründen vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Änderungen ist wahrlich nicht mehr zeitgemäß. Dass die Kirche sich selbst bei den Arbeitslosen bedient ist schon eine Frechheit.

  2. 32.

    Die Bahnhofsmissionen werden zu einen erheblichen Teil vom Staat bezahlt. Verstehe nicht warum zu so jammern, wenn Sie meinen die Kirche gibt Geld dazu, dann kann es ihnen doch nur Recht sein, wenn Staat und Kirche, wie auch in unserer Verfassung vorgegeben endlich getrennt werden.

  3. 31.

    Ist auf auf ihren Kommentar bezogen. Sie nehmen 1 Euro ein und 100 geben aus.

  4. 29.

    Die größte Bevölkerungsgruppe im Osten, 68,3%, sind Agnostiker und Atheisten.

  5. 28.

    Aha… Dann soll der Staat alles selbst machten. Sie würden sich wundern, wenn plötzlich Bahnhofsmissionen etc. dicht wären. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum Sie solch Unsinn schreiben. Kirchen übernehmen staatliche Aufgaben und erhalten davor Geld wie auch gemeinnützige Vereine usw…. Stört es Sie, wenn für karitative u.a. Zwecke Gelder gezahlt werden? Leicht asoziale Gedanken?

  6. 26.

    Sie liegen richtig. https://www.bundestag.de/resource/blob/630138/1ce0a4e51d8d31ab3cc46f944d2ff2cf/WD-10-008-19-pdf-data.pdf

  7. 25.

    Da Sie nicht wissen was Sie selber schrieben zur Erinnerung: "Wenn Sie einen Rettungsdienst oder später mal eine Pflege...." Ihre Ratschlaege beherziegen besser einmal selber ersteinmal.

  8. 24.

    Ich sprach von der Wohlfahrt, nicht vom gewinnorientierten Gesundheissystem!
    Das bitte mal auseinander halten.
    Träger der Wohlfahrt für z.B. Hilfebedürftige mit ihren vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern sind auch die Kirchen.

    Nicht gleich ihre gedankliche Schrecksekunde in den ersten Zeilen verarbeiten, sondern bis zum Ende lesen und auch den ganzen Sinn einer Info verarbeiten!

  9. 23.

    Unsinn informieren Sie sich doch bitte erst und fragen Sie sich warum es diverse andere Anbieter gibt welche keine Steuer bekommen. Lesen Sie doch bitte "Kliniken und Altenheime werden ohnehin nicht durch den Staat refinanziert, sondern durch die Kranken- und Pflegekassen, also von den Versicherten selbst."

    https://www.ekd.de/kirche-und-geld.htm

  10. 22.

    Wie viele "Vertrauenskrisen" brauchen wir denn noch, um aufzuwachen? Ist die Geschichte nicht schon voll davon?

  11. 21.

    Das ist eine erschreckend hohe Zahl. Jeder 2. Einwohner in D. gehört einer Religionsgemeinschaft an plus die vielen Mitglieder der Nicht Christlichen Kirchen.

  12. 20.

    Genau! Und zwar deshalb, weil... (Kirchenstaatsvertrag mit Wohlfahrtspflege)
    Wenn Sie einen Rettungsdienst oder später mal eine Pflege brauchen oder mal unverschuldet verarmen und Unterstützung mit Notunterkunft, Kleiderspenden oder eine warme Mahlzeit brauchen... Die Grundfinazierung Gebäude muss der Träger leisten: Johanniter, Diakonie, Caritas.. alles kirchlich angebundene Organisationen - evangelisch oder katholisch. Es gibt auch jüdische Wohlfahrtspflege, die auch durch Kirchen- und sonstige Steuern zum Teil mitfinanziert wird. Bitte nicht meckern, wenn durch unsere sonstigen Steuern solche Wohlfahrtspflege mitfinanziert wird. Die Kirchensteuern sind so gesehen nur eine zusätzliche finanzielle Unterstützung für die jeweiligen Glaubensgemeinschaften. Wen der Staat diese Wohlfahrtspflege selbst organisieren müsste, wäre es wesentlich teurer. Weil in diesen Organisationen vor Ort ehrenamtlich engagierte Menschen die Arbeit leisten. Nur aus dem Ideal, dass sie Menschen helfen wollen.

  13. 19.

    Sie wissen leider nichts. Religionsunterricht über 1,5 Milliarde und dazu Milliarden für den Bauunterhalt.

  14. 18.

    Was kaum jemand weiß: Die Kirchensteuer (in Berlin 9% von der Einkommensteuer) ist NUR EINE von vielen weiteren Einnahmequelen der beiden großen KIrchen. ALLE (auch ausgetretene und Ahteisten) leisten über die Mehrwert-/Umsatzsteuern bei jedem Einkauf, jedem Tanken usw. ihren Beitrag zu den staatsvertraglich manifestierten Staatszuschüssen an beide großen Kirchen, DARAUS kann man NICHT austreten.

  15. 17.

    Der Staat verdient aber daran, wenig Aufwand und eine feste Einnahme. Aufwand ist deswegen gering, weil es einfach ein fixer Wert der ohnehin festzusetzenden Einkommensteuer ist. Das ist quasi ein Klick.

  16. 15.

    Hinzukommt, dass die Römisch Katholische Kirche weltweit wächst. ZB auch in China. Es ist eine Weltkirche. Interessant wird in Berlin der Zuwachs an Muslimen. Das relativiert dann den Anteil Nichtreligiöser.

  17. 14.

    Sogar noch viel mehr. Denken Sie nur mal an die Vornamen seiner irdischen Eltern, das Praktizieren von Wundern, das Alter, die Herkunft (vom Himmel hoch), die charakterliche Perfektion, die (zugegebenermaßen nicht uneingeschränkte) Keuschheit, die Ablehnung von finanziellem Reichtum und die mit seinem Erscheinen einhergehende Verherrlichung der Menschheit (als Krone der göttlichen Schöpfung bzw. würdigste aller Zivilisationen).

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