Diskriminierung und Ausgrenzung - Evangelische Landeskirche bittet queere Menschen um Vergebung

Christian Stäblein, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Quelle: DPA/Fabian Sommer)
DPA/Fabian Sommer
Audio: Inforadio | 23.07.2021 | Bild: DPA/Fabian Sommer

Einen Tag vor dem Christopher Street Day in Berlin entschuldigt sich der evangelische Bischof Christian Stäblein bei sexuellen Minderheiten. Sie hätten in der Vergangenheit Diskriminierung erfahren. In der Marienkirche soll eine Erklärung verlesen werden.

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz will sich in einer offiziellen Erklärung für die Diskriminierung und Ausgrenzung queerer Menschen in den eigenen Reihen entschuldigen. Es sei ein wichtiger Akt, einmal als Kirche sehr deutlich und laut zu sagen, "wir sind hier schuldig geworden, wir sind in die Irre gegangen, und wir bitten um Vergebung", sagte Bischof Christian Stäblein am Freitag in Berlin dem rbb.

Die Erklärung sollte am Freitagabend in einem Gottesdienst in der Berliner Marienkirche veröffentlicht werden, am Vorabend des Christopher Street Days. Die "Bitte um Vergebung" sei ein weiterer Schritt in dem Prozess, "dass sich die Haltung der Menschen in dieser Kirche geändert hat und weiter ändert", betonte Stäblein im rbb-Inforadio. Das Wichtigste dabei sei das Anerkennen der Vielfalt der Schöpfung Gottes und der Vielfalt der Menschen.

Landeskirche schritt bei Trauangeboten voran

Stäblein unterstrich: "Wir haben unser Handeln umgestellt." Dabei verwies er etwa auf die inzwischen mögliche Trauung gleichgeschlechtlich Liebender in der Landeskirche. Das sei ein wichtiger Schritt gewesen, "um diese Gleichstellung auch sichtbar zu machen".

Unter queeren Menschen versteht die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz lesbische, schwule, bi-, trans- und intersexuell lebende Personen. Seit 2002 gibt es in der Landeskirche für Paare in eingetragener Lebenspartnerschaft Segnungsgottesdienste. Seit Juli 2016 bietet die Landeskirche auch Traugottesdienste für homosexuelle Paare an - deutlich früher, als dies auf deutschen Standesämtern der Fall gewesen war. Dies ist seit dem 1. Oktober 2017 möglich.

Insbesondere Pfarrpersonen, die in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft leben, mussten über Jahrzehnte innerhalb der Kirche Diskriminierung erleiden. So war etwa das gemeinsame Wohnen im Pfarrhaus untersagt.

Sendung: Inforadio, 23.07.2021, 11.40 Uhr

20 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 20.

    Hier geht es nicht darum in die KIrche ein-, oder aus der Kirche auszutreten, sondern um die längst überfällige Entschuldigung für in der Vergangenheit Diskriminierte. Wozu hat Jesus im Vaterunser u.a. formuliert: "..und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern..." ? Eindrucksvolle Formulierungen überzeugen erst dann, wenn man/frau dementsprechend handelt.

  2. 19.

    Ich möchte Ihnen keineswegs zu nahe treten. Zuerst mal, die evangelische Kirche ist mit Abstand die toleranteste dieser beiden Konfessionen. Wo hingegen die RKK ein Haufen bigotter Männer ist, die unter dem Zeichen des Zölibats Kinder in schändlicher Weise missbraucht haben und es vermutlich immer noch tun. Siehe die aktuellen Fälle in Kanada. Unfassbar was diese Kinder alles mitgemacht haben, bevor sie einfach verscharrrt wurden.

  3. 18.

    Gerne einfach mal googeln oder diese freundliche Frage ruhig mal auf queer.de stellen. Dort wird Ihnen geholfen. GAY bedeutet nichts weiter als der internationale Sammelbegriff für Schwul/Lesbisch. Soviel dazu.

  4. 17.

    Ich bin und bleibe Christ . Ich bin aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Das wegen der Entwicklung in dieser Kirche.
    Der liebe Gott hat offenbar so wenig Glück mit seinem Bodenpersonal. Das dürfte ihm wohl schon sehr peinlich sein.
    Die Pastoren sollen ihren seelsorgerischen Auftrag annehmen und nicht dem rot grünen Mainstream nachlaufen.

  5. 16.

    Ob sich alles so total "fortschrittlich" weiter entwickelt hat, dafür gibt es keine Belege.
    Entwicklungsbiologisch sind neue Strömungen des hiesigen Zeitgeistes ein dead end.

  6. 15.

    Sie können Ihren Glauben definieren wie Sie möchten und wenn Ihnen da was bei den KIrchen nicht passt, die Verbindungen kappen. Auf dem Hintergrund gesetzlich verbriefter Religionsfreiheit werden sich die KIrchen nicht um Ihre Ansprüche scheren, da eine der Säulen des christlichen Glaubens immer noch wirksam fortbesteht, dass Gott auch diese Welt und SÄMTLICHE Kreaturen (auch die queeren) erschaffen hat und ER von Christen als der EINZIGE ALLEINIGE Regent dieser Welt eingeordnet BLEIBT. Im Sinne dieser Konsequenz können Sie in der Bibel nachlesen, dass selbst Gottes Sohn Jesus Christus vor 2000 Jahren und vor seiner Ermordung durch das römische Hinrichtungskommamdo damals Menschen klare Orientierung gab, wenn es sein musste sogar so, dass er Uneinsichtige quasi vor den Kopf stieß...

  7. 14.

    Bei der Katholischen Kirche ist die Sache klar.Gleichgeschlechtliche Verbindungen würden nicht dem "göttlichen Willen" entsprechen, schreibt die Glaubenskongregation in Rom - eine Reaktion auf die Diskussion in Deutschland.

  8. 13.

    https://www.bundestag.de/resource/blob/630138/1ce0a4e51d8d31ab3cc46f944d2ff2cf/WD-10-008-19-pdf-data.pdf

  9. 12.

    Was kaum jemand weiß: Die Kirchensteuer (in Berlin 9% von der Einkommensteuer) ist NUR EINE von vielen weiteren Einnahmequelen der beiden großen KIrchen. ALLE (auch ausgetretene, Atheisten und andersgläubige) leisten über die Mehrwert-/Umsatzsteuern bei jedem Einkauf, jedem Tanken usw. ihren Beitrag zu den staatsvertraglich manifestierten Staatszuschüssen an beide großen Kirchen, DARAUS kann man NICHT austreten.

  10. 11.

    "Anton" Die " christlichen Urschriften " wurden von Menschen geschrieben und schon damals haben Menschen nicht alles gewusst und waren nicht unfehlbar.
    Die Menschheit, hat sich Gottseidank weiter entwickelt. Nur diejenigen, die vor ca. 2000 Jahren eine gute Geschäftsidee hatten und verfeinert haben, sind nicht mit der Zeit gegangen. Wie sagte doch Michail Sergejewitsch Gorbatschow einst:

    "..Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben..."

  11. 10.

    Dankeschön :-)
    Ist es vermessen auch noch zu fragen, was unter den einzelnen Begriffen/Lebensweisen zu verstehen ist? Also was lesbisch und bi ist weiß ich, aber die anderen drei ???

  12. 8.

    Kann mir mal einer LGBTIQ+ übersetzen oder haben jetzt alle einen „Aküfi“?
    Und der Kirche glaube ich kein Wort, erst wenn die Bibel wird angepasst wird.

  13. 7.

    Aber irgendwie habe ich den Frommen Gottesmann doch nicht verstanden. Wie ist denn nun die Meinung seiner Kirche zu den wohl an die LGBTIQ+-Geschlechtern, und wie leitet er seine Meinung aus den christlichen Urschriften ab?

  14. 6.

    Viel zu spät, für all die, die schon verstorben sind. Zumindest hat sich die evangelische Kirche entschuldigt und das ist anzuerkennen. Bei der kath. Kirche kann man so eine Geste nicht erwarten. Ich habe die Heuchelei der Kirchen auch satt. Der Glaube, ist mir schon vor über 43 Jahre abhanden gekommen. Was ich in der kath. Kirche, seinerzeit schon erlebt habe, lässt mich manchmal heute nicht schaudern.
    Wann endlich, bekommen die Opfer des Missbrauchs eine ordentliche Entschädigung, von mindestens 250,000,00 €. Für div. Gutachten, die teilweise gar nicht veröffentlich werden, ist ja genug Geld vorhanden, sowie für Prachtbauten und feudales Leben.

    Leider verschwinden dieses Thema immer mehr aus der Öffentlichkeit, weil schon wieder andere Katastrophen stattgefunden haben.

  15. 5.

    Religiöse Institutionen sind im letzten Jahrzehnt vor allem dabei, zu entdecken, dass sie viel abhängiger von Mitglieder, als Menschen dies von archaische Institutionen sind. Insofern muss die Frage gestellt werden, wie authentisch und im Herzen verwurzelt diese neue Positionierung in Wirklichkeit ist. Jeder der die Bibel objektiv gelesen hat, ist darüber aufgeklärt, dass dieses Buch sich sehr unliebsam und konkret über die gleichgeschlechtliche Liebe äußert.
    Lesen Sie bei Interesse mal die Geschichte über Sodom und Gomorrha.
    Vor allem interessant ist, mit welcher Eindeutigkeit beschrieben wird, was Sodomie in Gottes Auge ist (...)
    Da gibt es für seine VertreterInnen wohl kein Interpretationsspielraum.
    Wenn wir als Gesellschaft bestimmte Worte und Straßennamen nicht mehr verwenden wollen, streicht dann zB die Kirche demnächst komplette Kapitel im "unfehlbaren Buch"?

  16. 4.

    "Lange bevor die Standesamt ... " ? Hat die Evangelische Kirche "Wieder" nicht begriffen dass Sie NICHT Staat im Staate ist sondern Sich den Gesetzen der Bundesrepublik Deutschland zu unterwerfen hat. - Langsam werden Mir diese Religiösen Weltverdränger lästig. Ich werde demnächst zum Finanzamt gehen und meine Verbindung mit der Ev.Landeskirche Bln OL lösen. Ständig Gemeinden zusammenlegen, geschulte Kirchen-Verwaltungs-Hörige Pfarrer/innen einsetzen und nicht Fragen warum die noch Berufstätigen wegbleiben. Vielleicht doch mal eine Angebotsüberprüfung durchführen ?

  17. 2.

    Sicherlich ein guter Schritt in die richtige Richtung. Danke dafür!

  18. 1.

    Das finde ich vollkommen richtig so. Danke. Aber ich habe längst damit aufgehört an diese Religion zu glauben.

Nächster Artikel