Nach Rat von Ex-THW-Präsident Broemme - Berlin prüft Wiederaufbau von Sirenen zur Warnung vor Katastrophen

Archivbild: Eine Sirene auf einem Hausdach vor dem Stadtpanorama. (Quelle: dpa/R. Vennenbernd)
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Video: Brandenburg Aktuell | 21.07.2021 | K. Zummack | Bild: dpa/R. Vennenbernd

Wie warnt man Menschen vor Gefahren, wenn der Strom ausfällt? Ex-THW-Präsident Albrecht Broemme plädiert für analoge Sirenen. Die wurden in Berlin schon in den 1990er-Jahren abgeschafft - doch jetzt prüft der Senat, sie wiederzubeleben.

Der ehemalige Präsident des Technischen Hilfswerks, Albrecht Broemme, hat sich dafür ausgesprochen, beim Katastrophenschutz analoge Sirenen einzusetzen. Das Hochwasser in mehreren Bundesländern habe die Notwendigkeit der eigentlich in die Jahre gekommenen Technologie bewiesen, sagte Broemme dem rbb. "Der Stromausfall, der Ausfall der Kommunikationssysteme, hat gezeigt: Etwas Unabhängiges wäre gut, um die Bevölkerung zu informieren, als Weckruf."

Eine Anschaffung solcher Sirenen will Berlin jetzt prüfen. Die Innenverwaltung werde dem Senat ein entsprechendes Konzept vorschlagen, sagte ihr Sprecher Martin Pallgen am Mittwoch. Bis Ende des Jahres soll es erste Ergebnisse zur Frage geben, ob und an welchen Stellen akustische Warnungen wieder sinnvoll seien.

Sirenen bis in die 1990er-Jahre in Berlin

Die kosten- und wartungsintensiven Sirenen wurden in Berlin laut Innenverwaltung bis in die 1990er-Jahre vom Bund betrieben und dann nach dem Ende des Kalten Krieges abgeschafft. In Brandenburg dagegen sind nach Aussagen des Innenministers Michael Stübgen (CDU) 2.500 Sirenen noch vorhanden. "Trotzdem hat im letzten Jahr der Warntag gezeigt, dass sie nicht hinreichend funktionieren", sagte er am Mittwoch im rbb Fernsehen. Probleme gebe es insbesondere mit alten Sirenen, die nicht direkt von der Leitstelle geschaltet werden können und nicht über alle Notsignale verfügen.

Broemme betonte, es komme darauf an, die Bevölkerung auch ohne digitale Technik zu erreichen. Das Warnsignal würde automatisch den Ernst der Lage deutlich machen, so Broemme. "Dann muss man wissen, was zu tun ist: Radio einschalten, eines mit Batterien und Kurbel." Allerdings seien Sirenen allein nicht ausreichend für den Katastrophenschutz. Broemme sprach sich auch dafür aus, eine bundesweite Analyse zum Abfließen von Regenwasser zu machen.

Schon vor einigen Monaten hatte der Bund ein Förderprogramm für Sirenen aufgelegt. "Die Sirene ist wegen der Einzigartigkeit der Weckfunktion vor allem nachts wichtig", sagte der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Armin Schuster. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) geht davon aus, dass die Bevölkerung vor Gefahren künftig auch per SMS gewarnt wird. Das sagte der Politiker am Mittwoch.

Broemme rät bei Wiederaufbau zu alternativen Standorten

Beim Wiederaufbau von zerstörten Eigenheimen und historischen Innenstädten rät Broemme dazu, die Lage genau zu untersuchen. "Wir werden noch mehr Unwetter bekommen, in noch kürzeren Abständen", so Broemme. Gegebenenfalls müsse auch über alternative Standorte der Neubauten nachgedacht werden.

Broemme wurde 1992 mit erst 39 Jahren Leiter der Berliner Feuerwehr, 2006 erfolgte die Ernennung zum Präsidenten der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk. Im März 2020 beauftragte ihn die Senatsverwaltung für Gesundheit, das Corona-Notfallkrankenhaus in der Messe Berlin aufzubauen. Später organisierte Broemme auch den Aufbau der sechs Berliner Impfzentren.

Sendung: Inforadio, Nachrichten, 21.07.2021, 16 Uhr

83 Kommentare

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  1. 83.

    Mit Sirenen ist es ja wohl nicht getan. Folgen müssten Sicherheitskonzepte für den Katastrophenschutz und die auch nicht nur auf dem Papier.

  2. 82.

    Die Sirenen sind ein erster Schritt; viel wichtiger wäre aber eine holistische Betrachtung.

    Wie kann im Katastrophenfall die Bevölkerung a) schnellstmöglich über eine Gefahrenlage informiert werden und b) mit weitergehenden Informationen versorgt werden, wie sie sich zu verhalten haben (z.B. ob, wann, wo und wie evakuiert werden muss).

    Klar, in Japan existiert eine andere Lebenswirklichkeit, aber ich war mehr überrascht wie gut ihr "J-Alert"-System funktioniert. Sowohl bei einem Raketenalarm, als auch bei einem Taifun wurden sofort und über alle Kanäle informiert. Deren System is so gut, dass selbst Radios und TV-Geräte (als visuelle Hilfe) automatisch angehen um die Bevölkerung zu informieren, auch wenn die omnipräsenten Lautsprecheranlagen vielmals ausreichen würden. Für Ausländer gibt es zusätzlich eine App, die in der Besuchersprache über weitere informiert, z.B. wo die nächste Turnhalle/Schule ist, wie ich mein Konsulat erreiche etc. etc.

  3. 81.

    Früher gab es in jeder Dorfkirche die Feuerglocke....

  4. 79.

    Die „Hardware“ ist das eine, das Wieder-vertraut-machen der Bürger damit, was die Signale bedeuten, die viel schwerere Aufgabe!

  5. 78.

    Oh, ja!
    Ich habe es auch einmal nach der "freien" Wirtschaft in einer Behörde "versucht"!
    Habe leider nicht durchgehalten ... "hanebüchen" teilweise noch nett ausgedrückt.
    Halten Sie bitte durch - der ÖD kann Sie sicherlich gut gebrauchen ;-)

  6. 77.

    Leider sind Hörgeschädigte nicht oder nur unzureichend - während des Schlafens gar nicht - durch Sirenen erreichbar. Radio und TV - sofern sie funktionieren nützen nicht, wer nicht hören kann, hört auch kein Radio. Ansonsten sind Sirenen eine gute Sache. Es MUDS an Hôrgeschädigte gedacht werden - betroffen sind gut 20% der Einwohner Deutschland. In allen Altersgruppen!

  7. 76.

    Was es hier so schwer macht? Ich nenne das Zauberwort "Bürokratie" - ich arbeite in einer Behörde und kenne mich als jemand, der mal aus der Wirtschaft kam, da bestens aus...... Es ist hanebüchen......

  8. 75.

    Haarsträubend finde ich nicht nur die ständige Befragung von Hr. Broemme, sondern sein Plädoyer für die Neuanschaffung, wo er doch als damaliger LBD den Abbau mit zu verantworten hat.

  9. 74.

    Sirenen sind nicht schlecht, aber man sollte darüber den SMS Cell Broadcast nicht vergessen. Das nutzen schon viele Länder erfolgreich, USA, Japan, Litauen, Griechenland, Rumänien..! Und es wird kaum neue Infrastruktur gebraucht, alle Handys können es bereits - und alle Mobilfunknetze auch, wenn sie nur einmal richtig konfiguriert werden. Der Bund muss nur eine Stelle schaffen, die Meldungen z.B. vom europäischen Hochwasser-Warnsystem EFAS dort auch einspielt. Zum Beispiel beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz, das, wie wir ja jetzt lernen mussten, bisher nicht mit so etwas beauftragt wurde.

  10. 73.

    Ihre Argumentation geht an meinem Anliegen vorbei. Sirenen und Radio sind nützlich, aber leider nicht für Hörgeschädigte. Wie ich das automatische SMS-Warnsystem nach der Beschreibung verstanden habe, läuft das nicht über das übliche Netz und hat damit auch bei Ausfall der üblichen Funknetze eine Chance, Menschen zu erreichen. Das wäre eine gute Ergänzung.

  11. 72.

    Ich habe nichts gegen Sirenen. Sie reichen nur nicht aus. Das automatische SMS-Warnsystem könnte diese Lücke füllen.

  12. 71.

    Tut mir leid, aber Sie scheinen meinen Beitrag mit einem anderen verwechselt zu haben. Bei mir ging es um die Lage der Hörgeschädigten. Darauf hatten Sie ja auch reagiert

  13. 70.

    Sie haben einfach Recht. Spätestens mit der Ernennung der neuen Bundesregierung landen alle guten Vorschläge, welche finanzielle Mittel erfordern, in irgendeiner Akte in einem riesigen Aktendepot und werden so weit wie möglich schnellstmöglich vergessen... :-(

  14. 69.

    Da sind Sie im Irrtum. Sehgeschädigte profitieren im Unterschied zu Hörgeschädigten sowohl von Sirenen als auch Radios.

  15. 68.

    Antwort an Partymaus
    Ihre Antwort zeugt von totaler Unkenntnis der Situation der Hörgeschädigten. Wenn es um Gefahrensituationen geht, brauchen die eine schriftliche Warnung, weil akustische Signale durch Sirenen und Radios von ihnen schlicht nicht wahrgenommen werden können. Das ist kein Meckern sondern eine Tatsache.

  16. 67.

    Lange nicht mehr in Berlin gewesen, Prenzlauer, stimmt's? Die Mauer, die das Hochwasser vom Regentief zuverlässig am Ausreisen nach West-Berlin gehindert hat, ist seit 30 Jahren weg! Seither können Regen, Sturm, giftige Gase und Rauchentwicklung bei Bränden auch Stadtteilgrenzen zügig passieren, ohne dabei einem Sachsen die Ausweispapiere zeigen zu müssen..

    Wir Berliner schätzen das übrigens sehr. Auch, wenn die Feuerwehr in Friedrichshain Kreuzberg nicht nur den Westteil des Bezirks löscht...

  17. 66.

    Schon mal was von Suchmaschinen gehört? EInmal eingegeben, viele Ergebnise. Gern geschehen.

  18. 65.

    Sehr gut kommentiert. Ich kenne Sirenen noch aus meiner Grundschulzeit. Und sie zeigten durchaus auch ihre Wirkung.

  19. 64.

    > "Also die Sirenen in der DDR dienten garantiert nicht der Vorwarnung vor einem Atomschlag."
    Doch auch, weil dies ebenso ein Katastrophenereignis wäre:
    Sirenenton auf und abschwellend 1 Minute lang.

    > "Wir wurden damals als Kinder sogar darüber an den Schulen informiert."
    Jepp! Ich kann mich auch an 2 Großübungen mit allem Sirenengeheule während meiner Schulzeit erinnern.

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