Fusion von Immobilien-Riesen - Vonovia kann Deutsche Wohnen wohl vorerst nicht übernehmen

Der Hauptsitz des Immobilienkonzerns Vonovia in Bochum (Quelle: dpa/Dennis Ewert)
Video: Abendschau | 23.07.2021 | Tina Handel | Bild: dpa/Dennis Ewert

Die Vonovia ist wohl vorerst damit gescheitert, den Immobilien-Riesen Deutsche Wohnen zu übernehmen. Nicht genügend DW-Aktionäre haben aus Vonovia-Sicht ihre Anteile eingeliefert. An den Zusagen für Berlin wolle man dennoch festhalten.

Die Übernahme des Berliner Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen durch den Konkurrenten Vonovia ist wohl vorerst gescheitert. Zu wenige Deutsche-Wohnen-Aktionäre hätten das Übernahmeangebot angenommen, teilte Vonovia am Freitag mit.

Vonovia wurden nach eigenen Angaben bis kurz vor dem Ende der Nachbuchungsfrist am Freitag um 18 Uhr rund 47,6 Prozent der Aktien der Deutsche Wohnen angedient. Nötig für eine Übernahme sind 50 Prozent. Die Nachbuchungsfrist endete am Freitag, 18 Uhr. Vonovia-Sprecherin Nina Henckel teilte rbbl24 allerdings mit, dass ein Anteil von 50 Prozent auch mit den Nachbuchungen nicht erreicht werden könne.

Rückschlag für Vonovia

Für Vonovia-Chef Rolf Buch ist das ein erneuter Rückschlag. Schon vor fünf Jahren versuchte er vergeblich, die Deutsche Wohnen als Branchenzweiten zu übernehmen.

"Wir werden die möglichen Optionen, wie zum Beispiel einen Verkauf der derzeit von Vonovia gehaltenen Aktien an der Deutsche Wohnen, ein erneutes öffentliches Angebot oder den Erwerb weiterer Aktien nun sorgfältig prüfen", sagte Buch laut Mitteilung.

Vonovia mit Sitz in Bochum wollte mit der Übernahme den größten Immobilienkonzern Europas mit rund 550.000 Wohnungen schmieden. Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen empfahlen ihren Aktionärinnen und Aktionären, das Übernahmeangebot anzunehmen. Die notwendigen Investitionen in bezahlbares Wohnen, Klimaschutz und Neubau ließen sich nach einem Zusammenschluss gemeinsam besser schultern.

Finanzsenator Kollatz: "überraschend"

Die Deutsche Wohnen ihrerseits teite am Freitag mit, sie sei von Vonovia darüber informiert worden, dass das Übernahmeangebot voraussichtlich nicht erfolgreich ist.

Michael Zahn, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Wohnen, erklärte in der Mitteilung, man habe das Angebot der Vonovia unterstützt und sich für einen partnerschaftlichen Zusammenschluss ausgesprochen. "Gemeinsam ließen sich die Herausforderungen auf dem Immobilienmarkt noch besser schultern", erläuterte auch Zahn. "Ungeachtet dessen sind wir als Deutsche Wohnen strategisch hervorragend aufgestellt, um unseren Erfolgskurs fortzusetzen."

Der Berliner Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) erklärte am Freitag, es gelte abzuwarten, wie sich die beiden Unternehmen nun positionierten. "Die Nachricht des voraussichtlichen Scheiterns der Fusion von Vonovia und Deutsche Wohnen kam überraschend. Es wird sich in den nächsten Tagen klären, ob es zu der Fusion kommt oder nicht", so Kollatz.

Angebot an das Land Berlin

Im Zuge des öffentlichen Übernahmeangebots hatten die beiden Konzerne dem Land Berlin angeboten, Mieterhöhungen bis 2026 zu begrenzen, neue Wohnungen zu bauen sowie Wohnungen aus ihrem Bestand an das Land zu verkaufen. Vonovia-Sprecherin Henckel sagte rbbl24, dass der Konzern diese Zusagen an das Land Berlin einhalten werde, unabhängig vom gescheiterten Zusammenschluss.

Auch die Deutsche Wohnen erklärte, an den Zusagen festhalten zu wollen.

Beide Konzerne hatten sich mit dem Senat zudem auf den Verkauf von rund 20.000 Wohneinheiten an das Land geeinigt. Über den Verkauf der Vonovia-Wohneinheiten an das Land wolle man mit Berlin nach wie vor im Gespräch bleiben, sagte Henckel. Auch die Deutsche Wohnen setze die Gespräche mit dem Berliner Senat hinsichtlich des Verkaufs "einer signifikanten Anzahl an Wohnungen aus dem Bestand fort", wie das Unternehmen am Freitagabend erklärte. Berlin ist darum bemüht, Wohnraum zurückzukaufen, um den Mietmarkt besser regulieren zu können.

Vonovia werde die Gespräche darüber auch ohne den Zusammenschluss mit der Deutsche Wohnen fortführen - "soweit das für uns allein möglich ist", erklärte Buch. Die Mieterinnen und Mieter könnten sich auf die angekündigte Begrenzung der Mietpreissteigerung bis 2026 "verlassen", versicherte der Konzernchef.

Bereits im Januar 2016 gescheitert

Bereits im Jahr 2016 war Vonovia mit einem Übernahmeversuch gescheitert. Auch damals wurde die Mindestannahmequote für die Milliarden-Offerte nicht erreicht. Im Gegensatz zur neuen Offerte hatte der Vorstand der Deutsche Wohnen das Angebot als feindlich eingestuft und sich heftig gegen den Plan gewehrt. Nun warben beide Unternehmen gemeinsam für die Annahme des Angebots.

Zustimmung des Bundeskartellamtes für die Fusion bereits im Juni

Das Bundeskartellamt hatte bereits im Juni grünes Licht für den Zusammenschluss der beiden größten deutschen Wohnimmobilienkonzerne gegeben. Die gemeinsamen Marktanteile der Unternehmen rechtfertigten keine wettbewerbsrechtliche Untersagung, hatten die Wettbewerbshüter mitgeteilt. Sie verwiesen dabei auf das Beispiel Berlin, wo von den knapp 1,7 Millionen Mietwohnungen in der Stadt rund 150.000 auf die Deutsche Wohnen und Vonovia entfielen.

Buch verwies darauf, dass wesentliche Teile der Aktien der Deutsche Wohnen aktuell von Hedgefonds und darüber hinaus von Indexfonds gehalten werden, die erst handeln dürften, wenn die Mindestannahmequote erreicht sei. Vonovia sei weiter der Auffassung, dass ein Zusammenschluss mit der Deutsche Wohnen strategisch sinnvoll sei und Mehrwert für die Aktionäre beider Unternehmen schaffe.

Steigende Gewinne und Dividenden

Der Vonovia-Chef meldet seit Jahren steigende Gewinne und Dividenden. Auch in der Corona-Krise ist der Konzern durch steigende Mieten, Zukäufe und Neubauten kräftig gewachsen. Der operative Gewinn stieg 2020 im Jahresvergleich um 10,6 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro. Auch dieses Jahr sollen Umsatz und Gewinn weiter steigen. Der Konzern vermietet rund 416.000 Wohnungen, davon etwa 355.000 in Deutschland. Weitere Wohnungsbestände hält Vonovia in Schweden und Österreich.

Die Aktien von Vonovia und Deutsche Wohnen reagierten am Freitagnachmittag nach einer ersten Talfahrt unterschiedlich auf das mögliche Scheitern der Übernahme. Während Vonovia-Papiere sich in der Verlustzone hielten und zuletzt um 1,6 Prozent auf 58,28 Euro nachgaben, erholten sich Deutsche-Wohnen-Aktien rasch wieder.

Sendung: Inforadio, 23.07.2021, 19 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 24.07.2021 um 20:44 Uhr geschlossen

Die Kommentare dienen zum Austausch der Nutzerinnen und Nutzer und der Redaktion über die berichteten Themen. Wir schließen die Kommentarfunktion unter anderem, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt.

13 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 13.

    Wir reden NUR vom Wohnen! Man muss nicht gleich Erich dazu kaufen!

    Leider wurde mein heutiger Kommentar nicht durchgewinnen, in dem ich die Sache mit der GAGFAH und der jetzigen vonovia und der Fortress erklärt habe.

    Es ging bis zur Übernahme durch die hedge Fonds eigentlich ganz gut. Als die Wohnungsunternehmen mindestens halb offensichtlich waren.

    Wohnungen, die die Anzahl der Familienmitglieder übersteigen, gehören in die öffentliche Hand. Basta.

  2. 12.

    Ohne private Vermieter, da wären die meisten Menschen in Deutschland obdachlos.

    Und solche "Märchen", wie hier gelesen, die wurden schon reichlich erprobt, bei den Ergebnissen geht es nicht um Glauben, sondern um Wissen, nämlich wie schrecklich es war. Natürlich nicht für die Privilegierten.

  3. 10.

    Und dann gibt es noch solche, die sich auf Kosten anderer bereichern wollen ohne einen Handschlag zu tun...

    Regine hat vollkommen recht. Es braucht einen Mietendeckel und das Verbot privater Vermieter. Weder Heuschrecken, noch einzelne Abzocker von Mietern und Steuerzahlern.

    Wie lange wollen sie uns eig. noch den "Zukünftiger Ex Vermieter" vorgaukeln, das glaubt ihnen doch kein Mensch mehr.

  4. 9.

    Sanierte Wohnungen oder sanierungsbedürftige Wohnungen an die Stadt verkaufen. Das ist die Frage. Mal abwarten was kommt.

  5. 8.

    „ hedge fonds“… Welche meinen Sie. Hier gehts um zwei Aktiengesellschaften.

  6. 7.

    Also ist man entweder auf staatliches wohlwollen angewiesen oder man wird gezwungen Eigentümer zu werden. Auch wenn sie das nicht verstehen. Es gibt Menschen die möchten weder das eine noch das andere.

  7. 6.

    PS: ich war Mal glücklicher Mieter der GAGFAH, dann kam die erste Heuschrecke und das Elend nahm seinen Lauf...

  8. 5.

    Wenn ich jetzt hier schreibe, wird's was grundsätzliches... Wohnungem gehören endlich zurück aus der Kralle der hedge fonds in die öffentliche Hand! Jeder darf seine EIGENE Wohnung kaufen. Maximal die Kinder absichern - zum EIGENBEDARF.
    Will heißen: mit Wohnungen wird weder spekuliert noch Profit gemacht. Fertig.

  9. 4.

    DW-Aktionär denken sich:
    "Warum soll ich mich zu einem schlechteren Preis jetzt von Vonovia entschädigen lassen, wenn ich mich von "DW&Co. Enteignen" in wenigen Monaten zu einem wesentlichen besseren Preis auf Kosten der Steuerzahler entschädigen lassen kann?"

  10. 3.

    Es sieht ganz so aus, dass das einzige in Berlin ansässige DAX - Unternehmen, welches mitunter dafür gesorgt hat, dass Berlin endlich den bundesweiten BIP - Durchschnitt erreicht hat, noch eine weile in Berlin verbleibt.

  11. 1.

    Ach menno, da hatten sich sicher schon einige gefreut, durch den Erwerb von Aktien 1 Mrd. Grunderwerbssteuer zu sparen, und dann sowas ...

Nächster Artikel