Likes, Follower und Retweets - So ansteckend sind Influencer

Eine Frau und ein Mann stehen am 13.08.2020 in Berlin vor dem Brandenburger Tor und schauen auf ein Smartphone. (Quelle: dpa/Christin Klose)
Bild: dpa/Christin Klose

Fotos vom Essen, Kaffee oder Outfit: Mit gesponserten Posts verdienen Influencer Millionen. Denn das Werben mit Gesichtern ist für Firmen sehr lukrativ. Die Influencer-Schule in Berlin will genau davon profitieren. Von Nils Hagemann

Es nieselt. Der Ku'damm in Berlin-Charlottenburg wirkt matschig, grau und versifft. Vor dem Starbucks posiert eine junge Frau in blauem Kleid und etwas zu hohen Schuhen. Sichtlich bemüht presst ein Mann im gelben Pullover sein iPhone in die Höhe, um den perfekten Winkel für das nächsten Foto zu ergattern.

Jetzt dreht sich die junge Frau zur Seite, legt den Kopf auf ihre Schulter und drückt die Lippen nach vorne. Mal lacht sie, dann kneift sie die Augen wieder zusammen und guckt gewollt verspielt, sexy in die iPhone-Kamera. Später werden die Fotos wahrscheinlich genauestens gesichtet, penibel bearbeitet und dann pompös auf Instagram geteilt.

Jeder fünfte Deutsche kauft auf Influencer-Empfehlung

Für einige Hobby, für andere Lebensgrundlage. Influencer erwirtschaften längst Millionenbeträge. Und der Markt boomt. Bei einer Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft gab gut jeder fünfte Deutsche an, schon einmal ein Produkt gekauft zu haben, weil er es vorher von einem Influencer empfohlen bekommen hat.

Zurück am Ku'damm. Gut 500 Meter weiter, Tauentzienstraße vor einem Bürogebäude. Hier sitzt die Influencer Marketing Academy. Eine Firma, die von dem explodierenden Markt ein Stück abhaben will. "Biografie und Motivationsschreiben reichen eigentlich, um sich bei uns zu bewerben", sagt Sascha Schulz, einer der Mitgründer, "und natürlich der Bereich, in dem sie Influencer werden wollen."

Sasha Schulz (Quelle: privat)
Sascha Schulz Mitgründer der Influencer Marketing Academy | Bild: privat

7. Stunde Krisenmanagement an der Influencer-Schule

Die Influencer Schule verkauft Coachings: Für Firmen und Selbstständige, aber auch für werdende Influencer. "Talente", wie sie auf der Website beschrieben werden, bekommen ein Musik-, Karriere- oder Krisenmanagement-Coaching.

Und das Konzept scheint aufzugehen. Die Büroräume sind noch unordentlich. Die Firma ist gerade umgezogen, näher zum Ku'damm, in ein größeres Büro. Dabei machen die Influencer nur einen kleinen Teil des Erfolgs aus. "Unser größter Geschäftsbereich sind die Firmen, die wir beraten, wie sie am besten Werbung mit Influencern machen", sagt Schulz.

Fünf Tage seiner sogenannten "Power-Seminar-Woche" kosten 1.500 Euro pro Person.

Sie haben "Reichweite" zum Warenkorb hinzugefügt

Offenbar ist auch dieser Preis es vielen Firmen wert. Denn das Werben mit Influencern ist sehr erfolgversprechend. "Werbung mit Menschen läuft tendenziell besser und zieht mehr Aufmerksamkeit auf sich", sagt Sasha Raithel, Professor für Marketing an der Freien Universität in Berlin. "Studien belegen, dass das Werben mit Personen besonders erfolgreich ist." Zudem würden sich Unternehmen die Reichweite gleich mit Einkaufen.

Denn Influencer erreichen mit ihren Konten Millionen von Menschen. Die wohl erfolgreichste in Deutschland ist Bianca Claßen oder auch BibisBeautyPalace. Mit ihren 7,7 Millionen hat sie fast doppelt so viele Instagram-Abonnenten wie die Tagesschau, ZDFheute und der rbb zusammen.

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Raithel meint, Werbung von Influencern sei auch deshalb so erfolgreich, weil Sie einen Empfehlungscharakter hätten. Dahinter stecke der Gedanke: "Wenn eine Person, die so tolle Sachen macht, das Produkt empfiehlt, dann muss das auch gut sein." Unternehmen würden so ihre Produkte mit der Popularität des Influencers verknüpfen.

Am Ku'damm regnet es stärker. Das posende Paar ist weg. Sie scheinen das richtige Foto geschossen zu haben. Vielleicht haben sie ja Glück, gehen viral und werden irgendwann sehr berühmte Influencer. Und falls nicht: Vielleicht kann ja die Influencer-Schule helfen.

Beitrag von Nils Hagemann

10 Kommentare

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  1. 10.

    Was solls, was früher "Herr Kaiser" von der Hamburg-Schlammheimer im TV war, ist bei der Generation "Smobie" halt der "Beruf" des Influencer. Werbetreibende halt - mehr nicht. Wer's braucht.... oder anders ... Wer's glaubt....
    Das System Werbung hat doch nur ein weiteres Medium in Beschlag genommen. Aus einer Idee wird ein Produkt wird ein Bedürfnis geweckt wird suggeriert "du brauchst das" wird "schön verpackt" eine "Lösung" präsentiert wird Geld kassiert. Irgendwie ganz schön Oldschool.

  2. 9.

    Wahrscheinlich, alle die solchen Influenzern hinterherlaufen, sie abonnieren und auch noch jeden viel zu teuren Scheibenkleister kaufen den diese Typen/innen Ihnen aufschwatzen.
    Und das Influenza Wort erinnert mich eher an eine Grippe, die dem Körper und der Psyche auslaugt und nachhaltig entkräftet.

  3. 8.

    Dann muss jeder 5. Interneteinkäufer ein an der Waffel haben.
    Fragt sich nur wieviel damit nicht Millionär werden und der Allgemeinheit später auf der Tasche liegen.

  4. 7.

    Influencer heißt "Beeinflusser". Jeder 5. Internet Einkäufer möchte in seiner Kaufentscheidung von einer Person beeinflusst werden, die ihre Empfehlungen einzig nach dem eigenen finanziellen Vorteil ausrichtet!
    Schon erststaunlich. Vor allem, wenn man die vielen Äußerungen von Leuten dagegen hält, die immer wieder betonen, dass sie jede Beeinflussung ablehnen, wenn diese von Behörden oder Wissenschaftlern kommt.
    Also lassen sich viele gern bzw. nur von Personen beeinflussen, die dabei garantiert nicht das Wohl der Beeinflussten im Sinn haben. Das verstehe ich nicht.

  5. 6.

    Es fehlen: Klinikpersonal, Handwerker, Bauarbeiter.
    Mal sowas thematisieren.

  6. 5.

    Da ja mein erster kommtar nicht zugelassem und wegmoderiert wurde,vielleicht mal ein zitat aus besagter doku..."wenn ein produkt umsonst ist,bist du das produkt"...mal drüber nachdenken.

  7. 4.

    Grossartig! Ist so ähnlich wie: WEnn ich gross bin, will ich Service Dame oder Service Damen Manager werden!

  8. 3.

    Statt die nichtssagende Zahl der Follower, wäre es interessanter eine Firma zu finden, die sagt, wieviel mehr Umsatz denn erzielt wurde.

  9. 2.

    Warum so abwertend? Die Welt verändert sich und natürlich müssen das nicht alle verstehen. Aber alle Menschen verdienen Respekt auch kommende Generationen.

  10. 1.

    Tolle Generation die da herangezogen wird. Da sind nur Zuckerberg und Co stolz.

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