Unfall in Potsdam-Babelsberg - Lkw-Fahrer verurteilt: Radfahrer fahrlässig getötet

Nach einem Unfall liegt ein zerstörtes Fahrrad auf der Straße. (Symbolbild | Quelle: dpa/Arnulf Stoffel)
Audio: Antenne Brandenburg | 07.07.2021 | Oliver Meurers | Bild: dpa/Arnulf Stoffel

Ein 31-jähriger Lastwagenfahrer ist wegen fahrlässiger Tötung eines Radfahrers in Potsdam zu sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Die Strafe habe das Amtsgericht Potsdam am Mittwoch zur Bewährung ausgesetzt, sagte Gerichtssprecher Oliver Kramm nach der Urteilsverkündung. "Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen hat", erklärte er weiter.

Die Bewährungszeit sei auf zwei Jahre angesetzt. Der Angeklagte habe keine weiteren Auflagen bekommen.

Tödlicher Unfall im März 2020

Der 31-Jährige Fahrer war mit seinem Lkw im März 2020 auf der Rudolf-Breitscheid-Straße in Potsdam-Babelsberg unterwegs. Er sei einem Linksschwenk der Straße nicht gefolgt und habe den am rechten Rand verlaufenden Fahrradschutzstreifen außer Acht gelassen, hieß es. Dort fuhr ein 44-jähriger Mann auf seinem E-Bike. Er geriet unter das tonnenschwere Fahrzeug und starb noch an der Unfallstelle.

Der Verteidiger des Angeklagten hatte gefordert, seinen Mandanten freizusprechen. Nach Angaben des Gerichts hatte der Lkw-Fahrer gesagt, er habe den Radfahrer nicht gesehen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Sendung: Antenne Brandenburg, Nachrichten, 07.07.2021, 14 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 07.07.2021 um 23:00 Uhr geschlossen

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17 Kommentare

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  1. 17.

    Und wieder einmal, trauriger Unfall. trauriges Urteil!
    mein Beileid an die Hinterbliebenen.

  2. 16.

    So wie ich den Text verstehe ist der Lkw Fahrer nicht der Verschwenkung der Fahrspur gefolgt sondern einfach gerade aus weiter gefahren. So hat er den Radfahrer von hinten überfahren. Da hatte der Radler keine Chance.

  3. 15.

    Die Bewährungsstrafe ist aber einiges mehr als nur ein "Du, Du, Du", auch wenn sie im emotionalen Moment als zu gering erscheint. Da der Fahrer nicht absichtlich gehandelt hat und auch ein sonstiges schweres Fehlverhalten, wie Handy oder Alkohol am Steuer, nicht gegeben ist, bleibt nun mal "nur" eine einfache Fahrlässigkeit übrig. Nicht die Folge daraus, die unbestritten unendlich tragisch ist, sondern nur das Fehlverhalten kann und darf bestraft werden. Für das Gericht ist somit die Möglichkeit der Strafbemessung bereits ausgeschöpft gewesen. Unser Rechtssystem bestraft nicht aus Rache sondern zur Sühne. Die setzt aber eine entsprechend hohe Schuld voraus. Einfache Fahrlässigkeit ist ein eher kleines Verschulden, das jedem von uns ständig passieren kann. Hohe Strafen können das nicht ändern, daher wären sie unverhältnismäßig und würden vor der nächsten Instanz keinen Bestand haben. Emotionen und Rechtsprechung passen nicht zusammen.

  4. 14.

    Das alles ist natürlich eine furchtbare Tragödie insbesondere für das Opfer und dessen Angehörige.
    Doch ganz ehrlich, auch Ihr Alltag ist von derart vielen LKW - Fahrten abhängig, da sie ja sicherlich kein Selbstversorger sind. Bei allen diesen vielen täglichen LKW-Fahrten bleiben natürlich Fehler nicht aus, nur das diese tragische Folgen haben. Trotzdem, bei den meisten Fahrten passiert nämlich gar nichts und das zu einem großen Teil wegen der großen Aufmerksamkeit genau dieser LKW Fahrer!

  5. 12.

    Da muss ich Sie enttäuschen. Der Lkw Fahrer der diese Woche in Berlin zu einer Geldstrafe verurteilt wurde weil er beim Abbiegen einen Radfahrer übersah und überfuhr sitzt bereits wieder am Steuer. Es wird auch nirgends erwähnt das der Führerschein entzogen wurde.

  6. 11.

    Was ist das denn für eine Aussage "... auch nicht einfach alles zu sehen."
    Hat ja fast etwas von "Russisch Roulette spielen".
    Das kann's ja wohl nicht sein ... Spiegel und "Warnsysteme" an den LKW!

  7. 10.

    Ein frommer Wunsch, aber auch nicht alle Radfahrer verhalten sich nach der StVO.

  8. 9.

    Ein frommer Wunsch, aber auch nicht alle Radfahrer verhalten sich nach der StVO.

  9. 8.

    Ich kann es nicht mehr hören "setzen sie sich mal in einen LKW". Ja ich fahre LKW Einsatfahrzeuge und es ist mir fast unerklärlich wie man da Personen übersehen kann. Die einzige Möglichkeit besteht darin das, das Smartphone wichtiger ist als die Umgebung des LKW und ja da sieht man natürlich keinen mehr.

  10. 7.

    Ich will die Sache auch auf keinen Fall rechtfertigen. Was mich nur bei diesen Berichterststtungen immer wieder stört, ist die Einseitigkeit der Betrachtungen. So geht man immer davon aus, dass der Radfahrer alles richtig und die Auto- bzw. Lkw-Fahrer alles falsch gemacht haben. Wie gesagt, es entschuldigt nichts, dass der Radfahrer nun nicht mehr lebt, trotzdem sollte man sich immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass beide am Verkehr teilnehmen und ihren Beitrag zur Sicherheit leisten müssen. Mein Fahrlehrer gab mir vor 35 Jahren etwas mit auf den Weg: "Rechne immer mit der Dummheit der anderen im Straßenverkehr und setze nicht dein Recht auf Biegen und Brechen durch!" Eine langjährige unfallfreie Fahrt zeigt es.

  11. 6.

    Da möchte ich Ihnen auch gar nicht widersprechen. Nur beschleicht mich irgendwie so das Gefühl, dass Geld- und Bewährungsstrafen nicht nur zu wenig sind, wenn ein Mensch einfach nur aufgrund einer Nachlässigkeit eines anderen sein Leben lassen musste, sondern eben auch nicht unbedingt dazu geeignet, dass Lkw-Fahrer generell sich zukünftig umsichtiger verhalten, wenn ja allgemein bekannt ist, dass man in der Regel mit einem einfachen „Du, Du, Du“ davonkommt.

  12. 5.

    Setzen Sie sich doch einfach selbst mal in eine Lkw-Fahrerkabine. Das soll auf keinen Fall die Tat rechtfertigen. Aber es ist für die Fahrer auch nicht einfach alles zu sehen.

  13. 4.

    Gott bewahre. So schlimm die Tat auch ist, bin ich froh, dass ein jeder sich verteidigen kann. Hier ist der Verkehrsminister in der Pflicht, drastischer Strafen ins Gesetz zu schreiben.

  14. 3.

    Was wollen sie lieber? Dass der Herr dem Staat noch auf der Tasche liegt? Der Herr gehört aus dem Verkehr gezogen, was auch erfolgen wird und er sollte nun finanziell ziemlich im Eimer sein, wenn da eine Familie dranhängt. Auf jeden Fall ist niemandem geholfen, wenn der Fahrer auf Staatskosten im Knast vergammelt. Eine Gefahr für die Gesellschaft ist er außerhalb seiner Fahrerkabine m.E. nach eher nicht. Sollte er in 2 Jahren irgendeinen Mist bauen, so wird er trotzdem Gast in der JVA. Gerechtigkeit gibt es bei Toten nie. Es ist halt unumkehrbar. Ich glaube aber auch nicht, dass der Fahrer mit Absicht gehandelt hat, daher steht da auch fahrlässig und daher auch die vergleichsweise milde Strafe. Die Justiz hat ganz andere Baustellen, wo wirklich unvorteilhaft milde Strafen geurteilt werden als hier.

  15. 2.

    Wenn es nach mir gehen würde, gäbe es jedes Mal, wenn ein Radfahrer oder Fußgänger von einem Pkw oder Lkw getötet wird, bundesweit einen Tag Fahrverbot für Pkws und Lkws.

  16. 1.

    Der Anwalt des LKW Fahrers gehört auch mit angeklagt, wegen Rechtsbeugung !! Es gibt keinen Grund behaupten zu dürfen man habe den Radfahrer nicht gesehen !!!
    Ebenso ist die Strafe auf Bewährung ein Skandal ! Welche Baufirma wird da gedroht haben ? Wenn LKWs immer noch nicht entsprechend ausgestattet
    gehört auch die Firma verklagt !!!
    Oder wem dient das Gesetz ??

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