Berlin-Neukölln - Demonstrierende gehen bei queerer CSD-Gegendemo auf Polizisten los

Eine Regenbogenfahne wird während der CSD-Parade in Berlin Hochgehalten. (Quelle: imago-images/Future Image)
Video: Abendschau | 25.07.2021 | Rainer Unruh | Bild: imago-images/Future Image

Während die Christopher-Street-Day-Parade in Berlin friedlich ablief, kam es an anderen Stellen in der Stadt am Wochenende zu Angriffen. Bei einer queeren Demo, die sich unter anderem gegen den CSD richtete, wurden Polizisten und Journalisten attackiert.

Während einer queeren Demonstration in Kreuzberg und Neukölln ist es laut Berliner Polizei am Samstagabend zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Teilnehmern und Einsatzkräften gekommen.

Auslöser war demnach das Auftreten eines 52-jährigen Ordners im Bereich Reichenberger/Mariannenstraße, wie die Polizei am späten Sonntagnachmittag mitteilte. Durch ihn hätten sich Journalisten und Journalistinnen in ihrer Arbeit eingeschränkt gefühlt. Der Mann soll sie mehrfach mit einem Handlautsprecher angebrüllt haben.

Nachdem Beamte ihn daraufhin vorläufig festgenommen und zu einem Polizeifahrzeug gebracht hatten, umstellten den Angaben zufolge 50 bis 80 Menschen den Wagen und verhinderten so, dass er abfahren konnte. Dazu seien "polizeifeindliche Sprechchöre skandiert" worden.

Beamte geschlagen und getreten

In der Folge seien rund 300 weitere Demonstrationsteilnehmer auf das Fahrzeug zumarschiert, denen sich Polizisten in den Weg gestellt hätten. Anschließend hätten Demonstranten Beamte geschlagen und getreten, während Einsatzkräfte "gezielt körperliche Gewalt in Form von Schlägen gegen die Aggressoren unter den Teilnehmenden" eingesetzt hätten, teilte die Polizei mit. Schließlich habe der Polizeiwagen zur Wiener Straße weiterfahren können, wo der Ordner "nach Abschluss polizeilicher Maßnahmen" entlassen worden sei.

Gegen 20.15 Uhr endete laut Polizei der am Hermannplatz begonnene Demonstrationszug auf dem Oranienplatz. Er stand ihr zufolge unter dem Motto "Wir sind hier und wir sind queer - in jeder Farbe, Größe und Form ...". Nachdem sich ihm anfangs einige Hundert Menschen angeschlossen hätten, habe sich die Teilnehmerzahl später "im mittleren vierstelligen Bereich" bewegt.

Gegendemo zum CSD

Die Demonstration richtete sich unter anderem gegen den CSD. Auf Facebook schreiben die Organisatoren im Vorfeld: "Mit der Internationalistischen Queer Pride Demo wollen wir Pride vom Mainstream-CSD zurückfordern und die radikalen queeren, antikolonialen und antirassistischen Communities Berlins zusammenbringen."

Zu dem Protest hatte auch BDS Berlin gehört, die zum Boykott israelischer Produkte aufrufen. Laut dem "Tagesspiegel" wurden Journalisten aus dem Demonstrationszug heraus als "Zionistenpresse" verunglimpft. Der Bundestag sieht in der BDS-Bewegung antisemitische Bestrebungen.

Sendung: Abendschau, 25.07.2021, 19:30 Uhr

Korrekturhinweis: In einer früheren Version dieses Textes entstand der Eindruck, dass diese Demonstration im Umfeld des Christopher Street Days stattfand. Tatsächlich richtete sie sich auch gegen den CSD. Wir bitten dies zu entschuldigen. Die entsprechenden Passagen wurden überarbeitet.

29 Kommentare

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  1. 29.

    Ich schrieb schon darüber in Kommentar 7. Mit Absicht haben sich diese Linksalternativen vom ursprünglichen CSD Pride weit entfernt und ihre eigene Demonstration ins Leben gerufen. Somit stimme ich Ihnen im vollen Umfang zu.

  2. 28.

    Zitat: "Mit der Internationalistischen Queer Pride Demo wollen wir Pride vom Mainstream-CSD zurückfordern und die radikalen queeren, antikolonialen und antirassistischen Communities Berlins zusammenbringen."
    Klingt ja ECHT GRUSELIG!
    Die Schwule Szene will mit denen auch sicherlich nichts zu tun haben.
    Wir sind zum Glück gleich ins Berghain gegangen.

  3. 27.

    Die Demo wurde maßgeblich von der „Migrantifa“ auch dem „BDS Berlin“ mitgetragen und initiiert. Mit queer haben die "schrägen Vögel" eher weniger am Hut. Zu letzterer Vereinigung findet man hier:
    https://www.berlin.de/sen/lads/schwerpunkte/rechtsextremismus-rassismus-antisemitismus/ansprechpartner-fuer-antisemitismus/
    unter dem Link "Dossier: Antisemitische Boykottkampagnen gegen Israel (Dr. Dana Ionescu)" ein umfangreiches PDF, das eigentlich nur die Frage offen lässt, warum es derart versteckt ist.

  4. 26.

    Hallo RBB. Respekt für den Korrekturhinweis. Danke und eine schöne und ruhige Woche.

  5. 25.

    Was wollen Sie denn? Es ging um genau diese Demo (die sich selbst als Gegendemo zum CSD definiert hat) und über diese wurde berichtet. Diese "Gegen"demo wurde ebenfalls von Queeren ins Leben gerufen und genau die haben sich vollkommen intolerant mehr als daneben benommen. Da darf man ja wohl mal anmerken, dass es schon ein wenig "auffällt", wenn die, die selbst Toleranz für sich fordern, eben diese Toleranz gegenüber Anderen vermissen lassen oder schlimmer noch, sogar offen antisemitisch auftreten. Das muss die Mehrheitsgesellschaft dann nämlich auch nicht tolerieren.

  6. 24.

    Es ist unvorstellbar. Herr Müller, Herr Dr. Lederer und der grüne Verein sind nur auf Stimmenfang für September. Nur soviel, ich bin selbst schwul. Eine derartige Rechtsbeugung der Landesregierung ist unerträglich. Am nächsten Wochenende wieder eine Querdenker Demo. Die Polizisten müssen dann als Kanonenfutter hinhalten. Schämen Sie sich, Herr Müller!

  7. 23.

    Für linksradikale Querdenker sind Minderheiten und soziale Bewegungen doch nur eine Frage der Macht. Die "Pride vom Mainstream-CSD zurückfordern" wie zynisch - wohl eher die Pride für die eigne Ideologie instrumentalisieren. Mit den iranischen, osmanischen oder pan-arabischen Kolonialherren, die queere Menschen verfolgen, scheint es ja keine Probleme zu geben und auch nicht mit einer Vielzahl von afrikanischen Ländern die Homosexuelle Verfolgen und kriminalisieren. Wo sind die Demos vor den Berliner Botschaften dieser Länder um die Minderheiten die nach DE fliehen mussten "Sichtbar" zu machen. Ein zynisches und absurdes Schauspiel.

  8. 22.

    "Mit der Internationalistischen Queer Pride Demo wollen wir Pride vom Mainstream-CSD zurückfordern ..."

    Ist mir bei den Feministen schon aufgefallen. Radikale Unterwanderung der Bewegung bzw eine Splitterbewegung die die Realität außer acht lässt. So etwas ist unglaublich schnell in den entsprechenden Netzwerken verbreitet als Beweis gegen die Grundsätzliche Forderung der Gruppen, Gleichberechtigung/Gleichstellung.
    Die Forderung des Vereins ist absurd. Könnte eine Taktik sein um überhaupt Gehör zu finden, aber mit der Formulierung tippe ich eher auf die gleiche Form der Extremisierung wie wir sie die letzten Monate häufiger beobachten können (z.B. bei Coronaprotesten).
    Solche Gruppierungen gehören zu den vielen Spaltpilzen, die in unsere Gesellschaft geschoben werden. Bei der Frage nach dem Profiteuren kommt eine Liste zusammen, bei der ein Staat ganz weit vorne steht, aber der macht ja nichts und ist immer ganz lieb. Tipp: Deutschland meine ich nicht.

  9. 21.

    Seien Sie tolerant und lesen Sie den Beitrag gründlich durch, die Gewalt kam von einer Gegendemo, die natürlich alles andere als weltoffen war. Das Sie das nicht wissen wollen, ist natürlich völlig klar, hätte ich auch von vielen Kommentierenden nicht erwartet, diese Toleranz mit anderen und die Nähe zur Wahrheit.

  10. 20.

    Faszinierend, wie ein völlig belangloser Vorfall zum bürgerkriegsähnlichen Großereignis aufgeblasen wird. Bei jedem Kneipenstreit ist mehr los! Aber beim Kneipenstreit sind wir braven Bürger ja auch unter uns, und bei diesem Queer-Marsch waren unsere Lieblingsfeindbilder auf der Straße. Dann noch irgendwas mit Polizei – und fertig ist die tägliche Gruselmeldung der Abendschau, des Fernsehablegers der B.Z.

    Klar war die Demo daneben, schon wegen des lächerlichen "Pinkwashing"-Vorwurfs gegenüber Israel. Aber herrje – dann straft man das mit Nichtachtung, statt die Leutchen zu Bürgerschrecks aufzuwerten!

  11. 19.

    ... während Sie einen erneuten Beweis liefern für den Wunsch an Vorurteilen und Schubladen festzuhalten - (leider) ganz im Sinne des Kommentars #5 von Witte. - Wer sind denn "die", die sich untereinander einig sein sollen? Müssen und können Leute, die friedlich die Akzeptanz ihrer sexuellen Orientierung fordern dafür sorgen, dass Leute mit zufällig derselben Orientierung sich an einem ganz anderen Ort einwandfrei verhalten? Werden Sie also, falls Sie z.B. heterosexuell sind, künftig dafür sorgen, dass heterosexuelle BDS-Anhänger* das Existenzrecht Israels akzeptieren, keine Journalist*n behindern und keine Polizisten angreifen?

  12. 18.

    Tja, der CSD hat in Berlin wohlweislich seinen Umzug diesmal gleich als Demonstration angemeldet und erfährt politisch in Berlin m. E. auch mehr Akzeptanz als in Sachsen.
    Die Angaben zur Teilnehmerzahl zwanken in den Medien zwischen 30.000, 65.000 und 80.000.
    Ich bin mir ziemlich, das Roland Kaiser und sein Management alles dafür tun würden, dass die Hygienekonzepte eingehalten werden um auch anderen Künstlern in der Zukunft nicht zu schaden. Diesen Gedanken hatte Nena ja grad bei ihrem Konzert Nähe des BER leider nicht. Wie wir aber nun alle wissen, werden auch bei Demios vielfach die Regeln und Auflagen nicht eingehalten und kontrollierbar sind die auch nur im Verantwortungsbereich der Veranstalter. Der Rest ist eben auch Eigenverantwortung der Teilnehmer,die oft nicht wissen,was das bedeutet oder es geht ihnen am " A " vorbei. Leider.

  13. 17.

    Ein erneuter Beweis für die Toleranz der Toleranten. Es ist schon geil, wenn die sich nicht mal untereinander einig sind, aber von anderen Toleranz fordern.

  14. 16.

    ...80.000....Seriöse Quellen haben die die wahren Zahl mit 35000 angegeben. Das zur Berichterstattung der hier ansässigen Medien....

  15. 15.

    "Etwas schwach recherchiert und zu milde berichtet. Es könnte der Anschein erweckt werden, das es sich bei den Ausschreitungen dieser Krawallköppe eine rein queere Demo gehandelt hatte. Dem war offensichtlich nicht so. U.a. der Tsp:"
    Völlig richtig, deshalb lese ich schon.lange rbb24.de zusätzlich und nicht ausschließlich. Breit gefächerte Info eröffnet einem besser die Möglichkeit,sich selbst eine Meinung zu bilden. Meine Schlussfolgerung:
    Nicht nur Überschriften lesen, Gewalt hat mit dem Demonstrationsrecht nichts zu tun, Augen auf mit wem man zusammen demonstriert, Nicht- Anders oder Querdenker gibt es unabhängig von der sexuellen Orientierung in etlichen Gruppierungen,ebenso wie Rassismus und Antisemitismuss. Ich unterstütze nur friedliche Vielfalt.

  16. 14.

    An der Großzügigkeit der Berliner Behörden kann sich die Dresdner Stadtverwaltung ein Beispiel nehmen. Während man in Berlin zum CSD zuließ, dass rund 80.000 Singende und Tanzende vielfach ohne Maske und Abstände durch die Stadt zogen verbot man in Dresden schon zum zweiten Mail das beliebte Kaisermania-Konzert trotz lediglich 30.000 Teilnehmern und einem strengen Hygienekonzept.

  17. 13.

    Toller Beitrag, danke! Damit ist auch beschrieben, daß ein immer neues Auf- und Unterteilen in diverse Extra-Grüppchen nicht so richtig Sinn ergibt, auch wenn es behauptet wird und inzwischen sogar politisch so eingesetzt wird. Aber die Schubladisierung des Denkens scheint unaufhaltsam um sich zu greifen.

  18. 12.

    Das ganze nervt nur noch. Die queeren Querdenker und ihr sich ständig zur Schau stellen müssen. Hilfreich ist das für ihr Alliegen sicherlich nicht.

  19. 10.

    Ja, andere Medien sind da viel ehrlicher und neutraler. Ich bin über die Berichterstattungen des rbb24 oftmals sehr enttäuscht. Kein Wunder, das hier immer wieder so ein merkwürdiger Shitstorm losbricht.

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