Razzia in Berlin - Rund 200 Beamte durchsuchen Objekte wegen Verdachts auf Corona-Betrug

Ein Polizist telefoniert bei einer Razzia in Berlin (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Audio: Inforadio | 28.07.2021 | Jessica Wiener | Bild: dpa-Symbolbild/Christoph Soeder

Bis zu 18 Euro pro Corona-Test, dazu eine unkomplizierte Abrechnung: Test-Stationen haben sich für private Anbieter als lukrativ erwiesen. Nach Berichten über mögliche Betrügereien ermittelte die Polizei - und durchsucht zahlreiche Teststellen.

Die Polizei in Berlin durchsucht seit Mittwochmorgen Corona-Teststellen wegen des Verdachts auf Abrechnungsbetrug. Mehr als 150 Orte stehen auf der Liste der Ermittler. Wie die Generalstaatsanwaltschaft mitteilte, gibt es mehr als 50 Tatverdächtige. Mehr als 200 Beamte des Landeskriminalamts und der Landespolizeidirektion durchsuchten nach Polizeiangaben die Teststellen. Ob Beweise sichergestellt wurden, blieb zunächst offen.

Verdacht besteht seit Mai

"Ausgangspunkt war der Verdacht auf einen Abrechnungsbetrug im Zusammenhang mit Corona-Schnelltests in Neukölln", sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Anschließend sei stadtweit geprüft worden, ob Abrechnungen von Corona-Tests plausibel seien. Die Durchsuchungen beschränkten sich nicht auf einzelne Bezirke und auch nicht auf eine bestimmte Art von Teststellen, hieß es.

Über 90 Prozent der Testungen an privaten Stationen

Allein von März bis Ende Mai wurden in Berlin 5,2 Millionen Tests gemeldet, davon 4,8 Millionen an privat betriebenen Teststationen. Die Anbieter lassen sich die Leistung über die Kassenärztlichen Vereinigung aus öffentlichen Mitteln bezahlen. Zunächst waren es zwölf Euro für den Aufwand plus bis zu sechs Euro für den Test. Seit Juli sind es acht beziehungsweise 4,50 Euro.

Schärfere Kontrollen seit Juli

Der Bund änderte die Testverordnung zum Juli auch, damit die Abrechnungen gründlicher geprüft werden können. Bundesweit werden in diesem Jahr Kosten von 1,4 Milliarden Euro für die Teststellen erwartet.

Die Zahl der Teststellen in Berlin ist inzwischen gesunken. Nach einem Höchstwert von 1.656 sogenannten Test-to-go-Stellen privater Betreiber Anfang Juni sind es jetzt noch rund 1.300.

Sendung: Inforadio, 28.07.21, 9:50 Uhr

12 Kommentare

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  1. 12.

    Das scheint mir jetzt ein gutes Argument für die Bezahlung von Tests aus der eigenen Tasche zu sein.
    Dann wird sich der ein oder andere überlegen, ob es sinnvoller ist sich impfen zu lassen oder für jeden Test ca 20 Euro selbst zahlen zu sollen.
    Damit dürfte über kurz oder lang den kriminellen Geschäftsmachern ein Geschäftsfeld entzogen werden.

  2. 11.

    Das sind mindetens 1300 zu viele. 1,4 Milliarden € aus dem Fenster geworfen, wobei auf der anderen Seite so viel Geld fehlt.

  3. 10.

    Jetzt finden erst die Durchsuchungen statt, hier hat Berlin wieder total verschlafen und versagt. Wann werden eigentlich die Büroräume der Berliner Gesundheitssenatorin und des Bundes Gesundheitsministerium durchsucht, hier gibt es sicherlich viele Interessante Dinge zu finden in Form von Betrug und Steuerhinterziehung.

  4. 9.

    Wieso sollte es nie einen Bedarf an zusätzlichen Intensivbetten gegeben haben? Weil sie nicht alle und permanent belegt wurden? Weil Sie und Ihre Familie von Covid19 bisher verschont wurden? Weil Sie ohnehin nicht an Covid19 glauben?

    Das ist doch Unsinn, ich bitte Sie! Wenn Sie das öffentliche Leben nicht rigoros "auf Null herunterfahren" können, werden Sie immer mit dem Risiko leben müssen, dass in sehr kurzer Zeit sehr viel mehr Menschen ernsthaft erkranken, als zu normalen Zeiten. Und dann müssen Sie entspechend die Kapazitäten hochfahren - auch wenn das am Ende viel Geld kostet. Fehlende Intensivbetten wären jedefalls ungleich teurer, nicht nur wegen der Folgekosten. Fragen Sie mal die Menschen in Bologna, in Straßburg, in New York, in Moskau.

  5. 8.

    "In meinem Umkreis etwa sind 3 Teststellen registriert, von denen aber nur eine in Betrieb ist." Es ist aber trotzdem nicht ausgeschlossen, dass alle 3 jeden Abend auf der Senatswebseite die Anzahl zu bezahlender Tests eingeben - die Senatsgesundheitsverwaltung prüft das nämlich immer noch nicht konsequent nach. Als Teststellenbetreiber (ich bin auch einer) bekommt man ca. 1x im Monat einen Anruf von einer Münchner (!) Nummer mit der Frage, ob man noch geöffnet habe. Ein einfaches "ja" als Antwort reicht der Callcenter-Dame aus - schon ist die Kontrolle vorbei ...

  6. 7.

    Wenn ich mich testen lassen habe - vor meiner 2ten Inpfung - dann sowieso nur in meiner Apotheke und in sogenannten offiziellen Bürgerteststellen ( nicht bei privat zB. im Imbiss oder Handyladen ) .

  7. 6.

    Das Problem waren nicht die Betten, sondern das für Intensiv-Station-Pflegepersonal.
    Schlagen Sie doch mal ihren Vorschlag Hausdurchsuchung betreffend das zuständige Gesundheitsministerium vor!

  8. 5.

    "Die Zahl der Teststellen in Berlin ist inzwischen gesunken. Nach einem Höchstwert von 1656 sogenannten Test-to-go-Stellen privater Betreiber Anfang Juni sind es jetzt noch rund 1300" - Auch diese Zahl ist vermutlich deutlich übertrieben: Von den derzeit gezählten 1287 Teststellen existieren viele schon seit Wochen nicht mehr. In meinem Umkreis etwa sind 3 Teststellen registriert, von denen aber nur eine in Betrieb ist.

  9. 4.

    Wenn man sieht, wie die Politik Unsummen für zusätzliche Intensivbetten ausgegeben hat, für die es nie entsprechenden Bedarf gab, dann sollten als nächstes Kliniken durchsucht werden.

  10. 3.

    Der Tagesspiegel wird da wieder mal deutlicher: https://m.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/razzia-in-150-teststellen-in-berlin-clans-sollen-mit-abrechnungen-von-corona-tests-betrogen-haben/27460354.html

    „ Weil die Lage nach der zweiten Coronawelle so konfus war, entstand "Goldgräberstimmung" im Milieu, wie es ein Beamter ausdrückte. Weil die Clans über Lokale verfügen und schnell Personal mobilisieren konnten, darunter viele Angehörige, hätten sich zahlreiche Großfamilie an den Geschäften beteiligt.
    Ausgangspunkt der Ermittlungen seien Durchsuchungen von Teststellen in Neukölln gewesen, sagte Martin Steltner von der Staatsanwaltschaft dem Tagesspiegel. Dort habe es Verdachtsmomente gegeben, dass Abrechnungen der Tests im Zusammenhang mit kriminellen Clanstrukturen stattgefunden hätten. Die Durchsuchungen seien allerdings nicht auf Neukölln beschränkt.“

    Was ist eigentlich aus der Firma 21Dx geworden - sollten die nicht die Teststellen zertfiziert haben?

  11. 2.

    Ich habe mich bewusst entschieden nicht reich zu werden und habe kein Testcenter eröffnet...

  12. 1.

    200 beamte durchen 150 orte.......... wahrscheinlich zeitgleich

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