Schleusenneubau Kannenburg - Kein Geld, kein Wasser, kein Durchkommen

Brandenburg, Templin: Die über 100 Jahre alte Schleuse Kannenburg (Quelle: dpa/Lisa Ducret)
Video: Brandenburg aktuell | 18.07.2021 | Ricardo Wittig | Bild: dpa/Lisa Ducret

Die Templiner Segler sind in ihrem Revier gefangen. Um hoch in den Norden oder runter nach Berlin zu gelangen, brauchen sie die Kannenburger Schleuse. Doch die ist wegen Schäden geschlossen - und ein Start der Bauarbeiten nicht in Sicht. Von Riccardo Wittig

Eigentlich sollten an der Kannenburger Schleuse bei Templin (Uckermark) längst die Bauarbeiten laufen. Die alte Schleuse hatte irreparable Schäden an den Holzspundwänden der Schleusenkammer und war bereits Ende 2017 gesperrt worden. Ein Ersatzbau musste geplant werden. Doch dieser Ersatzneubau lässt seitdem auf sich warten.

Nur kleine Ausflugsrunden - Durchfahrt gesperrt

Seit der Schließung können die Boote und Schiffe auf den Seen rund um Templin nur noch kleine Ausflugsrunden drehen. Zwischen dem Großen Kuhwall See und dem Großen Lankensee kommen sie nicht weiter. "Die geschlossene Schleuse bedeutet für uns, dass wir in unserem Revier eingesperrt sind und - übertrieben gesagt - immer nur im Kreis fahren können", sagt Dietmar Bootz, Vorsitzender des Seglerclubs Templin e.V.

"Die Kannenburger Schleuse verbindet die Havel mit den Templiner Gewässern", erklärt Bootz. Von hier geht es hoch bis zur Müritz und nach Süden bis Berlin, Potsdam und weiter. Eigentlich sollte die Schleuse ab Frühjahr 2022 wieder ihren Dienst verrichten. Doch bisher gab es nur Baugrunduntersuchungen. Die für den Ersatzbau benötigten Baukosten von 8,5 Millionen Euro sind vom Bund noch nicht freigegeben. Die Schleuse bleibt noch auf unabsehbare Zeit für Boote eine Sackgasse.

Entwurfsplanung kurz vor dem Abschluss

"Hier spielen haushaltsrechtliche Vorgaben und Randbedingungen eine Rolle sowie die infolge der Coronapandemie bedingte Konzentration auf andere Projekte und Maßnahmen in der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung", heißt es von der Schifffahrtsbehörde Eberswalde. Die "Entwurfs- und Genehmigungsplanung" stehe kurz vor dem Abschluss.

Um den Neubau zu beschleunigen, hatte Templin 2018 die Planung selbst übernommen, denn der Stadt fehlen durch die Schließung rund 15.000 Gäste, die normalerweise über den Wasserweg kommen. Doch auch in kommunaler Hand gehe es bisher nicht so schnell, wie erhofft, sagt Templins Bürgermeister Detlef Tabbert (Die Linke): "Eine Saison ist definitiv verloren gegangen, aus verschiedenen Gründen. Es ist ärgerlich, gerade für die touristischen Anbieter ist es auch finanziell schmerzhaft, aber jetzt müssen wir gemeinsam zügig daran arbeiten."

Alle Hoffnungen lastet nun auf der Generaldirektion

Die Hoffnungen der Stadt liegen nun auf der Generaldirektion der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung in Magdeburg. "Zeitnah", so die Forderung, müssten von dort nun die Bundesmittel freigegeben werden. Die nötigen Unterlagen jedenfalls habe man dort vorgelegt.

Eine Ausschreibung für den Ersatzbau könnte dann frühstens nach der Sommerpause erfolgen und der Bau erst im Frühjahr 2022. Für die Templiner Bootsfreunde und Wassersportler bedeutet es bis dahin hohe Kosten, wenn sie mit ihren Booten in andere Regionen reisen möchten, erkläutert Segelclubchef Bootz: "Das würde heißen, das Boot müsste verladen werden, müsste dorthin transportiert werden, wo man es einsetzen kann." Hinzu kämen zusätzliche Liegeplätze. Alles hängt am Geld vom Bund. Sollte es nicht kommen, müssen auch in Zukunft die Templiner weiter ihre kleinen Runden drehen.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 18.07.2021, 19.30 Uhr

Beitrag von Riccardo Wittig

26 Kommentare

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  1. 26.

    Ahja, Steuergerechtigkeit einzufordern, hohe Vermögen zu regulieren und zu verteilen, Solidarität als Grundlage des Handelns anzusetzen, diese verfassungsmäßigen Grundsätze sind also "links-grün" und obendrein arbeitet bei den "Links-Grünen" niemand. Ein ziemlich einfaches Weltbild voller konstruierter Illusionen. Sich Neiddebatten verbitten, aber exkludierende Statusdebatten anführen - danke fürs Gespräch.

    Wer wann durch Bootsbesitz als besserverdienend betrachtet werden kann, ist irrelevant. Hier geht es um öffentliche Infrastruktur und die muss nunmal unter dem Aspekt von Höher- vs. Nachrangigkeit gewertet werden. Nicht nur in einer Pandemie ist klar, dass bei den paar Nutznießenden der Schleuse keine besonders dringliche Angelegenheit sein kann, auch wenn einem Gastronomie und Tourismus etc. leidtun. Es wird gemacht, aber es dauert.

  2. 25.

    Mein Mitleid hält sich in den Grenzen des Einkommensteuerrechts: Bei einem Spitzensteuersatz von aktuell 42 Prozent liegt die durchschnittliche steuerliche Belastung eines Einkommens bis 57.000 € bei knapp 26 Prozent, weil unterhalb eines zuversteuernden Einkommens von 57.000 € ein niedrigerer Steuersatz gilt. Selbst wenn durch ihre Mieteinkünfte der Spitzensteuersatz von 42 Prozent erreicht werden sollte, sind für diese Einkünfte allenfalls 42 Prozent nachzuzahlen. Ggf. kommt noch der Solidarätszuschlag hinzu. Auf den Steuersatz für Ihre übrigen Einkünfte hat das alles keinen Einfluss.

  3. 24.

    "Umschalten" auf Luftbild und vergrößern geht auch. Da sind sogar Boote drauf und 'ne Schänke gibt es dort auch - dahin sind nämlich Fußgänger unterwegs.
    Also groß ist Runde nicht, ausgehend vom Gleuensee bis Schleuse - eine sehr entspannte Tagestour mit dem Kayak. Rd. 20 KM einfach. Kann mir durchaus vorstellen, das bei einem Segelboot da Langeweile aufkommt.

    Übrigens, an den meisten Schleusen hängt auch 'ne Klapperbüchs. Gehört zum guten Ton, dort auch bei Benutzung der Umtragung einen Obolus zu hinterlassen. Nicht, das es heisst, die "Paddler" schnorren. ;-)

  4. 23.

    > "so ein Boot ist ein schöner Ausgleich in der arbeitsfreien zeit. Ich muss mich auch nicht rechtfertigen so etwas zu besitzen. Es ist kein Luxusgut."
    Eben! Genauso läuft das Leben!
    > "Ich bin gerne bereit für jede Schleusen überall zu bezahlen."
    Ach naja... es reicht schon, wenn Sie dem Schleusenwärter nach guter alter Schiffertradition ein s.g. "Schleusenbier" überreichen. Bei der letzten Schleusung zum Feierabend gilt diese freundliche Geste unter hobby-professionellen Freizeitschiffern sowieso!
    > "Nur dafür müssen Sie funktionieren. "
    Ach doch, das funktioniert schon überwiegend. Nur.. die Charterkähne werden immer größer, dass die Schleusen längst über ihre Leistungsfähigkeit gekommen sind, mehr Schäden und Verschleiß inkl. Bei der Schleuse Kannenburg war das Jahre vorher schon absehbar. Da haben die Verantwortlichen lange ein Problem ausgesessen.

  5. 22.

    > "Im Skiurlaub muss ich auch die Punktekarte am Lift durchziehen."
    Skilifte sind keine Verkehrsinfrastruktur, die der Daseinsvorsorge / Versorgung dienen. Wasserstraßen und Schleuse mit ihren Wehren dienen auch der regionalen und nationen Wasserhaushaltung.
    >"Die großen Wasserstraßen haben besetzte Schleusen."
    Die allermeisten Schleusen auf überwiegend touristisch genutzten Wasserstraßen sind Automatikschleusen mit Selbstbedienung. Da ist kein Schleusenwärter mehr. Z.B. Stadtleuse Templin und wenn neu, dann sicher auch Kannenburg.
    >"Dort sitzen Bundesbeamte!!!!"
    Nicht überall. Es gibt auch Landeswasserstraßen, die nicht vom Bund unterhalten werden.
    > "Mal erlebt was im Sommer an den Schleusen der mecklenburgischen Seenplatte los ist? Da wollen die aus Templin schließlich auch hin."
    Ah ja... die Templiner wollen also gerne an die überlasteten Schleusen in McPom? ;-)))
    Ja klar, das gönne ich denen ja auch. Ich war ja auch schon ein paar Mal auf dem Wasser bis Templin.

  6. 21.

    Das besondere an unserem System ist, dass man über den richtigen Weg vortrefflich streiten kann und muss... wenn man nicht die persönliche Würde verletzt... denn auch "Besserverdiener" verdienen besseres, weil sie besseres leisten, in Bildung investiert haben, mehr einzahlen und Solidarität üben, durch still geben (Steuern), sind also auch Menschen...die irgendwo wohnen/leben wollen/müssen. Wenn Sie dies ändern wollen, brauchen Sie eine Mehrheit... ist verdammt schwer, zumal die Definition von "Reich" sich jeden Tag ändern kann, je nachdem wieviel schon "weggenommen" wurde, solange bis alle arm sind...und wenn Sie nicht aufpassen, sind Sie morgen der "Reiche"...

  7. 20.

    was für Kommentare hier. Es gibt den berühmten Spruch "ich arbeite um zu leben und lebe nicht um zu arbeiten" das bedeutet so ein Boot ist ein schöner Ausgleich in der arbeitsfreien zeit. Ich muss mich auch nicht rechtfertigen so etwas zu besitzen. Es ist kein Luxusgut. Es gibt gute Boote schon unter 10000 Euro. Wie soll den euere Meinung nach das Leben aussehen. Schlafen , essen arbeiten essen schlafen ? In jeden Bereich gibt es die Neiddebatte. Ich bin gerne bereit für jede Schleusen überall zu bezahlen. Nur dafür müssen Sie funktionieren.

  8. 19.

    ... ja und irgendwann kennt man dann auch jeden Schilfhalm an den 8 übrig gebliebenen Seen.
    Ist für den Tourismus dort um Templin sicher seit Jahren schon ein Manko. Auf der anderen Seite... dadurch ist es auf den Seen dort sicher noch nicht überlaufen. Die Templiner werden überrascht sein, was sich in den letzten Jahren der wassertouristischen Abgeschiedenheit alles getan hat! Die schwimmenden Teile werden immer größer, es werden immer mehr. Mittlerweile ist ein so ein Mietfloß fast so groß wie eine Maßkahn-Schleuse. Und die wären in Massen auf den Templiner Gewässern. Ich kenne noch die Zeiten mit der Schleuse Kannenburg. Da gings gerade noch so. Aber jetzt? Niemals wieder den langen Weg über die Havel mit den vielen kleinen Schleusen und den Massen an übergroßen Charterpötten samt Tage langen Wartezeiten an den Schleusen....

  9. 18.

    Genau so ist es, diese Zusammenhänge sind nicht jedem Klar. Aber haben wir uns wirklich richtig verstanden?

  10. 17.

    @toberg
    Prepaid klingt sehr gut. Falls die Gebühr nicht die Kosten deckt, muss sie eben erhöht werden.
    Im Skiurlaub muss ich auch die Punktekarte am Lift durchziehen. Für diese Infrastruktur kommen auch die Nutzer auf.
    Mal erlebt was im Sommer an den Schleusen der mecklenburgischen Seenplatte los ist? Da wollen die aus Templin schließlich auch hin.
    Und wer sagt, dass Kassierer extra eingestellt werden müssten. Die großen Wasserstraßen haben besetzte Schleusen. Dort sitzen Bundesbeamte!!!!
    Beispiel für „große“ Wasserstraße gefällig? Oder-Spree-Kanal, Wernsdorfer Schleuse.
    Woltersdorfer Schleuse auch besetzt, da geht es nur noch zum Stienitzsee.
    Der Gedanke zu fragen wie das von den speziellen Nutzern refinanziert werden könnte ist angebracht.

  11. 16.

    Was schlagen Sie vor? Entsozialisierung des Systems? Freiheit für Reiche und absolute Ausbeutung für Arme? Auf wessen Kosten leben Sie gerade?

  12. 15.

    Ruft mal eine andere Karte auf. Dann seht Ihr wie "klein" die Runde ist die die Wassersportler befahren können.
    Die abgebildete Karte entspricht nicht den Gegebenheiten.
    https://www.openstreetmap.de/karte.html#

  13. 14.

    Reiche zahlen mehr gibts doch, nennt sich Progression. Ich als arbeitender Vermieter kann ein Lied davon singen. Dafür. dass ich "nebenbei" 1 Wohnung vermiete, muss ich Steuern auf mein Gehalt nachzahlen. Ich Bekomme also für die selbe Arbeit wie mein Kollege weniger Geld als er. Rechne ich diesen Verlusst, der aus der Miete entsteht der Miete an, dann fließen mit allen anderen Abgaben also monatlich 50% der Miete an den Staat. Wem die Miete also zu hoch ist, der könnte mal beim Staat nachfragen warum das so ist. Der Staat hat es in der Hand die Miete um 50% senken, ohne dass jemand davon Schaden nimmt. Aber er braucht das Geld z.B für Schleusen. Dafür zahlen Mieter dann also so hohe Mieten.
    Das, was dieser Schleuse passiert, wird es in Berlin bald Flächendeckend geben, wenn RRG weiter so für sein Klientel die Stadtkasse plündert.

  14. 13.

    Die neu errichteten Radwege werden dann auch von deren Nutzern bezahlt? Vor allem denen mit den richtig teuren Besserverdiener-Fahrrädern?

  15. 12.

    Boote sind Luxusgüter? Von wegen, vor allem der gegönnte Lohn für gewisse Anstrengungen; und die gemieteten Boote?
    Wasserstraßen können auch mitunter Radwege entlasten? Steuern auf Fahrräder? Steuern auf... usw. liegt dem Glauben zu Grunde, dass nur "richtig und anders" verteilt werden muss statt zu schaffen. Dieses linksgrüne System ist schon "tot" bevor es anfängt zu laufen... weil sonst keiner was leisten will, wenn auf Kosten anderer gelebt wird. Allerdings wird es Neid und Missgunst weiter geben...Infrastruktur ist aus gutem Grund Sache der Allgemeinheit.

  16. 11.

    Das ist durchaus richtig überlegt. Die Einnahmen sollten aber im Verhältnis zum Aufwand stehen.
    Wie würden Sie diese Nutzungsgebühr denn eintreiben? Gibts nen Münzeinwurf, ehe sich das Schleusentor öffnet? Gibts dort einen Kassierer wie im Supermarkt? Muss man sich vorher eine Prepeid-Karte kaufen und dann in nen Schlitz irgendwo stecken? Na komm... ihre Ideen bitte, dass auch mehr Geld übrig bleibt als es Aufwand kostet. Das funktioniert selbst bei der teuren Autobahnmaut nicht sonderlich gut.
    PS: Als eine Steuer wie KFZ geht auch schwer, weil nicht gewerbliche "Freizeit"-Boote nur einfach strukturiert amtlich registriert sind und das nicht so technisch organisert ist wie eben bei KFZ Steuer.

  17. 10.

    In Dtl. werden Steuern nicht linear erhoben. Viel Einkommen = anteilig mehr Steuern; also viel mehr Steuern prozentual als bei kleineren Einkommen...
    Neid und Missgunst gegenüber redlichen Einkommen, wo meistens eine Leistung dahinter steckt, ist nicht redlich.

  18. 8.

    Diese Freizeitboote heißen zwar Sportboote, haben aber am allerwenigsten was mit Sport für Besserverdienende zu tun. Die allermeisten sind normale Durschnittsverdiener als Bootseigner. Andere haben dafür einen Kleingarten oder ne Datsche. Mann sieht immer nur die 20 Meter Yachten, die vielen kleineren Otto-Normal-Erholungsboote sieht man nicht. Und übrigens: Die allermeisten dieser protzigteuren Yachten sind Mietboote! Die gehören so gesehen Firmen.
    Mittlerweile ist der Anteil von Mietfirmen / Mitbooten so hoch, dass die eigentlich die Mehrzahl der Nutzer ausmachen und auch mehr Schäden durch die laienhafte Fahrweise dieser "Charterkapitäne" verursachen. Bei den Mietfirmen kann man bürokratisch einfacher erstmal Geld holen für den Unterhalt der Schleusen. Denn so gesehen sind Bootsvermietungen ja gewerbliche Nutzung der Wasserstraßen.

  19. 7.

    Sehe ich genau so. Wer sich den Luxus eines Segelbootes oder einer Jacht leisten kann, der kann auch etwas zur Infrastruktur beitragen. Wir Autofahrer müssen auch KFZ-steuern und Kraftstoffsteuern zahlen. Also was soll das Gestöhne der Besserverdienenden?

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