Bauernverband kritisiert späte Information - Afrikanische Schweinepest erstmals bei Hausschweinen in Brandenburg entdeckt

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat erste Fälle von Afrikanischer Schweinepest bei Hausschweinen in Brandenburg bestätigt. (Bild: dpa/Pleul)
Video: Brandenburg Aktuell | 16.07.2021 | Margarethe Neubauer | Bild: dpa-Zentralbild

Die Afrikanische Schweinepest betraf in Brandenburg bislang nur Wildschweine. Doch nun ist sie auch bei Hausschweinen nachgewiesen worden, in zwei nicht aneinander grenzenden Landkreisen. Und es gibt weitere Verdachtsfälle.

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist in Brandenburg erstmals auch bei Hausschweinen nachgewiesen worden. Das teilte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft am Feitag mit. Der Fall sei vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) am Donnerstag nachgewiesen worden. Bislang war diese Schweinepest in Deutschland nur bei Wildschweinen aufgetreten.

Die positiv getesteten Schweine stammen demnach aus einem Bio-Betrieb im Landkreis Spree-Neiße und einer Kleinsthaltung im Landkreis Märkisch-Oderland. Damit liegen auch die Fälle bei Hausschweinen in den bereits von der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen
betroffenen Landkreisen nahe der polnischen Grenze. Um die betroffenen Betriebe sollen jetzt Schutzzonen und Überwachungszonen eingerichtet werden.

200 Tiere mussten getötet und "unschädlich beseitigt" werden

Der betroffene Betrieb im Landkreis Spree-Neiße in der Gemeinde Neiße-Malxetal hat nach Angaben des Ministeriums 200 Schweine. Dort wurde das Virus bei einem verendeten Tier im Rahmen des ASP-Monitoring nachgewiesen. Auf Anordnung des zuständigen Veterinäramtes würden alle 200 Schweine getötet und "unschädlich beseitigt", hieß es.

Task Force untersucht Anlage

Der Krisenstab des Landkreises hat am Morgen getagt und gehandelt, sagt der für die Landwirtschaft zuständige Dezernent Olaf Lalk dem rbb. Der Hof wurde umgehend geschlossen und ein Sperrkreis bereits eingerichtet. Aktuell sei die Task-Force des Landes für Untersuchungen in der Anlage. "Die Betriebe, die jetzt in der Sperrzone sind, werden einem intensiven Monitoring unterzogen. Das heißt, die entsprechenden seuchentechnischen Untersuchungen werden jetzt durchgeführt. Bis jetzt konnten wir die Schweinepest immer noch in diesen Ostkreisen entlang der polnischen Grenze an Oder und Neiße halten."

Lalk geht davon aus, dass, wenn die Tiersuche nicht bereits zuvor intensiv bekämpft worden wäre, hätte sie sich schneller und dramatischer ausgebreitet.

Bei dem betroffenen Bestand im Letschiner Ortsteil Kienitz in Märkisch-Oderland liege der Hof innerhalb des Schutzzaunes, jedoch müsse die Kernzone erweitert werden, sagte Pressesprecher Thomas Berendt am Freitag. "Wir haben seit Donnerstagabend mit der Bestätigung vom Friedrich-Loeffler-Institut Gewissheit, dass zumindest bei einem der zwei Tiere die Schweinepest nachgewiesen wurde. Das Veterinäramt hat unverzüglich gehandelt und die Tiere isoliert." Die beiden Tiere bei dem Privathalter wurden bereits getötet und entsorgt.

Möglicherweise zweiter Hof betroffen

Auch ein zweiter Hof in Märkisch-Oderland ist möglicherweise betroffen. Bei dem Verdachtsfall handelt es sich um einen Kleinbestand mit vier Tieren in Ortwig, etwa drei Kilometer von dem vorherigen Fundort in Kienitz. Das bestätigte Landrat Gernot Schmidt (SPD) dem rbb. Entsprechende Proben seien entnommen und an das FLI geschickt worden. Nun warte man auf die Ergebnisse.

Übertragung durch Fütterung unter freiem Himmel möglich

Auf das Übergreifen der ASP vom Wild- auf den Hausschweinbestand sei man aber vorbereitet gewesen, so Berendt am Morgen. "Wir haben mit dem ersten Eintrag in die Wildtier-Bestände vor einem Dreivierteljahr auch Szenarien entwickelt, was zu tun ist, wenn Haustier-Bestände betroffen sind. Das war ehrlicherweise nur eine Frage der Zeit. Aber wir hatten gehofft, dass es nicht passiert."

In Märkisch-Oderland sei eine Zehn-Kilometer-Zone mit einem Ein- und Ausfuhrverbot für Schweine um den Ausbruchsort in Kienitz gebildet worden.

Wie es zu der Ansteckung gekommen ist, soll nun untersucht werden. Vermutlich war die Fütterung der Tiere unter freiem Himmel die Ursache. Vögel können Fleisch mit Viruslast fallenlassen und die Hausschweine damit infizieren. Die brandenburgische Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) erklärte, es sei jetzt wichtig, möglichst rasch die Ursache der Übertragung des Virus auf die Hausschweine zu finden. Die entsprechenden Ermittlungen seien eingeleitet worden.

Bauernverband kritisiert Ministerium

Erste Schlachthöfe haben nach Angaben des Brandenburger Bauernverbandes nach den Schweinepestfällen bei Hausschweinen Tiertransporte aus den beiden betroffenen Landkreisen gestoppt. "Das ist offenbar eine erste Schutzreaktion", sagte Verbandspräsident Henrik Wendorff.

Wendorff warf dem Potsdamer Verbraucherschutz-Ministerium eine katastrophale Informationspolitik vor. "Es kann nicht sein, dass ich morgens davon über das Radio erfahre", sagte er. Es müsse darüber nachgedacht werden, die Strategie des Katastrophenstabes zu überdenken. "Es ist eine zentrale Seuchenbekämpfung im Land erforderlich", betonte Wendorff. Er bezweifelte, dass das Ministerium geeignet sei. Aus seiner Sicht sollte das Agrarministerium die Aufgabe übernehmen.

Im Kampf gegen die Schweinepest sei von Seiten des Ministeriums viel zu wenig passiert, so Verbandspräsident weiter. Es sei nun eingetreten, was man viele Monate verhindern wollte. Maßnahmen, die seit Längerem im Raum stünden, seien nicht erfüllt worden.

So sei die Schwarzwildpopulation nicht ausreichend reduziert und nicht wissenschaftlich untersucht worden, wie in Biobetrieben Sicherheit vor der Krankheit hergestellt werden kann. Außerdem hätte man Kleinstbetriebe freikaufen müssen, so Wendorff. Sie seien besonders anfällig für Infektionen mit ASP.

Landwirte warnen vor weiteren Preissenkungen

Nach den ersten Fällen bei Hausschweinen hat der Dachverband der Schweinehalter Schlachtunternehmen und Handelskonzerne zur Solidarität mit den Landwirten aufgerufen. Torsten Staack, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN), sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ): "Die Bauern machen jetzt schon 30 bis 40 Euro Verlust pro Schwein, während andere sich die Taschen vollmachen. Ich erwarte von Fleischwirtschaft, Handel und Gastronomie, die Not nicht weiter zu verschärfen." Es gebe keinen wirtschaftlichen Grund, jetzt die Auszahlungspreise noch weiter zu senken.

Staack erwartet durch die jetzigen Nachweise keine weitergehenden Einschränkungen. Nach den ersten ASP-Funden bei Wildschweinen im September 2020 waren die Schweinefleischpreise um 20 Cent das Kilo eingebrochen.

Für Schweine meist tödlich - für Menschen ungefährlich

Bislang war die ASP in Brandenburg bei insgesamt 1.267 Wildschweinen festgestellt worden. Hausschweine waren hingegen bisher nicht betroffen gewesen. Zur Abwehr der aus Polen kommenden ASP hatten die brandenburgischen Behörden einen festen Zaun entlang der Oder und Neiße errichten lassen.

Die ASP verläuft für die befallenen Schweine fast immer tödlich. Für den Menschen und andere Tierarten ist das Virus nicht ansteckend. Für den Menschen sei sie ungefährlich, teilt das Ministerium weiter mit. Sie kann weder durch den Verzehr von Schweinefleisch noch Kontakt zu Tieren auf den Menschen übertragen werden. Es handelt sich dabei um eine schwere Virusinfektion, die ausschließlich Schweine - sowohl Wild- als auch Hausschweine - betrifft.

Sendung: Antenne Brandenburg, 16.07.2021, 5 Uhr

18 Kommentare

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  1. 18.

    Ist die Bezeichnung "Afrikanische Schweinepest" überhaupt noch zeitgemäß? In der Abendschau bricht sich die Moderatorin auf High Heels fast die Zunge beim politisch korrekten gendern und hier wird ein ganzer Kontinent verunglimpft.

  2. 17.

    Das geschau dann aber mit Ansage, hatten die sich doch auch mit wohlwollender Berichterstattung des RBB gegen Schutzmaßnahmen gewehrt.

  3. 16.

    Wie kann es sein das die Schweine in so einem Gebiet Draußen gefüttert beziehungsweise gehalten werden dürfen es sollte doch eine Aufstallpflicht wie bei der Geflügelgrippe geben .Sollten die Verantwortlichen Behörden mal drüber nachdenken nicht immer warten bis es zu spät es.

  4. 15.

    Einige hatten auch zuviel Rotlichtbestrahlung. Um davon abzulenken haben sie einfach den Schalter umgelegt. Wir haben hier vor einigen Wochen die schlimmsten Sauställe / Güllebäder für Schweine kennen gelernt. So etwas gab es niemals in der LPG-Tierzucht und schon gar nicht noch früher bei den Einzelbauern. Es müßte sofort verboten werden, dass hier Massenzüchter aus NL für Chinaversorgung Schweine züchten dürfen. In NL dürfen die so etwas nicht.

  5. 14.

    Auch eine größere Auslaufhalle wäre eine Lösung. Man muss ja nur abwechselnd so 20-50 Schweine dort sich austoben lassen. Wie Herr Wilhelm aus Woltersdorf schon schrieb: Zutritt von Personen nur über Desinfektionsmatten-z.B. Sägespäne oder Stroh-. ( Seuchenschutzmatten )

  6. 13.

    Wir Menschen glauben immer noch die Natur beherrschen zu können. Überall wird eingegriffen. Hier was trockengelegt , da etwas gestaut dort geflutet usw.
    Viren gehören zum Leben, wie Wasser, Licht, Luft… . Sie sorgen für das Gleichgewicht auf der Erde.
    Nun stehen überall Zäune, die einen „Virus „aufhalten sollen.
    Die Zäune die gestellt wurden ,sorgen allenfalls dafür, dass andere Tiere ihre Wanderruten nicht mehr nutzen können und in den Bauzäunen elendig verrecken.
    Und das alles nicht damit wir die Menschen im eigenen Land mit gutem Fleisch versorgen können, sondern für den Export, der meistens extrem widerlich gehaltenen Tiere.
    Wir waren in den letzten 1 1/2 Jahren selber gezwungen zu Hause zu bleiben nicht in den Urlaub zu fahren u.v.m. . Wie viele Menschen sind da durchgedreht! Die Tiere haben ebenfalls natürliche Instinkte denen sie nachkommen möchten. WIR! sperren sie ein, sie haben sich nicht freiwillig gemeldet…

  7. 12.

    Hä ??? Chemiebadewannen ??? Wo haben Sie das denn her ? Es gab vor den Ställen Seuchenmatten, d.h. Behälter, mit Sägespänen und Desinfektionsmittel getränkt. Da musste jeder durch, der den Stall betreten wollte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass auf diese Schutzmassnahmen jetzt verzichtet wird

  8. 11.

    Dank der „guten“ Zusammenarbeit mit unseren polnischen Nachbarn greift die ASP weiter um sich. Aber dort kauft man lieber amerikanische Panzer, als das Geld für die Bekämpfung der ASP einzusetzen.

  9. 10.

    Zu DDR-Zeiten waren Mastanlagen auch widerliche Zucht- und Qualmaschinen oder gab es da irgendeine Form von Tierwohl? Nee - da gab es nur lange Ställe, in denen die bedauernswerten Lebewesen gemästet und bis zur Tötung geschunden wurden, nie einen Schimmer Sonnenlicht sahen und deshalb von außen nicht krank werden konnten; da es diese Chemiebedawannen gab.

  10. 9.

    Ich glaube es leider nicht - wenn ich bedenke, wie lange Homo Sapiens auf diesem Planeten lebt und in welcher Zeit er es schafft, seine Lebensgrundlage immer weiter zu zerstören.....
    Hier mal was interssantes zum Nachdenken auf arte: https://www.arte.tv/de/videos/RC-014177/eine-ueberschaetzte-spezies/

  11. 8.

    Zu DDR-Zeiten gab es eine Säuchendurchfahrt und die Mitarbeiter mussten durch eine Schleuse die Anlage betreten! Heute gibt es das nicht mehr, da braucht man sich dann eben nicht zu wundern.

  12. 7.

    Es ist doch logisch, dass die Schweine, die artgerecht mit Auslauf gehalten werden, als Erste infiziert werden. Ihre Futtersstellen werden von Wildvögeln auf der Suche nach Futterresten besucht und hinterlassen ihre Viren. Da hilft nur Stallpflicht, Fenster und Türen vogelsicher gemacht. Ich glaube, eine Weile Stallpflicht wird die Tiere nicht nachhaltig schädigen.

  13. 6.

    Wann wird endlich diese Unfähige Ministerin für Verbraucherschutz ihres Amtes Enthoben ? Nicht nur das sie beim Ausbruch der ASP bei Windschweinen komplett Versagt hat ( das ist Jahrelang vorher in Großmanövern für viel Geld geübt worden was zu Tun ist wen eine Infektion auftritt... nur wurde das nicht Umgesetzt. Es gab nicht Mal das Benötigte Zaunmaterial oder Personalorganisationen)
    Jeder Schweinehalter selber hätte mit seinem Beruflichen Fachwissen darlegen können das der Erste Schutz Einschränkung und Verhinderung von Kontakt und Infektionen der Hausschweinebestände mit Windschweinen; Nagern; anderen Haustieren mit Freigang; Wildtieren wie Vögel und Menschlichen Kontakt über Lieferung ( Futter; Baumaterial für Stallbau; Tierärzte) Zwingend Unterbunden werden muss ! Oder passt es in Politische Kalkül um eine Gesamte Berufsgruppe Wirtschaftlich Sturmreif zu schießen um sie dann Wahlkampfmässig auszuschlachten ? Das technische Regelwerk bei ASP besagt Klar : keine Freilandhaltung

  14. 5.

    Ich denke die Menschheit wird das schaffen. Ich habe ja immer die Hoffnung, dass die Menschen mal dazulernen wenn Wetterextreme, Coronapandemie oder Tierseuchen auftreten. Aber ich fürchte das passiert nicht. Aber hurra! Wir haben bald eine neue Billigfluglinie nach Singapur. Man könnte verzweifeln.

  15. 4.

    Die Schweinepest ist genau wie Corona nicht aufzuhalten, auch mit Zäunen nicht. Jetzt kommt bestimmt eine Stallpflicht, wegen der Vögel. Was für ein Irrsinn, diese Fleischindustrie. Das es nun als erstes die Bio-Betriebe trifft, ist wirklich bitter und eine Tragödie für die Tiere.


  16. 3.

    Die Tiere tun mir leid - alles menschengemacht - und wer darf dafür bezahlen? Fauna und Flora. Die Menschheit sollte schnell von diesem Planeten verschwinden.

  17. 2.

    Das Säugetier Mensch macht seine Lebensgrundlage kaputt und nimmt vorher noch mit, was es fassen - vielmehr töten kann.

  18. 1.

    Alles vernichten..... Anstatt die Tiere zu testen anstatt pauschal alle gleich zu töten. Würde das mit Menschen gemacht, weil es eine tötliche und ansteckenden Krankheit gibt, wäre der Aufschrei riesig. Hier sind es ja "nur" Tiere.
    Stimmt, der Mensch darf sich gegenseitige nicht töten, das macht er indem er seine Grundlagen vernichtet. Das ist nicht ganz so schnell und auffällig.

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