Viereinhalb Jahre Jugendstrafe - Gericht verurteilt 20-Jährigen wegen "Goldnest"-Diebstahl

Undatierte Aufnahme - Blick auf die Vogelnest-Nachbildung aus Feingold. Nach dem Diebstahl des Nestes aus einer Berliner Grundschule fahndet die Polizei nach den Tätern. Der Sicherheitsdienst der Grundschule hatte den Diebstahl des Kunstwerks «Goldenes Nest» in der Nacht zum Mittwoch (15.05.2019) bemerkt. Es war nach Angaben der Polizei in einer Vitrine ausgestellt.(Quelle: picture alliance/dpa/Berliner Morgenpost/Lorenz Vossen
Audio: Inforadio | 12.07.2021 | Ulf Morling | Bild: picture alliance/dpa/Berliner Morgenpost/Lorenz Vossen

Fast zwei Jahre nach dem Diebstahl eines goldenen Kunstwerks aus einer Berliner Schule hat das Amtsgericht Tiergarten nun ein Urteil gesprochen. Der Angeklagte wurde zu mehr als vier Jahren Jugendstrafe verurteilt.

Im Fall des aus einer Berliner Schule gestohlenen "Goldenen Nests" hat das Amtsgericht Berlin-Tiergarten den Angeklagten zu einer Jugendstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Gericht sprach den 20-Jährigen am Montag wegen Diebstahls in besonders schwerem Fall schuldig.

Richter: Tat im Bereich der Hochkriminalität

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Mann im Mai 2019 gemeinsam mit mindestens einem unbekannten Mittäter durch ein Fenster in eine Grundschule im Berliner Ortsteil Biesdorf eingebrochen war und aus dem Foyer das dort ausgestellte Kunstwerk gestohlen hatte. Die Tat bewege sich im Bereich Hochkriminalität, so der Vorsitzende Richter. Einbezogen in die verhängte Strafe wurde eine frühere Verurteilung zu 22 Monaten Haft auf Bewährung.

Um an das "Goldnest" zu kommen, sollen die Täter laut Anklage in der Nacht zum 15. Mai 2019 mit einer Glassäge die schussfest verglaste und vollständig verschweißt in der Wand eingelassene Vitrine zerstört haben. Die Einbrecher hätten sich zuvor Zutritt zu dem Foyer verschafft, indem sie eine Fensterscheibe in der Nähe des Haupteinganges mit einem Werkzeug zerschlagen hätten.

Kunstwerk bis heute verschwunden

Mehrere Indizien, darunter eine am Griff des Einstiegsfensters sichergestellte DNA-Spur des Angeklagten, hätten zu einem sicheren Schuldspruch geführt, so das Gericht. Der Angeklagte sei einige Tage vor dem Einbruch an der Schule beobachtet worden. Zudem habe er laut Ermittlungen in einem Baumarkt Arbeitshandschuhe und Sprühlack gekauft - "in der Art, wie bei der Tat verwendet".

Das "Goldene Nest" ist bis heute verschwunden, Ermittler vermuten, dass es eingeschmolzen wurde. Den Goldwert des Kunstwerks in Höhe von 30.000 Euro muss der Angeklagte ebenfalls ersetzen.

Verteidiger wollen gegen Urteil vorgehen

Der mehrfach vorbestrafte junge Angeklagte hatte zu den Vorwürfen geschwiegen. Seine Verteidiger plädierten auf Freispruch. Es sei unklar, wann und wie die DNA an den Griff gekommen sei. Die Arbeitshandschuhe könnten aus dem Haushalt der polizeibekannten Familie des 20-Jährigen stammen. Ihr Mandant habe in den letzten zwei Jahren einen "völlig anderen Weg" eingeschlagen. Er habe eine Ausbildung als Lagerist abgeschlossen und eine Arbeit. Damit habe er in seiner Familie ein "Alleinstellungsmerkmal". Die Verteidiger kündigten bereits Rechtsmittel an.

Als Zuschauer saß zu Prozessbeginn vor zwei Wochen Künstler Thorsten Goldberg mit im Saal. Er hatte das "Goldnest" im Rahmen eines Wettbewerbs zum 2018 eröffneten Neubau der Grundschule angefertigt. Nach seiner Idee sollten Schüler und Ehemalige nach 14 Jahren entscheiden können, was mit dem Gold geschehen soll.

Sendung: Abendschau, 12.07.2021, 19:30 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 13.07.2021 um 14:42 Uhr geschlossen. Die Kommentare dienen zum Austausch der Nutzerinnen und Nutzer und der Redaktion über die berichteten Themen. Wir schließen die Kommentarfunktion unter anderem, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt.

 

21 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 21.

    Bitte mal mit dem System der Regelbeispiele vertraut machen. Und im Übrigen ist die Schwere der Tat iSv krimineller Energie auch Kriterium nach § 46 StGB.

  2. 20.

    Nein, die Schwere richtet sich nicht nach irgendwelcher "krimineller Energie" . Bitte einfach mal § 243 StGB googeln, da ist alles aufgezählt. (Normalerweise würde ich kurz den Inhalt skizzieren, aber wegen der vielen Fallgruppen bitte ich diesmal selbst zu googeln.)

  3. 19.

    Ein anderer Gesichtspunkt ist natürlich noch die offensichtliche Vorverurteilung. In anderen Ländern würde die wahrscheinlich zu Entrüstungsstürmen führen.

  4. 18.

    In anderen Ländern biste erst ab 21 Volljährig, wirst aber bereits viel früher nach Erwachsenemstrafrecht bei Vorliegen einer erwiesenen Reife und Art des Delikts, nach dem Verurteilt, was Erwachsenen auch strafbewehrt ist. Warum wird Hierzulande den Leuten U21 bei Straftaten immer noch kindliches Gemüt zugerechnet, bei den Dingen, die sie tun?
    Das verstehen wohl nur "Gutachter" und "Sozialpädagogen", dank derer genug Leute auf freiem Fuß sind und weiter ihr Unwesen treiben können, während Leute, die sich wirklich resozialisieren (lassen) unterm Radar laufen und nicht gesehen werden. ISt alles einer gewissen Unfähigkerit oder vielmehr Betriebsblindheit der "Experten" zu verdanken.

  5. 17.

    Da habe ich auch meine Zweifel: ab 16 Jahren wählen dürfen sollen, aber bei der Strafmündigkeit gupudert werden. Wenn ab 16 Jährige aufwärts schon für so mündig gehalten werden (was ich vielen in der Altergruppe nicht abspreche), dann bitte auch das Strafrecht anpassen.

  6. 16.

    Noch nicht erwachsen? Andere diskutieren über die Absenkung der Volljährigkeit, damit eher gewählt werden kann. Wer das Eine will, muss das andere mögen…hoffentlich wird man nicht Opfer eines 20jährigen „Kindskopf“?

  7. 15.

    Ich verstehe die Kommentare ja nicht.

    Der heute 20 jährige war vor fast zwei Jahren bei der Tat irgendwas um 18 Jahre alt und eben nicht 20.

    Angenommen, der Clan des Täters könnte die 30 Mille tatsächlich aus der Portokasse bezahlen, was genau daran wäre schlimm? Schadensersatz ist Schadensersatz und nicht Strafe.

    Jugendstrafe ist bezahlter Urlaub? Die sitzt er auf einer Backe ab? Ich lade die Kommentatoren herzlich ein, auch nur mal eine Woche oder einen Monat aus dem gewohnten Leben gerissen zu werden und dem strengen Reglement einer Haftanstalt unterworfen zu sein.

    Überhaupt Jugendstrafe: das ist kein Freizeitarrest, das ist echt der Haftstrafe. Und zur Höhe der Strafe: im Normalfall liegt die Höchststrafe bei der Jugendstrafe bei 5 Jahren, man kann sich also ausrechnen ob hier eine milde oder eine harte Strafe ausgeurteilt wurde.

    Ja, viele kriminelle Karrieren beginnen in der Jugend. Viele kriminelle Karrieren beginnen auch mit dem Essen von Brot und dem Atmen von Luft. Entscheidend ist aber, wie viele Jugendliche mit Verfehlungen in dieser frühen Jugend schlagen dann auch eine kriminelle Karriere ein? Nicht zu Unrecht gehen die Kriminologen davon aus, dass sich solche jugendkriminellen Verirrungen in den allermeisten Fällen mit dem Alter auswachsen.

    Ach und, die Schwere der Tat ihr müsst sich unter anderem auch am Maß der eingesetzten kriminellen Energie. Und die war hier offensichtlich gar nicht mal so gering.

  8. 14.

    Vielleicht hätte man so ein wertvolles Goldnest nicht in einer Grundschule ausstellen sollen. Wer ist denn auf so eine komische Idee gekommen, Gold für 30.000 Euro in der Grundschule auszustellen. Oder war vielleicht doch eine ganze Menge Blattgold dabei? Sicher war das goldige Kunstwerk auch versichert. Zum Glück muss nun die Versicherung nicht blechen, da man ja den Täter gefasst hat.

  9. 13.

    Ja, im deutschen Strafrecht gilt man leider bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres als "Heranwachsender". Die Justiz geht davon aus, dass ein Erwachsener ab 18 Jahren noch nicht erwachsen ist und somit jugendliche Dummheiten anstellen kann. Kriminelle Karrieren beginnen oft schon in frühester Jugend.

  10. 12.

    @ Lothar, dann hat der RBB meine Frage zum Anlass genommen, und den Artikel erweitert. Freut mich, wenn man auf Nachfrage mehr Infos erhält.

  11. 11.

    20 Jahre alt und dann Jugendstrafe?????

  12. 10.

    20 Jahre alt und dann Jugendstrafe?????

  13. 9.

    Was die Schwere ausmacht, verrät der Gesetzestext. § 243 StGB. Einen Google - Link zum Gesetz spare ich mir mal.

  14. 8.

    Lesen Sie den letzten Absatz. Dann wissen Sie auch, weshalb das Urteil so hoch(?) ausfiel.

  15. 7.

    Es wurde auch eine zur Bewährung ausgesetzte Strafe von 22 Monaten hinzugerechnet.
    Die 30 Mille hat er ja in der Portokasse.
    Eigentlich kommt noch der Schaden am und im Gebäude hinzu.

  16. 6.

    Absolut Lächerlich. Jugendstrafe ist de facto keine Strafe, sondern eher eine Art bezahlter Urlaub.

  17. 5.

    Dies Strafe sitzt der Verurteilte auf einer Backe ab. Danke Kuscheljustiz.

  18. 4.

    Vernünftiges Urteil. Plus Schadenersatz. Mal abwarten ob ein Unbekannter auch noch namhaft gemacht wird.

  19. 3.

    Gut das das Gericht Wiedergutmachung, Schadenersatz fordert. Leider werden die Clanmitglieder das aus der Portokasse zahlen. Besser und eindringlicher wäre es gewesen, den Täter zu seinem Ort der Tat zurückzuführen. Schulklos sanieren, Klassenräume streichen, Schulhöfe reinigen. Zu weich unser Justizsystem.

  20. 2.

    Sind bei 4 Jahren 625€ im Monat! Denn die restlichen 6 Monate werden dem Täter erlassen und er hat noch Kost und Logis vom Steuerzahler finanziert. Was gibt es bei Hartz IV? Ersetzen von was?

Nächster Artikel