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Video: rbb|24 | 26.08.2021 | Material: Brandenburg aktuell | Quelle: rbb/Björn Haase-Wendt

Landkreis lässt weiße Farbe entfernen

Selfmade-Fahrradstreifen in Kyritz wird abgefräst

Vor zwei Wochen tauchte in Kyritz plötzlich ein selbstgemalter Fahrradstreifen auf. Vom Verursacher fehlt bislang jede Spur. Nun lässt der Landkreis die mehr als zwei Kilometer lange Bemalung wieder entfernen. Von Björn Haase-Wendt

Lautstark frisst sich die Fräse über den Asphalt auf der Kreisstraße zwischen den Kyritzer Ortsteilen Berlitt und Rehfeld in Ostprignitz-Ruppin. Zentimeter für Zentimeter wird die weiße Farbe entfernt, die Unbekannte vor genau zwei Wochen auf die Straße gepinselt haben – in wilder Schlängellinie, mit Fahrrad- und Fußgänger-Symbolen sowie der Botschaft "Liebe ist die Antwort".

Bei Berlitts Ortsvorsteher Harald Backhaus steht seit der Nacht- und Nebel-Aktion das Telefon kaum noch still. Fernsehsender und Zeitungen wollen mit ihm reden und den Selfmade-Fahrradstreifen sehen. "Im Prinzip finde ich die Aktion richtig gut", sagt Backhaus. Wenn der unbekannte Maler aber dafür auch noch Wasserfarbe genutzt hätte, die nach zwei Regenfällen verschwindet, wäre sie für den Ortsvorsteher richtig perfekt gewesen.

Die weiße Farbe kann nur mit einer Fräsmaschine entfernt werden | Quelle: rbb/Björn Haase-Wendt

Übermalen war keine Option

Doch der "Künstler" wollte anscheinend ein langfristiges Zeichen setzen. Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin ließ die Farbe untersuchen. Einfach wegwaschen lässt sie sich nicht, auch übermalen ist keine Option, sagt Sprecher Alexander von Uleniecki: "Die Farbe ist so dick aufgetragen, so dass sie jetzt recht kostenintensiv weggefräst werden muss." Dafür ist seit Donnerstag eine Spezialfirma aus Wittstock im Einsatz, nachdem es einen Tag zuvor Verzögerungen gab, weil die Reinigungsmaschine nicht funktionierte.

Einen mittleren vierstelligen Betrag wird die Beseitigung auf einer Länge von über zwei Kilometern kosten, schätzt die Kreisverwaltung und hofft auf Ermittlungsergebnisse der Polizei. Der Verursacher müsse dann mit Regress-Ansprüchen rechnen, macht der Kreissprecher deutlich. "Wir wollen nicht auf den Kosten sitzen bleiben, die am Ende der Steuerzahler zahlen müsste."

Polizei stellt Strafanzeige

Unbekannte malen kilometerlangen Radweg auf Kreisstraße

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion haben bislang Unbekannte zwischen zwei Ortsteilen der Stadt Kyritz einen mehr als zwei Kilometer langen Radweg auf die Kreisstraße gepinselt. Schlangenlinien, Symbole und kryptische Botschaft inklusive.

Bislang keine Hinweise zu den Tätern

Bei der Polizei in Neuruppin tappt man weiter im Dunkeln, wer den Radweg aufgemalt haben könnte, trotz der umfangreichen Berichterstattung. Berlitts Ortsvorsteher Harald Backhaus hält es für denkbar, dass es jemand war, der endlich einen Fahrradweg zwischen Berlitt und Rehfeld sehen will. Seit über zehn Jahren werde darüber diskutiert. Immer wieder wurden Anträge gestellt, immer wurden die Dorfbewohner vertröstet.

Oftmals scheitere es am notwendigen Geld, sagt Backhaus. "Bislang wurden Radwege an der Straße nur gefördert, wenn mehr als 3.000 Fahrzeuge unterwegs sind", sagt der Ortsvorsteher und das werde auf dem Abschnitt nicht erreicht. Auch die Grundstücksverhältnisse an der Kreisstraße mitten durch ein Waldgebiet seien schwierig. Laut Backhaus gebe es um die 15 unterschiedlichen Besitzer auf dem Abschnitt: "Ich wette einer von denen empfindet gerade die vorderen fünf Bäume an der Straße als die wichtigsten und wird sie nicht abgeben."

Alternativroute auf alter Bahnstrecke

Zuletzt haben die Anwohner aus Berlitt und dem Nachbardorf Kötzlin über 400 Unterschriften für einen Radweg gesammelt und an den Landkreis geschickt. In der Diskussion ist auch eine alternative Route über den alten Bahndamm der einstigen Kleinbahn "Pollo". Der Vorteil wäre, dass die Strecke bereits der Stadt gehört.

Der alte Bahndamm der einstigen Kleinbahn "Pollo" als alternative Roue hätte den Vorteil, dass die Strecke bereits der Stadt gehört | Quelle: rbb/Björn Haase-Wendt

Lösungen für Radwegebau werden geprüft

Der Landkreis prüft indes Lösungen für den Radwegebau - auch weil es mittlerweile neue Fördermöglichkeiten gebe, heißt es. Doch das brauche eben Zeit, macht Kreissprecher von Uleniecki deutlich: "Die Botschaft ist angekommen, hier muss etwas getan werden. Aber hier ist ein kühler Kopf gefragt, dass man sich anschaut: Wie kann man die beste Lösung für die Radfahrer erzielen?" Solch Nacht- und Nebel-Aktion würden aus Kreis-Sicht aber dabei nicht hilfreich sein, sagt er.

Die Mitarbeiter der Baufirma hoffen indes, dass die abgefrästen Markierungen nicht am nächsten Tag gleich wieder aufgemalt sind. Jetzt hätten die Täter eine gute Vorlage für eine ordentliche Linie, sagt einer der Bauleute und lacht.

Sendung: Brandenburg aktuell, 26.08.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Björn Haase-Wendt

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