Massive Zunahme von Anrufen - Kampagne soll Berliner für Notruf 112 neu sensibilisieren

Symbolbild: Feuerwehr-Löschfahrzeug am Potsdamer Platz. (Quelle: dpa/Schoening)
Audio: JOURNAL | 16.08.2021 | B. Nothnagel | Bild: dpa/Schoening

Eine Notruf-Kampagne für die Nummer 112 ist am Montag in Berlin angelaufen. Die Kampagne unter dem Motto "Wenn’s drauf ankommt: 112" sei unter anderem nötig, weil Anzahl der Notrufe bei der Berliner Feuerwehr in den vergangenen Jahren massiv zugenommen habe.

Nicht wegen saurer Milch anrufen

"Wir wollen die Menschen in Berlin sensibilisieren, verantwortungsvoll mit der Notrufnummer 112 umzugehen", sagte Karsten Göwecke, der ständige Vertreter des Landesbranddirektors anlässlich des Kampagnenstarts. Es solle aber niemand, der Hilfe benötige, davon abgehalten werden, die 112 zu wählen. "Wegen saurer Milch im Kühlschrank muss aber niemand die 112 wählen", so Oliver Mertens von der Gewerkschaft der Berliner Polizei (GdP) in einer Pressemitteilung vom Montag.

Nach Angaben der GdP finden sich in den neuen Veröffentlichungen "fundierte Informationen und andere Möglichkeiten und Hilfsangebote, die hoffentlich in den nächsten Jahren für Entlastung sorgen". Von Montag an ist die Notrufkampagne der Berliner Feuerwehr auf Werbeflächen im Stadtgebiet, in Online-Medien und sozialen Netzwerken sichtbar.

Zu viele Einsätze für vorhandenes Personal

Im Jahr 2020 sei die die Feuerwehr zu 245 Einsätzen mehr pro Tag ausgerückt als noch im Jahr 2013, hieß es. Für den Rettungsdienst habe der Anstieg der Einsätze in diesem Zeitraum mehr als 30 Prozent betragen. Das seien zu viele Einsätze für die vorhandene Personalstärke. Daher komme die Berliner Feuerwehr immer wieder an die Grenzen ihrer Kapazitäten.

Unter den eingehenden Anrufen seien viele vermeidbare Notrufe, also Notrufe, bei denen keine akute Gefahr für Leib und Leben besteht, sowie Fehleinsätze. Im Jahr 2020 ist es den Angaben nach zu 28.979 Fehleinsätzen im Rettungsdienst gekommen. Von einem Fehleinsatz spricht man, wenn kein Patientenkontakt erfolgte. Wenn also keine Person vorgefunden, der Notruf böswillig abgesetzt wurde, Einsatzmittel wieder abbestellt oder der Einsatz aus technischen oder wetterbedingten Gründen abgebrochen werden musste.

Mit der nun gestarteten Notrufkampagne sollen die Menschen in Berlin sensibilisiert werden, den Notruf verantwortungsvoll zu nutzen.

Sendung: rbb24, 16.08.2021, 13 Uhr

19 Kommentare

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  1. 19.

    Zitat: "Das „saure Milch“ Beispiel ist nun wirklich kontraproduktiv. Braucht der rrb bessere Redakteure?"


    Wohl eher bessere Kommentatoren, konstanze. Denn das Beispiel stammt nicht vom RBB, wie im Text zu lesen ist:

    "Wegen saurer Milch im Kühlschrank muss aber niemand die 112 wählen", so Oliver Mertens von der Gewerkschaft der Berliner Polizei (GdP) in einer Pressemitteilung vom Montag.

  2. 18.

    Früher gab es mal die Trennung in 112 = Feuerwehr und 115 = schnelle medizinische Hilfe. Ich weiß nicht, warum das dann zusammengelegt wurde, aber eventuell ist das auch ein Grund für die Überlastung des Notrufes, weil eben nun sowohl Brände als auch medizinische Notrufe an derselben Stelle ankommen.
    Beispiel für einen "Fehleinsatz": Wir fanden an einem späten Winterabend auf dem Gehweg einen vermutlich betrunkenen, schlafenden oder ggf. ohnmächtigen Mann, der auf Ansprache nicht reagierte. Angesichts der Minustemperaturen und der unklaren Verfassung des Mannes haben wir den Notruf gewählt. Ein weiterer später Passant machte dann den Vorschlag, den Mann vom kalten Boden auf die nicht ganz so kalte Holzbank zu verbringen. Dabei kamen dann seine Lebensgeister wieder etwas zum Vorschein. Er saß dann eine Weile immer noch sehr benommen auf der Bank, erhob sich dann aber und torkelte davon. Ich habe dann wieder beim Notruf angerufen, aber da war der Rettungswagen schon unterwegs.

  3. 17.

    Wie soll denn die Kampagne aussehen? Alles steht und fällt mit zusätzlichem, kompetentem und einfühlsamen Personal, sowohl in der Einsatzzentrale der Feuerwehr als auch beim Ärtzlichen Bereitschaftsdienst, der sehr sparsam aufgestellt ist. Darauf sollte der Focus in erster Linie gelegt werden. Weiterhin sollte zur Kampagne gehören, die entsprechende Zielgruppe zu erreichen, wahrscheinlich 60/70+. Das geht nur mit großen Anzeigen in den Printmedien, Spots im TV und bei den Hausärzten, weil es nur dort ankommt. Zwar wurde die 116117 sehr lange, sehr oft in den TV-Medien erwähnt, aber nur am Rande. Richtig ist auch, dass ein Anruf beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117) oft mit Wartezeiten/hängen in der Warteschleife, verbunden ist. Wer dann in einer Notsituation ist, weiß sich eben nicht anders zu helfen als die 112 anzurufen.

  4. 16.

    Hier möchte ich aber auch mal eine Bresche schlagen für die schnelle Hilfsbereitschaft der Feuerwehr und des Krankenwagens. Ein Nachbar von mir, der sehr krank war, verbrachte die letzten Lebensjahre nur noch i.seiner Wohnung. Als wir diesen sehr, sehr heißen Sommer hatten ging ich öfter mal zu ihm rüber um zu sehen ob alles i.Ordnung ist. Einmal an einem heißen Nachmittag öffnete er mir nicht. Nach mehrmaligen Versuchen machte i.mir Sorgen u.rief die 112 an. Alle kamen sie. Sogar mit einem Leiterwagen. Erst als die Leiter vor dem Fenster ausgefahren war, kam der Nachbar ans Fenster. Und so zogen alle wieder ab. Ich fragte einen Polizisten ob ich mich falsch verhalten hätte. Er sagte nein auf gar keinen Fall.

  5. 15.

    Ich persönlich bin kein medizinisches Personal kann also nicht wissen ob ein Notfall vorliegt oder nicht. Ich weiß nur mir oder jemand anderem geht es schlecht, also 112.Ist mir schon passiert bei Notruf abgewiesen, selbst zur Ambulanz gefahren worden und wurden wir dann rund gemacht warum man nicht mit dem Krankenwagen kommt. Verkehrte Welt.

  6. 13.

    Das „saure Milch“ Beispiel ist nun wirklich kontraproduktiv. Braucht der rrb bessere Redakteure?

  7. 12.

    Es nützt nichts solche Fehleinsätze in den Medien zu thematesieren.
    Selbst die Stadt hat kein grosses Interresse Notruf missbrauch zu anden.
    Es macht nur Arbeit.
    Selbst Einsatzkräfte haben es aufgegeben den Dienstherrn bei Mißbrauch oder Bedrohung ihren Arbeitgeber zu infornieren.

  8. 11.

    Vielleicht kann die rbb Redaktion ja mal ein paar Beispiele solcher Fehlanrufe veröffentlichen. So als schlechtes Beispiel…

  9. 10.

    Danke für diesen sehr schlüssigen Kommentar. Wie ich schon hier geschildert habe, kam ich nicht mal dazu, meine Frage zuende zu stellen. Jetzt bin ich auch schlauer.

  10. 9.

    Das ist leider eine Illusion, Cairo: Allein vom Aufpassen kann man weder Unfälle noch Krankheiten zuverlässig abwenden. Selbst wer immer nur zu Hause sitzt, wird davon irgendwann krank. Dass man irgendwann vielleicht ein Zipperlein falsch einschätzt und z.B. kurz nach einem kleineren Unfall in aufkommender Panik die 112 ruft, ist nur allzu menschlich, und ich rechne es Lothar hoch an, dass er das erzählt. Ich denke, er ist da kein Einzelfall und also sollte man daraus konstruktive Schlüsse auch für die Einsatzzentralen ziehen. Denn laut dem Artikel geht es offenbar nicht um ein "einmal umsonst rausgeschicktes Fahrzeug", sondern um ein größeres und ständiges Problem. - Und nochmal: Wer Fake-Anrufe macht, der tut das böswillig, um bewusst anderen zu schaden, und wird sich von einer solchen Kampagne vermutlich eher wenig beeindrucken lassen. Ich lasse mich aber ggf gern eines Besseren belehren und hoffe in jedem Fall auf eine spätere Auswertung der sicher nicht ganz billigen Kampagne.

  11. 8.

    Wenn wenigstens kompetente Kräfte den Notruf annehmen würden!!!
    Wegen meines Mannes hatte ich im November 2020 die 112 gewählt. Nach der Schilderung der Symptome wurde Hilfe verweigert mit der Bemerkung "Das ist ein Fall für den ärztlichen Bereitschaftsdienst." Der ärztliche Bereitschaftsdienst kam nicht sofort und letztendlich stellte sich heraus, dass mein Mann eine Lungenembolie hatte. Zum Glück erfolgte die Einweisung ins Krankenhaus gerade noch rechtzeitig. "Ihr Mann hätte nicht viel später kommen dürfen", wurde mir gesagt.
    Was nützt die Berliner Spitzenmedizin, wenn Notfälle dort nicht sofort eingewiesen werden?
    So viel zum kompetenten Personal unter der Rufnummer 112. Ein Skandal sondergleichen!

  12. 7.

    Aktuell ist der Ausnahmezustand das Tagesgeschäft.

  13. 6.

    Erst einmal ein Dank an alle Einsatzkräfte .Ob Polizei ,Feuerwehr Sanitätsdienst und viele mehr.
    Wenn man einige Kommentare hier liest ,dann weiß man schon warum die Kampagne notwendig ist. Die Berliner Feuerwehr und andere Hilfskräfte sind nicht nur Aggressionen im Einsatz ausgesetzt, sondern eben auch vermehrt Fakeanrufen. Nicht die Einsatzkräfte und die Notrufmitarbeiter sondern gewissermaßen oder hirnlose Mitmenschen. Und das einmal ein Fahrzeug umsonst raus geschickt wird, ist immer noch besser als gar keins. Gefahr für Leib und Leben muss nicht definiert werden, das lernt man in der Schule im Sozialkundeunterricht. Passt gut auf euch auf ,dann braucht ihr weder 112 noch 116117.

  14. 5.

    "Mit der nun gestarteten Notrufkampagne sollen die Menschen in Berlin sensibilisiert werden, den Notruf verantwortungsvoll zu nutzen."

    Traurig, die Menschheit oder zumindest ein Teil davon, verblödet immer mehr. Wie man schon in der Pandemie feststellen konnte.

  15. 4.

    Der Artikel ist in sich unlogisch: Der Appell ist, den Notruf 112 nur aus triftigen Gründen zu wählen. So weit, so richtig. Viele nutzlose Einsätze liegen aber klar in der Verantwortung der Einsatzzentrale: Dort müssen kompetente Kräfte entscheiden, ob ein Einsatz erfolgen soll oder nicht. Wer einen Löschzug wegen der zitierten sauren Milch rausschickt, ist selbst schuld! Ebenso wer einen Rettungswagen zu einem Schnupfen schickt. Böswillige Fehlalarme hingegen wird man mit einer Kampagne kaum verhindern. - Die meisten Leute rufen die 112 aber eh nicht an um jemandem zu schaden, sondern weil sie unsicher sind. Macht also einfach die 116117 (Ärztlicher Notdienst) bekannter und das Bürgertelefon 4664-4664 der Berliner Polizei. Damit entlastet Ihr den Notruf effektiv, ohne uns Bürger als Trottel darzustellen, wie es der Polizist mit seinem Milchvergleich tut. Und Euer Heldenimage bleibt trotzdem gewahrt. https://www.berlin.de/polizei/service/so-erreichen-sie-uns/buergertelefon/

  16. 3.

    Hoffe die Kampagne erreicht die richtigen Zielgruppen.

  17. 2.

    Zunächst: Vielen Dank für die unschätzbar wertvolle Arbeit der Feuerwehren (und anderer Hilfskräfte)!

    Ergänzungen, weshalb AUCH Einsatzzahlen stiegen:
    - Die Bevölkerung Berlins hat seit 2013 um immerhin 7% zugenommen.
    - Die Zahl der Touristen und Tagesbesucher nahm ebenfalls zu.
    - Die Bevölkerung Berlins wird immer älter. 1995 waren noch ~475.000 Menschen in Berlin über 65 Jahre alt. 2020 waren es fast 706.000!!

    Trotzdem ist die Kampagne natürlich gut, damit die Feuerwehren möglichst nur wirklich relevante Einsätze fahren müssen.

  18. 1.

    Eins möchte ich hier mal klarstellen. Wenn man, so wie mir nur einmal passiert ist in einer besonders schwierigen Situation, die 112 anruft und zuerst mal nur um Rat bittet, wurde ich sofort unterbrochen indem der Kollege am Telefon schon sagte: wir schicken einen Wagen. Als dann die beiden Feuerwehrleute eintrafen, war klar, ich brauchte sie nicht. Die netten Kollegen sagten freundlich ich möge doch die 116117 anzurufen. Das hätte mir auch der Mann am Telefon mitteilen können.

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