Ausweichroute wird verstärkt genutzt - BER-Anwohner beklagen zunehmenden Fluglärm

Easyjet-Maschine landet am Flughafen Berlin-Brandenburg BER
Video: rbb|24 | 07.08.2021 | Material: Brandenburg aktuell | Bild: imago-images/Andreas Gora

Drei Gemeinden östlich des BER sollten eigentlich weitestgehend von Fluglärm verschont bleiben. Dafür soll eine bestimmte Flugroute sorgen. Doch eine Airline gibt nun an, diese nicht fliegen zu können.

Anwohnerinnen und Anwohner der Gemeinden Zeuthen, Schulzendorf und Eichwalde sollen vom Fluglärm vom benachbarten Flughafen BER eigentlich nicht viel mitbekommen. Denn Flugzeuge, die bei Ostwind in Richtung Osten starten, sollen die sogenannte "Hoffmann-Kurve" fliegen - und damit scharf an den Ortschaften vorbei. Beim häufiger auftretenden Westwind starten die Flugzeuge ohnehin in Richtung Westen.

Nur in Ausnahmefällen gibt es in Richtung Osten auch eine Flugroute geradeaus und damit unmittelbar über die Wohngebiete. Die Gemeinden beklagen jedoch zunehmend, dass diese Ausnahme zum Regelfall werde. Der Deutschen Flugsicherung (DFS) zufolge überflogen am Donnerstag 44 Flugzeuge die Ortschaften - laut den Anwohnerinnen und Anwohnern sind es normalerweise etwa fünf. In 39 Fällen handelte es sich laut DFS um Maschinen der Fluggesellschaft Easyjet.

Auf einer Karte sind Flugrouten vom Flughafen BER in Berlin zu sehen. (Quelle: rbb)
| Bild: rbb

Easyjet kann Auflagen nicht erfüllen

Die Airline schafft es insbesondere in der Ferienzeit nicht, die gesetzlichen und sicherheitsrelevanten Auflagen, die für die Route per Hoffmannkurve gelten, mit voll ausgelasteten Mittelstreckenflugzeugen zu erfüllen. Für die meisten Maschinen sei die Ausweichroute deshalb derzeit alternativlos. Man arbeite daran, eine Lösung zu finden, heißt es. Das geht auch aus einem Schreiben hervor, die der Fluglärmbeauftragte des BER, Patrick Strogies, an betroffnene Anwohner verschickte.

Neben den Airlines befassen demnach sich auch die DFS und das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung mit der Problematik. Letzteres will unter anderem prüfen, ob Easyjet einen Regelverstoß begeht.

Anwohnerinnen und Anwohner engagieren sich

In den betroffenen Gemeinden stößt die Erklärung der Fluggesellschaft Easyjet derweil auf Unverständnis. In Zeuthen haben sich bereits mehrere Arbeitsgruppengebildet. Daran beteiligt sich auch Dirk Schulz, der auch in der BER-Fluglärmkommission sitzt: "Die Piloten, mit denen wir sprechen, sagen, dass es für einen durchschnittlichen Airbus möglich ist, die Routen zu steigen. Gerade mit Hinblick auf die relativ kurzen Entfernungen und damit nur einer teilweisen Betankung der Maschinen, ist noch genug Performance vorhanden, diese Strecken zu fliegen".

Auch im Rathaus Eichwalde standen die Telefone in den vergangenen Tagen kaum still. Bürgermeister Jörg Jenoch (Wähler Initiative Eichwalde) fordert, dass die Belange seiner Gemeinde ernstgenommen werden: "Wenn staatliche Stellen nicht in der Lage sind, uns über das Problem zu informieren - dann ist das das Schlimme daran. Eigentlich ist das Land Brandenburg zuständig. Und das lässt es zu, dass seine Bewohner hier überflogen werden, obwohl sie keinen Schallschutz haben. Ich fühle mich da ein bisschen verraten".

In der kommenden Woche wollen die Deutsche Flugsicherung, das Bundesamt für Flugsicherung und die Airlines zu Beratungen zusammenkommen.

Sendung: Brandenburg aktuell, 06.08.2021, 19:30 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 07.08.2021 um 12:50 Uhr geschlossen

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62 Kommentare

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  1. 62.

    Als einer der Betroffenen kann ich ihnen sagen, die Südbahn ist offen. Zur Zeit wechseln jeden Monat die Bahnen. Im August wird über die Südbahn geflogen. Der BER zeigt wieder, dass ihm die Anwohner egal sind. Eir mussten uns jedes Recht jedesmal vor Gericht einklagen. Und nun müssen wir uns draußen schreiend unterhalten und fallen um 05.30 Uhr aus den Betten. Der BER wird versuchen, die bestehenden Regeln aufzuweichen und das als Kompromiss darstellen. Wir werden wieder klagen, und gewinnen. Nur das dauert Monate. Bis dahin liegen die Nerven blank.

  2. 61.

    Wie kommen Sie darauf? Es ist nichts anderes als die Lärmverlagerung von Nord nach Süd und durch den One Single Client verlärmt jetzt der komplette Südwesten und viele Teile Berlins.

  3. 60.

    Zehlendorf? Dann warten Sie mal ab, bis es bei Ihnen dröhnt. Aber Sie hätten da ja nicht hinziehen müssen....

  4. 59.

    Der direkte Überflug gefährdet das Leben der Anwohner. Um
    ihre Wortwahl zu verwenden: Man stelle sich vor, es käme zu einem Unfall… Mal eine Windung weiterdenken vielleicht

  5. 58.

    Alle wollen doch möglichst billig fliegen, das Ticket für JEDERMANN sozusagen. Und dann wundert man sich, das gerade einer der Billigheimer an jedem Tropfen Kerosin spart und die Urlaubsbomber bis auf den letzten qcm vollpackt. Anderseits: Schönefeld war schon immer Airport, zumindest für die derzeit lebende Generation. Eine Iljuschin oder eine Tupolew waren sicher eine deutlich schlimmere Belästigung als die higtech Turbinen der Neuzeit. Wer unbedingt in Flughafennähe sein Domizil aufschlagen wollte muss nun mit dem Krach leben. Oder wurde der BER über Nacht mit einem Fallschirm abgeworfen und SXF hat es nie gegeben? Aber Meckern um an irgendeinen Entschädigungstopf zu kommen um sein Domizil aufzuhübschen paßt in diese Gesellschaft der Forderer. By the way: Ich ertrage auch den Lärm der Rettungshubschrauber (24/7)im Dauertiefflug, da sie Menschenleben retten aber die Wohnung auch toll ist. MfG

  6. 57.

    Danke. Besser auf den Punkt geht gar nicht. Hat von denen die jetzt jammern, niemanden interessiert. Wir haben es Jahrzente ertragen,nun sind mal andere drann. Ach ja:Wir haben auch keine Lärmschutzfenster bekommen. Also aufhören zu Jammern.

  7. 56.

    Sie sind offenbar nicht in der Lage richtig zu lesen. Diese Gemeinden sollten NICHT überflogen werden und haben auf diese Route KEINEN Schallschutz. Es handelt sich also um kein Problem, das man vorher wissen konnte. Abgesehen davon wohnen hier nicht nur neu zugezogene Berliner - welch Überraschung.

  8. 55.

    Egal wo du Flugzeuge fliegen, irgendwer wird sich immer gestört fühlen. Man kann ja nicht mal auf diesem Provinzflughafen nach 24 Uhr landen, bei Verzögerungen durch Gewitter etc. wird man nach Hannover umgeleitet und muss mit dem Bus nach Berlin! Was für eine Fehlplanung unserer Politiker und niemand übernimmt Verantwortung.

  9. 54.

    Das kann ich nur bestätigen.
    Angeblich können nur kleinere Maschinen über Teltow, Stahnsdorf fliegen.
    ( äusserst enger Bogen in Richtung Berlin, anstatt von Berlin weg)
    Denkste, die großen kommen nun hier rüber.
    Beschwereren nützt nix.
    Angeblich wir alles kontrolliert, kein Verstoß, alles im erlaubten Rahmen inkl. Lärmbelästigung

  10. 52.

    600-700kg machen bei so einem Gesamtgewicht genauso wenig aus wie wenn Sie einen Cent mehr zum Einkaufen mitnehmen.

  11. 51.

    Ist schon merkwürdig. Vorher ab Tegel und gerne geflogen und heute nach Lärmschutz lechzen, weil der Flughafen jetzt so toll nah dran ist. Nun, wem seine eigene Weste am nächsten ist, dann aber dran gezogen wird, der steht schonmal im Regen.

  12. 50.

    Die Entscheidung für den BER war sehr gut.Hier gibt es einen modernen Flughafen mit genügend Ausbaureserven für die Zukunft. Dass es hier jetzt anfangs etwas zu Beschwerden kommt war absehbar. Wer hätte auch gedacht, dass der BER als Metropolenflughafen nach so langer Bauzeit dann final an den Start geht. Es ist doch nicht verwunderlich, dass Flugzeuge an einem Flughafen starten und landen. Und die Start- und Landebahnen waren immer schon öffentlich einsehbar. Ich bin bereits etliche Male vom BER geflogen und die Zuganbindung ist einfach Spitze.

  13. 49.

    Ich wohne in Königs Wusterhausen und bin von den Fluglärm sehr betroffen . Da die Flugzeuge in Kurvenflug nicht steigen können, fliegen die Flugzeuge noch sehr tief. Und weil die Menschen aus Eichwalde und Zeuthen den Fluglärm nicht haben wollen, schicken Sie ihn zu uns. Ich würde mir einen neuen Volksentscheid wünschen.

  14. 48.

    Wenn schon im Gesundheitswesen, im Krankenhaus und bei der Altenpflege sowie beim Wohnen die Kosten bzw. die Gewinnmaximierung immer mehr im Vordergrund stehen ist es klar dass die Verantwortlichen beim Unternehmen Easyjet nicht eine Sekunde an die Anwohner denken. Jeder gesparte Euro ist mehr Gewinn für den Chef, die Geschäftsleitung und Aktionäre. Es zählt Gewinn, Geld, Geld, Geld; viel und immer mehr.

  15. 47.

    Irgendwie war doch zu erwarten, dass von den vielen Versprechungen der Standortbefürworter nicht viel übrig bleiben wird.

  16. 46.

    Fehler der Flugroutenplaner! Warum wurde die Start-und Landebahn nicht weiter südlich nahe A 10 in der Richtung gebaut, daß der Geradeausflug nach Osten ohne Beeinträchtigung genau zwischen Wohngebieten möglich ist? Ähnlich würde eine Start- und Landebahn nahe des südl. Berliner Autobahnrings A10 Richtung Westen die Wohngebiete vom Fluglärm entlasten. Abreißen und neu bauen dieses unmöglichen Flugfeldes! Und weiter gehts mit der Finanzverschuldung des BER...

  17. 45.

    Es scheint als sei seit Eröffnung des BER deutlich mehr Flugverkehr über ganz Berlin statt zu finden als vorher.
    Hatte RRG nicht versprochen die Belastung wird generell weniger ?

  18. 44.

    Ich stimme Ihnen zu, jedoch ist die Argumentation so: Ich habe Krebs und will, dass alle anderen auch was davon abbekommen. Uns geht es auch so, Blankenfelde hat Schallschutz ( und sich von dem Geld gerne auch neue Küchen finanziert) und nun klagen die Gemeindemitglieder ( die mehrheitlich dort wohnen) die Flüge ab 22.00 Uhr über unsere südlichen Betten zu jagen. Ich lerne gerade, mit dem Lärm zu leben und muss dann halt nach 30 Jahren wegziehen wenn es mir zu viel wird. Mein Einfamilienhaus kriege ich zum Spitzenpreis verkauft und kann mir von dem satten Gewinn was Schönes im Norden suchen.

  19. 43.

    Lärm gefährdet das Leben der Mitmenschen und zwar dauerhaft, nicht aber eine Hoffmannkurve! Totaler quatsch, was Sie schreiben! Die Kurve ist nicht gefährlich und auch nicht heikel, aber nicht ideal!
    Diese Kurve zu fliegen ist auch mit vollen Urlaubsfliegern kein Problem, ausser scheinbar bei easyJet am BER, nicht anderswo oder wie startet man in innsbruck sogar auf 9500 ft (dünnere Luft) von der 26?Wie landet man auf Madeira oder starten in Stuttgart, etc! Da gibt es diese Kurve auch, hier stören wenigstens keine Berge, dünne Luft oder stürmisches Wetter am Meer!

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