Bundesanwaltschaft - Mutmaßlicher syrischer Kriegsverbrecher in Berlin festgenommen

Ein Wagen der Polizei und maskierte Polizisten stehen im Bundesgerichtshof (BGH). ARCHIVBILD (Quelle: dpa/Uli Deck)
Audio: Inforadio | 04.08.2021 | Ricardo Westphal | Bild: dpa/Uli Deck

Kriegsverbrechen, Mord und Körperverletzung: Das sind die Taten, die die Bundesanwaltschaft einem 54-Jährigen vorwirft, der am Mittwoch in Berlin festgenommen worden ist. Er soll in Syrien eine Granate auf Zivilisten geworfen haben.

Die Bundesanwaltschaft (GBA) hat ein mutmaßliches Mitglied der propalästinensischen Miliz "Free Palastine Movement" (FPM) festnehmen lassen. Dem in Berlin lebenden Mann werde zur Last gelegt, in Syrien eine Granate in eine Menschenmenge abgefeuert zu haben, teilte die GBA am Mittwoch in Karlsruhe mit. Es habe sich um Zivilisten gehandelt, die auf Lebensmittelpakete der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten warteten. Bei dem Angriff sollen mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen sein.

Im Zusammenhang mit der Tat ist der 54-jährige Beschuldigte demnach dringend des Kriegsverbrechens und dem Mord in sieben Fällen sowie gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen tatverdächtig. Das Landeskriminalamt Berlin hat den syrischen Staatsangehörigen am Mittwoch festgenommen und seine Wohnung untersucht.

Mitglied "Free Palestina Movement"

Vor seiner Mitgliedschaft beim FPM soll der Beschuldigte der "Volksfront zur Befreiung Palästinas - Generalkommando" angehört haben. Diese bewaffneten Milizen übten nach Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Auftrag des Regimes die Kontrolle über einen Stadtviertel in Damaskus aus, wie die Behörde weiter mitteilte.

Das Stadtviertel, in dem ein palästinensisches Flüchtlingslager entstand, soll vom syrischen Regime zwischen 2013 und 2015 abgeriegelt worden sein. Die Bewohner des Viertels hätten mehrere Jahre unter einem Versorgungsmangel gelitten, es habe an Wasser, Nahrung und medizinischer Versorgung gemangelt.

Bundesgerichtshof entscheidet über Untersuchungshaft

Der Generalbundesanwalt habe das Landeskriminalamt Berlin 2020 mit den Ermittlungen in dem Fall beauftragt, teilte eine Sprecherin der Berliner Polizei mit.

Der Festgenommene soll noch im Laufe des Mittwochs dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der ihm den Haftbefehl eröffnen und über die Untersuchungshaft entscheiden soll.

Sendung: Inforadio, Nachrichten, 04.08.2021, 10.00 Uhr

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