Leiche wohl in Koffer nach Bayern transportiert - Brüder sollen Schwester in Berlin getötet haben

Fr 06.08.21 | 17:00 Uhr
Archivbild: Eingang zur Generalstaatsanwaltschaft in Berlin . (Quelle: dpa/F. Schuh)
Video: Abendschau | 06.08.2021 | Ulli Zelle | Studiogast Jo Goll | Bild: dpa/F. Schuh

Weil sie dringend tatverdächtig sind, ihre Schwester getötet zu haben, sind zwei Männer in Untersuchungshaft gekommen. Sie begingen die Tat nach Schilderung der Berliner Generalstaatsanwaltschaft mutmaßlich "aus gekränktem Ehrgefühl".

Berliner Ermittler haben zwei Männer wegen des Verdachts auf Mord an ihrer Schwester festgenommen. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Berlin am Freitag mitteilten, sind die 22 und 25 Jahre alten Männer dringend verdächtig, ihre 34-jährige Schwester am 13. Juli in Berlin getötet zu haben. Die Tat sollen sie demnach "aus gekränktem Ehrgefühl" begangen haben, weil das Leben der geschiedenen Schwester nicht den Moralvorstellungen der beiden Verdächtigen entsprochen habe.

Staatsanwaltschaft: Frau wurde getötet

Der 25-Jährige sei für die Tat aus Bayern nach Berlin gereist. Danach sollen die Brüder die Leiche in einem Koffer verstaut haben und noch am selben Tag mit der Deutschen Bahn zurück nach Bayern gefahren sein, um die Leiche dort in der Nähe von Donauwörth zu vergraben, so die Ermittler.

Die Mutter zweier Kinder wurde als vermisst gemeldet. Kurz darauf ergaben sich Hinweise, dass sie getötet worden sein könnte. Am Freitagnachmittag teilte die Generalstaatsanwaltschaft Berlin auf Twitter mit, dass es sich bei der gefundenen Frauenleiche um die Schwester der Tatverdächtigen handle. "Die Frau ist getötet worden". Weitere Einzelheiten könnten zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht veröffentlicht werden.

Untersuchungshaft für beide Männer

Die Männer gerieten durch Videoaufnahmen von einem Berliner Fernbahnhof, Funkzellenauswertungen, Zeugenaussagen und weiteren Erkenntnissen ins Visier der Ermittler, woraufhin die Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben einen Haftbefehl gegen sie erwirkte. Seit Mittwoch sitzen sie in Untersuchungshaft.

Laut Haftbefehl sollen die Brüder "sich gekränkt gefühlt haben, weil das Leben ihrer geschiedenen Schwester nicht ihren Moralvorstellungen entsprochen hatte". Alle drei Geschwister haben laut den Ermittlern die afghanische Staatsangehörigkeit und kamen vor mehreren Jahren nach Deutschland.

"Terre des Femmes" verweist auf patriarchale Strukturen

Morde im Namen der vermeintlichen Ehre sorgten bereits in der Vergangenheit deutschlandweit für Aufsehen. So wurde etwa im Februar 2005 die 23-jährige Deutsch-Türkin Hatun Sürücü in Berlin-Tempelhof von ihrem Bruder mit drei Kopfschüssen getötet. Etwas mehr als ein Jahr später wird der zu diesem Zeitpunkt 20 Jahre alte Todesschütze zu einer Jugendstrafe von neun Jahren und drei Monaten verurteilt.

Gewalt im Namen einer traditionellen "Ehre" erfahren Mädchen und Frauen in allen Teilen der Welt. Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes sieht dahinter jedoch meist keine religiösen Motive. Vielmehr stünde das patriarchalische - also männlich dominierte - Denken der Täter im Vordergrund. Frauen würden als Besitz betrachtet. Und weichen sie von den althergebrachten Normen ab, gilt der Mann als "Opfer", da er so seine angebliche Ehre verliert. Im Extremfall kann es so auch zum Mord kommen.

Sendung: Abendschau, 06.08.2021, 19:30 Uhr

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