Zeuthen, Schulzendorf und Eichwalde betroffen - Neue Abflugregel für Easyjet am BER soll Fluglärm reduzieren

Symbolbild: Ein Passagierflugzeug der britischen Fluggesellschaft easyJet ist im Abflug von der südlichen Start- und Landebahn des Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg BER. (Quelle: dpa/P. Pleul)
Audio: Inforadio | 20.08.2021 | Oliver Soos | Bild: dpa/P. Pleul

Weil Easyjet mehrfach von einer vorgeschriebenen Abflugroute am BER abgewichen ist, gab es in drei Gemeinden unerwarteten Fluglärm. Ob die Routenänderung rechtens ist, wird noch geklärt. Bis dahin soll eine neue Regel den Lärm reduzieren. Von Oliver Soos

89 Mal ist es in der ersten Augusthälfte passiert: Der Wind kommt von Osten, das Flugzeug startet von der Südbahn des BER entsprechend in Richtung Osten, hebt ab, macht einen leichten 15-Grad-Knick nach rechts und fliegt über Zeuthen, Schulzendorf und Eichwalde.

Die Flughafen-Expertin der Brandenburger Linken-Fraktion, Marlen Block, verlangt Aufklärung: "Das Problem ist, dass den Menschen vor Ort etwas anderes versprochen wurde. Die Flugrouten wurden extra so eingerichtet, dass man vor Fluglärm geschützt ist und sie sollten auch eingehalten werden. Nun scheint es aber so zu sein, dass die Airlines selbst entscheiden können, ob sie die Hoffmann-Kurve fliegen oder nicht."

Pilot soll über Verfahren entscheiden

Die Hoffmann-Kurve, benannt nach ihrem Erfinder, dem Eichwalder Privatpiloten Marcel Hoffmann, soll den Flugverkehr von den Gemeinden weglenken. Bei Starts von der Südbahn Richtung Osten müssen die Flugzeuge direkt nach dem Abheben eine scharfe Rechtskurve fliegen.

Laut dem Bundesamt für Flugsicherung gilt diese Regel immer dann, wenn es die technischen Voraussetzungen zulassen. "Wenn die geforderte Steigleistung der Flugzeuge sowie Wind- und Wetterbedingungen nichts Gegenteiliges erfordern, muss aus Lärmschutzgründen die frühe Kurve genutzt werden", heißt es in einer Mitteilung des Bundesamts. Doch es ist gleichzeitig auch klar festgelegt, wer am Ende die Verantwortung trägt: "Allein der Pilot entscheidet, welches Verfahren er fliegt."

Auf einer Karte sind Flugrouten vom Flughafen BER in Berlin zu sehen. (Quelle: rbb)Die Startrouten am BER

Easyjet verweigert Hoffmann-Kurve

Easyjet-Piloten haben sich in den letzten Monaten regelmäßig für den geraderen Abflug mit 15-Grad-Knick entschieden. Die Airline hat generelle Sicherheitsbedenken angemeldet, sagt der Geschäftsführer der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Michael Halberstadt: "Wenn es sehr warm ist und die Flieger viel Gewicht haben, ist es schwieriger, die technischen Bedingungen zu erfüllen. Genau das Problem hat Easyjet angegeben." Generell gilt: je höher die Temperatur, desto geringer die Luftdichte und der Auftrieb an den Tragflächen des Flugzeugs. Bei Urlaubsflügen im Sommer haben die Passagiere häufiger schwere Koffer mit. All das macht es den Piloten schwerer, schnell hochzusteigen. Um aber direkt nach dem Abheben eine scharfe Kurve fliegen zu können, muss das Flugzeug schon nach wenigen Sekunden 150 Meter Höhe erreicht haben.

Ob das aber rechtfertigt, die Hoffmann-Kurve regelmäßig nicht zu fliegen, darüber sollte am Donnerstag ein Experte der Deutschen Flugsicherung aufklären, im Infrastrukturausschuss des Brandenburger Landtags. Doch der Experte musste aus Termingründen absagen, er wolle seine Informationen nachreichen, hieß es. Die Linken-Abgeordnete Marlen Block bleibt skeptisch: "Es stellt sich schon die Frage, warum andere Airlines, die mit den gleichen Maschinen fliegen, die Hoffmann-Kurve bewältigen können und Easyjet nicht."

Mehr Höhe für weniger Lärm

Laut der Flughafengesellschaft wurde im August bei etwa 80 Prozent der Starts in Richtung Osten die Hoffmann-Kurve eingehalten. Für die Geradeausflieger von Easyjet gilt nun eine andere neue Regel. Die Maschinen der Airline dürfen keine so genannten "Intersection Take-Offs" mehr machen, also Abkürzungen in Richtung Mitte der Startbahn nehmen, um Zeit und Kerosin zu sparen. Easyjet muss immer bis zum Anfang der Startbahn rollen, um an einem früheren Punkt der Startbahn abheben zu können. Damit erreichen die Flugzeuge über den Wohngebieten mehr Höhe.

Der Lärm wird dadurch deutlich reduziert, so der Geschäftsführer der Flughafengesellschaft Michael Halberstadt: "Wir haben ausgewertet, dass der Lärmdruck damit um zwei dB abfällt. Zum Vergleich: Im Straßenverkehr bedeutet ein Abfall von drei dB, dass nur noch etwa die Hälfte des Lärms ankommt." Dennoch soll der Lärm nach zwei Flugplanperioden noch einmal neu bewertet werden. Dann könnten sich die Gebiete, in denen die Menschen Anspruch auf Schallschutz haben, ändern, so Halberstadt.

Sendung: Inforadio, 21.08.2021, 08:30 Uhr

Beitrag von Oliver Soos

49 Kommentare

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  1. 49.

    Ihnen sind da ein paar Dinge leider entgangen. So haben sie noch nicht einmal bemerkt dass es um Sperenberg ging. Nun verstehen sie den Zusammenhang sicher zu Lärme und Havarie-Risiko. Leipzig benötigt enne weitere Landebahn. Was meinen wie dies die Anwöhner freut. Ein weiterer Vorteil war eben die Ausbaufähigkeit und der Nachtfug für Sperenberg. Ihnen ist leider nicht bekannt, dass es überhaupt kein Potsdamer Stadtschlosses gibt. Steht sogar daran am Rosa Klotz. Ist der Landtag und hat nur die Fassade. Ein echtes Schloss besteht eben aus mehr als der Fassade. Sie dürfen auch rein. Die Kantine ist ganz gut, war sehr oft da. Fehler an der Fassade falsche Fenster, Beton anstatt Sandstein, Falsche Maße und der falsche Farbton. Die Schloss-Attrappe in Potsdam ist einfach nur scheußlich. Dem Tagesspiegel sind eben nur ein Teil der Kosten bekannt. Leider werden die wahren Kosten dem Volk nicht bekannt gegeben. Fangen wir mit dem Bau an sollte 100 Millionenkosten, wollte keiner ....

  2. 48.

    Die Planungsphase für den BER begann deutlich früher (1997) als die des Potsdamer Stadtschlosses (2005). Ein monetärer Zusammenhang zwischen beiden Projekten liest sich schön - ist aber eher im Reich der Fabeln anzusiedeln. Ebenso die halbe Milliarde Baukosten für das Schloß. Wo haben sie solche Geschichten her?
    https://www.tagesspiegel.de/themen/brandenburg/neuer-landtag-in-brandenburg-schloss-in-potsdam-ein-grossprojekt-das-kaum-teurer-wurde/11889988.html
    "Zudem müssen die Anwohner in Berlin und Leipzig deshalb mit Lärm und Absturzrisiko leben."
    Da die meisten Flugunfälle in der Start- und Landungsphase passieren, wo auch der meiste Lärm für die unmittelbaren Anwohner wahrnehmbar ist, haben sich Wohnqualität und Sicherheit in Berlin deutlich erhöht. Übrigens hat Leipzig einen eigenen Flughafen mit deutlich mehr Flugbewegungen als derzeit der BER.

  3. 47.

    "DAS nenne ich über den Tisch ziehen. Brandenburg ist das Geld ausgegangen und Berlin und der Bund konnten so bestimmen. Hat was von Pokern."
    Nee, mit Rechnen - am besten vorher, realistisch und möglichst richtig. Was ich nicht habe oder nicht aufbringen kann, kann ich weder anbieten, versprechen oder gar ausgeben. Doppelt sowieso nicht. Dazu braucht es nicht mal ein BWL-Studium, das weiss jeder Pommesbudenbesitzer.

  4. 46.

    Schließt doch den BER !
    Alles superschlaue Möchtegern-Piloten hier im Chat !

  5. 45.

    Schnee von Gestern. Der Flughafen ist in Betrieb und basta. Jetzt gehts um die Flugrouten. Das verändert sich ohnehin alles im Laufe der Zeit. Eventuell muss der Flughafen in einigen Jahren erweitert werden oder oder… Wer in der Nähe wohnt muss damit klarkommen oder wegziehen. Gewerbe in der Nähe isr immer doof.

  6. 44.

    Starts mit dieser Kurve kommen deutlich lauter vor, ich denke weil sie mehr powern als bei halbwegs geradem Flug. Auch die überflughöhe spielt eine lärmtechnisch erhebliche Rolle. Warum starten nicht alle vom Beginn der bahn und setzen eher mit Moderatoren Schub auf höhe? Gerade bei der südbahn müssen echte Messungen her wie laut es am Boden ist. Bei der Nordbahn sind die lärmwerte je Modell bekannter. Die Unterschiede z.b. zwischen a330 und a320 sind messbar allerdings kann der a330 nicht so schnell steigen. Insbesondere die a220 sind sehr leise. Auch fraglich ist warum Ryanair am gleichen Punkt 2900fuss hoch fliegt wo easyJet etwa bei 2300 Fluss hoch ist. A320 und 737 sind etwa gleiches kalliber. Mein Fazit ist das wenn die daDFS will gibt es noch viele smarte Ansätze zur lärmreduzierung die ökonomisch vertretbar sind.

  7. 43.

    Also zwischen neuen und alten Pisten liegen schon ein paar Meter mehr.

  8. 42.

    aber die richtigen Routen. das waren zuerst geradeaus, dann 15 Grad. nur zur Info. die Hoffmankurve ist erst später entstanden und nur mit Willkür gegen andere Betroffene.
    die frage wer würde am meisten " beschissen" sollte bitte korrekt beantwortet werden und nicht mit persönlicher Präferenz.

  9. 41.

    "Aufgrund einer sich verschlechternden Finanzlage des Landes Brandenburg einigten sich Wissmann, Diepgen und Stolpe am 28. Mai 1996 auf einem Spitzengespräch in Berlin schließlich auf den Standort Schönefeld."

    DAS nenne ich über den Tisch ziehen. Brandenburg ist das Geld ausgegangen und Berlin und der Bund konnten so bestimmen. Hat was von Pokern. Nur das es hier um Menschen und deren Gesundheit geht. Achso... und letztendlich um sehr, sehr viel Geld. Also doch Pokern.

  10. 40.

    Hallo, auch uns in Miersdorf hat man Schutz vor Fluglärm und Geradeausflug versprochen. Später kamen selbsternannte Experten ala Hoffmann, mit dem einhalten der "Hoffmannkurve", was nur leider von den meisten Piloten ignoriert wird. Was wird denn da von Herrschaften wie Hoffmann und "Bliz"- Selch unternommen. Ach ja NICHTS, denn es juckt sie ja nicht.
    Die Hälfte der Zeuthener empfinden den 15 Grad Knick daher als Erleichterung. Das soll mal bitte nicht zu kurz kommen oder mal wieder verschweigen. Das Grüne und Co gerade Wahlkampf machen und allen Leuten ihre Unterstützung versprechen ist ein weiteres Problem.

    Also zusammengefasst sind die Menschen in meiner Umgebung und natürlich auch ich der Meinung, dass der 15 Grad Knick bleiben sollte.

    Danke und gern mal dazu Feedback.

  11. 39.

    Eigentlich ist es ganz einfach: Wenn die Piloten von EasyJet unfähig sind, sich an vorgegebene Flugrouten zu halten bzw. diese aus ebensolcher Unfähigkeit zu fliegen, dann muss man ihnen die Erlaubnis entziehen, den BER zu befliegen. Das würde in aller Konsequenz beinhalten, dass EasyJet den BER nicht mehr nutzen darf.
    Da aber die wirtschaftlichen Interessen von FBB und Politik weit vor dem Wohl der betroffenen Bürgerinnen und Bürger liegen, werden sie sich dieser o.g. Logik nicht anschließen. Was ist für die Betreiber schon die Erfüllung vertraglicher Bedingungen und die Gesundheit der Anwohner im Gegensatz zu den paar Euros wert, die EasyJet zur Behebung des Finanzdesasters beiträgt.

  12. 38.

    Komisch, den ganzen August habe ich hier ein Dahlewitz nicht ein Flugzeug im Landeanflug gesehen , sondern nur starten.89 mal ist im Vergleich zu andere Regionen ja auch sehr wenig. Aber bei den seit Beginn so oft angeblich optimierten Routen blickt eh keiner durch.

  13. 37.

    Vielleicht liegt es auch daran, dass die Flieger unterschiedlich voll gestopft werden? Wie hier schon jemand sagte, EasyJet nimmt mehr Passagiere auf. Ergo sind manche Maschinen schwerer und kommen langsamer auf die erforderliche Höhe. Daher die jetzige Lösung mit dem längeren Anlauf beim Start. Mit als Passagier ist es lieber, wenn der Pilot die sicherere Variante wählt

  14. 36.

    Gähn… Also, wenn die Anwohner jeden Monat Summe X bekämen, wäre es erledigt? Dann ist der Lärm nicht mehr so schlimm? Interessant

  15. 35.

    So, im alten Schönefeld war die Einflugschneise zwischen Eichwalde und Grünau. Nun landen Sie im Monatswechsel über der Stadtgrenze zu Berlin, also deutlich weiter nach Eichwalde versetzt (Südbahn). Diese Gegend bekam Schallschutz oder Entschädigung.

    Durch das Nichtfliegen der Hoffmannkurve haben sich die Schutzzonen verändert, so dass über völlig ungeschütztes Gebiet geflogen wird. Da die FBB sowieso nur 50% der eigentlichen Kosten für Lärmschutz eingeplant hat, werden diese Gebiete nicht zu schützen sein. Ergo hat Easyjet die Kurve zu fliegen, wie es auch andere vollbeladene Fluggesellschaften machen und schaffen - auch mit einem A320 ...

    So unangenehm die Kurve für KW ist, so haben die Flieger hier schon eine andere Höhe, als im sehr nahen Schulzendorf/Eichwalde.

    Generell hat das nichts mit Jammern zu tun, diese Standortentscheidung und zu wenig Geld für den Lärmschutz, das hat dort keiner gewollt. Und nun muss man die Ignoranz EINER Fluggesellschaft einfach ertragen?

  16. 34.

    Es gab doch in Schönefeld schon immer einen Flughafen... Der Unterschied zu früher ist doch nur, dass mit dem "neuen" BER ein neues Terminal errichtet wurde, die Start- und Landebahnen sind gleich geblieben. Am Umstand, dass dort ein Flugplatz auf zwei Pisten betrieben wird hat sich also nichts geändert. Denn es stimmt, die "Neubau-Piste" weicht lediglich um wenige Meter von den alten Pisten ab. Jetzt kann man sagen, dass die Anzahl der Flugbewegungen zugenommen hat, allerdings sind die Flugzeuge über die Jahre hinweg auch moderner und leiser geworden. Ich freue mich über den gut angebundenen BER (FEX in u ter 30 min.)und hoffe, dass es hier sehr bald noch mehr attraktive Flugverbindungen für die Bewohner der Metropolregion Berlin-Brandenburg geben wird.

  17. 33.

    Wenn alle anderen die Hoffmann-Kurve fliegen können dann sollten die Easyjet Piloten diese üben. Vielleicht trainieren die Anderen mehr und Easyjet spart an der Sicherheit?

  18. 32.

    Es ist immer noch so, dass die Flugrouten der Logik nicht genügen... Keiner weiß bis heute, warum durch welche Entscheidungen und Bestechungen damals diese absurden Kurven über ANDERE Dörfer/Wohngebiete zustande kamen. Natürlich könnte man auch in Westrichtung erstmal bis ins leere Havelland geradeaus fliegen und DANN nach Nord abdrehen. Wie gesagt, man hat offenbar einigen was "versprochen" oder "abgekauft" - und das ist uns und dem easyJet Pilot halt nicht bekannt.

    Es gibt kein Lex Zeuthen oder Lex Potsdam, das dort Überflüge verbietet und zigtausende andere dadurch belästigt!

    Nennt endlich Ross und Reiter, was hat euch das gekostet?

    Viele Grüße aus TKS!

  19. 31.

    Ganz einfache Lösung: Abweichung von Standardrouten mit einem Preis belegen. Dann kann sich der Pilot entscheiden ob er von den Vorgaben abweichen will. Die zusätzlichen Einnahmen werden an die vom Lärm betroffenen Einwohner ausgezahlt. Bin mal gespannt welche Vorgaben EasyJet seinen Managern im Cockpit dann macht.

  20. 30.

    „ Liebe Lilly, ich schätze Sie als noch recht junge Frau ein“. Wow, wenn das mal nicht Diskriminierung pur ist. Junge Frauen haben also keine Ahnung?

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