Früherer SFB-Chefredakteur - Journalist Jürgen Engert gestorben

So 22.08.21 | 12:16 Uhr
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Archivbild: Jürgen Engert am 13.01.2015 bei der Feier zu 25 Jahre Deutsche Gesellschaft e.V. (Quelle: imago images/Christian Thiel))
Audio: Inforadio | 22.08.2021 | Miriam Berger | Bild: imago images

In Berlin und darüber hinaus galt Jürgen Engert als kritischer Geist und ein guter Beobachter der Ost-West-Politik. Am Sonntag ist der frühere ARD-Journalist und Chefredakteur des Senders Freies Berlin gestorben. Er wurde 85 Jahre alt.

Der Journalist Jürgen Engert ist tot. Er starb nach rbb-Informationen am Sonntag im Alter von 85 Jahren.

Engert war von 1987 bis 1998 Chefredakteur des Sender Freies Berlin (SFB-Fernsehen) und von 1998 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2001 Gründungsdirektor des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin. Von 1984 bis 1998 moderierte er das Polit-Magazin "Kontraste" in der ARD. Insgesamt war Engert 17 Jahre für die ARD tätig. Er galt als kritischer Beobachter der Ost-West-Politik, die er von Berlin aus kommentierte und analysierte.

Journalistische Beiträge im Gedächtnis des Landes Verankert

rbb-Intendantin Patricia Schlesinger würdigte Jürgen Engert am Sonntag als einen prägenden Fernsehjournalisten der Bundesrepublik. "Seine Arbeit bei Kontraste und vor allem seine Beiträge rund um den Mauerfall und zur Wiedervereinigung Deutschland sind im Gedächtnis des Landes verankert. Seine journalistische Arbeit ging Hand in Hand mit seinem redaktionellen Gestaltungswillen und seinen Fähigkeiten als Teamspieler", erklärte Schlesinger.

"Von seiner Arbeit etwa im ARD-Hauptstadtstudio profitieren wir bis heute. Wir sind sehr traurig, dass er gegangen ist, unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei seiner Frau und seiner Familie."

Jürgen EngertJürgen Engert stand 1984 - 1998 für Kontraste vor der Kamera.

Chefredakteur des SFB-Fernsehens

Jürgen Engert stammte aus Dresden, er studierte Geschichte, Germanistik und Philosophie an der Freien Universität in Berlin und in München. Nach einem Volontariat arbeitet er mehr als zehn Jahre als politischer Redakteur beim Berliner "Der Abend", dessen Chefredakteur er schließlich wurde. Aus dieser Zeit stammt seine Auszeichnung mit dem Theodor-Wolff-Preis. Nach freiberuflicher journalistischer Arbeit kam er 1983 als Hauptabteilungsleiter Politik zum Sender Freies Berlin (SFB), 1987 wurde er Chefredakteur des SFB-Fernsehens. Einem breiten Publikum wurde er als Kommentator und durch die Moderation des Politik-Magazins "Kontraste" bekannt, die er 1986 übernommen hatte und bis 1998 behielt.

Als 1999 das ARD-Hauptstadtstudio in Berlin eröffnete, war Jürgen Engert der Gründungsdirektor, er etablierte das Studio in den Folgejahren als Instanz der politischen Berichterstattung in der Hauptstadt. 2001 verabschiedete er sich in den Ruhestand und erhielt 2002 den Verdienstorden des Landes Berlin. rbb-Intendantin Patricia Schlesinger betonte: "Jürgen Engert nahm sich selbst nie wichtiger als die Themen, über die er berichtete. Sein kritisches Bewusstsein und seine klaren Analysen war uns oft Vorbild und bleiben uns Ansporn."

Sendung: Inforadio, 22.08.2021, 12 Uhr

12 Kommentare

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  1. 12.

    RIP
    Vermisse ihn schon lange. Trotzdem irgendwie passend, in der Zeit von ihm verlassen zu werden, in der sich seine Art des Journalismus nahezu vollständig ins Gegenteil verkehrt hat.

  2. 11.

    R.I.P.

  3. 10.

    Ja, Sie zählen die richtigen Weggefährten auf - es gibt noch einige, die später noch sehr gute Reiseberichte als "Rentner" verfassten, aber zuvor unsere TV/Radio/Zeitungslandschaft kritisch und wahr bereichert haben. Es gibt kaum würdige Nachfolger, die so mutig sind und so "unaufgeregt" Wahrheiten aussprechen, wie diese Riege der besten Journalisten.

    Herzliches Beileid allen, die Jürgen Engert sehr vermissen werden, und ihm selber die wohlverdiente Ruhe in Frieden....

  4. 9.

    Was haben sie denn da im Kopf ? Haben sie mal bedacht, dass es eine Zeit gab in der niemand" blau-braun" verstand ? Was das überhaupt bedeutet wußte kein Bürger; wir wählten schließlich SPD, CDU oder FDP. Wer hat da gepennt und Nazis wieder zugelassen ? Sogar bei der Bundeswehr. Sie werden verstehen weshalb ich der Politik so abgenegt bin. Wann kommt der Ruck, den Herzog schon forderte ?

  5. 8.

    Da finde ich es doch gut, dass ich diese Leute nicht mal kenne. Nun sage ich es noch anders: Der lachende Laschet hat mir gezeigt was heute CDU bedeutet. Ich habe mir ein wirklich liebenswertes Deutschland vorgestellt, dass seine" Freiheit" nicht am Hindukusch verteidigen muss.

  6. 7.

    Das mag Ihre subjektive Meinung sein, objektiv ist sie falsch.
    Georg Restle, Anja Reschke etc. bringen sehr wohl Themen zur Sprache die den Regierenden und der blau braunen Opposition nicht passen. Ganz im Stil von Jürgen Engert R.I.P.

  7. 6.

    Toller Seriöser Journalist!
    Habe ihn gern gesehen.

  8. 5.

    Ihrem Kommentar schließe ich mich vollumfänglich an und er fehlt nicht erst jetzt,sondern seit er in den verdienten Ruhestand ging. Es ist hier leider so,wie in vielen Lebensbereichen. Persönlichkeiten wie er fehlen und haben kaum Nachfolger. Frau Schlesinger hat es auf den Punkt gebracht:"Jürgen Engert nahm sich selbst nie wichtiger als die Themen, über die er berichtete. "

  9. 4.

    Alles richtig; dazu die passende Stimme. Engert habe ich glauben können. Wir kannten ja die Probleme über die er sprach. Mit Pleitgen und P.Scholl-Latour präsentierten sich Journalisten mit Format und Charakter. Sabine Krone-Schmalz nicht vergessen ! Heute haben alle fast die gleiche "Meinung". Da höre ich nicht mehr hin; Tagesschau ist heute sehr verzichtbar.

  10. 3.

    Einer ganz großen Journalisten! Ich vermissen in der heutigen Zeit solche Journalisten! Sie gibt es leider nicht mehr!

  11. 2.

    Es war einer der letzten Topjournalisten,der noch Kommentare mit Tiefenschärfe sprechen konnte.

  12. 1.

    Ein großer Verlust!
    Es gab schon in den 80er Jahren nicht allzuviele kritische Journalisten in Bezug auf die Berichterstattung über die DDR und Ostberlin.
    Engert aber sah genau hin, sprach auch unbequeme Wahrheiten klar und deutlich aus. Seine Moderationen und Beiträge haben ihren Anteil an der friedlichen Revolution im Osten 1989, da bin ich mir ganz sicher. Damals lebte ich noch in Leipzig und freute mich über seine differenzierten und kritischen Beiträge besonders über die Verhältnisse in der DDR.
    Für heute wünschte ich mir wieder mehr Journalisten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die - so wie Jürgen Engert zu seiner Zeit - keine Angst haben, bei den Mächtigen anzuecken, die sich nur der offenen und wahrheitsgemäßen Berichterstattung verpflichtet sehen.

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