Massentourismus auf dem Wasser - Freizeitkapitäne machen Brandenburger Fischern das Leben schwer

Fischerhof Weber in Potsdam (Quelle: rbb/Lisa Steger)
Audio: Antenne Brandenburg | 04.08.2021 | Lisa Steger | Bild: rbb/Lisa Steger

Wegen Corona wollen viele Deutsche nicht ins Ausland. So boomt der Wassertourismus in Brandenburg. Die Schattenseite: Immer mehr Hobbykapitäne beschädigen dabei Netze von Fischern - die dann auf den Kosten sitzenbleiben. Von Lisa Steger

Mario Weber aus Potsdam ist erbost. Er hält ein zerrissenes Netz hoch. In der letzten Nacht hat es jemand mit seinem Boot zerstört - und ist einfach weitergefahren. "Die große Menge meldet sich nicht", erzählt der 60-Jährige resigniert und meint damit die vielen Freizeitkapitäne von Mietbooten. Die werden immer häufiger zum Problem für Brandenburger Fischer. "Es ist konstant schlimm", sagt Weber.

Bereits Anfang Mai waren Hausboote in Brandenburg bis Ende September kaum noch zu bekommen, teilte der ADAC mit. Und Hausbootverleiher berichteten, sie hätten diesmal die Saison verlängert – viele schiffbare Feriendomizile seien schließlich beheizbar.

Die Fischer Lars Dettmann (li.) und Mario Weber zeigen die kaputten Fischernetze (Quelle: rbb/Lisa Steger)
Lars Dettmann (li.) und Mario Weber zeigen die kaputten Fischernetze | Bild: rbb/Lisa Steger

Mario Weber erlebe zerrissene Netze mindestens zehnmal im Jahr. Seit 30 Jahren betreibt er den "Fischerhof Weber". Früher hat er nach solchen Vorfällen Anzeige bei der Polizei erstattet. Heute nicht mehr. "Meist haben wir dann nach drei oder vier Wochen ein Schreiben bekommen, dass die Ermittlungen eingestellt wurden, weil sie zu keinem Erfolg geführt hatten", so der Kleinunternehmer.

Fahrerflucht auf der Havel

Die wenigen, die gefasst wurden, waren durchweg Freizeitkapitäne. Ihr Verhalten sei Fahrerflucht, betont Weber, "denn es zählt als Schiffsunfall und man hat sich von der Unfallstelle entfernt." Wenn der Unfallverursacher sich meldet, zahlt seine Versicherung. Bekennt sich niemand, müssen die Fischer selbst für den Schaden aufkommen, berichtet Weber. "Einmal waren es 12.000 Euro. Ein Sportboot hatte einen Aalsack zerstört."

Meist passieren die Unfälle nachts, meint der 60-Jährige. "Die Hauptursache ist diese Unerfahrenheit", ist Weber sicher, "heute kann jeder mit einem 15-PS-Motor fahren, ohne Führerschein, ohne Vorkenntnisse, er kann sich einfach raufsetzen und losfahren."

Helfen könnte, so Weber, ein Nachtfahrverbot für Mietboote. Doch das ist nicht in Sicht.

Massentourismus in Brandenburg

Diesen Vandalismus gebe es zwar schon seit Jahren, sagte Lars Dettmann, Geschäftsführer des Brandenburger Landesfischereiverbandes. Doch wegen der Corona-Reisebeschränkungen in zahlreichen Ländern habe er stark zugenommen. Brandenburg erlebe einen Zulauf von Touristen wie noch nie. "Die Leute kommen aus der Stadt, sie wollen Idylle, wollen sich erholen", so Dettmann. Das verstehe er auch.

"Es ist ein Druck, weil die Leute nicht mehr so unbeschwert in die Welt reisen können wie früher." Doch dürfe dies nicht zu Lasten der Natur gehen. "Wir müssen sortieren, wie wir mit der Idylle hier draußen umgehen", findet der Fischer aus Töplitz bei Potsdam. "Tourismus hat dort seine Grenze, wo er das, was er vermarkten will, eigentlich zerstört."

Die Landesregierung sollte etwas gegen die Zerstörung tun, fordert Dettmann. Die Wasserschutzpolizei müsse in der Lage sein, wieder für Ordnung zu sorgen. Das sei derzeit unmöglich: "Man hat die Polizei zusammengespart."

Fischerhof Weber in Potsdam (Quelle: rbb/Lisa Steger)
Die Reparatur eines Fischernetzes hat Mario Weber schon mal 12.000 Euro gekostet | Bild: rbb/Lisa Steger

Zurück zur Natur - aber bitte mit Vollgas

Die Bootstouristen seien leider nicht das einzige Problem, erklärt Lars Dettmann. "Einige Menschen sind als Quälgeister unterwegs; sei es, dass sie mit Booten kreuz und quer fahren, sei es, dass sie mit Jetskis durch die Gegend heizen oder mit Motorbooten viel zu schnell sind."

Damit nicht genug: Er beobachte Kanufahrer, die mitten in die Seerosenfelder hineinfahren für schöne Selfies. "Sie merken nicht, dass sie den Trauerseeschwalben nebenan das Gelege unter Wasser drücken und die Eier damit verloren sind. Stattdessen freuen sie sich, dass Vögel um sie herumschwirren", schüttelt der Berufsfischer den Kopf. "Wenn ich das sehe, tut mir das einfach weh."

Sein Appell: "Sich so verhalten, dass das, was da schön ist, auch bleibt – für die nächsten Generationen." Der Potsdamer Kollege Mario Weber sieht es genauso. Er versteht die Touristen. Einerseits. "Aber sie verstehen uns oft nicht." Jetzt muss er erstmal seine zerrissenen Netze ersetzen. "Denn eigentlich", so der 60-Jährige, "wollen wir ja einfach nur Fische fangen."

Sendung: Antenne Brandenburg, 04.08.2021, 15:42 Uhr

Beitrag von Lisa Steger

20 Kommentare

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  1. 20.

    Seit mindestens 15 Jahren sind Fragen zum umweltgerechte Verhalten Bestandteil der Prüfung zum Sportbootführerschein.

  2. 19.

    Mit den Kanufahrern hat der Fischer leider auch Recht. Da gibt es Leichtmatrosen die bügeln nicht nur in die Seerosenfelder, nein auch mit Schmackes in Schilfgürtel rein. An der Kiste steht dann recht oft eine Aufschrift einer Vermietung. Spricht man die "Seefahrer" dann freundlich drauf an (kann ich wirklich), gibts ab und an noch pampige Antworten. Manchmal wünsche ich mir echt einen Rammsporn am Kajak.

  3. 18.

    Liest man Ihren Kommentar, so stellt man sofort fest das Sie weder vom Einen noch vom Anderen Ahnung haben. Immer wieder muss ich feststellen das solche Aussagen von Menschen kommen, die jedem, der andere Interessen oder Einkommensquellen hat als er selbst, diese ihm ohne Rücksicht abstreiten möchten. Schlagen Sie doch einmal vor das ein Sammler von Briefmarken keine Pinzette mehr nutzen darf, es könnten der Briefmarke ja Schmerzen zugefügt werden.

  4. 17.

    Ja ja.. gaaanz früher war alles besser.. Oder eben anders?
    Gaaanz früher sorgten Fischer, Müller, Bäcker, Fleischer auch für die Nahrung. Von deren weit verbreiteter Zunft daaaamls zeugen heute noch eben diese Famline-Nachnamen.
    Dass sich wir Deutsche wie Karnickel vermehren, bezweifle ich mal nach statistischen Daten.
    Dass sich alles, was auf irgendwie gebastelten Pontons schwimmen kann mit nem billigen Außenborder, auf dem Wasser vermehrt wie Karnickel, steht außer Frage. Das einzudämmen geht ja nicht mehr, weil die Politik vor 15 Jahren die Leine losgelassen hat.
    Dass den Fischern hoher Schaden in ihrer Erwerbstätigkeit entsteht, kann ich nachvollziehen. Bei jedem anderen Gewerbetreibenden gibts immer einen fest dingbaren Verursacher. Wenn jemand mit Auto z.B. in ein Werkstattgebäude rummst.
    >"Heute retten wir jedes Baby, jeden Alten und jeden Kranken..."
    Das haben Sie im Sinne unserer humanistischen Gesellschaft doch nicht ernst gemeint oder?

  5. 16.

    Huch, was ist denn das bitte für ein seltsamer Kommentar (nja, die gute alte Misanthropie?)

    Sicher, die wachsende Bevölkerung macht dem Planeten zu schaffen, Klimawandel, Müll, Hysterie usw. aber was hat das mit der Rücksichtslosigkeit gegenüber Fischern zu tun? Oder überhaupt mit den Motorbootrowdys auf Havel und Spree?

    Ach ja, zum Thema: War gerade in Österreich und Bayern auf den Berseen surfen, da sind nur Elektroboote erlaubt - das was sowas von schön - im Gegensatz zum hiesegen Motorbootwahn, wo die ganzen Deppen mit ihren Sch... Außenbordern lärmen und stinken und einfach nur fruchtbar penetrant sind.

    Man findet zwar noch Ruhe auf den Seen, aber es wird eben nicht einfacher...

    Ich wünsche mir schon seit Jahren, dass es ein Verbrennungsmotorbootverbot (schöner Klang!) auch hier gibt (ausgenommen die Berufsschiffahrt) es würde die Lebensqualität, den Erholungswert unserer schönen Seen merklich heben.

    Aber die Lobby, jaja, ich weiß...

  6. 15.

    Der Unterschied, im Mittelalter gabs nicht annähernd so viele Menschen. Da ist der Krach und Gestank eines einzelnen in der Natur nicht so aufgefallen und hat nicht so viel Schaden verursacht. Heute retten wir jedes Baby, jeden Alten und jeden Kranken und vermehren uns trotzdem wie die Karnickeln. Aber eins geht nur. Oder wir bekommen endlich einen 2ten Planeten. Denn auf Medizin und Hilfe will ja auch niemand verzichten.

  7. 14.

    Ja wo sollen sie denn hin, selbst die Parks werden ja mittlerweile zugesperrt.
    Also am Ende nur noch arbeiten und ein bisschen was essen damit man nicht umkippt um wieder zu arbeiten, tolles New normal, da haben ja die Leute im Mittelalter freier gelebt.

  8. 13.

    Genau so sehe ich das auch, das ist das gleich wie beim 125cm Motorrad nur mit Autoführerschein...... die haben überhaupt keine Fahrpraxis und halten sich für die Coolsten.....

  9. 12.

    Ah, danke für den Tip, gute Idee! Das ist ja wie bei Wildunfällen... im Ernstfall steht man doof da und weiss nicht Bescheid...

  10. 11.

    Nicht alleine die Fischernetze werden beschädigt, sondern die Boote fahren mit Sprit und dies soll die Umwelt verkraften.
    Auch der Motorenlärm ist sehr lästig. Zudem gibt es viele Raser auf den Gewässern, welche bis zum Anschlag hohe Wellen schlagen. E-Autos sollen jetzt den Klimawandel schnell stoppen.
    Alles schon sehr merkwürdig und nicht mehr nach vollziehbar.

  11. 10.

    Sie könnten sich, falls Sie den Namen des Fischers nicht kennen, beim Landesfischereiverband melden, das geht auch per Mail.

  12. 9.

    Es ist echt so wie hier beschrieben, deshalb haben wir unser Faltboot abgegeben. Man kommt sich damit auf der Havel vor wie mit einen Dreirad auf der Autobahn.

  13. 8.

    Wenn Sie schon so einseitig mit ihrem schmalen Blick argumentieren, dann bitte auch ihren Gedanken bis zum konsequenten Ende denken: Weg mit Ihnen Herr/Frau/Es B!
    Sie atmen den Sauerstoff aus der Luft, ernähren sich von Pflanzen, die ein Bauer für Sie extra anbaut und "tötet". Wenn Sie kein Fisch essen, dann vielleicht anderes Fleisch, für das Nutztiere gehalten und getötet werden. Kommen Sie mir jetzt nicht mit Vegetarier Soja, Hafer und so was... Weg damit!
    Und leben Sie noch Herr/Frau/Es B?
    In diesem Artikel hier geht es um gegenseitige Rücksichtnahme und nicht um ihre persönliche Lebenseinstellung.

  14. 7.

    Der Mechanismus ist klar: die Maßnahmen verdrängen die Leute auf andere Schwerpunkte - auf dem Wasser ist man so gut wie unbehelligt von jeglichen Maßnahmen. Solange die Pandemie Verbote erteilt, wird sich das eine Ventil vielleicht schließen lassen, ein anderes öffnet sich unter Überdruck... mit den darausfolgenden Kollateralschäden. Hier bei den Fischern. Sehr sehr ärgerlich.

    Frage: wie kann ein "Tölpel", der ein Fischernetz überfährt und beschädigt, sich beim Eigentümer melden? Findet man an den Markierungen/Fähnchen etc irgendwo einen Rufnummer oder ähnliches? Ich habe zwar nen Bootsführerschein, aber über FISCHERNETZE wurde bei der Segelschule Hering (witziges Namensspiel mit Fischern ;-) ) nicht wirklich geredet... hm.... ich glaube, da ist auch Nachholbedarf selbst für Führerscheinbesitzer... *seufz*

  15. 6.

    Wir erleben zur Zeit jeden Tag das Chaos mit den Charter Booten. Vor engen Brückendurchfahtern steht so mancher quer. Abstände beim Ankern sind oft viel zu gering und bringen somit andere in Gefahr. Die Anker werden mit viel zu kurzer Lei e bzw. Kette ausgelegt. Als Ergebnis treiben diese Boote dann munter über den See.
    Da muss dringend nachgebessert werden. Da sollten die Vercharterer in die Pflicht genommen werden.

  16. 5.

    Als gemächlicher Wochenendsegler auf Berliner und Brandenburger Gewässern musste ich einen Sportbootschein ablegen, theoretisch und praktisch. Wenn ich mich so einem Party-Floß nähere, bin ich extra vorsichtig, denn diese Leute wissen tatsächlich oft nicht was sie tun. Bei der Verkehrsdichte auf den Berliner und Brandenburger Gewässern denke ich, von allen die motorisiert unterwegs sind müsste man wenigstens eine theoretische Prüfung über die Grundlagen des Verkehrs auf dem Wasser verlangen.

  17. 4.

    Ja nun ist das Kind in den Brunnen gefallen und rückgängig machen geht nun nicht mehr. Diese Bungalows auf dem Wasser werden immer größer mit gerade mal 15 oder 25 PS. Alles ohne Führerschein Binnen versteht sich.
    Ich sage mal so... fahren Sie mal mit einem 7 Tonner LKW mit nem Rasenmähermotor ohne Führerschein auf der Straße!
    Zudem diese großen schwer steuerbaren Teile aufm Wasser außer an Fischernetzen auch noch an der Infrastruktur wie Schleusen und Brücken Schäden verursachen. Stichwort: Durchfahrt über 4 Banden... wie beim Billard.
    Trotz Mahnungen seinerzeit hat die Politik auf dem Wasser alles freigegeben. Zurück gehts ja nun nicht mehr. Aber die Größe könnte man noch begrenzen für ohne Führerschein. Es kann nicht sein, dass mit einem so nem Bungalow die Schleuse schon voll ist.

  18. 3.

    Schon ein wenig ironisch, über negative Beeinflussung der Natur zu reden, wenn man selbst berufsmäßig Lebewesen fängt und tötet... warum ist das in Ordnung? Weil man das schon immer gemacht hat? Lächerlich.
    Weg mit den Sportbooten, weg mit den Fischernetzen.

  19. 2.

    Diese Rücksichtlosigkeit besteht leider nicht nur in Brandenburg! Auch im Berliner Raum, insbesondere im Südosten ist leider seit Jahren zu beobachten, dass die Leute, die keinen Bootsführerschein haben null Ahnung haben, wie man sich auf dem Wasser verhält! Das ist wirklich schade für die Natur. Hier wäre auch mehr Aufklärung von Seiten der Vermieter gefragt. Aber ich glaube vielen ist es einfach egal, sie mieten ja nur für ein paar Stunden oder Tage das Boot…Da passiert ja nichts weiter.
    Aber selbst Leute die einen Führerschein haben und viel. noch ein eigenes Boot benehmen sich manchmal echt daneben. Auch hier gibt es viel Unwissenheit und Desinteresse. Viel. könnte man auch da beim Führerscheinerwerb auf naturbewußtes Verhalten hinweisen.

  20. 1.

    Es war ein großer Fehler die PS Grenze auf 15 PS ohne sportbootschein anzuheben. Es wird immer schlimmer auf dem Wasser. Wir haben unser kajütboot verkauft weil Erholung auf dem Wasser immer seltener wird. Ständig diese flöße mit saufenden und grölenden Menschen die keine Ahnung von sportschiffahrt haben.

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