Straußvogel in Brandenburg - Fotografin lichtet schnellen Nandu im Hohen Fläming ab

Das Nandu von der Seite fotografiert (Bild: Eva Loth)
Video: Brandenburg Aktuell | 26.08.2021 | Alexander Goligowski | Bild: Eva Loth

Das Bild ist geisterhaft verschwommen, aber zeigt einen Nandu in Hohen Fläming, der schnell unterwegs war. Nach Brandenburg hat sich solch ein Tier nicht zum ersten Mal verlaufen. Ein Ornithologe erklärt, was das für die märkische Fauna bedeuten könnte. Von Alexander Goligowski

Schmetterlinge, Hummeln, Blüten, Pilze: Hobby-Fotografin Eva Loth aus Reetz im Hohen Fläming knipst alles, was ihren Blick anzieht. Täglich mindestens zwei Stunden ist sie in der Natur unterwegs, kennt fast jeden Stein und jeden Busch. Was ihr aber vor zwei Wochen auf dem Weg in die Pilze begegnete, konnte sie erst gar nicht glauben. "Ein Großtrappe oder ein Kranich", dachte sie erst. "Aber der ist nicht geflogen. Als ich mich näherte, rannte der Vogel plötzlich los", beschreibt Eva Loth die Situation.

Das Tier rannte schneller als ihr Auto auf dem Feldweg fuhr. Also schnell die Kamera raus und draufgehalten. Die Fotos waren nicht besonders scharf, aber der Nandu auf den Bildern ist eine kleine Sensation. Auf ihrem Facebook-Kanal "Fläming-Fotografie" bekam Eva Loths Entdeckung schnell einige Aufmerksamkeit. Andere meldeten sich, hatten das Tier auch schon auf der sachsen-anhaltinischen Seite der nahen Landesgrenze gesehen.

Die Fotografin Eva Loth (Bild: rbb/Alexander Goligowski)
Die Hobby-Fotografin Eva Loth. | Bild: rbb/Alexander Goligowski

Wo kommt es her?

Bis zu 1,40 Meter wird ein Nandu groß, bis zu 25 Kilogramm schwer und circa 60 km/h schnell. Seine ursprüngliche Heimat ist Südamerika. Wie kommt ein solches Tier nach Brandenburg? Straußenzüchter gibt es einige in Brandenburg und auch im nahen Sachsen-Anhalt. Wie die Märkische Allgemeine Zeitung aber berichtet, vermissen weder Tierparks noch Züchter im Umkreis einen Nandu.

Wo kommt das Tier dann her? Norbert Eschholz von der Vogelschutzwarte Baitz im Fläming denkt sofort an die wilde Population in Mecklenburg-Vorpommern. Etwa 300 Tiere leben dort an der Grenze zu Schleswig-Holstein und vermehren sich in freier Wildbahn kräftig, nachdem sie vor Jahren einem Züchter entkamen und nicht wieder eingefangen werden konnten. "Eigentlich würde ich denken, dass der Weg zu weit für einen Nandu allein ist. Das sind über 200 Kilometer", sagt Norbert Eschholz und hat auch keine Erklärung.

Tatsächlich erscheint aber ein Irrläufer aus Mecklenburg noch am wahrscheinlichsten. Schon einmal, 2019, trieb sich ein wilder Nandu in der Uckermark herum. Irgendwann verschwand das Tier wieder. Auch der Nandu von Eva Loth ist seit ihrer Entdeckung nicht mehr gesichtet worden.

Das Nandu von hinten fotografiert (Bild: Eva Loth)
| Bild: Eva Loth

Brandenburg bald Nanduland?

Norbert Eschholz würde den Nandu gerne einmal in Brandenburg zu Gesicht bekommen. Ihm wäre es aber lieber, wenn es ein Einzelfall bliebe. Der Ornithologe und Leiter der Vogelschutzwarte Baitz wacht über die Bestände des "Märkischen Straußes". Die Großtrappe ist im Hohen Fläming zu Hause. Die riesigen aber schreckhaften Vögel sind vom Aussterben bedroht. Brandenburg hat mit ein paar hundert Tieren die größten Bestände deutschlandweit. Trappen brüten auf Feldern und Wiesen, verlassen aber schon bei der kleinsten Störung ihre Gelege. "Und ein paar wilde Nandus, die sich ebenfalls gern auf Feldern zum Fressen aufhalten, könnten ein großer Störfaktor sein. Sie könnten unsere Bruterfolge der letzten Jahre zunichtemachen", sorgt sich Norbert Eschholz.

Norbert Eschholz, Ornithologe und Leiter der Vogelschutzwarte Baitz(Bild: rbb/Alexander Goligowski)
Norbert Eschholz, Ornithologie und Leiter der Vogelschutzwarte Baitz. | Bild: rbb/Alexander Goligowski

Auch in Mecklenburg-Vorpommern sind die Nandus nicht nur beliebt. Die Straußenvögel fressen viel und am liebsten Raps. Das schmeckt den Bauern natürlich nicht. Zwar wird die Population im Nachbarland geduldet, aber hin und wieder wird auch geschossen. Mehr als 300 Tiere sollen es nicht werden.

Von einer Nandu-Herde ist Brandenburg allerdings noch weit entfernt. Und ob der Nandu von Reetz bei Wiesenburg/Mark sich noch mal sehen lässt, weiß niemand. Eva Loth begibt sich aber jeden Tag wieder auf Spurensuche. Wenigstens ein richtig gutes Foto will sie von ihrer besonderen Entdeckung noch schießen.

Sendung: Brandenburg aktuell, 25.08.2021, 19.30 Uhr

Beitrag von Alexander Goligowski

15 Kommentare

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  1. 15.

    "Neozoen stehen unter keinem besonderen Schutz. "
    Vorsicht, ganz dünnes Eis. In Bezug auf den Waschbären ist der Abschnitt "Auf keinen Fall" ... "… Eigenmächtig einfangen, umsetzen oder gar töten!" bei
    https://www.berlin.de/sen/uvk/natur-und-gruen/jagd-und-wildtiere/wildtiere-im-stadtgebiet/waschbaer/#Vorgehen
    schon nicht gerade unwichtig, wenn man sich ggf. viel Ärger ersparen will. Ähnlich verhält es sich mit anderen Neozoen. Vergrämungsmaßnahmen sind jedoch durchaus zulässig sofern der Tierschutz generell nicht unbeachtet bleibt.

  2. 14.

    Neozoen stehen unter keinem besonderen Schutz. Deren unkontrollierte Verbreitung kann erhebliche Schäden an der einheimischen Flora und Fauna verursachen. Im Artikel wird deshalb sogar extra die Großtrappe erwähnt, durch durch falsche Tierliebe in Gefahr kommen könnte. Ihr Vergleich mit dem Wolf hinkt deshalb erheblich. Der Waschbär wäre das bessere Beispiel. Dessen Bestände müssen sogar kontrolliert werden.

  3. 13.

    Der Waschbär aus Spandau hat nur vergessen zu erwähnen, dass von der Nachtwanderung nur einer wieder zurückkehrt...

    Ich tippe auf den Waschbären mit frankophonen Wurzeln... Quasi auch ein Neozoon... :-D

  4. 12.

    Ich sags mal so. Sie sind ein überaus netter Mensch mit dem ich gern mal eine Nachtwanderung im Umland machen würde.

  5. 11.

    Wir rotten alles aus was nicht passt. Schon geil. Wir Kämpfen um jedes Tier, das das Leben auf/ das Überleben der Erde mit stärkt. Toller Beitrag
    , zeugt von totalem Verständnis für die Natur im Allgemeinen. Dazu gehören wir Menschen übrigens auch.irgendjemand hat das arme Tier wohl eingeschleppt und nun kann es weg????
    Ist nur noch übel.

  6. 10.

    Da liest man mal was schönes und dann wieder am Ende sollen es nicht mehr als 300 werden sonst schießen wir, was wir Menschen uns so rausnehmen auf dieser Welt wo nur vom Mensch zu viele auf dieser Erde leben.

  7. 9.

    Schon in Andreas Kielings Doku "Das grüne Band Deutschlands" wird von Nandus, auch in Brandenburg, berichtet und Filmmaterial gezeigt. Seine Hündin jagte einem hinterher. :D Selten sind sie dennoch, keine Frage.

    Dass sie geschossen werden, wie alle schützenswerten oder zusätzlich besonders vom Aussterben bedrohte Tiere, weil jemand wirtschaftliche Einbußen befürchtet und Konkurrenz in ihnen sieht, ist wieder einmal typisch. Man blicke nur auf Wolf oder Biber. Geschützt, aber gleichermaßen Freiwild.

  8. 6.

    Und womit gedenken Sie die "ausländischen" Elche zu schießen? Mit dem Bärentöter oder Henrystutzen?

  9. 4.

    Könnte der RBB ggf. nachfragen wie man solche großen Arten effektiv bekämpfen soll als Bürger?"
    Da hat aber einer Probleme!

  10. 3.

    Sofern nicht das anhaltinische Fürstenhaus gemeint ist, ist es die sachsen-anhaltischen Landesgrenze. Kleiner, aber feiner Unterschied.

  11. 2.

    Soweit ich richtig informiert bin hat jeder Bürger das Recht nicht einheimische Arten zu jagen und auszurotten.
    Es wird z.B. aktiv zur Ausrottung eingeschleppter Eichhörnchen (grau, nicht unsere: rot!) aufgerufen da diese die einheimischen Arten vertreiben.

    Für so ein Eichhörnchen reicht ein Luftdruckgewehr, für so einen Nandu braucht man sicher eine Armbrust.
    Könnte der RBB ggf. nachfragen wie man solche großen Arten effektiv bekämpfen soll als Bürger? Denn man ist ja dazu aufgerufen und angehalten (kein Scherz)...

  12. 1.

    Geil. Mir hat mal ein Nandu im Tierpark Stralsund die Tasche ausgeräumt.... Natürlich ist es Faunenverfälschung...

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