Mutmaßlicher Kannibalismus-Fall - "Er hat sich konkret damit beschäftigt, wie man Menschen schlachtet"

Di 10.08.21 | 15:21 Uhr
Weiteres Leichenteil in mutmaßlichem Kannibalen-Fall in Berlin-Pankow (Quelle: Morris Pudwell)
Video: Abendschau | 10.08.2021 | U. Crüwell | Bild: Morris Pudwell

Vor dem Landgericht hat der Mordprozess gegen einen 41 Jahre alten Lehrer begonnen. Als "Kannibale von Pankow" wurde er beschrieben. Doch am ersten Prozesstag blieb unklar, ob er diese Fantasien tatsächlich auch Realität werden ließ. Von David Donschen

Ein ganz normales Sexdate unter Männern: Davon ging der 43 Jahre alte Oberleitungsmonteur Stefan T. wohl aus, als er sich im September vergangenen Jahres in ein Taxi setzte und auf den Weg nach Pankow machte. Dass sein Gegenüber, der heute angeklagte Mathelehrer Stefan R., ganz andere Fantasien hatte, ahnte er nicht.

Laut Anklage hatte Stefan R. die Absicht, einen Menschen aus sexuellem Verlangen zu töten und zu verspeisen. Dass er sein Opfer tötete, da ist sich die Staatsanwaltschaft sicher. Nicht so klar war am ersten Prozesstag allerdings, ob Stefan R. auch tatsächlich Teile der Leiche gegessen hat.

Bis zur Festnahme als Lehrer tätig

Im vergangenen September sollen sich die zwei Männer über die Dating-Plattform Planetromeo kennengelernt und zu einem Sexdate verabredet haben. In seiner Wohnung in der Pankower Parkstraße habe der Angeklagte den Monteur dann getötet. Wie genau, ist bislang nicht klar. Stefan R. lebte dort allein. Bis zu seiner Festnahme arbeitete er als Lehrer für Mathe und Chemie an einem Pankower Gymnasium.

Ermittler fanden in seiner Wohnung verschiedene Gerätschaften, die den Verdacht auf Kannibalismus nahelegten. Im Keller hatte Stefan R. außerdem Natriumhydroxid gelagert. Der Stoff soll sich dazu eignen, menschliches Gewebe aufzulösen. Dazu fand die Polizei eine Kühltruhe. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war diese viel zu groß, um darin einfach nur Lebensmittel zu lagern.

Familie des Opfers erwartet keine Reue vom Angeklagten

Eingefroren hatte Stefan R. die Leichenteile seines Opfers aber wohl nicht. Zwei Tage nach der Tat soll er die menschlichen Überreste mit einem Carsharing-Auto zu zwei Orten gefahren haben, um sie dort zu vergraben.

Zwei Monate später, im November 2020, hatten Fußgänger menschliche Knochen in einem Waldstück in Buch gefunden. Wie sich herausstellte, gehörten sie zu dem vermisst gemeldeten Oberleitungsmonteur.

Seine Mutter hatte sich drei Tage nach der Tat bei der Polizei gemeldet, weil ihr Sohn nicht auf Anrufe reagierte. Das sei untypisch für ihn gewesen. Die Eltern von Stefan T. und einer seiner Brüder treten in dem Prozess auch als Nebenkläger auf. Laut ihrem Anwalt erhoffen sie sich Antworten. Eine Entschuldigung oder Reue vom Angeklagten erwarten sie dagegen nicht.

Vorab zum Thema Kannibalismus recherchiert

Nach dem Knochenfund in Buch im November 2020 führten Spürhunde die Ermittler zur Wohnung von Stefan R. in Niederschönhausen. Dort fanden sie neben den Werkzeugen auch Blutspuren, die zum Vermissten gehören sollen.

Anschließend wertete die Polizei Computer und Smartphone des Angeklagten aus. Er soll seit Monaten in verschiedenen Onlineforen zum Thema Kannibalismus aktiv gewesen sein. "Ganz konkret hat er sich damit auseinandergesetzt, wie man Menschen schlachtet und dann verspeist", so Staatsanwalt Martin Glage. Stefan R. besaß wohl auch eine entsprechende E-Mail-Adresse namens Metzgermeister69. Außerdem habe er vorab recherchiert, wie man eine solche Tat am besten vertuscht.

Angeklagter schweigt zum Prozessauftakt

Beweise, dass Stefan R. diese Fantasie tatsächlich so ausgelebt hat, gibt es bislang aber nicht. Die Polizei konnte nicht den gesamten Körper des Opfers finden. Ob Stefan R. diese fehlenden Leichenteile wohlmöglich gegessen hat, ist aber unklar.

Der Angeklagte hat sich seit seiner Festnahme im vergangenen November nicht zu der Tat geäußert. Und auch am ersten Prozesstag schwieg er. Bei einer Verurteilung droht ihm eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Sendung: Abendschau, 10.08.2021, 19:30 Uhr

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