Schulbau in Berlin - Wie der Berliner Senat mehr Platz für Schüler schaffen will

Marielle Rosemeyer, Sandra Scheeres und Michael Grunst beim Zerschneiden des Bands. Quelle: Konstantin Börner
Video: Abendschau | 04.08.2021 | Iris Sayram | Bild: Konstantin Börner

Vor zwei Jahren gab es Alarm für das kommende Woche startende Schuljahr: 25.000 Schulplätze würden fehlen. Die Zahl korrigierte die Bildungsverwaltung bald auf rund 9.500. Nun sieht sie alle Schülerinnen und Schüler versorgt. Von Kirsten Buchmann

Ein rotes Band durchschneiden, Musik, Grußworte und ein Gedicht. Für die Bernhard-Grzimek-Schule in der Sewanstraße in Lichtenberg wird hinten auf dem Schulhof ein Ergänzungsbau eröffnet.

Die Räume riechen nach Holz. An ihren Wänden ist die Holzmaserung zu sehen. Sie sind hell. Denn in dem dreigeschossigen langgestreckten Bau reichen die großen Fenster von der Decke bis zum Boden. Der breite Gang bietet Nischen mit Sitzgruppen für die Schüler. Die Schulleiterin Marielle Rosemeyer ist begeistert: "Das sind Räume wie im Traum. Die Queen kann es nicht besser haben."

Schulräume wie Baukästen gestapelt

Innerhalb von zehn Monaten entstand der dreigeschossige Bau unter anderem mit 16 neuen Klassenräumen und einer Mensa. Wie im Baukastensystem wurde ein Modul auf das andere gestapelt. Bezirksbürgermeister Michael Grunst ist froh über das Gebäude. Denn in seinem schnell wachsenden Bezirk werden viele Schulplätze gebraucht: "Wir laufen gerade ein bisschen mit der Schulentwicklung hinterher. Jede Schule zählt. Und die 400 Grundschulplätze sind fantastisch für das Gebiet."

Der Bezirk könne zwar alle Schüler beschulen. Gerne hätte er dafür aber auch vernünftige Schulen, so Grunst. Da sein man dran. Laut Bezirksschulstadtrat Martin Schaefer verwenden Schulen momentan allerdings auch Räume, die sie zuvor für andere Zwecke verwendeten, nun als zusätzliche Klassenräume: "Das ist dann mal ein Musik- oder ein Kunstraum, der genutzt wird, oder ein Teilungsraum, der wegfällt." Der Bezirk versuche das so gut es geht mit der Schulleitung und der Schulaufsicht hinzubekommen. "In dieser Not ist das jetzt sicher das solidarisch richtige Zeichen, aber nicht auf Dauer. Da brauchen wir weitere Schulplätze."

Senatorin Scheeres: 20.000 Schulplätze geschaffen

Bildungssenatorin Sandra Scheeres betont, dass durch die Berliner Schulbauoffensive schon tausende Schulplätze entstanden seien. Alle Kinder seien versorgt: "In den letzten Jahren sind ja 20.000 Schulplätze geschaffen worden." Weitere 13.000 kämen in den nächsten Jahren dazu, rechnet die Senatorin vor.

Zuletzt seien die Bevölkerungszahlen sogar weniger stark gestiegen als zunächst prognostiziert, heißt es aus ihrer Verwaltung. Die Grünen-Politikerin Stefanie Remlinger sieht das allerdings als Corona-Delle und daher allenfalls als einmaligen Effekt. Sie mahnt, beim Schulbau schneller zu werden: "Gerade solange es Berlin wirtschaftlich gut geht, ziehen Familien mit Kindern zu." Die 13.000 zusätzlichen Plätze werden daher nach Ansicht von Stefanie Remlingers nicht reichen. Angesichts überfüllter Schulen brauche es deutlich mehr. "Es gibt überhaupt keinen Grund nachzulassen."

Der Vorsitzende des Landeselternausschusses Norman Heise findet: "Eng ist es natürlich an den weiterführenden Schulen, sodass wir an der Stelle ganz klar mehr Plätze brauchen." Dem Elternvertreter zufolge müssen momentan viele Schülerinnen und Schüler besonders etwa aus Pankow und Lichtenberg in andere Bezirke ausweichen.

Weitere Ergänzungsbauten aus Holz

Der Senat verspricht zusätzliche neue Räume. Acht Modulare Ergänzungsbauten aus Holz sollen demnach allein im kommenden Jahr in Berlin fertiggestellt werden. Es werde weiter gebaut, versichert die Staatssekretärin für Wohnen Wenke Christoph.

Die Grundschulkinder der Bernhard-Grzimek-Schule haben in ihren neuen Räumen zum Schulstart schon einmal viel Platz. Eine Schülerin meint: "Uns gefallen die richtig gut."

Sendung: Inforadio, 04.08.2021, 20 Uhr

Beitrag von Kirsten Buchmann

9 Kommentare

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  1. 9.

    Das ist ganz toll für die Kinder, die da hin dürfen. Der Rest hockt in vergammelten viel zu kleinen Gebäuden. Danke für Nichts.

  2. 8.

    Richtig, seit über 20 Jahren stellt die SPD den Bildungssenator und nichts passiert ausser Chaos, Ausreden sind da fehl am Platz, das zeugt davon das die SPD in diesem Resort überfordert ist.

  3. 7.

    Es ist mir gar nicht klar wie es möglich ist, dass Schulplätze fehlen. Man kennt doch die Geburtenzahlen für jedes Jahr. Da hat man dann sechs Jahre vorlauf um für Grundschulplätze zu sorgen und mindestens fünf weitere Jahre um für Plätze an weiterführenden Schulen zu sorgen. Selbst bei Kitaplätzen hat man noch etwas Vorlauf. Da muss doch eklatante Inkompetenz in einem oder mehreren Bereichen der Regierung vorliegen, damit es so weit kommt, dass Kinder in Behelfsbauten unterrichtet werden müssen.

  4. 6.

    Das gezeigte Gebäude ist ja, wie eindeutig zu sehen ist, noch nicht ganz fertig — wirkt etwas verzweifelt jetzt kurz vor der Wahl noch schnell an allen Schulen ein paar unfertige Neubauten zu eröffnen, für die dann aber übrigens noch keine Betriebsgenehmigung vorliegt, die Schulen werden die Gebäude zu Schuljahresanfang noch nicht nutzen können, sondern weiter in ihren Kellerräumen o.ä. Mittagessen.

  5. 5.

    Vor all welche, die dann auch gut bezahlt werden, ansonsten werden die wie andere Arbeitskräfte auch ganz schnell abgeworben. Man will ja nicht verbeamten, zahlen soviel wie oder mehr als in ander Bundesländern aber auch nicht. Fachkraefte sind generell rar nur in Berlin merkt man das immer noch nicht und versucht sich so durch zu lavieren. Wie immer, klappt nur nicht, wie immer.

  6. 4.

    Mehr Platz für Schulen? nein mehr verbauten Platz in Schulanlagen durch noch und noch und noch einen Behelfsbau. In Grünau gibt es nebeneinander Die Wilhelmnische die Sozialistische die Nachwende und nun den Mufubau. alles sehr Stümperhaft, zumal mehre 1000 Zuzüge im 2 Km Umkreis zu verzeichnen sind. Der Schulhof ist eine Zumutung war 1964 schon so ist heut nicht anders. Ein Glück das nur über die Walchenseestr. der Wald beginnt. Die Flugbereitschaft der Bundeskanzlerin gleich angrenzend hat gleichzeitig zwei wunderbare Sportanlagen erhalten. Die fast ungenutzt bleiben. Alles Leere versprechen. Aber wenn die Jugend im Park Zerstreuung sucht wird dieser geschlossen und die Jugend kriminalisiert. Ein Cocktail zum Ungehorsam/Straßenkampf.
    Liebe Natschalnicks/Politiker: Pride will have a fall!

  7. 3.

    Und genug qualifizierte Pädagogen sind sicher auch vom Himmel gefallen.

  8. 2.

    Sind denn die 200 Schulen die über den Sommer saniert werden sollten fast fertig?
    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2021/06/senat-sanierung-200-schulgebaeude-sommer-berlin.html

  9. 1.

    Schlimm genug das das Resort Bildung die SPD seit Jahrzehnten in Berlin inne hat und dich nichts getan hat eher noch alles verschlechtert hat. Es wird Zeit das das Bildungsresort einer anderen Partei zugeordnet wird.

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