Neue Bewertung - Stiko empfiehlt Corona-Impfung für 12- bis 17-Jährige

Ein Arzt impft einen Jungen gegen das Coronavirus (Symbolfoto)
Audio: Inforadio | 16.08.2021 | B. Nothnagel | Bild: IMAGO / Westend61

Die Ständige Impfkommission spricht sich nun doch für eine Impfung für Kinder und Jugendliche von 12 bis 17 Jahren aus. Zur Begründung hieß es, wissenschaftliche Daten aus den USA seien neu bewertet worden.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt Corona-Impfungen für Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren. Das teilte das unabhängige medizinische Beratergremium am Montag in Berlin mit. Es aktualisierte damit seine vorherige Empfehlung von Anfang Juni, derzufolge in Deutschland zunächst nur Jugendliche mit Vorerkrankungen gegen das Coronavirus geimpft werden sollten.

Mitglied der Stiko und Kinder- und Jugendarzt Martin Terhardt hatte im rbb vor wenigen Tagen schon angekündigt, die Stiko werde "versuchen, der Politik ein bisschen entgegenzukommen."

Psychosoziale Folgeerscheinungen spielen nun eine Rolle

Mittlerweile könnten mögliche Risiken der Impfung in der Altersgruppe zuverlässiger beurteilt werden, erklärte das Gremium jetzt. Es verwies etwa auf nahezu zehn Millionen geimpfte Kinder und Jugendliche im amerikanischen Impfprogramm.

Nach sorgfältiger Bewertung neuer wissenschaftlicher Beobachtungen und Daten komme man nun zu der Einschätzung, "dass nach gegenwärtigem Wissensstand die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen", teilte das Gremium am Montag mit und berief sich auf einen Beschlussentwurf. Der offizielle Empfehlungstext liegt noch nicht vor, Änderungen sind in einem Abstimmungsverfahren mit Bundesländern und Fachkreisen noch möglich.

"Diese Empfehlung zielt in erster Linie auf den direkten Schutz der geimpften Kinder und Jugendlichen vor Covid-19 und den damit assoziierten psychosozialen Folgeerscheinungen ab", erklärte die Stiko.

Unverändert solle die Impfung nach ärztlicher Aufklärung zum Nutzen und Risiko durchgeführt werden. Man spreche sich "ausdrücklich dagegen aus, dass bei Kindern und Jugendlichen eine Impfung zur Voraussetzung sozialer Teilhabe gemacht wird".

Kalayci sieht sich durch Empfehlung bestätigt

Die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci begrüßte die Entscheidung der Stiko. "Ich sehe mich durch die Stiko darin bestätigt, mit meinem Brief den jungen Berlinerinnen und Berlinern ein Impfangebot gemacht zu haben", sagte die SPD-Politikerin am Montag. Sie bezog sich dabei auf ein Schreiben an rund 180.000 12- bis 17-Jährige, in dem sie jüngst für eine Impfung geworben hatte. "Ich ermuntere Eltern, Erziehungsberechtigte und Kinder, hierzu das gemeinsame Gespräch zu suchen", fügte Kalayci am Montag hinzu.

Brandenburger CDU-Fraktionschef stellt Ende der Maskenpflicht in Aussicht

In Brandenburg wurde die Entscheidung der Stiko größtenteils positiv aufgenommen. Der Brandenburger SPD-Fraktionschef Erik Stohn sagte, eine Impfung von Jugendlichen werde die Schulen sicherer machen. Er empfehle, möglichst schnell Impftermine zu vereinbaren. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Petra Budke sagte, sie gehe davon aus, dass das Impfangebot in Brandenburg nun entsprechend ausgeweitet wird.

CDU-Fraktionschef Jan Redmann stellte gar ein Ende der Maskenpflicht an den Schulen in Aussicht. Denn bis zum Ende der Herbstferien könne jeder Jugendliche den vollständigen Impfschutz erhalten. Linken-Fraktionschef Sebastian Walter forderte, beim Impfen von Jugendlichen Tempo zu machen und auch an Oberschulen und Gymnasien zu impfen.

Die AfD-Fraktion lehnt eine Impfung von Minderjährigen grundsätzlich ab.

Spahn drückt aufs Tempo, Karliczek will Schutzmaßnahmen beibehalten

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach von einer guten Nachricht: "Eltern und Jugendliche haben damit eine klare Empfehlung, sich für die Impfung zu entscheiden." Ausreichend Impfstoff sei da, wenn gewünscht, könne eine Impfung noch diese Woche stattfinden.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte: "Auch wer sich nicht impfen lassen kann oder will, hat ein Anrecht auf Zugang zum Unterricht." Die gut eingespielten und bewährten Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen blieben dabei wichtig, auch für geimpfte Schülerinnen und Schüler und für die Lehrkräfte.

Anfang August gab es noch zu wenige Daten

Zuletzt hatten immer mehr Politikerinnen und Politiker eine Empfehlung der Corona-Impfung für alle Kinder und Jugendlichen ab 12 Jahren von der Stiko gefordert - und nicht nur für solche mit Vorerkrankungen oder Verwandten in der Risikogruppe. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sah die Stiko in dieser Frage in einer "Außenseiterposition". Möglicherweise habe sie sich "ein bisschen zu früh festgelegt und verrannt".

Stiko-Chef Thomas Mertens sagte dem NDR jedoch noch Anfang August, es gebe noch zu wenige Daten zu möglichen gesundheitlichen Folgeschäden für 12- bis 17-Jährige. Man könne ohne "die notwendige Datensicherheit" keine generelle Empfehlung aussprechen. Allerdings riet die Stiko auch nicht direkt von Impfungen ab.

Mertens räumte ein, dass er und seine Kollegen den öffentlichen Druck spüren, möglichst schnell zu einer Entscheidung zu kommen. Dies habe aber keinen Einfluss. "Es kann durchaus sein, dass wir unsere Empfehlung ändern werden, aber sicher nicht, weil Politiker sich geäußert haben."

Zugelassen sind Moderna und Biontech

Sendung: Abendschau, 16.08.2021, 19:30 Uhr

50 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 50.

    Na immerhin ist es die erste Pandemie, in der das weltweite Bevölkerungswachstum ungebremst weitergeht. Bei der Pest sind noch 70% der Europäer gestorben.
    Ach stimmt, blöder Vergleich, schließlich ist bei der geänderten Pandemiedefinition eine erhöhte Zahl von Toten nicht mehr enthalten.

  2. 49.

    Ich bin Lehrerin und kenne viele Familien, wo die Teenies bereits geimpft wurden.

  3. 48.

    sehr traurig, dass mit Kindern diejenigen in die Verantwortung gezogen werden, die am wenigsten dafür können

  4. 47.

    Angesichts der Einschätzung, dass das Interview nicht von heute ist und der Aussage von Dr. Terhard aus der Stiko in der rbb-Abendschau vom 12.08.2021, dass die Stiko wohl der Politik etwas entgegenkommen wird, ist die heutige Entscheidung ein Bärendienst an der Galubwürdigkeit der Stiko als unabhängige Instanz.

  5. 45.

    "Man spreche sich "ausdrücklich dagegen aus, dass bei Kindern und Jugendlichen eine Impfung zur Voraussetzung sozialer Teilhabe gemacht wird"."

    Nun ja... warten wir kurz und zählen bis 3... dann wird man auch hier sich nicht zu fein sein, um die Daumenschrauben anzuziehen.

  6. 44.

    Ich bin Elterndprecherin und kenne genau EINE Familie die ihr Kind impfen lassen würde

  7. 43.

    "Mittlerweile steht für alle Bürgerinnen und Bürger durch Impfung eine Möglichkeit bereit, sich effektiv selbst vor Covid-19 zu schützen." (www.zeit.de)"

    ...was nun auch ebenso für Kinder > 12 gilt, zugelassen seit Mai, jetzt auch mit Empfehlung der STIKO. Offenbar haben die Daten über die Erfahrungen mit Millionen geimpften Kindern und Jugendlichen, insbesondere aus den USA, nun ausgereicht, um das Risiko von kurzfristigen negativen Auswirkungen bewerten zu können.
    (Langfristig kann man logischerweise nie nach 3..6 Monaten wissen, bei Erwachsenen auch nicht...)

  8. 42.

    "Unser Land gleicht langsam einem Trauerspiel"

    Auf dem Teppich bleiben...!
    Der eine Impfstoff ist seit Mai (!) in Europa zugelassen, der andere seit Anfang August. Die STIKO hat auch zunächst nicht etwa "abgeraten" oder "gewarnt", sondern "keine Empfehlung dafür" abgegeben und auch nicht etwa dagegen. Der Grund: Zu wenig Daten über Nebenwirkungen bei gleichzeitig geringerem Krankheitsrisiko.
    Inzwischen sind MIllionen Kinder in den USA und in Israel usw. geimpft und es formt sich ein Bild über die Verträglichkeit, das zur Neubewertung der Empfehlung geführt hat.

  9. 41.

    Das klingt für mich so, als sollen die Kinder geimpft werden, damit sie weniger psychosoziale Folgeprobleme aufgrund der Einschränkungen der Pandemiebekämpfung haben. Allein mir fehlt die Hoffnung, dass die Einschränkungen für Kinder und Jugendliche nun endlich gelockert werden...

  10. 40.

    Irgendwie kommt mir das sehr seltsam vor...
    Dat Zeuch muss wech? MHD? Wenn angepasste Impfstoffe ("neue, verbesserte Rezeptur") für den Winter produziert werden, kann man nicht noch auf tausenden Impfdosen der "alten Qualität" sitzen bleiben. Also ran an die Rentner, die Schüler: impfen.

  11. 39.

    Da es sich bei Covid 19 weiterhin um eine Pandemie handelt sollte es nicht nur eine Impfempfehlung geben sondern eine Impfpflicht.
    Wir wurden gegen Pocken, Masern, Mumps und Röteln geimpft und es dient unser aller Gesundheit und Unversehrtheit. Macht endlich eine Pflicht daraus!!!

  12. 38.

    Zumindest gibt es jetzt eine Entscheidung der Stiko. Ich hoffe sie haben ihre Entscheidung auf ihre wissenschaftlichen daten gestützt und nicht einfach nur dem politischen Druck nachgegeben. Dieser Druck ist einfach indiskutabel. Leider wird dieser auch auf unsere Kinder ausgeübt wird, z.B. in Form von Briefen der Gesundheitssenatorin an die Kinder. Eine Frechheit!!!

  13. 37.

    Ein politisches possenspiel was seinesgleichen sucht, wer da noch wirklich Vertrauen in die Politik hattte, hat es spätestens jetzt verloren.

  14. 36.

    Endlich. Dann darf man hoffen, dass wenigstens die Oberschulen offen bleiben. Meine Große war letztes Jahr zwischen Weihnachten und Ostern nur zu 2 Klassenarbeiten in der Schule - das braucht man echt nicht noch mal.

  15. 35.

    In den USA sind bereits 10 Millionen (!) Jugendliche geimpft, und diese Daten hat die StiKo jetzt ausgewertet. Weiß ja nicht, was Sie unter "nicht genug erforscht" verstehen? Hätten erst 100 Millionen Ihnen gereicht?

    Meine Teenies haben ihre Erstimpfung eh schon ...

  16. 34.

    Es war leider vorauszusehen: Sobald die StiKo aufgrund neuer Erkenntnisse ihre Meinung ändert, wird ihr sogleich böswillig unterstellt, dass sie NUR aufgrund politischen Drucks ihre Meinung geändert habe und keinesfalls aus wissenschaftlichen Gründen.

    Nach der einfach gestrickten Denkweise der meisten Kommentatoren hier, hätte die StiKo niemals ihre Meinung ändern können - egal welche wissenschaftlichen Daten vorliegen -, ohne dass ihr böswillig unterstellt wird, dies sei NUR aus politischem Druck passiert. So einfach kann die Welt sein, wenn man Kausalitäten ohne Nachweis einfach nur unterstellt, weil es so am besten in das eigene Weltbild passt.

  17. 33.

    Welch Zufall nach dem politischen Druck...wie unglaubwürdig.
    Es soll sich zunächst um alle Volljährigen gekümmert werden, bevor sie meine Kinder unter Druck setzen. Ich muss anders wählen...alle anderen bitte auch...

  18. 32.

    Ulli:
    "STIKO-der Druck war zu Stark,oder?"

    Das nächste mal bitte: Erst Artikel lesen, dann kommentieren! Denn die Antwort steht im Artikel.

  19. 31.

    Was soll das für eine Absicherung sein?
    Absolut nichts haben wir davon, wenn mein Kind eine Herzmuskelentzündung entwickelt.
    Da kräht dann kein Hahn nach....es ist ja nur ein Kind von vielen

Nächster Artikel