Einst die Rolle des vermeintlichen Massenmörders gespielt - Mario Adorf verlegt Stolperstein für NS-Opfer Bruno Lüdke

Sa 28.08.21 | 16:45 Uhr
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (r) und Mario Adorf, Schauspieler, nehmen an der Verlegung eines Stolpersteins in Berlin-Köpenick für NS-Opfer Bruno Lüdke teil. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Bild: dpa/Britta Pedersen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Schauspieler Mario Adorf haben am Samstag an das NS-Opfer Bruno Lüdke erinnert. In Berlin-Köpenick nahmen sie an der Verlegung eines Stolpersteins für Lüdke teil.

Steinmeier sagte, Lüdke sei nach einer Reihe von pseudo-medizinischen Menschenversuchen gestorben, die an ihm durchgeführt wurden. Er sei kein Täter, sondern Opfer gewesen. Im April 1944 wurde Lüdke in Wien ermordet.

Bis 1994 galt der geistig behinderte Mann aufgrund von Selbstbezichtigungen als einer der schlimmsten Serienmörder der deutschen Kriminalgeschichte. Ihm wurden mehr als 50 Morde zur Last gelegt, ein Prozess wurde Lüdke allerdings nie gemacht. Wissenschaftliche Forschungen fanden später heraus, dass der Sohn eines Wäschereibesitzers aus Köpenick die Morde nicht begangen haben kann.

Mario Adorf (2.v.l.) in der Rolle des Bruno Lüdke in "Nachts, wenn der Teufel kam" (1957). (Quelle: imago-images/United Archives)
Mario Adorf in der Rolle des Bruno Lüdke in "Nachts, wenn der Teufel kam" | Bild: imago-images/United Archives

Schauspieler setzt sich für Rehabilitation ein

Mit dem Stolperstein solle sein guter Ruf wiederhergestellt werden, hatte der Schauspieler Mario Adorf in einem Interview mit der "Berliner Zeitung" [Bezahlinhalt] gesagt. Der 90-Jährige hatte 1957 in dem Film "Nachts, wenn der Teufel kam" die Figur des Bruno Lüdke gespielt und damit seinen Ruhm als Schauspieler begründet. In dem Film wird Lüdke noch als Massenmörder dargestellt. Adorf distanziert sich mittlerweile von der Rolle.

Aus dem Verantwortungsgefühl heraus, einem unschuldigen Menschen damit Jahrzehntelang den Ruf eines Verbrechers aufgedrückt zu haben, unter welchem seine Familie bis heute leiden muss, setzte sich Adorf für eine Wiedergutmachung Lüdkes ein, berichtete der Schauspieler. Die Initiative wurde vom Bundespräsidenten unterstützt, der die Verlegung eines Stolperstein in Lüdkes Berliner Heimatbezirk Köpenick anregte.

Mehr als 9.000 Stolpersteine in Berlin

Steinmeier dankte der Initiative der Stolpersteine, "weil sie eben auch jüngere Leute, jüngere Generationen über unsere eigene Geschichte stolpern lässt, nachdenken lässt darüber, was an Unrecht geschehen ist und mithelfen lässt, dass solches nie wieder geschieht".

Auf den Stolpersteinen sind auf einer Messingplatte Namen und Daten von Menschen eingraviert, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden, aus Deutschland fliehen mussten oder die Lager überlebten. Sie werden in die Bürgersteige vor den letzten freiwilligen Wohnorten der Opfer eingelassen.

In Berlin gibt es mehr als 9.000 Stolpersteine. Verlegt werden sie vom Künstler Gunter Demnig, der die Stolperstein-Initiative in den 1990er-Jahren ins Leben gerufen hat.

Sendung: Antenne Brandenburg, 28.08.2021

11 Kommentare

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  1. 11.

    Es war die Regierung von Papen, die der NSDAP zur Macht verholfen haben und nicht was sie uns mit ihrer Geschichtsklitterung weismachen wollen.

    Da sie auch sonst die Taten von Rechtsextremisten verteidigen und verharmlosen fehlt nat. auch nicht die Hufeisentheorie, die wissenschaftlich längst widerlegt ist, sich unter Rechtsextremen großer Beliebtheit erfreut um so Rechtsextremismus verharmlosen zu können.

    https://www.zdf.de/nachrichten/politik/hufeisentheorie-hufeisenschema-rechtsextremismus-afd-linke-thueringen-102.html
    https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_von_Papen#Anbahnung_der_Regierung_Hitler

    "KZ's und Gulags waren zwei Seiten derselben Medaille. " DAS ist Holocaustleugnung und strafbar! Ich staune dass der RBB so etwas zulässt.

    Und es nutzt auch nichts wenn sie fehlende Argumente und Wissen mit Beleidigungen ausgleichen wollenm wie bei ihnen üblich.

  2. 10.

    Das haben sie ganz richtig erkannt. Die wahren Täter wurden nie ermittelt, und sind im Wissen für die von ihnen begangenen Taten längst verstorben. Sie werden sich wohl (sehr) gefreut haben, das ein Unschuldiger dafür die Verantwortung übernommen hat, oder besser gesagt übernehmen musste. Bruno Lüdke wurde zu den Geständnissen (wohl) gezwungen. Dazu gehörte aber bei diesem Mensch (Bruno) auch nicht viel. So etwas würde heute evtl. nur noch in ganz selten Fällen (durch schlampige Ermittlungsarbeit) passieren.

  3. 9.

    Wie wenig wirkliche Ahnung Sie von Geschichte haben und wie einseitig Sie diese interpretieren, kann man hier regelmäßig nachlesen. Es war nämlich nicht die bürgerliche Mitte, die zur Machtergreifung der Nazis geführt hat sondern die Schwächung derselben. Die ach so netten Kommunisten waren eben auch keine demokratische oder nenschenwürdige Alternative. Die Demokratie wurde von beiden Seiten angegriffen und es war egal, welche davon gesiegt hätte. Beides waren Wege in die Katastrophe. Die NSDAP war im Ursprung eine linke Arbeiterpartei, nur eben mit nationalistischen Zielen statt der Vereinigung der internationalen Arbeiterklasse. Entsprechend unterschiedlich waren die Feindbilder. Die grundlegenden Methoden, eine Diktatur zu errichten, waren aber gleich. KZ's und Gulags waren zwei Seiten derselben Medaille.

  4. 8.

    Es war nicht vornehmlich die bürgerliche Mitte die die Nazis an Macht brachte, es waren außer den Arbeitern Nationalisten, auch Parteien, weil sie gegen ihre vermeintliche Feinde einen erbitterten Kampf führten. Bestes Beispiel sind die Kommunisten, für die war die SPD genauso ein Feind wie die NSDAP.

    Die Kommunisten sahen ihrerseits in Stalin ein politisches Vorbild, in einem Verbrecher der in dieser Rangordnung den 2. Platz einnimmt.

  5. 7.

    Das heißt doch, daß der oder die Mörder nie gefasst wurden. Die Morde nie aufgeklärt wurden oder werden.

  6. 6.

    Gleich und gleich gesellt sich gern?

    Wo habe ich wen in die rechte Ecke gestellt? Mal abgesehen davon, dass sich die Leute selbst in diese Ecke stellen.

    "SIE relativieren und verharmlosen rechtes Gedankengut und Taten in Vergangenheit und Gegenwart!" Diese Ausrede ist mir sattsam bekannt. Nicht nur die rechtsextreme AfD, auch deren Anhänger benutzen diese Ausrede um Taten von Rechtsextremisten und deren Anhänger zu verharmlosen.

    Was wollen sie? Ich habe nur Fragen gestellt.

    Btw. Es war die bürgerliche Mitte, die die Nazis zur Macht verholfen haben. Ohne die Verharmloser hätte es die Nazibarberei nie gegeben.

  7. 5.

    Warum muss eigentlich JEDER, der es wagt, auch sich nur einen Hauch kritisch über die allgegenwärtige Aufarbeitung der deutschen NS-Vergangenheit äußert, sofort von Leuten wie Ihnen hart in die rechte Ecke getreten werden?

    Sind SIE nicht in der Lage, zwischen zulässiger Kritik, Verharmlosung des Nazi-Regimes oder gar aktuellem Aufkommen rechten Gedankenguts zu unterscheiden?
    Treten Sie doch bitte Rechte in die rechte Ecke, die rassistisch beleidigen, den Holocaust leugnen und verharmlosen oder sogar heutzutage wieder Menschen wegen verschiedenster Eigenschaften beleidigen, angreifen und umbringen!

    Wenn Sie jeden, der nicht so extrem links denkt - so wie Sie - gleich in die rechte Ecke drängen, erreichen Sie genau dass, was Rechtsextreme wollen: SIE relativieren und verharmlosen rechtes Gedankengut und Taten in Vergangenheit und Gegenwart!

  8. 4.

    Hut ab vor der Zivilcourage des grandiosen Schauspielers. Er und Hardy Krüger sind wirklich echte Vorbilder als Mensch und Zeitzeuge der Geschichte. Mögen ihre Erinnerungen immer erhalten bleiben!

  9. 3.

    Wenn Sie diese nerven , gehen sie nicht hin. Das diese weiterhin sehr wichtig sind, kann man ja aktuell gut sehen. Da vergleichen sich Leute mit Leuten aus finsterer Zeit.... Und warum man von Stolpersteinen genervt sein kann, erschließt sich mir nicht. Es sei denn man will einen Schlußtstrich. Aber das will ich ihnen natürlich nicht Unterstellen. Schönes Wochenende.

  10. 2.

    Was wollen sie damit eigentlich bezwecken? Und warum "nerven" sie die "unzähligen Gedenkstätten"?

    Weil sie die Morde der Nazibarbaren verharmlosen wollen? Weil sie die Erinnerung an diese Barberei auslöschen wollen?

    Dieser Verdacht drängt sich einem förmlich auf.

  11. 1.

    Auch wenn mich die unzähligen Gedenkstätten nerven: Ein guter Schritt.
    Man darf Lüdke wohl allmählich als rehabilitiert betrachten.
    Was mich aber mal interessiert:
    Was für Personen (in Anbetracht der weit auseinanderliegenden Tatorte gehe ich nicht von EINEM Täter aus, das wäre zwar wohl möglich, aber ungewöhnlich für einen Serienmörder) haben die ihm zur Last gelegten Morde denn womöglich TATSÄCHLICH begangen?
    Irgendwie scheint diese Frage in der Forschung zum Fall Lüdke komplett unterzugehen.
    Übrigens definiert die Wikipedia den Begriff "Massenmord" etwas anders als er hier verwendet wird.

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