XXL-Laubhütten in Berlin und Potsdam - Warum Juden in dieser Woche in der Laubhütte übernachten

Archivbild: Yehuda Teichtal (r), Rabbiner des Jüdischen Bildungszentrums Chabad, und Sahmuel Segal, Rabbiner, weihen die großen Sukka im Jüdischen Bildungszentrum ein. Eine Sukka, auch Laubhütte genannt, wird für das jüdische Laubhüttenfest errichtet. (Quelle: dpa/Fabian Sommer)
Video: Brandenburg aktuell | 20.09.2021 | Riccardo Wittig | Bild: dpa/Fabian Sommer

Das jüdische Laubhüttenfest ist vor allem ein Fest der Familie. Die Laubhütte wird gemeinsam gebaut und bunt geschmückt. An einigen Stellen werden in diesem Jahr die Laubhütten allerdings etwas größer. Von Ulrike Bieritz

Im Herbst haben gläubige Jüdinnen und Juden einiges zu feiern. Nach den sogenannten hohen Feiertagen, Rosch ha-Schana (Neujahr) und Jom Kippur (Versöhnungstag) wird nun Sukkot, das Laubhüttenfest begangen, in diesem Jahr ab Sonnenuntergang des 20. September. Fünf Tage nach Jom Kippur beginnt somit dieses sieben ganze Tage dauernde Fest.

XXL-Laubhütten in Berlin und Potsdam

Das Laubhüttenfest 2021 ist eines der Hauptprojekte des Festjahres "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" [2021jlid.de]. Es soll in großer Runde auch mit Nichtjuden gefeiert werden und deshalb stehen in einigen Orten Deutschlands XXL-Laubhütten, beispielsweise in Berlin im Janusz-Korczak-Haus und in Potsdam am Abraham-Geiger-Kolleg [sukkotxxl.de]. Ziel: gemeinsam in der Sukka essen, trinken und diskutieren.

Das Team des Janusz-Korczak-Hauses hat nach eigenen Angaben zum ersten Mal eine eigene große Sukka - eine Laubhütte - aufgestellt. Das Programm richtet sich auch an Kinder und Jugendliche. Das Abraham-Geiger-Kolleg will mit dem Laubhüttenfest an seinem neuen Standort auf dem Universitätsgelände am Neuen Palais vor allem die Nachbarschaft näher kennen lernen.

40 Jahre durch die Wüste

Der Name Sukkot leitet sich von dem hebräischen Wort Sukka - Laubhütte ab. Es erinnert an die im zweiten Buch Mose (Exodus) beschriebene Wüstenwanderung des Volkes Israel nach ihrem Auszug aus Ägypten.

Vierzig Jahre, so die Überlieferung, waren die Israeliten unterwegs und zogen durch die Gegend, wo heute Israel und Palästina liegen, bis sie dann endlich im gelobten Land ankamen. In dieser Zeit heißt es, wanderte Moses, der das Volk durch die Wüste führte, zweimal auf den Berg Sinai, wo er die zehn Gebote von Gott empfing. Während der langen Wanderung bauten sich die Familien mobile Behausungen - die Laubhütten.

In Erinnerung an die Zeit und den glücklichen Ausgang der Reise werden heute die Laubhütten gebaut und während des Festes wird so viel Zeit wie möglich dort verbracht, wenigstens der erste Abend. Manche schlafen sogar darin.

Ein Fest der Familie

Das Sukkot-Fest ist neben Pessach und Schawout das dritte große Wallfahrtsfest im Judentum. Traditionell wird in dieser Zeit nach Jerusalem gepilgert und Opfergaben dargebracht. Es ist nämlich auch ein Erntedankfest und vor allem ein Fest der Familie.

Das Bauen einer Laubhütte ist ein großer Spaß, nicht nur für die Kinder. Sie muss mindestens drei Wände haben. Das Dach besteht aus Ästen, Stroh oder Laub und muss durchlässig sein, damit der Himmel und die Sterne zu sehen sind - wie damals in der Wüste. Und sie wird bunt dekoriert - mit Früchten, Bildern - und sie wird natürlich gesegnet.

Sukkot ist ein fröhliches Fest, es symbolisiert den Neuanfang. Dank, Freude und Gemeinschaft, darum geht es.

Ein Symbol für die Vergänglichkeit

Für gläubige Jüdinnen und Juden beginnt und endet das Fest in der Synagoge. Der "Umzug" in die Laubhütte, der Verzicht auf die Bequemlichkeit der Wohnung soll auch die Augen öffnen für die Gaben Gottes, die Vergänglichkeit der Güter. So provisorisch, wie die Sukka ist, so schnell kann auch das Leben vorbei sein.

Bei den meisten steht aber vor allem das gemeinsame Essen im Mittelpunkt. Weil es eben auch ein Erntedankfest ist, gibt es viel frisches Obst und Gemüse. Freunde und Verwandte werden eingeladen und Köstlichkeiten aufgetischt. Am Vorabend und an jedem Sukkot-Abend werden zwei Lichter angezündet und jedes Familienmitglied isst eine reife Frucht. Dazu sprechen alle gemeinsam den Licht- und den Dankessegen für die eingebrachte Ernte.

Sendung: Inforadio, 20.09.2021, 09:45 Uhr

Beitrag von Ulrike Bieritz

15 Kommentare

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  1. 15.

    Wenn die Religionen nur noch aus dem Begehen von Festen bestehen und einander ansonsten tolerieren und sich austauschen würden, dann wäre diese Welt um Einiges friedlicher. Leider haben alle Religionen, die eine mehr, die andere weniger, einen Alleingültigkeitsanspruch, der demokratischen Prinzipien entgegensteht. Insofern ist nicht nur feiern und feiern lassen nötig sondern allgemein leben und leben lassen.
    (Ich will Ihnen damit nicht unterstellen, dass Sie was Anderes ausgedrückt hätten, im Gegenteil.)

  2. 14.

    Alle Religionen haben ihre Feste. Mögen sie Alle diese in Ruhe und Frieden begehen können und dabei auch dem jeweils Anderen Einblicke in ihre Kultur gewähren. Vll. nimmt der Ein oder Andere etwas von dort mit und sorgt dafür das es mal auf dieser blauen Kugel mehr miteinander geben wird.

  3. 11.

    Ich gedenke nicht, die Kommentarfunktion für dieses Thema, was am Bericht vorbei ginge, zu nutzen, weil ich das jüdische hohe Fest respektiere. Antworten auf Ihre Fragen können Sie gerne den bekannte Medien entnehmen und verfolgen, was ich in Bezug auf ALLE Religionen weltweit meinte.

  4. 10.

    Ein interessanter Einblick und Bericht. Denke die Besucherzahlen werden auch in Berlin durch Corona limitiert sein. Schade das es dieses Fest nicht in mehreren Bezirken gibt. Wünsche ein fröhliches Feiern.

  5. 9.

    Sehr geehrte*r Unkonfessionell,

    wenn Ihnen nicht bewusst ist, wie Sie sich äußern, kann ich Ihnen leider nur bessere Zustände wünschen.

    Alles Gute auch sonst.

  6. 8.

    John, das ist nicht auf die Juden gemünzt. Sondern es gibt genug andere Religionen die anders gläubige verfolgen und verachten. Und die haben auch ein vergebungsritual. Jetzt verstanden

  7. 6.

    Ach übrigens: ich interessiere mich trotz meiner geübten Kritik auch für Gebräuche und Feste der Religionen - auch das Laubhütenfest werde ich besuchen. Ich hoffe, das bringt Ihre Doktrin nicht zum Wanken :-) bleiben Sie gesund.

  8. 5.

    Ich wünsche allen ein schönes Laubhüttenfest mit Familien und Nachbarn. Spontan wollte ich abends nach Potsdam fahren, habe aber gelesen, dass das Fest vornehmlich der neuen Nachbarschaft gewidmet ist, was ich wiederum ziemlich klasse finde, eine super Gelegenheit dazu, es passt auch zum Kontext des Festes mit dem Ankommen im neuen Land. Allen wünsche ich ein neugieriges und schönes Kennenlernen!

  9. 4.

    Na wenn Sie das als "Gelaber" titulieren, wird mir einiges klar, wie Ihre Denke ist. Ich respektiere auch Ihre Meinung - können Sie das mit anderen auch? Beweist aber auch, dass Sie nicht ansatzweise verstanden haben, was gemeint war.

  10. 3.

    Schade das man die Laubhütte nicht sehen kann. Es würde mich sehr interessieren wie eine solche aussieht.

  11. 2.

    Ein besinnliches und schönes Sukkot wünsche ich allen Gläubigen.

    Einen Zusatz, wie den des vorherigen Kommentators, kann man getrost ignorieren. Typisches "Ich hab nix gegen, ABER..." Gelaber.

  12. 1.

    Ich wünsche den Menschen Jüdischen Glaubens eine gute Zeit und Respekt.
    Alle Religionen haben ihre hohen und zu respektierenden Feste - aber was mich stört ist: es wird immer um Vergebung der Sünden gebeten und nach den Festen geht´s weiter wie bisher: gegeneinder, gegen andere Religionen und die vermeintlichen Feinde des eigenen Glaubens - vor allem in den Regionen der Religionen. Irgendwie krank und schade.

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