Verkehrsverwaltung - Berlin will seine Ampeln wieder selbst betreiben

Archivbild: Die Fußgängerampel vor dem Fernsehturm steht auf Rot. (Quelle: dpa/A. Riedl)
Audio: Radioeins | 12.09.2021 | Timo Mascheski | Bild: dpa/A. Riedl

Berlin hat 2.135 Ampeln - doch nicht immer funktionieren sie. Auch an zu kurzen Grünphasen für Fußgänger gibt es Kritik. Die Verkehrsverwaltung will die Ampeln nun wieder selbst betreiben - und verweist auch auf das Mobiltätsgesetz.

Das Land Berlin will die Ampelanlagen in der Stadt künftig wieder selbst betreiben. Wie der Sprecher der Verkehrsverwaltung, Jan Thomsen, dem rbb am Sonntag auf Nachfrage bestätigte, läuft der Prozess der Rekommunalisierung bereits. Zuerst hatte die "Berliner Morgenpost" [Bezahlcontent] über die Pläne berichtet.

Kritik an zu kurzen Grünphasen für Fußgänger

Statt des bisherigen privaten Vertragspartners soll laut Thomsen ein landeseigenes Unternehmen mit dem Ampel-Management beauftragt werden. Da sei nötig, um die gestiegenen Anforderungen an die Lichtsignalanlagen durch das Mobilitätsgesetz zu bewältigen, so Thomsen.

Das betreffe beispielsweise den barrierefreien Ausbau von Verkehrswegen. Zudem schreibt das Gesetz vor, dass Busse, Bahnen und Radfahrende bei der Ampelschaltung Vorrang gaben. Außerdem kritisiert die Verkehrverwaltung zu kurze Grünphasen für Fußgänger.

Tausende Totalausfälle von Ampeln

Nach jüngsten Angaben der Senatsverkehrsverwaltung gibt es derzeit insgesamt 2.135 Ampeln in Berlin. Doch nicht immer funktionieren sie: Im Jahr 2020 gab es 3.160 Totalausfälle, in diesem Jahr bereits 1.996, wie es in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Marcel Luthe (fraktionslos) aus dem Juli heißt. Demnach dauerte es im Vorjahr durchschnittlich acht Stunden und 19 Minuten, bis ausgefallene Ampeln wieder blinkten.

Als Gründe für defekte Ampeln nannte die Senatsverkehrsverwaltung den Ausfall von Bauteilen, Beschädigungen etwa nach Unfällen, eindringendem Regen und Netzschwankungen.

Die Verkehrsverwaltung wies in der Antwort darauf hin, dass Ampeln nach einem Totalausfall "innerhalb von 24 Stunden wieder in Betrieb zu nehmen sind". Wenn Reparaturarbeiten länger andauern, werde ein Provisorium aufgestellt, beispielsweise wenn ein Mast umgefahren wurde.

Sendung: Inforadio, Nachrichten, 12.09.2021, 14 Uhr

52 Kommentare

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  1. 52.

    Meines Wissens steht das in den bundesweiten Ausführungsbestimmungen auch so drin. Meistens jedoch wird die Geltung von etwas eigentlich Selbstverständlichem erst durch langwierige Klagen erreicht.

    Immerhin geht es hier - d. h. beim Ernst-Reuter-Autoverkehrskreisel - um ein Symbol der Nachkriegs-Verkehrspolitik.

  2. 51.

    So ganz fehlerfrei ist ihrer Erklärung auch nicht. Es gibt, zumindest in Berlin, soweit mir bekannt, keine vorgegebene Geschwindigkeit. Sie dürfen 30 oder 50 oder 70 fahren, müssen es aber nicht. Auf der Heerstr. ist z.B. in den Portalen eine empfohlene, sich anpassende, Idealgeschwindigkeit angegeben. Hält man sich halbwegs dran, ist man in einem Rutsch durch - von der Pichelsdorfer bis zum "Theo". Das klappt sogar im Berufsverkehr ganz gut, wenn da nicht die Superfahrer wären, die meinen "dürfen" ist "müssen", deren vorausschauendes Fahren an der Kante der eigenen Motorhaube endet oder meinen es sei die Teststrecke für ein 24-Std.-Rennen. Nicht wenige der Staus sind "selbstgemacht" - entweder weil das Cellphone / der Lidstrich wichtiger ist oder die Entfernung zwischen zwei Ampeln mit einer Quarter Mile verwechselt wird - kurz, weil sich nicht wenige einfach zu doof anstellen. Und dagegen hilft die beste Technik nichts.

  3. 50.

    "Also war die Verkehrsverwaltung zu jeder Zeit informiert, wie lange oder kurz die Freigabezeiten waren bzw sind."

    Das kann ich bestätigen. Um Umlaufzeiten an einer Ampel zu ändern, die stark von Schulkindern frequentiert wurde, mußten wir dort dicke Bretter bohren. Man meinte dort die Beschwerden der Anwohner wären wichtiger als ein überfahrenes Kind.

    "Die Privatisierung war einen Versuch wert, allerdings haben zu viele Köche im Topf gerührt." Nein war es nicht, das war der Privatisierungswelle nach der Milliardenpleite des Märchenonkels Landowsky geschuldet.

    "Nur mit diesem Wechsel wird die Verkehrswende nicht geschafft!" Nein, das ist nur ein weiterer Mosaikstein. 30 km/h innerorts wird kommen, wie bereits in Spanien.

  4. 49.

    Bitte nicht! Die bekommen das doch jetzt schon nicht hin, sinnvolle Grüne Wellen zu schalten. Autos müssen unnötig halten und anfahren. Spritverschwendung.

  5. 48.

    Wird wohl nichts mit einer Ampelkoalition.

  6. 47.

    @Gerry

    Das wollen wir doch nicht hoffen.
    Nur eine gute Wahl verhindert ein Fahrradfaher-Diktat.

    @Bernd Stelter
    Ich muss Ihnen Recht geben, auch wenn ich nicht immer ihrer Meinung bin. Berlin als grüner Freizeitaktivitäten - besser kann man das nicht umschreiben, wenn man die derzeitige Politik erlebt.

  7. 46.

    Wieso ? Wer betreibt die denn jetzt ? Die Ampelschaltungen sind die reinste Kathastropfe .

  8. 45.

    Ihre Aussage hat erhebliche Fehler.
    Stau kommt auch von roten Ampeln. Wenn Kfz trotz Einhaltung der vorgegebenen Geschwindigkeit auf manchen Haupttangenten an fast allen Ampeln zum Stehen gebracht werden ( künstlicher Stau) ist das auch nicht gut für die Umwelt. Anfahren und stehen bedeutet auch unnötigen Spritverbrauch, Co2 und vor allem Feinstaub und Staubaufwirbelung von den ungereinigten Strassen. Seit Jahren wird durch Alle die da mitreden und mit ihren Empfindlichkeiten ständig reinpfuschen eine vernünftige Lösung verhindert. Es gibt viele andere Städte wo das anders viel besser funktioniert. Wo jeder Kfz- fahrer weiss, wenn ich mich an die vorgegebene Geschwindigkeit halte, habe ich Grüne Welle und wo geschickt die Radfahrer eingebunden werden.Frage bei den Radfahrern welche Geschwindigkeit nimmt man hier 17kmh, 30 KMH ? 17 wäre ok 3 x17 kmh = 51 , 25 würde auch passen 2x25 kmh - würde passen für alle bei angenommenen 50kmh für Kfz.. Aber auch die Radfahrer und Fussgänger müssten sich endlich konsequent an Rot halten und für die Fussgänger würde es auch passen.
    Also sinnig für alle und alle haben was davon - auch die Anwohner.

  9. 43.

    Da hat doch der Berliner Senat wieder eine wahllücke gefunden!

  10. 42.

    Sachliche Gründe, so eine neue Behördendienststelle zu schaffen, kann ich keine zwingenden erkennen. Taktfolgen von Ampelschaltungen werden durch die Einschaltung einer weiteren Bürokratie nicht besser gelöst. Es ist klar zu erkennen, hier sollen weitere Versorgungsjobs im Öffentlichen Dienst, ggfs. auch teure Leitungsjobs mit den entsprechenden Ruhestandsregelungen geschaffen werden. Dabei ist jetzt schon die Versorgungsleistung der Öffentlichen Hand gegenüber der Bevölkerung unterirdisch. Die simple Verlängerung des PA oder des Passes lässt den Bürger schier verzweifeln.
    Das Thema ist äquivalent zu der riesigen Anzahl von Versorgungsjobs im Bundestag, wo mittlerweile das größte aufgeblähte Parlament der Welt entstanden ist. Die Grüne Günther sagt sich, was beim Bund funktioniert, muss auch bei mir auf der Landesebene funktionieren.

  11. 40.

    Nee, aber über manche Leitungen wurde wohl noch "gekabelt".
    Schönen Sonnag.

    ... -.-. .... ---. -. . -. / ... --- -. -. - .- --.

  12. 39.

    Na dann wünsche ich mir mal doch gleich was von Berlin. Die japanische Ampellösung.
    Natürlich im Wechsel: Rot für alle Fahrtrichtungen und grün für alle Fußgänger mit der Möglichkeit der Diagonalquerung. Fahre zwar auch oft Auto oder Motorrad, bin aber doch ab und an nah dran als Fahrradfahrerin oder Füßgängerin die Blechstärke mancher Karosse durch Fußauflegen zu testen.

  13. 38.

    Ich möchte kurz einhaken, was Grünphasen für Fussgänger betrifft. Selbst im Sprint gelingt es in Berlin kaum, eine 4-spurige Strasse in einer Grünphase zu überqueren. Der Ernst-Reuter-Platz ist nur ein Beispiel. Ätzend ist das! Ich finde, man kann als Fußgänger erwarten, dass man eine Strasse vollständig, egal ob 2- oder x-spurig innerhalb einer Grünphase sicher überqueren kann und nicht wie blöd auf diesen verkehrumtosten Mittelinselchenbis zur nächsten Grünphase für die zweite Etappe warten muss.

  14. 37.

    Nach der Bilanz, was der RRG-Senat bisher vorlegt, ist das zu erwarten. Soviel Inkompetenz auf einem Haufen.
    Da die Regierenden darauf hoffen, dass der Berliner Bürger das noch einmal vier Jahre erdulden wollen, die Grünen die Stadt zu einem Freizeitpark transformieren wollen, wo Fahrräder und Lastenfahrräder das Stadtbild prägen, durchaus nachvollziehbar.
    Erinnert sei da an die permanente Sperrung der A100 für Radfahrer.

  15. 36.

    Bleibt die Ampel dann immer auf rot oder grün?

  16. 35.

    Tempo 30 hilft nicht gegen Staus noch verlängert es Ampelphasen für Fußgänger. Letzteres bereits ein Thema als die Verwaltung der Lichtzeichenanlagen noch dem Land Berlin oblag. Durch Privatisierung hat man sich eine umfassende Sanierung der maroden Infrastruktur erhofft

  17. 34.

    Stau kommt nicht von roten Ampeln, sondern von zu vielen Autos auf den Straßen. Da würde zum Beispiel mehr ÖPNV helfen, oder bessere Fahrradinfrastruktur.

  18. 33.

    2006 wurde das Ampelmanagment in private Hand gelegt! Jede Signalplanänderung musste weiterhin vom der Senatsbehörde freigegeben werden. Also war die Verkehrsverwaltung zu jeder Zeit informiert, wie lange oder kurz die Freigabezeiten waren bzw sind. Jetzt den schwarzen Peter dem privaten Betreiber zuzuschreiben ist nicht fair. Die Privatisierung war einen Versuch wert, allerdings haben zu viele Köche im Topf gerührt.
    Nur mit diesem Wechsel wird die Verkehrswende nicht geschafft!

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