Von 0 Uhr bis Mitternacht - Berlin beteiligt sich mit Gratis-ÖPNV und Spielstraßen am "Autofreien Tag"

Kinder spielen auf einer temporären Spielstraße in Berlin. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Audio: radioeins | 22.09.2021 | Interview mit Günther | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Die Öffis in Berlin können Mittwoch den ganzen Tag lang kostenlos genutzt werden. Außerdem sollen 35 Straßenabschnitte in der Stadt zeitweise zu Spielstraßen werden. Grund ist der internationale "Autofreie Tag", an dem sich Berlin beteiligt.

Zum internationalen "Autofreien Tag" am Mittwoch kann in Berlin der Öffentliche Nahverkehr kostenlos genutzt werden. Von 0 Uhr bis Mitternacht brauchen Fahrgäste in Bussen und Bahnen keine Fahrscheine, wie die Verkehrsverwaltung vergangene Woche mitgeteilt hatte.

Für Fahrten über das Berliner Stadtgebiet hinaus ist allerdings ein regulärer Fahrschein nötig - zum Beispiel Berlin BC. Ein Anschlussfahrausweis allein genügt nicht, darauf weist die Berliner S-Bahn hin.

Straßen werden für fließenden Verkehr gesperrt

Zudem sollen insgesamt 35 Spielstraßen für Kinder eingerichtet werden – in jedem Bezirk mindestens eine. Dafür werden zwischen 15 und 19 Uhr bestimmte Straßenabschnitte, alle in Nebenstraßen, für den fließenden Verkehr gesperrt. In diesen Abschnitten sollen auch Halteverbotsbereiche eingerichtet werden, damit mehr Raum "zum Spielen, Kuchenessen und Zusammensitzen" geschaffen wird, wie es von der Verkehrsverwaltung hieß.

Berlin zeige am "Autofreien Tag", dass die Stadt auf dem Weg zu einer menschenfreundlichen Mobilität sei, sagte Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) im Vorfeld des 22. Septembers. "Dieser Tag soll erlebbar machen, dass mehr Platz für Grün, für Menschen, für Spiel - statt nur für den Autoverkehr - die Lebensqualität enorm erhöht."

Alternativen zum Autoverkehr sollen gestärkt werden

Die Stadt sei in den vergangenen 70 Jahren so gebaut worden, dass Autos "gut von A nach B kommen", konkretisierte Günther am Mittwochmorgen im Gespräch mit Radioeins vom rbb. Dieser Mobilität sei viel Platz eingeräumt worden. Nun solle gezeigt werden, welche Vorteile "ein sukzessiver Rückbau" bringen könne.

"Wir wollen den Wandel mit den Menschen machen - daher sind wir im Gespräch", so die Grünen-Politikerin weiter. Ziel sei es, die Alternativen zum Autoverkehr zu erhöhen. An der Radinfrastruktur werde intensiv gearbeitet, in den ÖPNV werden nach Angaben von Günther in den nächsten Jahren Milliarden gesteckt. Für die Autofahrer werde es "sehr wahrscheinlich sukzessive teurer".

Folgende Straßenabschnitte werden laut der Senatsverkehrsverwaltung am 22. September als Spielstraßen genutzt:

Charlottenburg-Wilmersdorf

Babelsberger Straße, Haus Nr. 9 bis Nr. 14

Rüdesheimer Straße, zwischen Wiesbadener- und Laubenheimer Straße

Sigmaringer Straße, zwischen Gasteiner- und Wegenerstraße

Windscheidstraße, zwischen Stuttgarter Platz und Gerviniusstraße


Friedrichshain-Kreuzberg

Böckhstraße (14-18 Uhr), zwischen Grimm- und Graefestraße

Kinzigstraße, zwischen Weser- und Scharnweberstraße

Simplonstraße (15.30 – 18.30 Uhr), zwischen Helmerding- und Matkowskystraße

Wrangelstraße, zwischen Oppelner- und Sorauer Straße


Lichtenberg

Wönnichstraße, Ecke Münsterlandplatz


Marzahn-Hellersdorf

Maxie-Wander-Straße, zwischen Carola-Neher-Straße und Auerbacher Ring

Kastanienallee, vor Kinderforschungszentrum Hellenum

Friesacker Straße, zwischen Strauß- und Lortzingstraße


Mitte

Biesentaler Straße (16-21 Uhr), Haus Nr. 6a bis Wriezener Straße

Große Hamburger Straße, Haus Nr. 20 bis Krausnickstraße

Plantagenstraße, Haus Nr. 17 bis Antonstraße

Pohlstraße, Haus Nr. 75 bis Kluckstraße


Neukölln

Anzengruberstraße, zwischen Donaustraße und Sonnenallee

Neckarstraße

Kienitzer Straße, zwischen Karl-Marx- und Bornsdorfer Straße

Sanderstraße, zwischen Hobrecht- und Friedelstraße


Pankow

Bötzowstraße, zwischen John-Schehr- und Danziger Straße

Gneiststraße, zwischen Greifenhagener Straße und Schönhauser Allee

Göhrener Straße

Jacobsohnstraße, Haus Nr. 1 bis Nr. 17

Tassostraße, zwischen Pistorius- und Charlottenburger Straße


Reinickendorf

Kamekestraße, zwischen Herbst- und Hoppestraße

Tornower Weg, zwischen Birkenwerderstraße und Dannenwalder Weg


Spandau

Lutherstraße, am Lutherplatz


Steglitz-Zehlendorf

Sprungschanzenweg, Haus Nr. 1 bis Nr. 51


Tempelhof-Schöneberg

Barbarossastraße, zwischen Goltz- und Karl-Schrader-Straße

Grimmstraße (Lichtenrade), zwischen Halker Zeile und Schillerstraße

Motzstraße, zwischen Kalckreuther- und Eisenacher Straße

Niedstraße, zwischen Lauter- und Handjerystraße

Steinmetzstraße, zwischen Bülow- und Alvenslebenstraße


Treptow-Köpenick

Krüllsstraße, zwischen Schmollerplatz und Karl-Kunger-Straße

Sendung: Abendschau, 22.09.2021, 19:30 Uhr

79 Kommentare

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  1. 79.

    Enteignungen für Trassen öffentlicher Verkehrsmittel gehören zum Alltag. Wie kommen Sie auf die Idee, das würde nur für Autotrassen passieren?

  2. 78.

    Für unsere Heerstr. gabs auch wieder eine Staumeldung,wie eben an " normalen " Tagen auch. Ich musste gestern ins Umland zu einem 80. Geburtstag zum Frühstück ,natürlich mit dem Auto und brauchte auf dem Nachhauseweg gegen 15:00 über Falkenseer Platz ganze 90 statt sonst 60 Min. Abgesehen von den vielen Baustellen war nicht ersichtlich,weshalb es ab Gartenstraße nur im Schneckentempo weiterging. Für die Busse natürlich auch. Bin echt froh, nicht mehr täglich in den Berufsverkehr in die Innenstadt zu müssen egal mit welchem Transportmittel.

  3. 77.

    Nanu, aber ist Köpenick denn nicht schön ruhig und grün?

  4. 76.

    Das waren noch Zeiten, als diese hässliche Stadt noch 4 Besatzungszonen hatte. Das war super schön und ruhig. Ich würde mich freuen, wenn wir diesen Zustand wieder herstellen könnten. Dann wäre dieser Alptraum ganz schnell zu Ende. Ich habe sehr gern in Ost- Berlin gewohnt, jetzt will man nur noch ganz schnell weg hier, wenn's gehen würde. Das ist jedenfalls nicht mehr meine Stadt in der ich geboren, aufgewachsen und alt geworden bin. Schade. Auch dieses Land ist nichtehr das, was och kenne, aber das ist ein anderes Thema.

  5. 75.

    Wie Sie ja vermutlich auch gerade gemerkt haben, kann es durchaus befreiend sein, einfach mal seine Meinung kundzutun.

  6. 74.

    Das Niveau der meisten Kommentare hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Das ist nur noch ein Runtermachen und Schlechtreden ohne tragfähige Argumente, dabei frei von Sachkenntnissen. Aber besser als Leute über den Haufen knallen allemal, insofern hat die Kommentarfunktion auch jetzt noch einen wichtigen Sinn.

  7. 73.

    Ich wohne in Treptow-Köpenick, ein sehr großer Bezirk. Heute wurde EINE Spielstrasse eingerichtet und - wie immer bei solchen oder ähnlichen Aktionen- vor meiner Haustür. Gefragt wird man als Alt-Anwohner nicht, die jungen und hippen Eltern nehmen sich die Stadt einfach (kaum jemand von denen wohnt in diesem Teil der Strasse). Und der Bezirk genehmigt.

  8. 72.
    Antwort auf [Bernd Stelter] vom 22.09.2021 um 17:41

    In Berlin?
    Muhahahaha!
    Selbst wenn sie als Konsequenz in (klimaneutrale) Kaninchenställe ziehen müssten, würden hier etliche Leute noch grün wählen.

  9. 71.

    Wahnsinn wie sich die Autofahrenden hier wieder mal in der Opferrolle sehen.

    Auch wenn ich selbst nichts davon habe im Moment können wir gerne mehr dieser Tage machen. So lange bis eine gute Fahrradinfrastruktur da ist und die Radwege nicht einfach aufhören. Die Autos nicht mehr auf dem Radweg parken und auch sonst keine Flächen mehr befahren die grundsätzlich für sie abgesperrt sind. Autos nicht auf Büschen parken und man als Fußgänger nicht mehr abbiegenden telefonierenden Fahrzeugführern aus dem Weg springen müssen.

    Apropos .... wenn man Menschen für die Autobahn enteignen kann, kann man das doch mit Sicherheit auch für den ÖPNV, oder?

  10. 70.

    Schrittempo? Guter Einwand. Erzählen sie DAS mal jemandem, der auf einen Krankenwagen wartet.

  11. 69.

    Was Ihre Frage betrifft:

    Einer, der ansonsten von Hartz-IV lebt, anderswo (z. B. in Parks) herumlungert oder gegen irgendwas (z. B. Ausbeutung) demonstriert?
    Oder wie wäre es mit spielenden Kindern, und Rentnern (die sich mal eine Pause vom Flaschensammeln gönnen)?

    Ansonsten bin ich mit Ihnen einer Meinung.
    Zivilisation braucht Logistik.

  12. 68.

    Und wer, bitte schön, soll sich an einem Werktag um 15 Uhr mitten auf die Straße setzen und Kuchen essen? Da sind wir alle noch sehr beschäftigt.

    Der autofreie Tag ist eine Luxus-Idee, die auf der irrigen Annahme beruht, dass das Kraftfahrzeug einzig dem Vergnügen dient. Dabei wird die Tatsache ausgeblendet, dass viele Menschen beruflich und privat auf das Auto angewiesen sind und dass sie ihre Termine verpassen und erhebliche Nachteile in Kauf nehmen müssen, wenn sie vor gesperrten Straßen stecken bleiben.

    Die Politik entscheidet an allen diesen Menschen vorbei, für die der Straßenverkehr kein Freizeitspaß ist, sondern notwendig zur alltäglichen Arbeit gehört.

    Es wird so getan, als ob es das Auto nicht gäbe oder nicht geben müsste. Diese Haltung ist unehrlich und undemokratisch. (bz)

  13. 67.

    Ja und dann setzt man die Priorität auf die Maut...und Tempo 30, hält mich das ab?? Nein.

  14. 66.

    Und am Ende des Tages wird durch die Politik, wie zu DDR Zeiten, mitgeteilt das der heutige Tag ein Erfolg war.
    Komisch ist nur, wenn ich hier bei mir auf die Heerstraße schaue, dann sind nicht mehr Menschen ohne Auto unterwegs als sonst. Ganz im Gegenteil, die Sonne lacht und alle fahren noch ein bisschen mehr umher.

  15. 64.

    Wenn es häufig genug, also immer ist. Freuen die sich auf jeden Fall und können das monatlich gesparte Geld woanders investieren. Beispielsweise in unsere gebeutelte Kultur und Gastronomie.

  16. 63.

    Seid wann sind Spielstraßen für Kfz grundsätzlich gesperrt? "Verkehrsberuhigter Bereich", Zeichen 325, sind in 99.9% passierbar, jedoch im Schritttempo, Haben die Grünen einen Führerschein oder warum sperrt man Anreinern die Zufahrt???

  17. 62.

    Das Abo für eine Monatskarte AB kostet 63,42€ monatlich, das ist meiner Meinung nach wesentlich günstiger als 86,00€ monatlich am Automaten. Aber was weiß ich schon…

  18. 61.

    Frankfurter Allee: Schön wärs. Radfahrer nutzen weiterhin die für sie gesperrten alten Radwege und sehr gern auch den dazugehörigen Fußweg, trotz eigener Spur auf der Straße. Fairerweise muss man sagen: Die Fahrradspuren auf der Straße direkt neben den permanenten Stau/ Stopp- und Go -Verkehr lösen kein Wohlgefühl für Fahrradfahrer aus.

  19. 60.

    Nun hat man sich als notorischer Autofahrer doch einmal dazu entschlossen, dass Auto stehen zu lassen, was auf der Hinfahrt mit der S3 auch okay war! Aber dann kam die Rückfahrt, die dann in ein Abenteuer endete und man 40 Minuten auf die S3 warten musste, weil teilweise die Strecke gestört war. Also das nächste Mal wieder das Auto und man kann seine Pünktlichkeit wieder selber kalkulieren!

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