Reform durch Bundesärztekammer - Blutspende-Regeln für homosexuelle Männer leicht entschärft

Symbolbild Blutspende - Mann lässt sich Blut abnehmen (Bild: imago images/Erwin Wodicka)
Bild: imago images/Erwin Wodicka

Die geltenden Blutspenderegeln wurden lange kritisiert. Homo- und bisexuelle Männer würden damit diskriminiert, so der Vorwurf von Verbänden und Politikern. Jetzt gibt es neue Regeln. Aber die Kritik bleibt.

Für homo- und bisexuelle Männer gelten bei der Blutspende ab sofort weniger starke Einschränkungen. Die Bundesärztekammer veröffentlichte am Freitag eine entsprechend reformierte Blutspenderichtlinie. Darin wurden mehrere lange kritisierte Formulierungen abgeändert.

Die Reform stößt dennoch auf Kritik, unter anderem bei der Deutschen Aidshilfe, die auch weiterhin eine Diskriminierung von schwulen und bisexuellen Männern sieht.

Zulassungsfrist wird verkürzt

Konkret geht es um die sogenannte "Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten". Darin sind die Regeln festgelegt, unter welchen Bedingungen welche Personengruppen Blut spenden dürfen. Für die Richtlinie sind die Bundesärztekammer und das Paul-Ehrlich-Institut verantwortlich. Sie wurde nach langen Diskussionen überarbeitet.

Neben neuen Formulierungen wird darin nun auch die Frist zur Zulassung einer Blutspende bei sogenanntem sexuellen Risikoverhalten von zwölf Monaten auf vier Monate verkürzt. Dabei geht es um die Zeit, die nach einem solchen Verhalten verstreichen muss, bevor eine Blutspende möglich ist. Eine Zulassung nach vier Monaten führe nicht zu einer Erhöhung des Risikos für die Empfängerinnen und Empfänger von Blut und Blutprodukten, hieß es von der Bundesärztekammer.

Regeltext ist nun differenzierter

In der bisherigen Richtlinie war vorgeschrieben, dass "Personen", deren "Sexualverhalten ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko" für Infektionskrankheiten wie HIV berge, für zwölf Monate "von der Spende zurückzustellen sind". Genannt wurden in dem Zusammenhang explizit "heterosexuelle Personen" mit häufig wechselnden Partnern, Prostituierte, "transsexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten" und generell auch "Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM)".

Das hatte etwa die FDP als diskriminierend kritisiert. Damit werde Personengruppen als Ganzes "ein unreflektiertes und risikoreiches Sexualverhalten unterstellt". Entscheidend für ein Infektionsrisiko sei nicht die sexuelle oder geschlechtliche Identität eines Menschen, sondern das tatsächliche Risikoverhalten.

Die Blutspende-Sperre gilt nun laut der reformierten Richtlinie für vier Monate unter anderem bei "Sexualverkehr zwischen Frau und Mann mit häufig wechselnden Partnern/Partnerinnen", "Sexualverkehr zwischen Männern (MSM) mit einem neuen Sexualpartner oder mehr als einem Sexualpartner" und "Sexualverkehr einer Transperson mit häufig wechselnden Partnern/Partnerinnen".

FDP: "Die Diskriminierung bleibt"

Björn Beck vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe begrüßte zwar, "dass statt Gruppenzugehörigkeiten in Zukunft reale HIV-Risiken eine größere Rolle spielen sollen". Das Problem der Diskriminierung von schwulen und bisexuellen Männern werde aber nicht gelöst. Für sie werde Monogamie zur Bedingung für eine Blutspende gemacht. Außerdem sei die gesonderte Nennung von Transpersonen "schlicht stigmatisierend".

Der FDP-Politiker Jens Brandenburg nannte die Lockerung des Blutspendeverbots Augenwischerei. "Die Diskriminierung bleibt. Auch der geschützte Sex zwischen Single-Männern wird unsinnigerweise pauschal zum Risiko erklärt. Blut ist nicht schwul oder hetero."

Sendung: Fritz, 24.09.2021, 16:30 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Ich Spende seit 20 Jahren Blut und bin homosexuell. Einfach nicht die Wahrheit sagen. Kann doch eh niemand kontrollieren. Wo ist da das Problem?

  2. 5.

    Und ich dachte tatsächlich, in unserem Land sind alle gleichberechtigt, gleichwertig und gleich an Würde. Wie kann man sich nur irren. Was sagt ein gleichgeschlechtliches Ehepaar, verheiratet, zu den eigenen Kindern, warum man vom Staat diskriminiert wird? Es gibt keine Begründung dafür, denn dann müsste jeder Mann, der zu einer Prostituierten geht, der Sexreisen in Asien bucht, ebenso unter Generalverdacht gestellt werden. Hier geht es um Stigmatisierung und Diskriminierung.

  3. 4.

    Finde die Fragen mittlerweile auch lächerlich. Geht niemanden etwas an, wann/mit wem/wie oft.
    Die meisten werden das eh nicht wahrheitsgemäß beantworten sowas.

  4. 3.

    Ich lebe in einer monogamen, homosexuellen Beziehung. Ich kann keine Entschärfung erkennen, wenn man vor der Blutspende nun nur noch ein 4-monatiges statt einem 12-monatigen Sex-Verbot mit seinem festen Partner einhalten muss. Das ist immer noch ein Blutspendeverbot für Homosexuelle und in meinen Augen nichts als Diskriminierung. Vor allem, wenn man bedenkt, dass dagegen ein Heterosexueller mit ständig wechselnden Partnern ohne Einschränkungen Blut spenden darf.

  5. 2.

    Ich frage mich, wie die das herausfinden wollen, WIE genau mein Dingsleben so ist... ob ich das oder das oder das bin oder bevorzuge. Und wenn ja, wie oft und wann zuletzt... Das Dilemma ist doch: safe sind die OHNE ausschweifendes Fummelleben. Also die über 65.. aber die sind zu ALT zum Spenden. Offenbar wird ja nicht sooo dringend Blut gebraucht, als dass man es nähme, auf z. B. HIV oder Hepatitis testen würde und gut is.
    Das schöne ist aber: wir alle, also die mit dem "gewissen Risiko", erhalten trotzdem Blutspenden, obwohl wir nix geben dürfen ;-)

    Wie blöd ist nur das System... nun denn... haben wir ja bei Corona auch gelernt: ab 22 Uhr wird der Virus (dank Armbanduhr) mit einem Mal ansteckender als zuvor. Und nein, Friseure machen wir nicht erneut zu - schwupp, geschlossen.

  6. 1.

    Die Aufzählung aller möglicher Gruppen in den Blutspenderegeln ist wirklich irrsinnig. Warum nicht nur: "... Menschen mit risikoreichem Sexualverhalten ..."? Da zählen dann eben alle rein, die sich risikoreich verhalten, egal, wer da wie mit wem rummacht. Ist das zu einfach?

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