Berliner Spreeufer - So sehen die neuen Pläne für das ehemalige Eckwerk am Holzmarkt aus

Visualisierung der geplanten Bebauung des Eckwerks am Holzmarkt (Bild: KIM/WBM Berlin)
KIM/WBM Berlin
Video: Abendschau | 10.09.2021 | Philipp Höppner | Bild: KIM/WBM Berlin

Um das ehemalige Eckwerk am Berliner Holzmarkt wurde fast zehn Jahre lang gerungen. Nun wurden neue Pläne vorgestellt: Büros, Wohnungen für Studierende und Gewerberäume sollen dort Platz finden. Das Spreeufer soll zugänglich bleiben. Von Birgit Raddatz

Klatsch. Während der Vorstellung der neuen Pläne für die Vollendung des Holzmarktes in Berlin-Friedrichshain fliegt ein großer, schwarzer Vogel vor die Scheibe des Viaduktbogens an der Michaelbrücke. Von den großen Fenstern aus, denen offensichtlich noch der Schutz vor Vogelschlag fehlt, hat man bereits einen großzügigen Blick auf die Spree. Dem Vogel scheint es gut zu gehen, er fliegt davon.

Drinnen stellen die beiden Architekten, Johannes Kressner von Kleihues + Kleihues und Sven Fuchs von Graftlab, ihre Pläne für ein offenes Spreeufer vor: Auf einem Sockel soll eine Terrasse entstehen, die für alle Berliner:innen zugänglich ist. Außerdem viel Glas für viel Transparenz, allerdings nicht überall. "Die höher gelegenen Dachflächen zur Holzmarktstraße hin sehen wir tatsächlich in der Nutzung der Mieter des Gebäudes", erklärt Fuchs.

Günstige Mieten für Student:innen und Auszubildende

Drei gleich aussehende Türme, eine Spreeterrasse mit Fitnessbereich und Restaurant, 250 Wohneinheiten für Studierende und Auszubildende, dazu Büro- und Gewerberäume und Platz für Veranstaltungen. So in etwa lassen sich die Pläne für das ehemalige Eckwerk nahe dem Holzmarkt zusammenfassen. 2026 soll alles fertig sein.

Auch Stadtentwicklungssenator Sebastian Scheel (Linke) war zur Vorstellung der Pläne gekommen. Immerhin fast zehn Jahre lang wurde um die Vollendung des Holzmarktes gerungen. Dass nun eigentlich nichts mehr gegen eine Baugenehmigung spricht, freut Scheel. "Es ist gut, dass noch einmal ein Neustart gemacht wurde mit neuen Partnern, die Ideen mitaufgenommen haben, und dass hier Arbeiten und preisgünstiges Wohnen möglich gemacht wurden."

Den Studierenden und Auszubildenden sollen die WG-Zimmer zu den üblichen Sätzen der landeseigenen Wohnungsgesellschaften angeboten werden, versprach Scheel.

Visualisierung der geplanten Bebauung des Eckwerks am Holzmarkt (Bild: KIM/WBM Berlin)
Bild: KIM/WBM Berlin

Baukosten noch nicht final berechnet

Eigentümerin bleibt die Stiftung Abendrot aus der Schweiz. Die nun neuen Partner sind zum einen die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) und der private Entwickler Kilian Immobiliengruppe (KIM). Das Investment wird derzeit auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt. "Die Baunebenkosten haben wir noch nicht final berechnet", gibt Steffen Helbig, Geschäftsführer der WBM, zu.

Die Stiftung forderte eine gemeinwohlorientierte Nutzung des Areals. Besonders das Wohnen stellte wegen des Lärms eine Herausforderung dar, die Holzmarktstraße ist vielbefahren, die S-Bahn donnert im Minutentakt über den Bogen. Deshalb werden die Student:innen und Auszubildenden nur in den oberen Stockwerken untergebracht, statt auf einen Bau aus Holz setzt man nun auf Stahl.

Baustadtrat sieht Streit mit Genossenschaft beendet

Ursprünglich wollte die Genossenschaft Holzmarkt, die das gleichnamige, angrenzende Areal mit Cafés, einem Club und Geschäften betreibt, das ehemalige Eckwerk selbst umgestalten. 2012 hatten sie mit Hilfe der Schweizer Stiftung zwei Filet-Grundstücke am Spreeufer erworben, um Räume für bezahlbares Wohnen, Start-up-Unternehmen, Begegnungsstätten und die Kreativszene zu schaffen.

Das Eckwerk war eigentlich ihr Hauptprojekt. Fünf bis zu 30 Meter hohe Häuser waren geplant, circa 80 Millionen Euro sollten investiert werden. Der Plan wurde gefeiert und fand auch international Beachtung. Doch eine Baugenehmigung gab es dafür nicht. Auch, weil trotz der Lärmsituationen reguläre Wohnungen – nicht nur für Student:innen – vorgesehen waren.

Der Streit endete vor gut einem Jahr vor Gericht. Angesichts der neuen Pläne für das Areal spricht der zuständige Baustadtrat, Florian Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen), von Versöhnung. "Die Schwierigkeiten der Vergangenheit liegen hinter uns, da gab es einfach einen gewissen Übermut bei den Akteuren vom Holzmarkt." Nun sei das Vorhaben auf das "Genehmigungsfähige" gestutzt worden.

Ob das die Genoss:innen des Holzmarktes genauso sehen, blieb offen. Sie wollten sich kurz nach der Vorstellung der Pläne nicht dazu äußern, nach eigenen Angaben aus Zeitgründen.

Sendung: Inforadio, 10.09.2021, 19.20 Uhr

Beitrag von Birgit Raddatz

3 Kommentare

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  1. 3.

    Das ist wohl kein Problem, schau dir mal die Mieten für die neuen Karnickel(Studenten)buchten an der Alfred-Jung-Str Ecke Storkower an. Es gibt halt den Bettelstudenten und den aus Besseren Verhältnissen jedem das sei.. oder was die Altvorderen Bezahlen können.

  2. 2.

    Für arme Studenten sind diese Wohnungen sicher nicht gedacht. Betuchtere Familien sollen ja auch Kinder haben. Die schaffen das spielend leicht.

  3. 1.

    Im Bafög-Höchstsatz sind 325 Euro für Wohnkosten enthalten. Da bin ich ja mal gespannt, ob unter diesen Gesichtspunkt wirklich bezahlbarer Wohnraum für Studierende geschaffen wird. Andere Anbieter, die vorgeblich Wohnraum für Studenten schaffen, nehmen auch gerne das Doppelte oder mehr und werben bei Investoren mit hohen Renditen.

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