Aktion in Berliner Regierungsviertel - Klimaaktivist nach über zwei Wochen Hungerstreik im Krankenhaus

Archivbild: «Hungerstreik» steht in Großbuchstaben auf einem Schild im Camp der Klimaaktivisten, die sich im Regierungsviertel seit Tagen im Hungerstreik befinden. (Quelle: dpa/P. Zinken)
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Audio: Inforadio | 14.09.2021 | Marie Kribelbauer | Bild: dpa/P. Zinken

Einer der Klimaaktivisten, die sich seit mehr als zwei Wochen in Berlin im Hungerstreik befinden, ist ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Der 27-jährige Jacob Heinze sei ohnmächtig geworden und über einige Zeit nicht ansprechbar gewesen, sagte die Sprecherin der Aktion, Hannah Lübbert, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Deshalb habe man einen Krankenwagen gerufen. Der junge Mann wurde laut Lübbert in die Charité gebracht. Wie es ihm gehe, sei unklar.

Aktivisten setzen Termin für Diskussion mit Kanzlerkandidaten

Die Klimaaktivisten hatten nach eigenen Angaben am 30. August einen unbefristeten Hungerstreik begonnen. Damit wollen sie eine öffentliche Diskussion mit allen drei Kanzlerkandidaten erreichen sowie die Einsetzung eines Bürgerrats, der der Politik Sofortmaßnahmen gegen den Klimawandel vorgeben soll. Die Aktivisten leben in einem Camp in der Nähe des Reichstagsgebäudes.

Man habe einige Zeit vergeblich mit den Büros der drei Kanzlerkandidaten - Armin Laschet (CDU/CSU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) - über einen Termin für das Gespräch verhandelt, erklärte Lübbert schriftlich. "Wir können jetzt nicht länger warten und legen selbst einen Termin fest: am 23. September, 19.00 Uhr." Bei einer öffentlichen Zusage der Kandidaten zu dem Gespräch werde der Hungerstreik umgehend beendet, hieß es weiter. Solange würden die fünf verbliebenen Hungernden weitermachen.

Erst am Montag hatten die Aktivisten verkündet, ihren Hungerstreik noch zu verschärfen und mehrheitlich auch auf verdünnten Fruchtsaft zu verzichten. Als Grund nannten sie das "fatale Wahlkampf-Weiter-So" der Kanzlerkandidaten.

Gemeinsamer Appell der Kanzlerkandidaten

Die Grünen veröffentlichten am Dienstagnachmittag einen gemeinsamen Appell von Kanzlerkandidatin Baerbock und deren Kontrahenten Laschet und Scholz. Die drei seien zu Gesprächen mit den Hungerstreikenden bereit - einzeln, persönlich, nicht öffentlich und nach der Bundestagswahl. Voraussetzung sei ein Ende der Protestaktion in dieser Form.

"Trotz unterschiedlicher politischer Positionen stimmen Frau Baerbock, Herr Laschet und Herr Scholz darin überein, dass sie diese Art des Protests nicht angemessen finden", erklärten die Grünen. "Sie bringen sich selbst damit in Gefahr und motivieren womöglich auch andere junge Menschen zum Nachahmen." Die Aktivisten müssten ihr Leben schützen, denn die Gesellschaft brauche ihr Engagement.

Sendung: Inforadio, 14.09.2021, 18:10 Uhr

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