Razzia in Berlin - Schleuserbande soll falsche Vaterschaften organisiert haben

Polizisten stehen auf dem Gelände des Dong Xuan Center mit Kartons. Mit einer Razzia ist die Polizei in Berlin gegen eine vietnamesisch-deutsche Schleuserbande vorgegangen. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
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Audio: rbb 88.8 | 14.09.2021 | J. Kowollik | Bild: dpa/Christophe Gateau

Die Polizei ist in Berlin mit einer Razzia gegen eine mutmaßliche Schleuserbande vorgegangen. 13 Wohnungen und Geschäfte in Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf, Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Steglitz-Zehlendorf wurden am Dienstagvormittag durchsucht, wie die Bundespolizei mitteilte. Die Bande soll falsche Vaterschaftsanerkennungen für Aufenthaltsgenehmigungen organisiert haben.

Ein 65-jähriger Verdächtiger wurde gefasst, gegen ihn lag laut Staatsanwaltschaft ein
Haftbefehl vor. An dem Einsatz waren neben der Bundespolizei auch die Berliner Polizei und das Finanzamt beteiligt.

Polizei geht von mindestens 80 Fällen aus

Die Bande soll in großem Stil falsche Vaterschaftsanerkennungen deutscher Männer für Aufenthaltsgenehmigungen vietnamesischer Frauen organisiert haben. Die Bundespolizei sprach von rund 80 Fällen, die schon jetzt nachweisbar seien.

Bei diesem laut Polizei verbreiteten Betrugsmodell erkennen deutsche Männer die Vaterschaft bei schwangeren Vietnamesinnen an. Die Männer bekommen dafür Bargeld, aber eher "geringe Beträge", etwa im unteren vierstelligen Bereich. Das Kind erhält nach der Geburt die deutsche Staatsbürgerschaft und die Mutter eine Aufenthaltsberechtigung. Die angeblichen Väter haben oft kein festes Einkommen und kommen laut Polizei aus dem "Trinkermilieu", so dass bei ihnen kein Unterhalt eingefordert werden kann.

Das Bundeskriminalamt (BKA) sieht Berlin als "Dreh- und Angelpunkt" vietnamesischer Menschenhändler in Westeuropa. Von zentraler Bedeutung sei dabei das große Dong Xuan Center mit vielen vietnamesischen Geschäften im Bezirk Lichtenberg.

Sendung: Inforadio, 16.09.21, 9:30 Uhr

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