Berlin-Schöneberg - Lehrer baut und zündet Rohrbomben - und bittet vor Gericht um Entschuldigung

Archiv - Ein Polizeibeamter steht am 20.01.2021 an einem Absperrband in Berlin-Schöneberg nachdem eine heftige Explosion Fensterscheiben und Autos beschädigt und einen großen Polizeieinsatz ausgelöst hat. (Bild: dpa/Paul Zinken)
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Audio: Inforadio | 14.09.2021 | Ulf Morling | Bild: dpa/Paul Zinken

Ein 30-jähriger Lehrer, der beschuldigt wird zwischen Dezember 2020 und Februar 2021 acht Rohrbomben gebaut und gezündet zu haben, hat nun gestanden. Es sei ihm nicht darum gegangen, Menschen zu verletzen.

Ein mutmaßlicher Rohrbombenbauer, der in Berlin mehrere Sprengsätze gezündet haben soll, hat vor dem Landgericht gestanden. Er sei schockiert über seine Taten und bitte um
Entschuldigung, erklärte der 30-jährige Lehrer am Dienstag zu Prozessbeginn am Landgericht. Innere Konflikte und Überforderung habe er mit Pyrotechnik zu kompensieren versucht.

Es sei ihm nicht darum gegangen, Menschen zu verletzen oder Dinge zu zerstören, beschrieb der Angeklagte sein Verhalten. "Ich wollte Pyrotechnik herstellen und Knall erzeugen." Damals habe er sich "Kontrolle vorgemacht" und die Gefährlichkeit völlig ausgeblendet.

Ein Passant durch Sprengsatz leicht verletzt

Der Mann soll laut Anklage acht Sprengsätze zwischen Dezember 2020 und Februar 2021 zur Explosion gebracht haben. Dabei habe er Rohrbomben aus dem Fenster seiner Wohnung in Berlin-Schöneberg geworfen, manche im Innenhof des Hauses entzündet.

In einem Fall im Januar habe ein ferngezündeter Sprengsatz, der an einem Verkehrsschild befestigt war, einen Passanten leicht verletzt. Teile seien bis zu 80 Meter weit geflogen, so die Anklage. Durch die Druckwelle der Explosion seien zudem Fensterscheiben zerstört worden.

Die Auswirkungen der Rohrbombe an dem Verkehrsschild habe er nicht mitbekommen, so der 30-Jährige. "Mein schlechtes Gewissen war auch nicht so stark, dass ich es nicht wieder gemacht hätte." Bei ihm habe eine Faszination bestanden, "Sprengkörper zu zünden und zu glauben, dass ich es kontrollieren kann". Ihm sei erst in der inzwischen siebenmonatigen Untersuchungshaft bewusst geworden, "dass es großes Glück war, dass nicht mehr passiert ist".

Prozess bis Anfang Oktober

Der Angeklagte sagte weiter, er habe sich damals im zweiten Staatsexamen befunden. Ab dem zweiten Halbjahr habe die Corona-Pandemie begonnen, die Situation seiner Schüler habe ihn "extrem belastet". Zudem sei er davon ausgegangen, dass er das Examen nicht bestehen würde. Er habe Alkohol und Drogen konsumiert. "Aber ich habe mir keine Hilfe geholt", so der Mann, der nach seinen Angaben Ende Januar doch sein Examenszeugnis mit "ganz gutem" Ergebnis erhielt. Er wolle sich in Therapie begeben.

Bei der Festnahme des mutmaßlichen Rohrbombenbauers im Februar 2021 stellten Polizisten zudem 14 weitere von ihm hergestellte funktionsfähige Spreng- und Brandvorrichtungen in seiner Wohnung sowie in einem Motorroller sicher.

Die Anklage lautet unter anderem auf Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, gefährliche Körperverletzung und Vorbereitung eines Explosionsverbrechens. Sieben weitere Prozesstage bis zum 6. Oktober sind bislang geplant, der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

Sendung: Fritz, 14.09.2021, 18:30 Uhr

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