Kinder und Alkohol - Wie Alkoholismus in der Familie Kinder beeinflusst

Symbolbild: Alkoholismus (Quelle: dpa/Lev Dolgachev)
Audio: rbbKultur | 07.09.2021 | S. Belka-Lorenz | Bild: dpa/Lev Dolgachev

Wenn Eltern alkoholkrank sind, werden Kinder oft zu tragischen Opfern. Sie leiden unter massiven Schädigungen, falls die Mutter in der Schwangerschaft getrunken hat, oder sind die einzigen, die den Alltag der Familie zusammenhalten. Von Sylvia Belka-Lorenz

Mit sechs oder sieben Jahren ist Anja Gertz zum ersten Mal aufgefallen, dass Alkohol in ihrer Familie eine Rolle spielt, die nicht gut ist. Nicht gut für sie - und auch nicht für ihre Eltern. Das Gefühl, das bei ihr aufkam, beschreibt sie als Angst. "Angst, dass mir meine eigene Familie um die Ohren fliegt", sagt sie. "Angst, dass etwas zerbricht, was mich bis dahin gehalten hat."

Die schweren Episoden von Alkoholismus traten bei Anjas Mutter erst später auf. "Wenn ich nach Hause kam und meine Mutter gefragt habe: 'Du hast doch was getrunken?', hat sie immer abgewiegelt." Das seien immer die gleichen Dialoge gewesen. Anja Gertz beschreibt ihre Mutter damals als "Quartalssäuferin". "Alle drei, vier Monate war ein Wochenende versoffen. Beziehungsweise - sie ist Lehrerin - auch schon mal die Ferien", sagt Anja Gertz heute.

Alkoholismus in der DDR nicht als Krankheit anerkannt

Anfangs hält sie es einfach aus, später sucht sie die Wohnung nach den versteckten Flaschen ab, um sie auszukippen. Sie versucht, die Ausfälle der Mutter irgendwie zu puffern: Sie kümmert sich um Mahlzeiten, die Kommunikation und versucht zwischen den Eltern zu vermitteln. Nach den Trinkphasen ist ihre Mutter voll Scham, der Vater schweigt.

Anja Gertz ist heute ebenso Lehrerin wie damals ihre Mutter. Sie steht mitten im Leben - nicht zuletzt deshalb, weil sich beide gemeinsam einem langen Weg von Therapie und Aufarbeitung gestellt haben. Denn mittlerweile ist Anjas Mutter 25 Jahre trocken.

Eines der Probleme damals, so beschreibt es Anja Gertz, habe darin gelegen, dass Alkoholismus in der durchaus trinkfreudigen DDR nicht als Krankheit anerkannt war. Es habe gegolten: Wer säuft, ist selber schuld. So einfach - so falsch, wie Fachleute heute wissen.

Kinder, die ihre alkoholkranken Eltern versorgen

"Gerade wenn jemand alkoholkrank ist, dann zieht er natürlich den Ärger und die Wut auf sich - auch von Menschen, die sich berechtigte Sorgen machen", sagt Hendrik Karpinski, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Klinikum Niederlausitz. "Auf der anderen Seite muss man sich immer wieder vor Augen halten: Kein Mensch hat sich ausgesucht, alkoholkrank zu sein." Zumal jede oder jeder von uns Suchtverhalten jedweder Art oft näher sei, als man meinen möchte. Wer dann noch um die Dynamik von Suchterkrankungen wisse, könne viel eher Verständnis dafür entwickeln.

Der Notruf über solche Fälle erreicht auch die Mediziner oft auf Umwegen. Kinder mit psychosomatischen Störungen, mit Verhaltensauffälligkeiten oder Familien, in denen die Rollen und Verantwortlichkeiten komplett vertauscht sind. Hier führt Karpinksi das Beispiel eines achtjährigen Jungen auf, mit dem er gearbeitet habe. "Er hat im Laufe der Zeit angefangen, die Mutter zu versorgen", erklärt der Chefarzt. "Er hat angefangen, das Haushaltsgeld einzuteilen und dafür zu sorgen, dass für ihn genug Essen da ist. Aber auch, dass die Mutter genug isst. Dass die nicht volltrunken aus der Wohnung geht und vielleicht in der Kaufhalle auffällt." Doch dass der Junge viel zu früh so viel Verantwortung übernehme, könne nicht gesund sein.

Wichtig ist deshalb, so sagen Experten, ein belastbares Netz aus sehr niedrigschwelligen Hilfsangeboten. Karpinski hat so eines mit dem vielfach ausgezeichneten "Netzwerk Gesunde Kinder" mitbegründet. Familien - und zwar aus allen Schichten - werden, sofern sie wollen, von der Schwangerschaft an von Paten begleitet. Im Netzwerk arbeiten neben den ehrenamtlichen Patinnen und Paten auch Hebammen, Mediziner, Beratungsstellen - praktisch alle, die irgendwie mit der Gesundheit von Kindern zu tun haben.

Ein Netzwerk, wie wahrscheinlich alle Familien es manchmal brauchen können- und ganz besonders die, die ohnehin drohen, durch das gesellschaftliche Raster zu fallen.

Fetales Alkoholsyndrom, die häufigste Ursache für geistige Behinderungen

Annemarie Jost ist Professorin für Sozialpsychiatrie an der Brandenburgischen Technischen Universität und eine der führenden Forscherinnen, wenn es um das Thema FASD geht: das Fetale Alkoholsyndrom, die häufigste Ursache für geistige Behinderungen in der westlichen Welt. Kinder erleiden schon im Mutterleib schwere Hirnschädigungen, weil die Mutter in der Schwangerschaft getrunken hat.

12.000 Neugeborene kommen pro Jahr in Deutschland mit dieser Beeinträchtigung zur Welt. Von optisch erkennbaren Veränderungen über Lernbehinderungen, gestörte Feinmotorik bis hin zu schwersten sozialen Problemen. Kinder, so erklärt es Annemarie Jost, die überall anecken, ohne dass sie das geringste dafür könnten: "Denen wird in der Schule bereits unterstellt, sie seien faul oder unwillig." Den Eltern oder Pflegeeltern werde unterstellt, sie würden ihre Kinder nicht richtig erziehen. Dabei sei für diese Kinder unter Umständen schon der Weg zur Schule eine unglaubliche Anstrengung, sagt Jost. Die Probleme setzten sich fort in Form vielfältiger Probleme in Heimen und Pflegefamilien bis hin zu abgebrochenen Ausbildungen, Beziehungen. Überdurchschnittlich häufig würden diese Menschen kriminell.

Das Fetale Alkoholsyndrom ist nicht heilbar. Die einzige Chance, so Annemarie Jost, liege darin, schon Schwangere mit Suchtgefährdung gut zu unterstützen. Die betroffenen Kinder bräuchten unter Umständen lebenslange Begleitung - und zwar ohne Diskreditierung. Das schließe zwingend ein, auch die Mütter nicht zu stigmatisieren, sondern zu motivieren, sich Hilfe zu suchen.

Beitrag von Von Sylvia Belka-Lorenz

34 Kommentare

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  1. 34.

    Danke liebe Heidi für deinen Kommentar.... Die Selbstverständlichkeit in unserer Gesellschaft gegenüber Alkohol ist krankhaft... Werbung ist erlaubt und die Verfügbarkeit fragwürdig... Ich selbst kenne die Antworten nur zu gut "nein ich bin nicht schwanger und nicht krank"!!! Alkohol einfach nur abzulehnen ist unbequem, denn es zeigt den Menschen ihre eigenen Schwächen auf, bzw sie fühlen sich angegriffen, dass sie jetzt Alkohol "brauchen" ... Jeder hat andere Intentionen zu trinken... Ich bin auch Lehrerkind und meine Mutter war auch Trinkerin....(seit 3 Jahren trocken) Wir haben einen langen schweren Weg hinter uns... Und noch immer ist die Angst präsent... Was mich auch zu sehr geprägt hat.... Doch Hilfe zu bekommen ist leider ein sehr mühseliger Weg...

  2. 33.

    Alles soweit richtig u. gut was Sie hier beschreiben. Doch wollen Jugendliche Alkohol konsumieren wenn diese noch nicht volljährig sind, wird ein anderer der älter ist reingeschickt in den Laden. Was ich auch begrüßen kann ist, den Alkohol so teuer wie nur möglich zu machen. Beim Tabak wird es doch auch so gehandhabt und der Konsum darauf ist weiter rückläufig. Aber solange noch das Bier sogar als Nahrungsmittel gilt, wird sich wohl in Sachen Alkohol nicht allzu viel ändern. Gerade in Deutschland mit seinen zig Bier Brauereien. Zudem kann man sich schon lange solch Bier Brauanlagen für privat fertig bestellen.

  3. 32.

    Danke Lisa. Genauso geht es mir schon seit vielen Jahren. Wer sich nicht aus gesundheitlichen Gründen gegen Alkoholgenuss entsprechend, wird oft als Spaßbremse verurteilt.
    NEIN, ICH MÖCHTE MICH N I E M A L S ! MEHR DAFÜR RECHTFERTIGEN MÜSSEN DASS ICH KEINE GESUNDHEITLICHE GRÜNDE FÜR MEINE ALKOHOLVERWEIGERUNG HABE !
    PUNKT ! BASTA ! ! !
    Alkoholsucht Alkoholmissbrauch zerstört Familien,Freundschaften,soziale Netzwerke und unter Umständen auch die berufliche Zukunft. Es gibt berechtigte und unberechtigte Schuldgefühle/Schuldzuweisungen (oder eben auch nicht) - kann man hier in Berlin gerade aktuell im Berufungsprozess gegen den angeklagten Polizisten im Zusammenhang mit dem Unfalltod der jungen Frau vom Alexanderplatz gut beobachten.
    Was mir persönlich in den bisherigen Kommentaren zu kurz kommt Kinder leiden immer unter der Alkoholsucht/Alkoholmissbrauch ihrer Eltern (teile). Sie können nämlich am wenigsten dafür und können sich dagegen auch nur begrenzt wehren.Ja, wir Erwachsene leiden auch unter den Betroffenen - aber wir können uns Hilfe suchen und holen. Und wenn derjenige DAS nicht möchte, unsere eigenen Konsequenzen ziehen.
    Und noch ein wichtiger Hinweis an alle die auch rbb24 dringend veröffentlichen sollte;( auch wenn es in Deutschland"freie Fahrt für freie Bürger" gibt -leider kein Alkohollimit 0,0 ‰ wie in vielen osteuropäischen Ländern und in der ehemaligen DDR)
    Wer mitbekommt daß sich ein An-/Betrunkener ans Steuer setzt, ist moralisch und auch gesetzlich dazu verpflichtet der/demjenigen die Fahrzeugschlüssel abzunehmen. Wenn DAS nicht geht, weil der/diejenige sehr uneinsichtig und/oder körperlich stärker als man selbst,- dann bitte unbedingt die Polizei rufen damit evtl.Schlimmeres verhindert werden kann. Wer einmal in einem Unfall (Verkehr Freizeit u.a.) unter Alkoholeinfluss direkt oder indirekt verwickelt wurde,weiß, wovon ich schreibe...
    P.S. Zitat meines besten Freundes:
    "Willst'e saufen, mußte laufen"

  4. 31.

    Mir fällt noch etwas ein; ich bin mir nicht sicher ob höhere Steuern /Preise für Alkohol/Tabak das Problem lösen.
    In den skandinavischen Ländern sind alkoholische Getränke sehr teuer, und trotzdem gibt es auch dort genügend Alkoholmissbrauch /Alkoholsucht. Wird eben schwarz gebrannt/ gepanscht .... geht auch nicht immer gut. Da gefällt mir persönlich die Idee mit dem separatem Verkauf von Alkohol und Tabakwaren für besser.( So ist es zu.Bsp.in Schweden).
    Dann sollte aber zwingend konsequenter die Altersangabe ()Ausweiskontrolle) kontrolliert werden,die Gesetzgebung gibt es sehr wohl her. Ja, dazu benötigt man 1. mehr Personal und 2. auch mehr Durchsetzungsbereitschaft auch nach 22.00 Uhr abends ,nachts und am Wochenende durch die entsprechenden Behörden. Am fehlenden Geld kann es im Land Berlin nicht liegen, schließlich wird es ja auch für anderen Unsinn großzügig ausgegeben ( Man denke doch nur an das Dinner im Sommer).
    Ein deutschlandweites Werbeverbot in TV, Zeitungen/Zeitschriften, Plakaten usw. wäre auch sinnvoll - aber dieAlkohol-/Tabakindustrie hat eben auch in Deutschland eine sehr große Loby

  5. 30.

    Ein erster u. richtiger Schritt. Bei mir um die Ecke macht es Edeka ebenso. Alkohol u.Tabak werden in einem extra Raum verkauft.

  6. 29.

    Geht doch mit dem Wegnehmen des Betäubungs-Zeugs: https://de.wikipedia.org/wiki/Schwedische_Alkoholpolitik
    und anschließend posaunen uns Leerdeenker (die auf Alk sind) mit irgendwelchen grundrechten auf Saufen zu. Wasser aus der leitung tut es auch (sofern da keine Legionellen drin sind).

  7. 28.

    Bei uns hat Rewe zumindest mit einem Markt einen Cut gemacht. Alkoholika und Tabak gibt es dort nur in einem separaten Verkaufsraum - quasi ein kleiner "Drugstore". Der Rest des Marktes ist, auch an den Kassen, frei von "Zeugs". Es geht also offensichtlich, zumal diese Kombination schon seit vielen Jahren dort am Start ist. Ich finde, das ist eine gute, zwanglose Lösung.

  8. 27.

    Sehr guter Kommentar,meine Mütter war auch Alkoholikerin,bin dadurch psychisch krank geworden.leider vergisst man zu erwähnen,dass bereits Kinder coabhängig sind,weil sie alles dafür tun,dass es den Eltern gut geht.ich selber trinke keinen Alkohol und mir wird oft gesagt,ach du darfst nicht.das tut weh

  9. 26.

    Richtig. Warum muss ich eigentlich mich verteidigen wenn ich keinen Alkohol trinke? Steuern noch mehr rauf für das Zeug.

  10. 25.

    Alkohol ist die schön Droge der Gesellschaft, billig überall verfügbar und noch legal. Kinder leiden wie ich es auch getan habe in der Kindheit darunter und müssen dem treibe einfach zu sehen. Als Erwachsene weden sie meist selbst Trinker oder verabscheue den Alkohol wie ich. Betrunkene Erwachsene sind ohne Sinn und Verstand und Gewalt steht da an der Tagesordnung. Und die Gesellschaft sieht es als normal an. Das ist schlimm für meine wie mich der darunter noch heute leidet.

  11. 24.

    Da kann ich zugegebenermaßen nicht mitreden, da ich keinen Grund habe, Kioske aufzusuchen.
    Aber was will man machen? Man kann das nicht jeder Supermarktkette erlauben, es aber jedem Kioskbesitzer verweigern. Warum sollten die Sicherheitskräfte da übrigens eingreifen?
    Ich sehe nur nicht ein, warum so etwas AUSLIEGEN (bzw. -STEHEN) muss.
    Reicht es nicht, wenn Suchtmittel quasi unter der Ladentheke und nur auf Nachfrage verkauft werden?
    Übrigens bin ich der Meinung, dass ebensolche (darunter auch Zucker) bis zum Gehtnichtmehr besteuert werden sollten.

  12. 23.

    Erstaunlich auch, dass im ÖPNV - den Kinder täglich nutzen - sowohl Tabak als auch Alkohol in den BVG eigenen Kiosken verkauft werden, obwohl der (ausufernde bzw. exzessive) Konsum von beidem angeblich auf Bahnhöfen verboten ist. Prävention geht anders. O-Ton sowohl der Sicherheitsmitarbeiter am Kotti als auch der BVG-Leitstelle: "da können wir leider nichts machen, sobald wir (bzw. die Securitys) weg sind kommen die Konsumenten wieder". Und all das "Verbotene" gibts unten auf dem Bahnsteig zu kaufen :(

  13. 22.

    Ist es auch anderen aufgefallen - seit den diversen Lockdowns laufen schon um 17 Uhr (nach Dienstschluss?) Typen (meist) rum mit Wegbier oder Fusspils? Völlig ungeniert? Wenn ich dann sehe, wie stierig die Pullen geöffnet werden, wird mir Angst und Bange. Saßen die alle vor dem Lockdown inner Pinte? Oder ist der Suff ne Lockdown-Folge?

    Ich hatte in den Lockdowns keine Zeit fürs Trinken - erstmal arbeiten, mehr als vorher, für die Kurzarbeiter mit, und dann ab 18 Uhr Homeschooling. Man könnte sagen, die Tage waren ausgefüllt und Alk hätte das System gesprengt...

  14. 21.

    Ich sagte nicht, dass solche Kinder selbstgerecht oder verbittert SIND, sondern dass das eine MÖGLICHKEIT ist.
    Und es ist zu einfach, Alkoholismus einfach nur als Krankheit abzutun.
    Denn für Krankheiten kann man für gewöhnlich nichts, zieht sie sich meist zufällig zu.
    Aber jeder Sucht geht die Unvernunft voraus.
    Und Suchtverhalten und Elternschaft - das passt einfach nicht zusammen.
    Ein Satz wie "Ich darf keine Kinder bekommen; ich trinke" wäre zwar bitter, doch auch ehrlich.

  15. 20.

    So lange es Werbung für Alkohol gibt und dieses harte Droge mit ihren Folgen in unserer Gesellschaft runtergespielt wird, kann sich nichts ändern. Ich wäre für höhere Preise, eine extra Alkoholsteuer um die 30% und damit Suchtberatung und Prävention ausbauen.

  16. 19.

    Gratuliere, eine gute Leistung.
    Aber es gäbe noch andere Möglichkeiten.
    Z. B. Spirituosen wie Zigaretten im Supermarkt einzuschließen, Werbeverbote (auch innerhalb und außerhalb von Gaststätten) und erzwungene, neutrale Verpackungen (viele alkoholische Getränke haben ungewöhnliche Verpackungen und/oder attraktive Farben). Auch aus den Last-Minute-Regalen an den Kassen sollten Flachmänner verschwinden. Sowas gehört vielmehr in schwer erreichbare Höhen.
    Und ich würde mir schon lange ein Schulfach wie "Lebensführung" oder "Gesundheit" wünschen, in dem auch auf die Gefahren von Suchtmitteln eingegangen wird.

  17. 18.

    Alkoholabusus ist eine anerkannte Krankheit, also haben die Betroffenen eigentlich keine Wahl, sie neigen zum Suchtverhalten. Und nein, Kinder aus diesen Familien sind weder selbstgerecht noch verbittert, wie hier jemand meinte, sie kämpfen einfach ums Überleben und meist sind kleine Kinder im Verhalten wie Hundertjährige, weil sie viel Verantwortung übernehmen und Überlebensstrategien entwickeln müssen. Wer in seinem Leben mindestens einem betroffenen Kind geholfen hat, der weiß, wie dankbar diese Kinder für jede Hilfe von außen sind. Aber meist schauen Lehrer, Erzieher, Nachbarn und Angehörige darüber hinweg und verurteilen diese Familien. Viele dieser Kinder verfallen ebenso Süchten, aber Kinder mit hoher Intelligenz und Resilienz schaffen es oft, ein normales Leben führen zu können. Die Sucht der Eltern manifestiert sich in den Kinderherzen. Warum man wegschaut? Weil es bequemer ist und hinzusehen bedeutet auch, auf Anfeindungen zu stoßen und Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen.

  18. 17.

    Ich WAR ein Schlüsselkind (wenn auch meistens ohne Schlüssel), das vom betrunkenen Vater gern geschlagen wurde und dessen später die meiste Zeit alleinerziehende Mutter oft auf der Couch ihren Rausch ausgeschlafen (und auch ab und an die Hand gegen mich erhoben) hat.
    D. h. ich bin oft nach der Schule nicht in die Wohnung hereingekommen, musste sogar ein- oder zweimal dort "einbrechen", um einen Schlafplatz zu haben.
    Auch der größte Teil des Bekanntenkreises meiner Eltern bestand aus Alkoholikern (auch die beiden späteren Verlobten meiner Mutter).
    Keine tolle Kindheit und Jugend und einer der Gründe, warum ich seit jeher Antialkoholiker bin.

  19. 16.

    Glaube ich nicht. Es gibt viele Faktoren, die in Suchtverhalten hineinspielen.
    Darunter Erziehung, Nachahmung, Stress und Charakter.
    Das lediglich auf irgendwelche bösen Gene zu schieben, erscheint mir zu einfach.

    Und an alle, die nun politischerseits Gegenmaßnahmen verlangen:

    Es ist das heutzutage so populäre Entbinden von jeder Eigenverantwortung, das ich ablehne.
    Man kann nicht die ganze Welt kinder- und idiotensicher machen.
    Die Risiken von Rauschgiften wie Alkohol sind bekannt, niemand verheimlicht sie.
    Und Dummheit bestraft sich mitunter einfach selbst.
    Mir tun die Kinder zwar aufrichtig leid, die in der einen oder anderen Form unter dem Alkoholkonsum ihrer Eltern zu leiden haben, aber wie gesagt: Ein Verbot bringt nichts.

  20. 15.

    In meiner Herkunftsfamilie wurde immer Alkohol getrunken , meine Eltern , meine Onkel , meine Tanten ,alle haben getrunken , Ehen sind kaputt gegangen , viel Gewalt war im Spiel , ich habe dadurch viel im Kindes/ Jugendalter erlebt . Ich rühre keine Tropfen Alkohol an ! Das von früher hat mich geprägt .

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