Falsche Rotkappe - Neue Pilzart bevölkert Brandenburger Wälder

Die «Falsche Rotkappe» ist eine aus Nordamerika eingeschleppte Art. Sie breitet sich in Deutschland immer weiter aus, vor allem in der Lausitz (Quelle: dpa/Silke Nauschütz)
Bild: dpa/Silke Nauschütz

Pilzsuchende könnten in dieser Saison mehr Glück haben. Nach den vergangenen drei trockenen Jahren lassen sich in Brandenburger Wäldern schmackhafte Arten finden. Auch ein neuer semmelgelber bis rotbrauner Pilz ist dabei.

Er steht in Kiefernwäldern und kann leicht mit der Marone oder dem Steinpilz verwechselt werden: In Deutschland breitet sich eine neue Pilzart immer weiter aus, vor allem im Süden Brandenburgs. Die "Falsche Rotkappe" - den Namen hat ihr der Erstfinder gegeben - sei aus Nordamerika nach Europa eingeschleppt worden, berichtet Lutz Helbig vom Brandenburgischen Landesverband der Pilzsachverständigen.

Auf welchem Wege, sei nicht bekannt. Als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Mykologie kartiert Helbig ehrenamtlich Pilze und sorgt für deren Erfassung mit genauen Standorten. Momentan kann man diese Art an bestimmten Stellen auf hektargroßen Flächen im Wald finden, weiß er.

Essbar aber in kleinen Mengen zu genießen

Helbig hat deshalb als Pilzberater momentan viel zu tun, um wissbegierigen Pilzsammlern den Unterschied zwischen der "falschen" und der "echten" Rotkappe zu erklären. Die neue Art aus Nordamerika falle durch einen massigen Fruchtkörper und eine längsrippige Musterung des Stiels auf, die der Sammler fühlen könne, erklärt er. Junge Exemplare werden erst semmelgelb, die größeren haben dann eine kräftige rotbraune Kappe.

Das feste Fleisch dürfte ihn als Speisepilz interessant machen, sagt Helbig, der den Pilz als schmackhaft beschreibt. Der Stiel werde allerdings leicht zäh. Bei der Speisepilzbewertung sei er noch vorsichtig, der Pilz sei aber essbar. "Wir wissen aber noch nicht genau, ob es Unverträglichkeiten gibt wie beispielsweise beim Butterpilz". Deshalb sollte man zunächst kleine Mengen probieren, rät er. In der deutschen Pilzliteratur ist die "Falsche Rotkappe" als Speisepilz allerdings noch nicht zu finden, dafür sei sie zu neu. Wahrscheinlich werde sie in neuen Auflagen von Pilzbüchern zu finden sein.

Zum erste Mal im Baltikum gefunden

Nachdem die Art im Jahr 2007 das erste Mal im Baltikum gefunden wurde, entdeckten Hobby-Mykologen den Pilz in Deutschland erstmals im Jahr 2014 bei Alt Schadow (Dahme-Spreewald). Die zweite Fundstelle war am Stausee in Spremberg, die dritte Stelle lag 2017 bei Drebkau (Spree-Neiße). Mittlerweile gebe es deutschlandweit etwa 20 Fundorte, darunter auf der Insel Rügen, in Niedersachsen und vor allem in der Mitte der Lausitz, berichtet Helbig. "Wir beobachten, wie diese Art sich sukzessive weiter ausbreitet. Wer hat denn schon mal die Chance, in der Biologie sowas zu beobachten - das hast du nur einmal im Leben."

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