Staatsanwaltschaft prüft Rechtsmittel - Boateng wegen Körperverletzung zu Geldstrafe verurteilt

Der Fußball-Profi und ehemalige Nationalspieler Jerome Boateng (2. v. l) kommt mit Bodyguards und Justizbeamten zum Prozessbeginn am Amtsgericht München im Strafjustizzentrum. (Quelle: dpa/Angelika Warmuth)
Audio: Inforadio | 09.09.2021 | Moritz Steinbacher | Bild: dpa/Angelika Warmuth

Der Berliner Fußballer Jérôme Boateng ist wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 1,8 Millionen Euro verurteilt worden. Das Münchner Gericht sah es als erwiesen an, dass er seine Ex-Partnerin geschlagen hat. Die Staatsanwaltschaft prüft Rechtsmittel.

Der Berliner Fußballer Jérôme Boateng ist am Donnerstag wegen vorsätzlicher Körperverletzung an seiner früheren Lebensgefährtin verurteilt worden. Das Amtsgericht München verhängte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 30.000 Euro - also 1,8 Millionen Euro. Es ist der höchstmögliche Tagessatz. Der 33 Jahre alte Ex-Nationalspieler ist damit nicht vorbestraft.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren gefordert - und eine Geldauflage von 1,5 Millionen Euro. Sie wirft Boateng vor, die Mutter seiner 2011 geborenen Zwillingstöchter im Juli 2018 bei einem Urlaub auf den Turks- und Caicosinseln in der Karibik attackiert zu haben. Laut Anklage soll er sie geschlagen, geboxt, ihr in den Kopf gebissen, sie auf den Boden geschleudert und dabei heftig beleidigt haben. Die Vorwürfe lauten auf Beleidigung und Körperverletzung. Das Gericht ging allerdings in seinem Urteil nur von "einem Faustschlag" ins Gesicht aus.

Die Staatsanwaltschaft teilte am Freitagmorgen mit, dass sie eine Berufung in Erwägung ziehe. "Wir prüfen derzeit, ob wir Rechtsmittel ergreifen", sagte Sprecherin Anne Leiding.

Boateng wies die Vorwürfe zurück

Die frühere Lebensgefährtin von Boateng erneuerte vor Gericht den Vorwurf, der Fußballprofi habe sie tätlich angegriffen. Sie nannte ihre Beziehung zu Boateng eine "toxischen Beziehung". "Er hat mir mit dem Daumen ins Auge gedrückt, mir in den Kopf gebissen und mich an den Haaren auf den Boden gezogen", sagte sie.

Boateng hat die Vorwürfe gegen sich zurückgewiesen und betont, er habe seine Ex-Freundin nie geschlagen - der frühere Profi von Hertha BSC schilderte den Vorfall anders: Im Urlaub sei es beim Kartenspielen zu einem Streit gekommen. Seine ehemalige Lebensgefährtin sei aggressiv und beleidigend geworden, habe ihn in einem Streit an der Lippe verletzt und auf ihn eingeschlagen. Als er sie dann von sich habe wegschieben wollen, sei sie gestürzt. Er habe auch keine Laterne auf sie geworfen, sondern ein Kissen gegen einen Tisch - und dabei sei die Laterne zu Boden gefallen. Am nächsten Tag aber hätten die beiden sich schon wieder vertragen. Sie sei "bester Laune" gewesen. Boatengs Verteidiger beantragte Freispruch.

Fürsorge der beiden Kinder führte zu Diskussionen

Staatsanwältin Stefanie Eckert bezeichnete die Frau als "Opfer häuslicher Gewalt". Allerdings sei nicht nur sie Opfer geworden, sondern auch Boateng - "Opfer ihrer gemeinsamen toxischen Beziehung". Boateng nahm die Entscheidung äußerlich gelassen entgegen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Im Sommer 2018 stand Boateng kurz vor einem Wechsel zu Paris St. Germain, der Transfer kam allerdings nicht zustande. Die Fürsorge der beiden Kinder führte in diesem Zusammenhang zu Diskussionen. Die beiden Eltern befinden sich außerdem in einem laufenden Rechtsstreit um das Aufenthaltsbestimmungsrecht der gemeinsamen Töchter, die derzeit bei Boateng leben.

Boateng spielte lange beim FC Bayern München. Mittlerweile wechselte der Verteidiger nach Frankreich zu Olympique Lyon. Für den Prozess reiste er nach München.

Sendung: Inforadio, 09.09.21, 20:20 Uhr

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