Berufungsprozess - Angeklagter Polizist äußert sich im Fall Fabien nicht

Archiv - Der angeklagter Polizist im Fall Fabien steht a, 27.10.2020 in einem Gerichtssaal im Amtsgericht Tiergarten. (Bild: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Die 21-jährige Fabien starb in ihrem Auto, nachdem sie von einem Polizeiwagen gerammt worden war. Der Beamte wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt - zu wenig für die Eltern der Frau. Am ersten Tag des Berufungsprozesses schwieg der Polizist.

Mehr als dreieinhalb Jahre nach dem tödlichen Zusammenstoß eines Streifenwagens mit dem Auto der 21-jährigen Fabien Martini hat am Landgericht Berlin am Donnerstag der Berufungsprozess gegen einen Polizisten begonnen.

Die Eltern kamen mit einem gerahmten Foto ihrer Tochter in den Gerichtssaal. Einer der beiden Verteidiger des Polizisten Peter G. erklärte am Donnerstag, sein Mandant werde sich derzeit nicht zu den Vorwürfen äußern. Der 53-Jährige sei "persönlich und beruflich tiefgreifend beeindruckt".

Eltern fordern Gefängnisstrafe

Der Polizist Peter G. war im Dezember 2020 wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr und zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Gegen die Entscheidung des Amtsgerichts Tiergarten hatten sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage Berufung eingelegt.

Die Eltern als Nebenkläger hatten eine Gefängnisstrafe gegen den Hauptkommissar gefordert. Sie sind bis heute überzeugt, dass der Beamte betrunken am Steuer saß, als er in der Nähe des Alexanderplatzes mit 91 Stundenkilometern in den Kleinwagen ihrer Tochter krachte.

Der Beamte war am Steuer des Einsatzfahrzeugs mit Blaulicht, Signal und überhöhter Geschwindigkeit auf dem Weg zu einem Einsatz, als er am 29. Januar 2018 den Wagen der jungen Frau rammte, die gerade einparken wollte. Laut Ermittlungen war der Polizist nach einer Tunnelausfahrt in Berlin-Mitte mit bis zu 132 Stundenkilometern unterwegs. Bei der Kollision sei noch eine Geschwindigkeit von 91 Stundenkilometern festgestellt worden, heißt es im Urteil der ersten Instanz. Auf keinen Fall hätte der Polizist am Tage in der Berliner City so schnell fahren dürfen, es sei eine grobe Sorgfaltspflichtverletzung.

Beweise aus Patientenakte zählten nicht

In den langwierigen Ermittlungen war von der Staatsanwaltschaft auch die Patientenakte des angeklagten Polizisten in der Charité beschlagnahmt worden. Darin soll zu lesen sein, dass der Hauptkommissar 0,8 Promille Alkohol im Blut hatte. Doch genau dieser Vorwurf war nicht zum Prozess zugelassen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst Gefährdung des Straßenverkehrs durch Alkohol am Steuer angeklagt. Das musste aber nach einem Gerichtsbeschluss fallen gelassen werden, weil die beschlagnahmte Patientenakte des Polizisten nicht als Beweismittel verwendet werden durfte. Sie sei rechtswidrig gewesen.

Auch die Richter im jetzigen Prozess erklärten nun, dass aus ihrer Sicht nach derzeitigem Stand ein Verwertungsverbot der Patientenakte bestehen dürfte.

Verdacht der Vertuschung

Der Fall hatte hohe Wellen geschlagen - es stand der Verdacht im Raum, dass etwas vertuscht werden sollte. Die Polizei hatte direkt nach dem Unfall keinen Alkoholtest gemacht, der Beamte und sein Beifahrer waren rasch ins Krankenhaus gebracht worden. Die Behörden wiesen die Vorwürfe zurück.

Der Angeklagte entschuldigte sich zum Prozessauftakt über seinen Verteidiger bei den Eltern und dem Bruder der getöteten 21-jährigen. Es tue ihm unendlich leid, aber er könne das Geschehene leider nicht rückgängig machen. Während der Erklärung seines Verteidigers drehte er den Eltern der Getöteten den Rücken zu.

Einer der Verteidiger des Hauptkommissars erklärte weiter, für seinen Mandanten sei an eine Wiederaufnahme seiner Tätigkeit nicht zu denken. Er befinde sich nach wie vor in psychologischer Behandlung.

Für den Berufungsprozess sind 19 weitere Verhandlungstage bis zum 20. Januar 2022 terminiert.

Sendung: Abendschau, 02.09.2021, 19:30 Uhr

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