Brandenburger Landtag - Fluglärmfrust der Eichwalder und Schulzendorfer kommt vor Kommission

Flugzeug im Landeanflug auf die Südbahn des Berliner Hauptstadtflughafens BER (Quelle: dpa/Reinhard Kaufhold)
Video: Brandenburg Aktuell | 16.09.2021 | Diana Azzam | Bild: dpa/Reinhard Kaufhold

Die Zahl der An- und Abflüge auf dem BER-Flughafen ist nicht mit der Zeit vor der Pandemie vergleichbar. Aber viele Flughafenanwohner in Eichwalde, Schulzendorf und Zeuthen sind genervt. Ein Fall für die Fluglärmkommission. Von Torsten Sydow

Bei Starts von der Südbahn Richtung Osten – das geschieht in jedem zweiten Monat - bekommen die Anwohner in Eichwalde, Schulzendorf und Zeuthen mehr Fluglärm ab, als sie dachten. Das hängt damit zusammen, dass zum Beispiel im August mehr als 20 Prozent der Piloten beim Ostabflug von Schönefeld nicht die stark nach rechts führende Hoffmann-Kurve genommen haben. Am Donnerstag hat sich der Infrastrukturausschuss des Landtages in Potsdam damit beschäftigt.

Hoffmann-Kurve soll vor Fluglärm schützen

Möglichst viele Anwohner sollten bei der Nutzung der südlichen BER-Start- und Landebahn für Starts Richtung Osten von Fluglärm entlastet werden. Aus diesem Grund hat die Fluglärmkommission vor zirka zehn Jahren beschlossen, im Flugplan die nach einem Piloten benannte scharfe Hoffmann-Kurve unmittelbar nach dem Start festzulegen.

Nur wenn besondere Gründe vorliegen, kann der Pilot vor dem Start in Einzelabfrage vom Tower fordern, mit nur 15 Grad Abweichung fast geradeaus unter anderem über Eichwalde zu starten, berichtet Karsten Baumann vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung im Infrastrukturausschuss des Brandenburger Landtages. "Die Hoffmann-Kurve zu fliegen, ist anspruchsvoll und die letzte Entscheidung über den Flug hat der Pilot“, sagt Baumann mehrfach.

Vor allem Easyjet weicht von Hoffmann-Kurve ab

Im Monat Juni flogen beim Start Richtung Osten von der Südbahn 97,2 Prozent der Jets die Hoffmann-Kurve, berichtet Hans Niebergall von der Deutschen Flugsicherung. Im August waren es dagegen 77 Prozent.

In der Diskussion im Infrastrukturausschuss des Landtages wird deutlich, dass vor allem Easyjet-Maschinen nicht die Hoffmann-Kurve nehmen. Vertreter der Fluggesellschaft sind nicht der Einladung in den Ausschuss gefolgt. Easyjet hat stattdessen ein zweiseitiges Schreiben an den Ausschuss geschickt. Darin wird auf vollausgelastete Mittelstreckenflugzeuge verwiesen, die die nötige Mindesthöhe für die Kurve nicht erreichen würden. Die Bereitschaft zur raschen Lösungsfindung beteuerte Easyjet dennoch.

Fluglärmkommission jetzt gefragt

Kommissionsmitglied Rainer Teschner-Steinhardt schlug im Landtag vor, in den nächsten Wochen mit den Gemeinden und den Fluggesellschaften die Hoffmann-Kurve abermals zu diskutieren. “Vielleicht sollte man Pflicht-Überflugspunkte schaffen“, regte Teschner-Steinhardt an.

Tina Fischer, SPD-Landtagsabgeordnete verweist darauf, dass sich die Bürger auf die Einhaltung der Flugrouten verlassen haben. Die Linken-Abgeordneten Marlen Block fordert, Fluglärmmessungen unter anderem in Eichwalde, Schulzendorf, Zeuthen und Rangsdorf. Wenn sich jetzt herausstelle, dass dort zusätzlicher Fluglärm entsteht, müsse die Flughafengesellschaft Lärmschutzeinbauten finanzieren.

Mehrere Landtagsmitglieder bedauerten, dass die in der Kritik stehen Fluggesellschaft Easyjet nur ein zweiseitiges Schreiben aber keine Gesprächspartner in den Landtag schickte.

Sendung: Inforadio, 16.09.2021, 20:20 Uhr

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