Mutmaßlicher Kannibalismus-Fall in Berlin - Angeklagter bricht sein Schweigen - und weist Kannibalismus-Vorwürfe zurück

Der Angeklagte am 10.08.2021 vor dem Landgericht Berlin. (Quelle: imago images/Olaf Wagner)
Bild: imago images/Olaf Wagner

Ein Lehrer soll im September 2020 seinen Sexualpartner getötet und anschließend Teile des Leichnams gegessen haben. Nun hat der Angeklagte erstmals sein Schweigen gebrochen - und die Vorkommnisse ganz anders dargestellt.

Im Prozess wegen Mordes mit Kannibalismus-Verdacht hat der angeklagte Lehrer überraschend sein Schweigen gebrochen und die Vorwürfe zurückgewiesen. Es treffe nicht zu, dass er einen 43 Jahre alten Sexualpartner getötet habe, erklärte der Angeklagte am Dienstag vor dem Berliner Landgericht. Er habe den Mann, der nach Sex bei ihm übernachtet habe, am Morgen tot vorgefunden. In Panik sei er zu dem Schluss gekommen, "dass die Leiche weg muss", so der 42-Jährige.

Seit zehn Monaten in U-Haft

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, in der Nacht zum 6. September 2020 in seiner Wohnung in Berlin-Pankow den Sex-Partner umgebracht zu haben, um durch die Tötung sexuelle Befriedigung zu erlangen und Teile der Leiche zu essen. Laut Ermittlungungen hatte er das Opfer nur wenige Stunden zuvor über ein Dating-Portal kennengelernt.

Die Staatsanwaltschaft geht von einer "sadistisch-kannibalistisch geprägten sexuellen Tatmotivation" aus. Der Angeklagte, der sich seit rund zehn Monaten in Untersuchungshaft befindet, hatte bislang zu den Vorwürfen geschwiegen.

Sex-Partner soll alkoholisiert gewesen sein

Eine der beiden Verteidigerinnen verlas nun eine mehrseitige Erklärung des Lehrers. Er sei zu keinem Zeitpunkt nach dem Tod des 43-Jährigen sexuell erregt gewesen - "schon gar nicht beim Zerlegen der Leiche", so der Lehrer. Seine sexuellen Chats kannibalistischer Art, die Ermittler später fanden, seien "reine Fantasien" gewesen. Er habe den Tod des Mannes weder gewollt noch in Kauf genommen.

Nach Schilderung des Angeklagten soll der Sex-Partner alkoholisiert gewesen sein, als er nach Mitternacht vor dem Wohnhaus in Pankow angekommen sei. Zwar hätten sie zuvor im Chat auch thematisiert, ob sie möglicherweise Substanzen wie K.-o.-Tropfen bei dem Date einsetzen wollten, so der Angeklagte. Er habe sich allerdings dagegen entschieden, weil der Sex-Partner angetrunken gewesen sei.

Opfer galt wochenlang als vermisst

Der Monteur soll laut Erklärung des Lehrers bei dem Treffen aus einem mitgebrachten Fläschchen eine Substanz konsumiert haben. Nachdem sie Sex hatten, habe er dem Mann angeboten, dass er auf der Couch im Wohnzimmer übernachten könne. Er selbst habe sich in ein anderes Zimmer begeben. Am Morgen habe er den 43-Jährigen im Wohnzimmer entdeckt. "Er lag auf der Couch, es sah aus, als sei er im Sitzen seitlich umgekippt", so der Angeklagte. Er habe noch eine Reanimation versucht. Doch der Mann sei tot gewesen.

"Ich überlegte tatsächlich, einen Krankenwagen oder die Polizei zu rufen", hieß es weiter in der Erklärung. "Mir war aber auch klar, dass dann mindestens herauskommen würde, dass ich homosexuell bin, von den Chats in Bezug auf verschiedenste sexuelle Fantasien ganz abgesehen." Er stamme aus einer streng katholischen Familie. "Bis heute bin ich nicht geoutet." In seiner Panik habe er den Toten in die Badewanne bugsiert und die Leiche zerteilt.

Die Leichenteile soll er an verschiedenen Orten in der Stadt abgelegt haben. Das Opfer, ein Monteur, galt wochenlang als vermisst. Das mutmaßliche Verbrechen kam ans Licht, nachdem im November 2020 Knochenteile an einem Waldstück entdeckt worden waren. In der Wohnung des Lehrers stellten Ermittler Blutspuren, Schlachtermesser, eine Knochensäge und verdächtige Anleitungen sicher - eine zur Herstellung von K.-o.-Tropfen, die andere zur Entmannung und Schlachtung eines Menschen.

Der Prozess soll am Donnerstag fortgesetzt werden.

Sendung: Abendschau, 28.09.2021, 19:30 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Tja da sieht man, wohin verklemmte, katholische Sexualmoral führen kann...

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