Nach jahrelangem Leerstand - Neuer Investor plant Büros in Steglitzer Bierpinsel

Der Bierpinsel, eine ehemaliges Turmrestaurant, steht in Berlin-Steglitz in der Schloßstraße. (Quelle: imago-images/Joko)
Video: rbb|24 | 19.09.2021 | Material: Abendschau & RBB-Archiv | Bild: imago-images/Joko

Jahrelang stand der Bierpinsel in der Steglitzer Schloßstraße leer. Nun will ein neuer Investor das Gebäude umbauen und neu beleben. Vor allem Büros sollen in dem einstigen Turmrestaurant entstehen - aber nicht nur.

Der Bierpinsel, ein seit Jahren in Berlin-Steglitz leerstehendes Turmgebäude, soll künftig hauptsächlich Büros beherbergen. Das sagte der neue Investor Götz Fluck am Samstag dem rbb. Er ist Geschäftsführer des Berliner Immobilienunternehmens Immoma, das den Bierpinsel jetzt gekauft hat.

Den Turm will Fluck ohne öffentliche Gelder umbauen. "Ich werde nicht gefördert, ich bin tatsächlich die Privatperson, die selbst investiert", sagte er. In vier Jahren sollen die Bauarbeiten den Angaben zufolge beendet sein.

Öffentlichkeit soll auch Zugang bekommen

Ein reiner Gastronomiebetrieb ist laut Fluck nicht mehr möglich. Aber eine Etage soll möglichst "in irgeneiner Form gastronomisch genutzt" werden, möglicherweise mit einer Bar auf dem Dach. "Da muss man sehen, was das Baurecht hergibt", so Fluck. Der Bezirk hatte darauf bestanden, dass eine Etage künftig für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt. "Ich freue mich auch sehr, dass dem Bedürfnis der Bürgerinnen und Bürger gefolgt wird, dass wir hier eine öffentliche Zugangsmöglichkeit haben werden", sagte Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) der rbb-Abendschau.

Ein bauliches Problem des Bierpinsels ist, dass er nur über ein Treppenhaus verfügt. "Dieses Gebäude dürfte man heute nicht mehr bauen und betreiben", erklärte Fluck: "Eigentlich bräuchte man 300 Leute pro Etage, damit Spaß entsteht. Da hört aber für die Feuerwehr der Spaß schon auf." Anleitern - also eine Feuerwehrleiter als möglichen Rettungsweg anzubringen - sei nicht möglich, dafür sei das Gebäude viel zu hoch. "Es bleibt dabei: Es ist ein Turm. Wir werden entsprechende bauliche Lösungen finden, um das Ganze betreiben zu können."

Besuch am Sonntag möglich

Das 47 Meter hohe Gebäude wurde 1976 als "Turmrestaurant Steglitz" eingeweiht. Geplant hatten es die Architekten Ursulina Schüler-Witte und Ralf Schüler, die auch das Berliner ICC entworfen hatten. Die Betreiber wechselten häufig, seit Jahren steht der Bierpinsel leer. Die Betriebserlaubnis ist mittlerweile abgelaufen.

An diesem Wochenende veranstalten die Kulturinitiative "Disappearing Berlin" und das Reference Festival eine Performance in den leeren Räumen. Unter anderem bespielen Videokünstler den Turm und DJs legen auf. Interessierte können für Sonntag noch Zeitfenster für Besuche im Bierpinsel online buchen [disappearingberlin.de].

Sendung: Abendschau, 18.09.2021, 19:30 Uhr

29 Kommentare

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  1. 27.

    Ja, wäre auch eine gute Option. Ohne Frage. Aber wie im Video schon zu recht angedeutet, besitzt dieser Bau nur ein Treppenhaus. Und schon da gehts los. Was soll man da noch viel Geld reinstecken, wo Berlin doch viel Platz benötigt um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Denkmal hin oder her.

  2. 26.

    Nicht nur in Berlin wird "alles unabhängig von seiner Hässlichkeit unter Denkmalschutz gestellt", weil "Schönheit" kein Kriterium für Denkmalschutz sein kann. Was als schön gilt, ist immer abhängig vom Zeitgeschmack.

    Vor gut sechzig Jahren fand man den Anhalter Bahnhof hässlich und wertlos, eine Bausünde, die entsorgt werden konnte, nein: sollte. Der Landeskonservator stimmte dem Abriss zu, denn für Hässliches sollte es keinen Denkmalschutz geben - ganz in Ihrem Sinne. Und seit zirka fünfzig Jahren jammern alle, wie man dieses bedeutende und SCHÖNE Bauwerk vernichten konnte.

  3. 25.

    Im Video wird auch der 2. Rettungsweg erwähnt, der hier nicht gegeben ist.

  4. 24.

    Ich finde, sog. "Bausünden" sollten bestehen bleiben, denn was heute "Bausünde" genannt wird, war vor 40 Jahren hip und chique, und wird es in 10 Jahren wieder sein - wie Schlaghosen/Gorch-Fock-Jeans, Plateauschuhe oder der gerade angesagte Jungs-Haarschnitt (möglichst mit Stützwelle). Der Mäusebunker ist krass aber Klasse, und Düttmann ein Architekturheld! Wir lieben Potsdams Rechenzentrum(smosaik)und das Bikinihaus. Ich vermisse Erichs warmfarbigen Lampenladen, und die feierlichen Feste im ICC.

    Ein matttomatenroter Bierpinsel gehört zu Steglitz wie der Kreisel (was genau kreist da?) und das öffentliche Urinal unter der Tiburtiusbrücke...

  5. 23.

    Seit wann ist Denkmalschutz in Berlin wichtig. Bestes Beispiel... die Deutschlandhalle stand auch unter Denkmalschutz und jetzt Abgerissen und ein schwarzer Würfel steht da jetzt. Also soviel zum Denkmalschutz....

  6. 22.

    Das Bauwerk steht leider unter Denk-mal-Schmutz - geht also nicht. Aber ein Umbau in eine coole Jugendherberge oder bezahlbare Appartements für Studenten wäre machbar (gewesen). Ob da jedoch ein Privatier sein Geld reinsteckt ist mehr als fraglich.

  7. 21.

    Die Leerstandsquote bei Büroflächen liegt unter 3 % und damit immer noch unter der Fluktuationsreserve. Gerade das Objekt dürfte sich dabei gut vermieten lassen.

  8. 20.

    Wie das ICC würde ich auch den Bierpinsel eher als Mahnmal sehen. Er passt wie die Faust auf dem Auge auf den geplanten sechsspurigen Ausbau der Schildhornstraße. Heute endet die vom Kreuz Bln-Wilmersdorf Richtung Steglitz führende Autobahn im Nichts, gleich hinter der Überbauung Schlangenbader Straße. Die Schildhornstraße wird definitiv niemals zur Autobahn werden. Damit wäre der Bierpinsel obsolet.

    Man könnte ihn abreißen oder eben zum Mahnmal erklären. Hier wäre ich - anders als beim ICC - eher für die zweite Variante.

  9. 19.

    Ich find zB den Fernsehturm hässlich, kann also weg. Denkmalschutz hat eine andere Funktion als Bullerbü zu sein und nur die heile gute Welt abzubilden.

  10. 18.

    Wenn man sich das Video mit dem Interview anschaut wird auch erklärt warum es nicht ausschließlich Gastronomie sein darf.

  11. 17.

    Schade, dass in Berlin alles unabhängig von seiner Hässlichkeit unter Denkmalschutz gestellt wird. Wie soll sich die Stadt so von den Bausünden und Geschmacksverirrungen der 1970er erholen? Der Bierpinsel ist allerdings nicht nur unansehnlich, sondern auch extrem schlecht sinnvoll nutzbar, wie seine Geschichte zeigt. Kann Architektur überhaupt noch misslungener sein? Er müsste weg, wird aber bleiben.

  12. 16.

    Habe ich schon kapiert. Wenn andere hier schon immer derartig über das vom selben Architekten Paar entworfene u.von mir sehr geschätzte ICC herziehen, was ich nicht mit dem alten Bierpinsel vergleiche, dann ist eben meine Meinung zu letztgenannten Bauwerk dieser: es war schon immer häßlich und kann meiner Meinung nach ruhig weg.

  13. 15.

    Ick bin nicht Neunmalklug,es waren schon viele Interessanten vor Ort aber leider hat der Senat bzw. der Bezirksrat alles abgelehnt oder Blockiert...

  14. 14.

    Finde ich nicht gut ! Das sollte ein Restaurant und Aussichsturm für die Bevölkerung bleiben !

  15. 13.

    Dann hätten Sie die ganzen Jahre des Leerstands ja mal Vorschläge machen können. Finde es immer wieder erstaunlich, wenn ein Investor endlich auftaucht, auf eigene Kosten ohne Staat alles machen will und dann sofort Kritik von Neunmalklugen kommt.

  16. 12.

    Den Pinsel kann man anders nutzen... Büros sind ja auch so wichtig und Mangelware in Berlin.... stehen nur haufenweise Leer.

  17. 10.

    Ich möchte, dass das alles erhalten bleibt - der gesamte Albtraum aus weggesprengten Häusern für die groteske Autobahnplanung, die hässliche und lebensfremde Architektur der beiden streitfreudigen Architekten, und natürlich das schon erwähnte Freiluftklo vom Parkhaus bis zur Schloßstraße. Denn ich will meinen Kindern in natura zeigen können, was für Verbrechen diese Generation der Stadt angetan hat.

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