Anzeigen in fünf Fällen erstattet - Leiterin von Spandauer Kita nach Missbrauchsvorwürfen kommissarisch ersetzt

Symbolbild: Ein billiges, beschädigtes Kinderdreirad, steht verlassen auf einem Sandweg. (Quelle: dpa/Wolfram Steinberg)
Bild: dpa/Wolfram Steinberg

Vor wenigen Tagen waren in einer Spandauer Kita Kindesmissbrauchsvorwürfe gegen einen Erzieher erhoben geworden. Nun wurden personelle Konsequenzen gezogen. Bei der Polizei sind inzwischen fünf Anzeigen eingegangen.

Nach dem Missbrauchsverdacht in einer Spandauer Kita ist die Leiterin der Einrichtung ersetzt worden. Nach Informationen des rbb soll eine neue Leiterin die Kita zunächst kommissarisch für vier Wochen leiten.

Ein 32 Jahre alter Aushilfsmitarbeiter der Einrichtung steht im Verdacht, mehrere dort betreute Kinder sexuell missbraucht zu haben. Die Kita-Leitung hatte die Eltern am Montag auf einer Versammlung über den Missbrauchsverdacht informiert.

Nach Bekanntwerden des Falles vor wenigen Tagen wurde Kritik laut, dass die Polizei die Kita-Leitung erst eine Woche nach der Anzeige der Eltern informiert hatte. Von Juni bis August soll der Erzieher mehrere Kinder sexuell missbraucht haben. Mittlerweile sei in fünf Fällen Anzeige erstattet worden, teilte die Polizei mit.

Unklarheit über das späte Bekanntwerden der Ermittlungen

Warum die Kita erst vor wenigen Tagen informiert worden war, hat die Polizei bislang nicht aufgeklärt. "Die Ermittlungen werden geführt vom Fachkommissariat für sexuellen Missbrauch von Kindern. Das ist ein sensibles Thema", hatte Polizeisprecher Hartmut Paeth die späte Information der Eltern begründet.

Ob der 32-jährige Verdächtige bereits früher auffällig war, ist bislang nicht bekannt. Er hat rbb-Informationen zufolge ein unbelastetes Führungszeugnis. Der Kita-Träger hatte nach der Mitteilung über die Vorwürfe gegen den Mitarbeiter dem rbb erklärt, dass es für die Kinder, die Eltern und die Erzieher nun umfangreiche psychologische Betreuungsangebote geben werde.

Hinweis: In einer früheren Version des Beitrags haben wir geschrieben, dass das Leitungsteam der Kita ersetzt wurde. Dem ist nicht so, es handelt sich nur um die Leiterin, die kommissarisch vorerst für vier Wochen ersetzt wurde.

Sendung: Abendschau, 09.09.2021, 19:30 Uhr

21 Kommentare

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  1. 21.

    Das mit den nicht erfolgten Meldepflichten war bei den brandenburgischen Haasenburg-Heimen auch so. Und das hat umfangreiche Folgen für die Heimbewohner.

    Und gerade aktuell im Bundesland Brandenburg ist das Kinderheim „Märchendorf“ in Damsdorf (Potsdam-Mittelmark), was 2010 schon einmal aufgeflogen ist, wo nach mehreren Strafanzeigen in 2020 und 2021 wieder keine Meldungen erfolgen und die Heimbewohner seit elf Monaten nicht vor den Tätern geschützt werden.

    Weshalb berichtet die Presse nicht?

  2. 20.

    Wenn ich die letzten Statistiken richtig erinnere, dann sind 10% der Täter auch weiblich. Außerdem gibt es auch immer wieder Vorfälle von Frauen und Gewalt gegen Kinder (außer sexueller Gewalt). Mein Kind hat es sehr genossen, auch eine männliche Bezugsperson in der Kita zu haben. Generalisieren und alle Männer unter Verdacht zu stellen, verschärft nur. Väter trauen sich ja so schon kaum noch, das eigene Kind auf den Schoß zu nehmen oder zu kuscheln.

  3. 19.

    Ständig 4Augen-Prinzip, auch das ist eine Vorverurteilung aller Betreuer in Kitas. Zwei Betreuer pro Gruppe sind gut und richtig, einfach aus dem Grund, dass dann mehr Zeit für das einzelne Kind ist. Aber sollen jetzt jedesmal zwei Betreuer mitgehen, wenn mal ein Kind zur Toilette gebracht werden muss? Das ist realitätsfremd.

  4. 18.

    Das polizeiliche Führungszeugnis ist zwar gesetzeskonformer Teil der Zulassungen für Bedienstete in Kita's und Heimen, jedoch weitesgehend wirkungslos. Denn die meisten Vergehen an den Schutzbefohlenen stehen eben NICHT im Führungszeugnis. Selbst "regelmäßig aktualisiert" heißt z.Z. wohl alle fünf Jahre. In dieser Zeit sind bspw. schon diverse Löschungen vorgenommen worden.

    Weswegen dieses Instrument hier unkommentiert anzuführen, äußerst bedenklich und irreführend ist!

  5. 17.

    Ein erneuter Verstoß gegen die Anordnung über Mitteilungen in Strafsachen (MiStra) i.d.F.v. 01.05.2019. Hier insb. Nr. 1(3) und 27(1;3).

    Die Staatsanwaltschaft - NICHT die Polizei - hat unverzüglich die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft - Abteilung Jugend und Familie, Landesjugendamt, zu informieren.

    Diese für die Kita's zuständige Aufsichtsbehörde hat ihrerseits sofort zu reagieren und ein vorläufiges Tätigkeitsverbot des beschuldigten Erziehers für die gegenständliche Kita auszusprechen.

    Die Polizei hortet die Anzeigen, oft monatelang und verschweigt sie gegenüber der verfahrensführenden Staatsanwaltschaft. So lange die Polizei nicht sofort die Staatsanwaltschaft informiert, weiß diese nichts von den Vorgängen und kann auch nicht über ein Prüfverfahren feststellen, ob die angezeigten Straftaten eine Verfahrensaufnahme rechtfertigen und ebenso kann es kein staatsanwaltliches Aktenzeichen geben. Oft unterlässt auch die Staatsanwaltschaft ihre Meldepflicht.

  6. 16.

    Sarkasmus on* Männer arbeiten nicht nur in Kitas, auch in stationären Jugendhilfeeinrichtungen, Pflege- und Altenheimen. Selbst in Familien sollen sie als Väter getarnt unterwegs sein, um das zu tun, was sie seit Beginn an tun. Sie missbrauchen andere. Man sollte sie also grundsätzlich ächten, besser noch verbannen. Sarkasmus off*
    Männer sind sind in allen pädagogischen Einrichtungen wichtig, sie haben die selbe Gewichtung wie Frauen. Schön wäre es wenn die Stellen paritätisch besetzt wären, aber das wäre ja nicht umsetzbar: #männerquote :-)

  7. 15.

    Keine Eltern würden eine Anzeige ohne gute Gründe machen. Missbrauch ist schwierig zu beweisen, besonders wenn die Kinder so klein sind und das schütz die Täter. Täter, die eine Ausbildung aus Erzieher suchen sind besonders "geschickt" und wissen wie können sich selbst verteidigen. Ich würde lieber sagen, alle Eltern sollten wissen dass so ein Gefahr steht immer in Raum, und sollten informiert werden wie Anzeigen von Missbrauch erkennen können .

  8. 14.

    Was passiert ist, ist furchtbar. Mein Mitgefühl gilt den betroffenen Kindern und deren Eltern.
    Ich arbeite jetzt fast 40Jahre als Mann in Kitas. Das Thema „Generalverdacht“ begleitet mich ebenso lange.
    Jede Erzieher*in muss zur Einstellung ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, das regelmäßig aktualisiert wird.
    Den besten Schutz vor sexuellen Übergriffen - und auch falschen Beschuldigungen- bietet eine offene , transparente Arbeit in Erzieher*innen Teams.

  9. 13.

    Was zumindest den Berichterstattungen zu entnehmen ist, es gibt einen nicht näher bestimmten Verdacht. Wie der AWO Sprecher einräumt, ging es um "der ist mir komisch".
    Es könnte sein, dass der Person etwas nachgewiesen werden könnte. Das macht dann ein Gericht. Bis jetzt ist das ein Thema der Medien, einzelner Vereinigungen pp.

  10. 12.

    Danke! Genau das Gleiche hab ich auch gedacht. Kontrollen des Personals sind wichtig, keine Frage. Gerade in so einem sensiblen und intimen Umfeld. Aber doch bitte für alle und nicht nur für Männer.
    So ein Generalverdacht ist nicht nur unangebracht, sondern schrecklich engstirnig. Wir leben doch nicht im Mittelalter!

  11. 11.

    Ganz wichtig: es muss endlich eine Verpflichtung zum 4-Augen-Prinzip her, noch besser 6 Augen. Es kann nicht sein, dass Kinder mit einem Betreuer alleine gelassen werden. Dies öffnet Tore zu unterschiedlichen Übergriffigkeiten.

  12. 10.

    Aha, das ist ja ein Kommentar! Schön immer nur die Männer vorschieben. Die Dunkelziffer liegt viel höher und weiter zurück, da waren es noch mehr Frauen als Männer in dem Beruf! Bitte einfach mal überdenken, was Sie von sich geben!

  13. 9.

    Der gewählte Nickname spricht doch Bände. Da liegt offensichtlich ein großes Ego vor.

    Na dann hänge ich doch nun auch mal mein Beruf als Erzieher (männlich) an den Nagel, bevor mich die Kinder auch noch mögen.

  14. 8.

    Pauschale Vorverurteilung von Erziehern ist ja wohl mehr als unangebracht!
    Sind jetzt alle Frauenärzte auch Sexualverbrecher?

  15. 7.

    Weißt du denn, ob an den Vorwürfen überhaupt was dran ist? Fast 25% der angezeigten Sexualstraftäten an Kindern haben nie stattgefunden.

    Noch hat kein Gericht festgestellt, dass er überhaupt scchld ist und du vorverurteilst ihn schon. TopCommandeer, Du lebst nach den Motto Erstmal vorverurteilen und hinterher fragen, ob er es überhaupt war.

    Solche Vorwürfe können einem unschuldigen Menschen das gesamte leben versauen

  16. 6.

    Noch steht überhaupt nicht fest, ob er das war oder nicht. Jeder Mensch ist solange unschuldig bis seine Schuld durch ein Gericht festgestellt wurde

  17. 5.

    90% der Täter in Missbrauchsfällen sind männlich. Das ist ärgerlich für das Image von mir und meinen Geschlechtsgenossen in diesem Kontext, aber ein Umstand, mit dem man(n) wird leben müssen, denn er spielt in der Risikoeinschätzung selbstverständlich eine Rolle.

    Sie haben aber natürlich Recht: dass man bestimmte Gruppen von Menschen allein auf Basis von Geschlecht, Sprache, Herkunft, Stand usw. unter besondere Beobachtung stellt, das verbieten i.d.R. unsere ethischen und rechtlichen Grundsätze hierzulande. Siehe auch das Thema "Racial Profiling" etc.

  18. 4.

    Das ist leider Alltag in allen Kitas. Und solche widerlichen Vollidioten machen es uns Erziehern nicht leichter. Hoffe der Typ bekommt die mögliche Höchststrafe.

  19. 3.

    Pauschale Vorverurteilungen von männlichen Erziehern, sie also quasi unter Generalverdacht zu stellen, ist ja wohl auch mehr als unangebracht

  20. 2.

    Wie kann das passieren? Dies ist nicht der erste Fall in Berliner Kitas in den letzten 2 Jahren. Wer prüft Männer, die in Kitas angestellt werden?? Es ist wert umzusetzen, dass männliche Erzieher grundsätzlich nicht in den Kitas arbeiten, wenn anständige Kontrolle nicht gewährt werden kann! Der Schaden ist viel höher als der Nutzen! Kinder werden lebenslang davon leiden, aber auch Schuldgefühle für deren Eltern. Es ist einfach nur furchtbar, dass so was passiert. Diese kranke Leute suchen den Weg zu Kindern und der muss einfach nicht so einfach da sein, gerade für Aushilfepersonal. Da haben Eltern kaum Überblick und keine Transparenz.

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